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Vom Foto bis zum Rücktritt: Chronologie der Özil-Erdogan-Affäre
DPA

Mesut Özil tritt aus der deutschen Fußballnationalmannschaft zurück - gut zwei Monate nachdem er an der Seite des türkischen Präsidenten posierte. Was ist in der Zwischenzeit passiert?

wassolldasdenn52 23.07.2018, 01:29
1. Folgerichtig und gut

Wie die Sicht von Mesut Özil aussieht, ist prinzipiell seine Sache. Dass die Mehrheit der Deutschen es nicht gut findet, dass er sich mit Erdogan ablichten ließ, der die heutigen Deutschen als Nazis verunglimpfte, lässt das Ganze in einem anderen Licht erscheinen. Auch, wenn er uneinsichtig bleibt, so hat er sich dennoch unerträglich geoutet. Aus diesem Aspekt hat er sich aus der Nationalmannschaft zurecht zurück gezogen. Mehr muss man dazu gar nicht berichten, denn so darf man es schliesslich auch erwarten. Auch der DFB muss sich da nichts vorwerfen lassen. Wenn es zur Meinungsfreiheit gehört, dass Özil nun so handelt und sich ungerecht behandelt fühlt, dann muss man auch den Menschen hierzulande zugestehen es konträr zu sehen, ohne sich gleich rassistische Vorwürfe einzuhandeln. Das ist gelebte Meinungsfreiheit! Punkt! Hier noch immer mehr hinein interpretieren zu wollen, so wie es Herr Özil nun gerne hätte, das geht entschieden zu weit! Im Übrigen war er ohnehin nicht in WM-Form und wurde nach meiner Meinung bisher auch weit überschätzt. Wir haben mehr gute Spieler, die Özil auch bisher schon locker das Wasser reichen konnten, die aber leider oft an der überheblichen Eitelkeit des Herrn Löw scheiterten.

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hape2412 23.07.2018, 01:30
2. Ich habe dem Treffen der beiden Spieler mit Erdogan

bisher keine große Bedeutung beigemessen. Es ist vollkommen verständlich, dass Spieler mit türkischen Wurzeln auch in der Heimat ihrer Eltern gut angesehen sein möchten. Beide sind dort wegen ihrer Entscheidung für die deutsche Fußballnationalelf - nicht für Deutschland - zu spielen, unter anderem als "Verräter" bezeichnet worden. Ihr Handeln war verständlich, aber eben auch ein wenig naiv. Die Folgen eines solchen Treffens in der deutschen Öffentlichkeit hätten ihnen bewusst sein müssen, zumal beide auch PR-Berater haben, die sie hätten entsprechend warnen müssen.
Ich denke auch, dass die ganze Angelegenheit niemals so hochgekocht wäre, wenn Özil sich rechtzeitig, am besten kurz vor der WM knapp dazu geäußert hätte. Eine Entschuldigung jedoch wäre meiner Meinung nach nicht im geringsten gerechtfertigt gewesen. Eine Aussage, etwa mit dem Tenor "Die Türkei ist das Land meiner Eltern und deswegen war das Treffen mit Präsident Erdogan auch ein Zeichen meines Respektes vor der türkischen Kultur und den Wurzeln, die ich dort dadurch besitze, dass meine Eltern dort geboren wurden." hätte mMn die ganze Geschichte relativ schnell beendet.
Es wäre insbesondere aber am DFB gewesen, Özil einen solchen Rat zu geben. Bierhoff als PR-Profi hätte so etwas wissen müssen. Das Nachtreten durch ihn und Grindel war katastrophal. Löw als Trainer hätte intern Özil auch in Schutz nehmen müssen.
Mesut Özil ist ein introvertierter, sehr sensibler Mensch. Ich kann daher seine jetzige Reaktion zumindest nachvollziehen. Zumindest Bierhoff, aber auch Löw hätten unbedingt wissen müssen, was die teilweise öffentliche Hetze bei einem derart sensiblen Menschen anrichten kann. Der DFB hat den eindeutigen Fehler gemacht, die Diffenrenzen mit Özil öffentlich auf großer Bühne auszutragen und ihn praktisch hingehängt.

Nochmals: das Treffen mit Erdogan ist naiv, ungeschickt, aber nicht so gewesen, dass es eine derartige öffentliche Reaktion, auch seitens des DFB verdient gehabt hätte. Die ganze Angelegenheit hätte auch intern still geregelt werden können, eventuell mit einer kurzen gemeinsamen Stellungnahme.

Vergessen werden darf nicht - auf gar keinen Fall - dass der Mensch Mesut Özil einer Hexenjagd ausgesetzt war, die er so nie verdient gehabt hätte. Diese Hexenjagd hätte auch viel wenige sensible Menschen schwer mitgenommen. Er ist dadurch in eine aus seiner Sicht ausweglose Situation geraten, aus der er nur so ausbrechen konnte, wie es jetzt geschehen ist.

Mezut Özil ist ein Mensch und kein Instrument, das der Pflege nationaler Eitelkeiten dienen muss. Diesem Menschen gegenüber schäme ich mich für die Behandlung, die er in Deutschland zu großen Teilen erfahren musste. Ungeschickt und naiv - ja. Einer Reaktion würdig, die einen Menschen massiv beschädigen kann: nie im Leben !

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gandhiforever 23.07.2018, 01:45
3. In den beiden Monaten

In den beiden Monaten ist aus der Affaere eine Grindel-Affaere geworden.

