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Tennys Sandgren bei den Australian Open: Alt+Right+Entf
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In der Weltrangliste steht Tennys Sandberg nur auf Platz 97, in Melbourne kämpft er um den Halbfinaleinzug. Eine Heldengeschichte? Ja, wären da nicht tausende gelöschte Tweets.

Reddington 23.01.2018, 18:56
1. Ja und?

Wenn ich mir ein Tennisspiel anschaue, dann tue ich das weil mich der Sport interessiert und in der Hoffnung ein spannendes Match zu sehen. Wen stört dann die eventuellen politischen Meinungen des Spielers? In einer pluralistischen Gesellschaft sollte dies keine Rolle spielen.

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gandalf446 23.01.2018, 19:21
2.

Zitat von Reddington
Wenn ich mir ein Tennisspiel anschaue, dann tue ich das weil mich der Sport interessiert und in der Hoffnung ein spannendes Match zu sehen. Wen stört dann die eventuellen politischen Meinungen des Spielers? In einer pluralistischen Gesellschaft sollte dies keine Rolle spielen.
Sehe ich auch so. Leider werfen das manche aber in einen Topf und versuchen dann, wie es auch hier durchklingt, Leistungen von Sportlern mit nicht genehmen Ansichten madig zu machen. Leider hat die politische Diskussion mittlerweile nahezu sämtliche Gesellschaftlichen Felder vereinnahmt - eben auch den Sport.

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DerDifferenzierteBlick 23.01.2018, 20:40
3. Noch besser wäre es gewesen...

...wenn er einen zweiten Vornamen hätte, der mit C anfängt...

@Erste Kommentare: Solange er nicht aufgrund gesetzeskonformer Handlungen oder Aussagen sportliche Nachteile hat (was ja wohl nicht der Fall ist), ist es aber auch völlig legitim, über die von ihm persönlich öffentlich gemachten politischen Positionierungen zu berichten und gegebenenfalls eine eigene Meinung zu entwickeln. Schließlich ist er eine öffentliche Person und dann gehört auch das zur Presse- und Meinungsfreiheit.

Und gerade bei der rechtsextremen (einfach mal alt right leader bei Youtube eingeben) Alt-Right-Bewegung halte ich einen solchen Artikel für absolut gerechtfertigt.

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Larnaveux 23.01.2018, 21:16
4. Meinungsbildung durch Spitzelsystem

Ich finde das Verhalten langsam krank. Kaum äußert sich jemand in irgendeiner Weise im Internet, hat er sofort tausende kleiner Sittenwächter an der Backe, die das, was er geäußert oder angeklickt hat, auswerten, interpretieren und anschließend erst so richtig in die weite Welt tragen. Ganz ehrlich, auch wenn ich die Alt-Right-Bewegung nicht gerade schätze, diese widerliche Blockwart-Mentalität im Internet ist wirklich zum Kotzen.

Darüber hinaus bin ich nicht interessiert an jeder einzelnen politischen Meinung von irgendwelchen Sportlern, Musikern, Models, C-, D- und F-Promis und so weiter. Ich kann sogar mit Leuten im Beruf arbeiten, ohne ihnen zwangsnotorisch hinterherzuspionieren, was sie in ihrer Freizeit im Internet treiben. Beispielsweise wäre es vermutlich 99,9% der Spiegelleser verborgen geblieben, was der sehr wahrscheinlich 95% der Leser vollkommen unbekannte und belanglose Tennisspieler da in seinem reinen Privatleben (auch Tennisspieler haben so was) so treibt. Und sie hätten auch damit gut gelebt, und die Welt hätte sich auch nicht verändert.

Bei allem, was recht ist: Vorsicht gegenüber radikalen Ansichten ist schon okay. Aber dieses jegliches Maß übersteigende Spitzelverhalten gewisser Kreise ist manisch und pathologisch und im Endeffekt, wenn es bis zum Exzess getrieben wird, nicht weniger gefährlich als so mancher radikale Gedanke selbst. Mit derartigen Spitzeln möchte ich privat absolut nichts zu tun haben.

