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WM 2018: Frage nach Doping - Russlands Trainer steht auf und geht
DPA

Fragen gerne - aber nicht zum Thema Doping: Russlands Nationaltrainer reagierte im Gespräch mit dem SPIEGEL dünnhäutig, als er zu den enormen Laufleistungen seiner Spieler befragt wurde: Stanislaw Tschertschessow wollte das Interview abbrechen.

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The Independent 15.07.2018, 22:41
120. ...

Zitat von bauklotzstauner
Sonst hätte man das US-Anti-Dopingsystem, das den Fall Armstrong aktiv mitgedeckt hat, bis es nicht mehr ging, einer Prüfung unterziehen müssen.
Haben Sie dafür einen Beleg?
Sie verwechseln da etwas:
Es war eher so, dass Armstrong nach dem Auffliegen eine Zusammenarbeit (zur weiteren Aufklärung seiner Doping-Praktiken) mit der USADA ablehnte, und es war Pat McQuaid, der Chef des Weltradsportverbandes UCI, der Armstrong so lange es ging gedeckt hatte. Auch sein Vorgänger, Hein Verbruggen, ein Niederländer, war mit Armstrong per Du, und hatte ihn über Jahre gedeckt. Erst unter Hein Verbruggen dopte Armstrong nicht nur völlig ungeniert, sondern wohl Dank Verbruggen auch absolut unbehelligt. Eine Praxis, die er dann unter McQuaid auch (zunächst) weiterhin unbehelligt fortführen konnte.
Die UCI erhielt 2002 eine Spende von Armstrong in Höhe von 125.000 Dollar, nachdem im Jahr zuvor auffällige Doping-Proben des Texaners von der Tour de Suisse unter den Teppich gekehrt worden sein sollen.

Travis Tygart wiederum, als Chef der USADA, war der harte Hund, der Armstrong zu Fall brachte, und in der Folge anonyme Morddrohungen erhielt. Durch Tygarts Ermittlungen wurde auch Armstrongs Renndirektor (bei 7 Toursiegen) Johan Bruyneel von der USADA angeklagt.

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The Independent 15.07.2018, 23:20
121. ...

Zitat von simonweber1
der Mc Laren Bericht hat eben die angeblichen Aussagen des ehemaligen Dopinglaborleiters Russlands nicht bestätigt.Es gibt in diesem Bericht nicht eine einzige Zeile, die Russland des staatlich gelenktes Dopings bezichtigt. Inzwischen hat sich Rodschenkow von seinen ehemaligen Behauptungen, auf die diese ganzen Vorwürfe aufgebaut sind distanziert.In dieser Sache ging es nie um die Aufklärung von Dopingsünden, sondern um eine politische Kampagne.
Vielleicht sollten Sie dann den Mc-Laren-Report auch mal lesen.

Wörtlich heißt es dort auf der 1. Seite des ersten Kapitels bereits in der Überschrift, ich zitiere:
"Institutionalised Doping Conspiracy and Cover Up" .
Ich übersetze: "Institutionaliesierte Doping-Verschwörung und Verschleierung."
Und weiter heißt es im Original:
"An institutional conspiracy existed across summer and winter sports athletes who participated with Russian officials within the Ministry of Sport and its ninfrastructure, such as the RUSADA, CSP and the Moscow Laboratory, along with the FSB for the purposes of manipulating doping controls. The summer and winter sports athletes were not acting individually but within an organised infrastructure as reported on in the 1st Report."

Überzeugen Sie sich selbst:
https://www.wada-ama.org/sites/default/files/resources/files/mclaren_report_part_ii_2.pdf

Im Bericht wird das System des Urinaustausches und der Manipulation der Behälter (mit Fallstudien mit Proben- und Athletennummer) erklärt und mitunter auch mit Beweisfotos unterlegt, die dann auch, unabhängig von Rodschenkows Aussagen, belegen, dass die Flaschen geöffnet wurden und "verunreinigter" Urin durch saubere Proben (vom selben Athleten) ersetzt wurde. Und wenn sich Rodschenkow wirklich distanziert haben sollte (und das müssten Sie erst mal belegen), dann hat er sicherlich den Nowitschok-Fall im Hinterkopf. Es liegt nämlich nach den "mysterösen" Todesfällen der letzten Jahre der Verdacht nahe, dass es ungesund ist, wenn man Putin ans Bein pieselt.

Zusammengefasst darf man konstatieren, dass im Moskauer Antidoping-Labor unter Einflussnahme staatlicher Stellen systematisch Dopingproben russischer Athleten zum Schutze vor positiven Tests manipuliert wurden, am Antidoping-Labor in Sotschi eine Methodik eingesetzt wurde, die den gedopten russischen Athleten die Teilnahme an den Olympischen Spielen ermöglichte, und das russische Sportministerium die Manipulationen, unter aktiver Teilnahme von FSB, CSP („Center of Sports Preparation of National Teams of Russia“) und den beiden Antidoping-Labors in Moskau und Sotschi, leitete und steuerte.

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steingärtner 16.07.2018, 09:07
122. Logik kann man nicht aufheben

Wo sind die ganzen Erfolge der Russen ? Nur für Erfolge dopt man doch oder ?
Oder wie erklären Sie es, dass die gedopten Russen hinter den sauberen Westlern landen ?
Und nein, Sotschi können Sie vergessen als Argument. Sonst wären die Spiele in London ein Argument für Doping in GB.

