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Taktiktrend der Saison 2014/2015: Liga der langen Bälle
DPA

Hauptsache weg vom eigenen Tor: Im Schnitt 152 lange Bälle haben die Bundesligisten in dieser Saison pro Partie gespielt - ein Extremwert im europäischen Vergleich. Die Taktikanalyse zeigt den Grund dafür und das Risiko dieser Spielweise.

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hcbruns 26.05.2015, 17:19
1. Schöne Analyse!

Toller Artikel, treffende Analyse! Wenn zwei ähnlich gut besetzte und zudem gleich gut trainierte Mannschaften aufeinander treffen, geht es darum, in Situationen zu kommen, in denen der Angreifer Platz hat. Früher hat man dieses Ziel durch Konterfußball erreicht (Ball in der eigenen Hälft abfangen und dann mit den schnellen Außen nach vorne, z.b. Abramcyk auf Fischer). Heute funktioniert dieser Konterfußball nicht mehr so gut, weil die Abwehrspieler ebenfalls schnell sind und viel besser organisiert sind. Das neue Allheilmittel ist also das frühe Gegenpressing, d.h. die gegenerische Mannschaft versucht den Ball bereits in der gegnerischen Hälft zu erobern, denn wenn das erfolgreich ist, ist man schon vorne und hat überdies Platz. Das Gegenmittel der Abwehr ist entweder äußerst präzises Passspiel (in das auch zunhmend der Torwart eingebunden wird und werden muss), oder der lange Ball nach vorne, wenn der Abwehrspieler erkennt, dass die eigene Abwehr wegen guten Pressings Probleme bekommt. Aus dieser Not kann man aber auch eine Tugend machen: Wenn der Abwehrspieler in der Lage ist, präzise lange Pässe zu spielen, wie z.B. Boateng oder Hummels, und sich im Angriff ballgewandte und schnelle Spieler wie Reus oder Robben intelligent in den Räumen bewegen, können sich vorne wieder Räume öffnen.
Das ist alles konsequent und logisch und man kann es kaum kritisieren. Fußball ist mittlerweile taktisch und strategisch komplett durchrationalisiert.
Ist das schlimm? Nein. Tore werden immer fallen. Und darum geht es ja im Fußball, oder?

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dsch64 26.05.2015, 17:31
2. Liegt darin der Grund ...

dass die BuLi international gegen schwächere Clubs und Ligen ohne Probleme weiterkommt, aber wenn die Gegner spielstärker werden diese Taktik an Grenzen stößt? WOB scheint mir an dieser Taktikschwäche gescheitert zu sein, bei MG war es ähnlich. Nur BM konnte im Rückspiel gegen Porto diese Taktik gegen den Gegner wenden. Haben die deutschen Trainer hier Nachholbedarf?

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klabeuter 26.05.2015, 18:14
3. Hoch und weit

So hieß es ja eigentlich immer bei den Engländern.
Da hat sich das Spiel aber schon längst geändert.
Nur unsere Reporter haben sich anscheinend noch nicht daran gewöhnt.
Wenn man sich Spiele der englischen Liga anschaut oder Spiele mit englischer Beteiligung, kommt Mindestens 5 X mal pro Spiel dieser blödsinnige Kommentar von hoch und weit.
Vielleicht werden die das ja mal irgendwann merken.
Mich nervt es auf jeden Fall unwahrscheinlich.

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Ihr5spieltjetzt4gegen2 26.05.2015, 18:16
4. Mehr solche Artikel bitte

Vorab: Ich kann mich da nur wiederholen. Danial Montazeri ist der qualifizierteste Sportjournalist bei SPON.

So ganz neu ist der Trend der 'langen Bälle' nicht; man konnte dies schon in den letzten Spielzeiten vermehrt beobachten. Richtig ist, dass in dieser Saison dieses Stilmittel in der Anwendung deutlich zugelegt hat. Gut ist, dass der Artikel die unterschiedlichen Gründe für 'lange Bälle' darlegt. 'Langer Ball' ist eben nicht 'langer Ball'.