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fatal.justice 23.01.2018, 21:34
5. Grundsätzlich...

... kann man wohl jedem Sportler zugestehen, auf seinem Twitter-Account zu veranstalten, was immer er möchte - solange er sich nicht außerhalb der Rechtsnorm bewegt. Allerdings muss man auch jedem Rezipienten zugestehen, sich eine Meinung über diese Person zu bilden. Twitter ist kein Poesiealbum, dass man zu Hause unterm Bett versteckt - es ist eine Plattform, auf der Meinungen veröffentlicht werden können - für alle zugänglich und damit selbstverständlich auch für alle bewertbar. Man sollte schon annehmen können, dass ein erwachsener Mensch sich dessen bewusst ist und seine Schlüsse daraus zieht. Offensichtlich tat er dies auch, indem er mit dem großen Wegwischschwamm durch seinen Account feudelte... ;-)

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Larnaveux 23.01.2018, 22:33
6.

Zitat von fatal.justice
... kann man wohl jedem Sportler zugestehen, auf seinem Twitter-Account zu veranstalten, was immer er möchte - solange er sich nicht außerhalb der Rechtsnorm bewegt. Allerdings muss man auch jedem Rezipienten zugestehen, sich eine Meinung über diese Person zu bilden. Twitter ist kein Poesiealbum, dass man zu Hause unterm Bett versteckt - es ist eine Plattform, auf der Meinungen veröffentlicht werden können - für alle zugänglich und damit selbstverständlich auch für alle bewertbar. Man sollte schon annehmen können, dass ein erwachsener Mensch sich dessen bewusst ist und seine Schlüsse daraus zieht. Offensichtlich tat er dies auch, indem er mit dem großen Wegwischschwamm durch seinen Account feudelte... ;-)
Ich stimme Ihnen im Prinzip zu. Allerdings, und das kritisiere ich, werden heute schon "Likes" bei Facebook nicht etwa nur an exakt dieser Stelle bei Facebook kommentiert. Oder beispielsweise ein Tweet wird nicht nur auf Twitter seziert. Nein, heute werden auch winzigste Meinungsäußerungen (es geht ja durchaus weiter, indem mehr als je zuvor beispielsweise sogar Teile reiner Privatunterhaltungen ohne Zustimmung Betroffener leidenschaftlich über das Web öffentlich gemacht werden) nicht nur dort kommentiert, wo sie entstehen. Nein, politische Tweets eines unbekannten Tennisspielers stehen heute plötzlich bei SPON im Sportbereich. Zusammen mit der Aussage "In der Weltrangliste steht Tennys Sandberg nur auf Platz 97, in Melbourne kämpft er um den Halbfinaleinzug. Eine Heldengeschichte? Ja, wären da nicht tausende gelöschte Tweets."

Entschuldigung, aber das ist krank! Soweit ich es erkennen kann, spielt der Mann Tennis und hat sich auch während des Turniers keineswegs politisch im Rahmen seines "Spieler-Seins" vor Ort geäußert. Und außerdem, Held hin oder Held her: Die sportliche Leistung ist nur dann makellos, wenn man die korrekte politische Einstellung bei Twitter serviert? Leute, macht mal halblang. Wer ist derartig ohne Makel, dass er sich erlauben kann, solche Forderungen an andere Menschen zu stellen?

Ganz ehrlich, das ist gesinnungsüberprüfende Gesamtbespitzelung (auch wenn mir die politischen Ansichten des Mannes nicht gefallen. Ich halte es dennoch mit Rosa Luxemburg zum Thema Andersdenkender und argumentiere gegen deren Meinung dort, wo es hingehört, nämlich da, wo die Äußerung fiel. Und nicht quasi auf dem Tennisplatz, indem moralisierend dargestellt wird, dass der "Held" kein "Held" sein darf! Wie widerlich ist so was denn?). Und so eine Rund-um-die-Uhr-Kontrolle müssen sich auch Personen der Öffentlichkeit nicht bis ins Extrem gefallen lassen.

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