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Schalke-Spektakel in Mailand: Rangnick profitiert von Magaths Händchen

Fünf Tore in Mailand, den Halbfinaleinzug in der Champions League so gut wie sicher, begeisternder Offensivfußball: Schalkes neuer Trainer Ralf Rangnick kann sich feiern lassen. Aber wie viel von Vorgänger Felix Magath steckte in dem Sensationsauftritt? Eine ganze Menge, wenn man genau hinsieht.

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groucho 07.04.2011, 11:17
40. Gute Trainer, schlechte Trainer, Fußballmillionäre

Zitat von rinatgavrilov
Man muss sich das mal auf der Zunge zergehen lassen: ein professioneller Fussballer gibt in einem Interview mehr oder weniger offen zu, dass er in der Vergangenheit nicht seine maximal mögliche Leistung erbracht hat, weil er nicht genug „bespasst“ wurde. Tolle Einstellung, vielleicht sollte man den Terminus „Profifussballer“ nochmals überdenken und ihn in „Spassfussballer“ abändern. Es bietet sich ja auch an, solch eine „professionelle“ Einstellung ins normale Geschäftsleben zu übernehmen: Mitarbeiter xy baut nur Scheisse weil er nicht genug „Spass“ am Arbeitsplatz hat. Kein Problem, schmeissen wir halt den Geschäftsführer raus und ersetzen ihn durch einen Animateur aussem Robinson-Club! Zum anderen ist es in Zeiten von Fukoshima und Libyen geradezu grotesk, wenn ein Fussballmillionär, dem in seinem kurzen Leben immer alles hinterhergetragen wurde von „Angst“ spricht.
Nach meiner Meinung gehört eine gewisse Freude an der
ausgeübten Tätigkeit dazu, um sie auf Dauer erfolgreich ausüben zu können. Fehlende Freude kann daran liegen, dass man den falschen Job ausübt. Aber auch daran, dass der Chef einem keinen Raum zur Freude lässt.
Ich denke, auch unter so offensichtlich erfolglosen Weicheiern wie Klopp oder auch Rangnick wird sich nicht jeden Tag nur geherzt und geküsst.

Meinen Sie, rinatgavrilov, dass einem Menschen nur in lebensbedrohlichen Situationen negative Emotionen zustehen?
Und wollen Sie uns sagen, ein farbiger Peruaner wie Jefferson Farfan, oder ein Jermaine Jones - Sohn eines in Deutschland stationierten US-amerikanischen Soldaten - sei so ganz nebenbei "Fussballmillionär, dem in seinem kurzen Leben immer alles hinterhergetragen wurde" geworden? Und einem sehr gut Verdienenden stünde eine negative Meinung über seinen Chef nicht zu?

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Im übrigen:

Was wollen wir uns die Köpfe einschlagen, ob Rangnick oder Magath der Verdienst zukommt, Schalke zu der überraschend erfreulichen Leistung verholfen zu haben.

Wer will das wie messen?
Beide Trainer haben je mit ihrem eigenen Stil ihre Meriten, keiner ist eine bloße Eintagsfliege.
Aber jeder Trainer hat auch seine Grenzen, Magath musste sie zu Anfang seiner Trainerkarriere des öfteren, zuletzt wohl auf Schalke, Rangnick in Hoffenheim erfahren.
Also freuen wir uns, dass es im Fußball immer wieder überraschende Momente gibt
Glück auf Schalke.

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Rauschgelb 07.04.2011, 11:28
41. Never change a winning team

Zitat von teekaysevenfive
Diese Analyse ist nun wirklich and en Haaren herbei gezogen. Magath im Nachhinein noch einen GUtteil des gestrigen Erfolges zuschreiben zu wollen ist ein Witz. Edu hat nicht gespielt, weil er so toll ist und Rangnick von ihm überzegugt ist, sondern lediglich, weil Huntelaar und Gavranovic beide verletzungsbedingt ausfallen. EBenso hat Sarpei aufgrund von Verletzungen gespielt und auch Papadopoulus nur, weil Metzelder im Abwehrzentrum ausgefallen ist und damit Matip in die Abwehr gerückt ist und der junge Grieche sich aufd er Sechserposition bewähren durfte.
Wenn Huntelaar (Formkrise), Metzelder und andere wiederkommen, werden die Schalker auch wieder ihren alten Standfußball spielen.