Wer an das Spiel BVB - B04 zu Beginn der Rückserie zurückdenkt, der wird einen 'bolzenden' BVB in Erinnerung haben. Mit dem BVB und Leverkusen trafen die wohl zwei pressingstärksten Teams aufeinander. Beide sind auch sehr stark im Gegenpressing. Daher hat man in diesem Spiel häufig regelrechte 'Ping-Pong' - oder 'Flipper' - Situationen gesehen. Aber eben auch 'lange Bälle', und zwar auf BVB-Seite. Und zwar nicht den typischen Hummels-Pass, das Mittelfeld überbrückend, scharf und präzise mit Spann/Außenrist auf einen Offensivaußen oder den zentralen Stürmer geschlagen. Dieser ist ein besonderes Stilmittel des BVB-Stils in den Spielzeiten davor gewesen; gerade wenn der Gegner etwas aufgerückt war. Sondern regelrechtes 'Nach-vorne-Gebolze'. Zu dem Zeitpunkt hatte der BVB zwar die Winterpause sozusagen auch als Regenerationszeit nutzen können, aber man war noch lange nicht wieder auf einem zufriedenstellenden Level. B04 hingegen praktizierte seinerzeit das Schmidtsche 'All-Zonen-Pressing' noch durchgängig und war körperlich fitter als die Borussen. Und wenn man sich auf dem ganzen Platz einem dauernden Pressing gegenübersieht, dann heißt es des öfteren 'weg mit der Pille'. Da war gar nichts großartig mit beabsichtigt, als dieses Spiel ohne Gegentor zu überstehen.

Etwas anders, aber durchaus mit dem gleichen Ziel, haben es die Bayern beim Spiel in Dortmund praktiziert; über längere Phasen in der ersten Halbzeit insbesondere. Die Bayern waren auch nicht auf der Höhe zu diesem Zeitpunkt und der BVB presste immens. So viel lange Bälle hat man von Bayern noch selten gesehen. Es war zwar der Versuch erkennbar, diese auch gezielt in den Rücken der BVB-Abwehr zu spielen, was aber kaum gelang. Wenn einer Mannschaft die entscheidenden Spieler fehlen, ein starkes Pressing des Gegners zu umspielen, dann ist der 'lange Ball' pragmatisch, durchaus sinnvoll und erfolgversprechend.

Wobei die Definition des 'langen Balles' eben so ist, dass die Konterschläge auf die schnellen Außen bei BMG genauso darunter fallen wie das Gebolze bei Hertha. Oder die diagonalen Spielverlagerungen eines Kroos. Oder die präzisen, harten und schnellen Flachpässe eines J. Boateng über z.T. 30 m. Insofern muss man in der Tat sehr genau differenzieren.

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ludna 26.05.2015, 18:24
5. Danke, klasse Analyse

weil ich mir auch schon so was gedacht hatte ;-).

Ich fragte mich immer, warum man gegen Bayern pressen muss,wie einige Experten fordern, einfach hinten rein stellen geht auch. Real Madrid hat das so gemacht letztes Jahr. Ist natuerlich schwer auf Dauer, wenn man nicht Ronaldo vorn hat.

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gis 26.05.2015, 18:37
6. Und ich

dachte lange Bälle werden nur noch auf dem Dorf gespielt. Ein Grund für den Spieler, den Ball nach vorn zu schlagen ist auch, dass er so das Risiko eines gefährlichen Fehlpasses minimiert. Ein Kurzpass in der eigenen Hälfte, der vom Gegner abgefangen wird, führt häufig zu Gegentoren und der Spieler, der den Fehler machte ist dann der Depp. Wer will schon in einem Spiel den entscheidenden Fehler machen? Richtig, keiner und deshalb klopfe ich in der Not den Ball raus, der kommt dann zwar meistens schnell wieder zurück, aber in der Zwischenzeit hat man sich meistens defensiv wieder geordnet.

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mamuesp 26.05.2015, 18:37
7. Genau ...

Zitat von hallo???
dass deutsche trainer im ausland kein thema sind
... deshalb haben bei Umfragen von Marca 44% der befragten sich für Jürgen Klopp als Trainer für Real Madrid ausgesprochen ...

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in-teressant! 26.05.2015, 18:37
8.

Zitat von hallo???
ein zeichen von spielerischer armut. dass das in mm-land öfter vorkommt als in den top-ligen, dürfte auch ein grund dafür sein, dass deutsche trainer in top-ligen keinen fuss in die tür bekommen. daraus eine form der taktik zu machen, diese, wie hcbruns, auch noch hochzuloben, obwohl in dem langen text kein wort von der erfolgsquote dieser langen pässe zu lesen war, ist grunddeutsch. man vermischt äpfel mit birnen, wenn man die gesamt-torquote anführt. wie viele tore nach dem vorbolzen des balles erzielt werden, hätte man wohl in diesen bericht eingebaut, wenn sie nicht lächerlich gering wäre. und wie immer stellt sich bei deutscher argumentation die grundsatzfrage. wenn das so eiine tolle taktik ist, warum machen sie es in den top-ligen nicht auch?
Welche sind denn für Sie die Top-Ligen? Die BuLi gehört nicht dazu? Die liegt aber auf Platz 3 der Uefa-Fünfjahreswertung, hinter Spanien auf Platz 1 und nur knapp hinter England, wo der gepflegte lange Pass zum Markenkern gehört.

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in-teressant! 26.05.2015, 18:38
9.

Zitat von hallo???
dass deutsche trainer im ausland kein thema sind
Da sind die Vereine im Ausland dann selber schuld.

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