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The Independent 16.07.2018, 17:06
123.

Zitat von steingärtner
Wo sind die ganzen Erfolge der Russen ? Nur für Erfolge dopt man doch oder ? Oder wie erklären Sie es, dass die gedopten Russen hinter den sauberen Westlern landen ? Und nein, Sotschi können Sie vergessen als Argument. Sonst wären die Spiele in London ein Argument für Doping in GB.
Die Briten landeten 2012 im Medaillenspiegel von London weit abgeschlagen auf Platz 3, hinter China (91) und den USA (104 Medaillen). Russland errang übrigens mit 69 Medaillen vier Medaillen mehr als England, landete aber trotzdem nur auf Platz 4, weil die Russen zwar mit 32 x Bronze mehr Bronzemedaillen als alle anderen Nationen absahnen konnten, aber insgesamt weniger Goldmedaillen (als die Briten) errangen.

In Sotschi landeten die Russen aber auf Platz 1.
In Sotschi landeten außerdem viele Russen, die zuvor selten oder nie in den Top-Ten zu finden waren auf Platz 5 und 6.
Dort wo sonst z.B. deutsche, amerikanische oder kanadische Bob-Teams (vor den Russen) immer ganz vorne waren, siegten plötzlich die Russen (4er-Bob, 2er-Bob).
Die Biathlon-Staffel-Mannschaft der Herren errang Gold, die der Damen Silber.
Beispiel: Bei den Olympischen Winterspielen 2010 war Jana Romanowas (Mitglied d. russischen Biathlon-Staffelmannschaft) bestes Einzel-Resultat der 56. Platz, 2014 errang sie plötzlich mit der russischen Staffelmannschaft Silber.
In ihrer gesamten Karriere konnte Romanowa im Weltcup (106 Starts einschl. Olympische Spiele und WM) nur 2 mal den 1. Platz und 1 x den 2. Platz (Spiele in Sotschi) mit der Frauenstaffel erreichen. Bei den 91 Starts in Einzel-Wettbewerben verpasste sie 14 mal die Punkteränge und konnte nur 11 x (in diversen Wettbewerben: Einzel, Sprint, Verfolgung, Massenstart) eine Top-Ten-Platzierung erreichen (1 einziger Weltcup-Sieg im Sprint, ansonsten meist Plätze 5-10). Andere russische Sportler hatten in anderen Sportarten teilweise noch schlechtere Biographien und erreichten dann in Sotschi plötzlich 5. und 6. Plätze in Einzel-Wettbewerben. Mit dem "Heimvorteil" kann man das wohl kaum erklären.

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The Independent 16.07.2018, 17:24
124. ...

Zitat von simonweber1
Inzwischen hat sich Rodschenkow von seinen ehemaligen Behauptungen, auf die diese ganzen Vorwürfe aufgebaut sind distanziert.In dieser Sache ging es nie um die Aufklärung von Dopingsünden, sondern um eine politische Kampagne.
Das sieht Rodschenkow selbst aber anders, er äußerte sich nämlich am 30.04.2018 über eine von seinem Anwalt Walden verlesene schriftliche Stellungnahme so:

„Ich bin gesund und werde gut beschützt. ..... Ich kooperiere weiter mit den Strafvervolgungs- und Anti-Doping-Behörden. Ungeachtet der russischen Desinformations-Kampagne waren alle meine Informationen, die ich dem IOC und der WADA gegeben habe, gänzlich fehlerfrei, und ich habe kein Wort davon zurückgezogen.“

Laut Focus sagte Walden außerdem: „Die Klage ist wohl ein schikanöser Versuch herauszufinden, wo genau sich Dr. Rodtschenkow derzeit aufhält.“
Und im Artikel heißt es weiter: "Die Gegenklage begründet sich auf das sogenannte Anti-SLAPP-Gesetz des Staates New York, das eine Einschüchterung vor Gericht von Personen verhindern soll, die ihr in der Verfassung festgelegtes Recht auf Redefreiheit ausüben. Rodtschenkow versucht nun, Anwaltskosten und Schadensersatz einzuklagen. [..] ... Rodtschenkow befindet sich an einem geheimen Ort in den USA, im Falle einer Enttarnung müsste er wohl um sein Leben fürchten."

https://www.focus.de/sport/mehrsport/allgemein-doping-nach-verleumdungsklage-whistleblower-rodtschenkow-reicht-gegenklage-ein_id_8855193.html

In der FAZ bringt es ein Kommentator auf den Punkt:

"Dabei belegt der Russland-Komplex nur zu deutlich, dass der Umgang der Sportverbände mit professionell organisiertem Doping untauglich ist. Sie konzentrieren sich auf den Nachweis individueller Verantwortung und Beteiligung des einzelnen Athleten. Dabei soll beides in den Strukturen spurlos verschwinden, durch die Mitarbeit des Geheimdienstes zum Beispiel."

"Aber sie [die Drahtzieher des Betruges] können nun frohlocken. Ihr Plan, mit dem der Individualisierung der Schuld beim Athleten der Boden entzogen werden und so die Medaille gesichert werden sollte, ist in weiten Teilen aufgegangen. Doping lohnt sich."
(Diese Passage geht auf den teilweisen Widerruf der Medaillenaberkennungen durch den CAS ein).

http://www.faz.net/aktuell/sport/olympische-winterspiele/sportpolitik/kommentar-zum-cas-urteil-zu-doping-in-russland-vor-olympia-15428239.html

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