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Schach-WM: Anand lässt große Chance ungenutzt
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Herausforderer Viswanthan Anand nutzte in der sechsten Partie der Schach-WM einen Fehler des Weltmeisters nicht aus und gab auf. Magnus Carlsen übernimmt mit dem Sieg wieder die Führung in der WM.

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allesamt 15.11.2014, 18:41
1. Die Nerven

Auch bei diesem Spiel zeigt sich: Nicht nur die geistig-intellektuelle bzw. körperliche Konstitution. sondern auch die psychische Verfassung kann ein Match entscheiden!

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TS_Alien 15.11.2014, 18:59
2.

Statt Kd2 hätte Kd1 zur Partie führen können. Die taktische Chance für Anand hätte das Spiel auf den Kopf gestellt. Davon abgesehen ist das heute wieder ein Spiel auf ein Tor gewesen. Carlsen gewinnt zu leicht.

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robertbwise@gmail.com 15.11.2014, 19:03
3. Warum ist der Fehler ein Fehler?

Für normale Menschen ist nichts in dieser WM trivial. Warum kann der Report nicht mit einem Satz wenigstens erklären, warum dieser Fehler ein Fehler ist? "Hier macht Carlsen einen Fehler, denn ..., weil.. , besser wäre ..., weil ..." Das kann doch nicht zu viel Arbeit machen. Hier wird interessierten Menschen der Zugang zu diesem Sport ohne Grund schwer gemacht.

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slawischlumpf 15.11.2014, 19:44
4. Fehlererklärung

Zitat von robertbwise@gmail.com
Für normale Menschen ist nichts in dieser WM trivial. Warum kann der Report nicht mit einem Satz wenigstens erklären, warum dieser Fehler ein Fehler ist? "Hier macht Carlsen einen Fehler, denn ..., weil.. , besser wäre ..., weil ..." Das kann doch nicht zu viel Arbeit machen. Hier wird interessierten Menschen der Zugang zu diesem Sport ohne Grund schwer gemacht.
Ich bin auch kein wirklich guter Schachspieler, aber hier wird es sehr gut im Videotool erklärt.

http://www.zeit.de/sport/2014-11/schachweltmeisterschaft-2014-sotschi-carlsen-anand-partie-6-live

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s_a_b 15.11.2014, 19:52
5. @robertbwise

Meinten Sie den Zug 26.Kd2? Der gestattete Schwarz, 26.../Sxe5 zu spielen, nimmt Weiß nun den Springer mit 27.Txe5 heraus, so verliert er den Turm auf g4, spielt er indessen 27.Txg8, so verfügt Schwarz über 27.../Sxc4+ (und falls nun 28.Kd3, so folgt 28.../Sb2+). Durch den zwingenden Charakter des Schachgebotes gewinnt Schwarz das nötige Tempo, um den Turm auf g8 herausnehmen zu können.

Schwarz hätte an dieser Stelle also Material gewinnen und so in Vorteil kommen können, deshalb war es ein Fehler von Carlsen. Ob das die Partie indes "auf den Kopf gestellt" hätte, wie Forist TS_Alien schrieb, darüber bin ich nicht ganz sicher.

Vorher hatte Weiß Vorteil (der aber m.E. nicht bereits spielentscheidend war), nachher hätte Schwarz Vorteil gehabt, die Stellung sieht für mich aber auch noch nicht endgültig entschieden aus...

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Herbert Bader 15.11.2014, 19:52
6.

Klar, wenn die restlichen sechs Partien nach der heute üblichen Angriffsvermeidungstaktik alle remis enden (oder ein Komet die WM zum Abbruch zwingt), dann wäre die heutige Partie entscheidend gewesen. Ansonsten erwarte ich mir von einem Weltmeister oder -aspiranten etwas mehr Kampfgeist! Wo sind die Zeiten, als Bobby Fischer mit 0:2 zurück lag und dann mit +4 gewann oder als Kortschnoi ein 2:5 von 6 noch egalisierte?
Die heutige Partie war wahrlich keine Werbung fürs Schach. Millionen von Spielern fragen sich jetzt, ob da wirklich die richtigen Leute in Sotschi sitzen. Bereits Carlsens 23.Tg4 war ein drastischer Fehlzug, da er nichts erkennbares bringt, aber die Anfängerregel, alle Figuren gedeckt zu halten, konterkariert. Ab diesem Zug hätten beide Spieler die Möglichkeiten des Springers auf g6 im Auge behalten müssen, was sie aber dann offensichtlich beide verpassten.

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Dr. L 16.11.2014, 00:31
7.

23. Tg4 ist natürlich kein Fehlzug, erst recht kein drastischer Fehlzug. Wenn es denn einer wäre, wie hätte Anand, es denn ausnützen können ? Vielmehr war es so, dass bis 25. Tdg8 beide Seiten mehr oder weniger hin- und hergezogen haben, der Computer bewertet alle Stellungen hierbei mit ca. +0,4. Erst nach Kd2 springt die Computerbewertung auf ca. -0,8, was einen klaren Vorteil für Schwarz bedeutet hätte, Kramnik meinte, dass es für Schwarz einfach gewonnen wäre.

Ich bin mir aber sicher, dass Herr Bader (oder vielleicht doch GM Bader) mir gleich erklären, wird, wieso 23. Tg4 ein drastischer Fehlzug ist, was alle Computer und anwensenden Großmeister leider nicht gemerkt haben.

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Boomerang 16.11.2014, 14:04
8. Das ergibt sich aus der Partie!

Zitat von Dr. L
...Erst nach Kd2 springt die Computerbewertung auf ca. -0,8, was einen klaren Vorteil für Schwarz bedeutet hätte, Kramnik meinte, dass es für Schwarz einfach gewonnen wäre. Ich bin mir aber sicher, dass Herr Bader (oder vielleicht doch GM Bader) mir gleich erklären, wird, wieso 23. Tg4 ein drastischer Fehlzug ist, was alle Computer und anwensenden Großmeister leider nicht gemerkt haben.
Wäre der Turm nach Kd2 noch auf g3, wäre Sxe5 nicht möglich. Um das zu sehen, braucht man keinen Großmeister. Andererseits wäre mit dem Turm auf g3 statt g4 nach Ke2 der schwarze Zug b5 interessant. Dazu wäre ein Kommentar eines Profis schon eher von Interesse!

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n.eichenseher 16.11.2014, 20:19
9. WM 1972 8. Partie Fischer - Spasskij

Ein gleichartiger Fehler, wie ihn nun Carlsen machte, unterlief damals Titelverteidiger Spasskij (im 19. Zug). Er ermöglichte Fischer einen Springerabzug - ebenso wie Carlsen einen solchen Anand ermöglichte. Spasskij musste sich danach um seine hängende Figur, die Dame, kümmern - so wie jetzt Carlsen sich um seinen hängenden Turm (hätte kümmern müssen). In beiden Fällen konnte dann der Springer schachgebend einen Bauern schlagen.
Tröstlich für Amateure, dass manchmal selbst Weltmeister - und nun gleichzeitig auch der Herausforderer - "schachblind" sind, wie es damals Gligoric ausdrückte.

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