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Nonvaio01 23.07.2018, 02:16
4. gerade auf BBC1 News

die Nachricht das Oezil aus der NM ausgetreten ist, dazu die story von der Erdogan affaehre und der bericht schliesst mit de Oezil worten:
German when we win, he said, imigrants when we lose.

Besser haette man es nicht sagen koennen. Oezil hat voellig recht. Spielte Klose schlecht war er der Pole, spielte er gut war er Miro bei den fans.

Deutschland ist eine schande, integration gab es nie und ist auch nicht ernsthaft gewollt. Wer hat den freunde unter den "integrierten" die auch zu geburtstagen eingeladen werden?

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EckivonRemagen 23.07.2018, 09:31
5. Rücktritt von Oezil aus der Fussball-Nationalmannschaft

In der ganzen Sache sind wahrscheinlich alle dem Führer vom Bosporus auf den Leim gegangen. Ich schließe nicht aus, dass da auch ein gewisser Druck oder auch Angst auf die deutsch-türkischen Fußballer ausgelöst wurde. Im Hinblick darauf, dass auch die Deutsch-Türken zu einem großen Teil in Deutschland nie ange- kommen sind, liegt hier ein gutes Stück Arbeit für die Deutsche Regierung und dem DFB, die an genommen werden muss. Jetzt sind kluge Köpfe gefragt sonst erleben wir ein Fiasko. Den deutschen Polit-Frühschoppen-Redner als auch den türkischen Religionsvereinigungen sei eine Funkstille empfohlen.

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eturan 23.07.2018, 20:11
6. Fussballer und Politiker

Es ist für die Deutsch-Türken immer schwierig die Grenzen an der richtigen Stelle zu ziehen. Wir Deutsch-Türken sind an einem Punkt gelangt, Entscheidungen zu treffen, Neue Heimat / Alte-Heimat. Man kann seine Wurzeln nicht leugnen. Özil und Gündogan haben sich mit Erdogan fotografieren lassen. Es ist in der Türkei üblich, daß man dem Amt des Präsidenten Respekt zollt, dass hat Özil in seiner Stellungnahme auch gesagt, jedoch war der Zeitpunkt des Fotos und das Autogramm des Herrn Gündogan einfach fatal. Hier hätten die PR-Berater eingreifen müssen. Ich glaube aber, daß weder Özil noch Gündogan bewusst war, welchen großen Stein dieses Treffen in Rollen bringen würde, die Erfolglosigkeit der WM hat den Rest gegeben.

Also, Fazit ist, daß die Deutsch-Türken jeder für sich eine Entscheidung treffen muss und auch wird, welche Heimat der Lebensmittelpunkt sein wird und muss. Ich habe für mich die Entscheidung schon längst getroffen. Meine neue Heimat ist Deutschland, mein Ursprung ist die Türkei. Ich schätze Deutschland sehr, in jeder Hinsicht.

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bmvjr 24.07.2018, 04:48
7. Falscher Blickwinkel

Stars lassen sich ebenso gern mit jedweglicher Prominenz ablichten, wie der Normalbuerger auch. Bedenklich ist es, als hochangesehener deutscher Nationalspieler mit immenser Vorbildfunktion bei einem solchen Fototermin auch noch "fuer meinen Praesidenten, hochachtungsvoll" loszulassen. Deutlicher wird ein Mangel an Integration auf Seiten des Herrn Oezil nicht offenbar. Aber Herr Oezil, Jahreseinkommen von an die 20 Millionen Euro und in England lebend, ist eben kein geeignetes Beispiel fuer die Integration von Tuerken in Deutschland. Schon deshalb eruebrigt sich Oezil's Vorwurf von Rassismus. Statt seinen offenbaren Fehltritt mit der Fotoaktion "mein Praesident Erdogan und ich" fruehzeitig selbst in Ordnung zu bringen und jegliche Folgen zu entschaerfen, schweigt sich Oezil aus um lange spaeter massiv und beschuldigend ueber den DFB und dessen Leitung, die Medien und die Oeffentlichkeit in Deutschland herzufallen. Nach dem Motto, die anderen sind schuld. Das in Sachen Migration und Integration empfindliche Deutschland geisselt sich nun selbst statt einfach festzustellen, dass ein an Ruhm und Bewunderung gewoehnter guter Fussballspieler beleidigt die Szene verlaesst, weil er sonst seinen eigenen Fehler eingestehen muesste. Warum sich daran nun eine Debatte ueber mangelnde Integration von Auslaendern in Deutschland entzuendet, ist mir unerklaerlich. Man bedenke, es gehoeren zwei Seiten zum Tango tanzen, wenn eine Seite nicht mitmacht, wird es eben kein Tango.

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priew1993 24.07.2018, 08:58
8. Chronologie der Diskriminierung und des gesellschaftlichen Abbaus

Anstatt sich mit Özil als vorzeige Integrationsbeispiel zu brüste und die dazugehörigkeit der anderen Migranten zu signalisieren um die Integration zu beschleunigen wird Populismus aus allen Seiten betrieben.

Wir werden ihn vermissen.

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Hans Lick 24.07.2018, 12:51
9. Drei Fragen zu den Artikeln über Özil:

1.Kann man bitte Ein- und Austritte in die National-Elf auf den Sportseiten behandeln und nicht tagelang zu Hauptmeldungen aufblasen?
2.Was hat ein in England fußballspielender Multimillionär mit Integration in Deutschland zu tun?
3.Warum wird man als Rassist bezeichnet, wenn man werbewirksame gemeinsame Auftritte mit einem rechtsextremen Diktator kritisiert?

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