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ottimusik 07.04.2011, 11:54
42. bin ganz genau der Meinung

Zitat von saddamatus
Was kann Magath dafür, dass sie sich scheinbar nicht die Spiele gegen Valencia oder das Rückspiel gegen Lyon gesehen haben? Wie sind die überhaupt ganz ohne laufen und kämpfen ins Viertelfinale .....
Ich denke schon, daß RR fürs Mentale bei den Spielern einiges getan hat. Wenn ich lese, daß ein Farfan sich wohl erschrocken hat, daß der Trainer ihn beiseite nimmt um mit ihm über siene Position und sein Spiel zu sprechen, daß lässt leider tief blicken in das System FM auf Schalke. Schalke ist ein schweres Pflaster, keine Fussball-Maschine wie Wolfsburg und Leverkusen sondern ein wohl sehr sensibles Konstrukt. Manchmal passt es einfach nicht zwischen Trainer und Team. Das hat nicht immer was mit einem schlechtem Trainer oder einem schlechten Team zu tun. Was ich aber an FM-Teams schon immer bewundert habe, ist deren Fitness und die dadurch fast nie vorhandenen Verletzungssorgen udn die Kraft am ende einer Saison. Das würde einigen anderen Teams (St. Pauli, Werder etc.) auch helfen, denke ich. Gönnen wir S04 den tollen Sieg und loben FM für seine physische Arbeit und RR für seine psychische Arbeit. Vielleicht sollten die beiden mal zusammen arbeiten ... :-)

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rinatgavrilov 07.04.2011, 12:08
43. bewusste Leistungsverweigerung

Zitat von groucho
Meinen Sie, rinatgavrilov, dass einem Menschen nur in lebensbedrohlichen Situationen negative Emotionen zustehen? Und wollen Sie uns sagen, ein farbiger Peruaner wie Jefferson Farfan, oder ein Jermaine Jones - Sohn eines in Deutschland stationierten US-amerikanischen Soldaten - sei so ganz nebenbei "Fussballmillionär, dem in seinem kurzen Leben immer alles hinterhergetragen wurde" geworden? Und einem sehr gut Verdienenden stünde eine negative Meinung über seinen Chef nicht zu?
Nein, das tue ich nicht. Aber das ist auch gar nicht der Punkt, obwohl mir die Begrifflichkeit „Angst“ die so in besagtem Interview benutzt wurde nach wie vor völlig am Thema vorbeigeht. Wenn die Herren Farfan und Jones aufgrund ihrer sozialen Herkunft die Sie hier anführen so viel durchgemacht haben, dann sollten sie eigentlich auch dem Begriff „Angst“ eine andere Wertigkeit geben als zB der Tatsache, ob sie bei nächsten Kick spielen oder nicht. Natürlich steht einem gut Verdienen eine negative Meinung über seinen Chef zu, der Punkt ist aber, dass er unabhängig davon dazu verpflichtet ist eine vernünftige Leistung zu erbringen. Das ist Professionalität. Ich streite nicht ab, dass in einem gesunden Arbeitsklima bessere Leistungen möglich sind. Darum geht es aber gar nicht, sondern darum dass diese „professionellen“ Kicker ihre Leistung bewusst nicht erbringen, denn dies geht doch eindeutig aus besagtem Interview hervor und lässt sich nur allzu deutlich anhand der urplötzlichen Leistungssteigerungen von Teams direkt im Anschluss an Trainerwechsel erkennen. Wer dies allen Ernstes nur der größeren fachlichen und sozialen Kompetenz des neuen Übungsleiters zuschreibt ist ein Träumer.

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groucho 07.04.2011, 17:38
44. Lust, Leidenschaft und Professionalität

Rinatgavrilov, vielen Dank für Ihre Antwort.
Zitat von rinatgavrilov
Nein, das tue ich nicht. Aber das ist auch gar nicht der Punkt, obwohl mir die Begrifflichkeit „Angst“ die so in besagtem Interview benutzt wurde nach wie vor völlig am Thema vorbeigeht. Wenn die Herren Farfan und Jones aufgrund ihrer sozialen Herkunft die Sie hier anführen so viel durchgemacht haben, dann sollten sie eigentlich auch dem Begriff „Angst“ eine andere Wertigkeit geben als zB der Tatsache, ob sie bei nächsten Kick spielen oder nicht.
Durch die folgende Äußerung wird Ihre Interpretation jedenfalls nicht gestützt: Zitat von
„Der psychische Druck von Herrn Magath ist weg, es ist nun wieder Freude auf Schalke. Bis vor Kurzem lebten viele Spieler in Angst.“
(Sportbild). Aber wenn Sie sich am Begriff „Angst“ stören, und Sie diesen für existentielle Nöte reservieren möchten: Gestatten Sie einem Menschen, der seine Leidenschaft – das Fußballspiel – zum Beruf gemacht hat, sich beschissen zu fühlen, wenn er nie genau weiß, wie er es seinem Herren und Meister recht machen kann und ständig das Gefühl vermittelt bekommt, er sei eine im Grunde überbezahlte Lusche? Das dies so war, dafür spricht der Zeit-Artikel über Felix Magath
Zitat von rinatgavrilov
Natürlich steht einem gut Verdienen eine negative Meinung über seinen Chef zu, der Punkt ist aber, dass er unabhängig davon dazu verpflichtet ist eine vernünftige Leistung zu erbringen. Das ist Professionalität. Ich streite nicht ab, dass in einem gesunden Arbeitsklima bessere Leistungen möglich sind. Darum geht es aber gar nicht, sondern darum dass diese „professionellen“ Kicker ihre Leistung bewusst nicht erbringen, denn dies geht doch eindeutig aus besagtem Interview hervor
Nennen Sie mir bitte die Äußerung, die das eindeutig belegt.
Frage auch: Macht nicht ein Spieler Kamikaze, der absichtlich dauerhaft schlecht spielt? Immerhin droht er auf der Bank zu versauern, sein Chancen bei einem anderen Verein anzuheuern, sein „Marktwert“ sinken erheblich.
Zitat von rinatgavrilov
und lässt sich nur allzu deutlich anhand der urplötzlichen Leistungssteigerungen von Teams direkt im Anschluss an Trainerwechsel erkennen. Wer dies allen Ernstes nur der größeren fachlichen und sozialen Kompetenz des neuen Übungsleiters zuschreibt ist ein Träumer.
Zuerst konzedieren Sie die Wichtigkeit eines „gesunden Arbeitsklimas“, erklären es aber umgehend für unerheblich , um böswillige Leistungsverweigerung unterstellen zu können.

Ich glaube, dass eher Sie träumen, nämlich dass der Mensch wie ein Automat zu funktionieren hat: Oben schmeißt man Geld rein, unten kommt entsprechende Leistung heraus. Der Mensch nicht als vielfältig bestimmtes soziales Wesen, sondern als stumpfer homo oeconomicus, in Ihren Augen zeigt er so „professionelles Verhalten“.

In meinen Augen pflegen Sie einen, nichts für ungut, recht brutalen Idealismus.

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Jordan Sokoł 07.04.2011, 21:10
45. Beauftragter

Zitat von horros
Felix Magath ist mit einer Mannschaft, die er nicht zusammengestellt hat, Vizemeister geworden und ich gebe da einem Vorposter Recht, hätte Bayern München in der besagten Saison keinen Arjen Robben gehabt, wäre für Schalke noch mehr herausgesprungen. Dann allerdings war der Zauber verflogen, Magath erpresste über die Presse den Verein Transferausgaben in noch nie dagewesener Höhe zu tätigen, verjagte oder vergraulte Spieler und Großverdiener wie Kuranyi, Westermann, Bordon und Rafinha unter dem Deckmantel der notwendigen Etatkürzung, holte aber gleichzeitig ebenfalls Größerverdiener wie Raul, Metzelder, Huntelaar, Jurado und gefühlt 20 andere Spieler, die unter Kleinvieh macht auch Mist zu verbuchen sind.Herausgekommen ist ein Spieleretat von 70 Mio € (!!!). Die Mannschaft zeigte aber den gleichen Elendsfussball ohne Konzept wie zuvor und 10 gute Spiele, davon 7 in der CL, eins im DFB-Pokalhalbfinale und der Sieg gegen Bayern in der Liga. Die Diskrepanz zwischen teilweise glanzvollen Auftritten in der CL und den meist hochkatastrophalen Spielen in der BL kann man nur mit einem irreparabl schlechten Verhältnis zwischen Mannschaft und Trainer erklären, was von diversen Spielern ( z.B. Farfan in der aktuellen Sport Bild)auch bestätigt wird. Ein Lewis Holtby und Jermaine Jones wurden ebenfalls weggejagt und Schalke zahlt weiterhin Teile des Gehalts. Dass sich Ralf Rangnick der Spieler von Magath bedienen muss und diese auch keine schlechten sind, liegt doch auf der Hand. Rangnick scheint aber diese besser zu erreichen und einzuschätzen.Baumjohann gehört nicht in die 4. Liga, Edu und Jurado nicht auf den linken Flügel und Matip nicht ins Mittelfeld. Was aber für mich der wichtigste Aspekt der Magathentlassung ist, ist die finanzielle Konsolidierung des Vereins, die unter Magath sicher nicht möglich gewesen wäre. Was nützt es dem Schalkefan und Magathjünger wenn das Pokalsieg T-shirt 2011 in 2 Jahren in einem Ligaspiel gegen RWE aufgetragen werden muss?


Vereins- und Schönschreiber, der offenkundig außerstande ist, die Leistungen eines Felix Magath einigermaßen objektiv zu beurteilen.

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