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Zukunft des Fußballs: Wie der DFB das Frauennationalteam sabotiert
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Das Rampenlicht WM ist für die deutschen Fußballerinnen erloschen. Nun gilt es, den Sport nachhaltig zu fördern. Der DFB hat daran aber wenig Interesse - obwohl es viele leicht umzusetzende Ideen gibt.

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wjr69 01.07.2019, 16:34
1. Gemeinnützigkeit

"Der Verband muss laut eigener Satzung ganz allgemein Fußball fördern - gleiche Prämien für beide Nationalmannschaft(sic!) sollten deshalb obligatorisch sein."
Zunächst einmal gibt es eine heftige Diskussion in der Finanzverwaltung, ob der NM-Mannschaftsbetrieb - zumindest bei den Männern - überhaupt noch zum gemeinnützigen Zweckbetrieb oder aber zum steuerpflichtigen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb gehört. Zudem darf gemeinnützigkeitsrechtlich niemand unangemessen begünstigt werden, d.h. jede Zahlung nichtgemeinnützige Profisportler(innen) muss sich am Marktwert orientieren. Wenn jetzt die Frauen 375 TEUR bekämen wie die Männer (die die Prämie problemlos refinanzieren würden), obwohl die NM der Frauen ein Zuschussgeschäft ist, dann ist dass deutlich über Marktwert und gefährdet eher die Gemeinnützigkeit als dass diese eine solche Bezahlung erfordert.

Und noch eine persönliche Frage: Wieviele Beschäftigte von SPON oder Spiegel sehen sich Frauenspiele im Stadion oder im Fernsehen/Internet an und wieviele benutzen diese nur für ihre allfälligen Klagen über das schlimme Patriarchat, scheuen aber den tatsächlichen Kontakt mit dem Sport wie Veganer das Schweineschnitzel?

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hh.noll 01.07.2019, 16:35
2. Identitätspolitik ohne Realitätsbezug

Wenn - wie in diesem Artikel - vehement für eine Gleichstellung des Frauenfußballs gefochten wird, einschließlich identischer Prämien der DFB-Auswahlteams, Bezahlung, Medienberichterstattung usw., hat man offensichtlich Identitätspolitik im Sinn, aber den Realitätsbezug verloren. Mit der gleichen Berechtigung könnte man fordern, Spielern der Kreisliga A Gehälter wie in der ersten Bundesliga zu zahlen. Dass der Profisport nach Marktgesetzen funktioniert, lässt sich nicht ohne Weiteres ignorieren und gilt auch für den Frauenfußball. Dem Autor des Berichts empfehle ich, sich das Spiel der deutschen Frauennationalmannschaft gegen Schweden und das EM Endspiel des Männer-U21-Teams gegen Spanien einmal parallel anzusehen (die U21-EM der Männer wurde von SPON übrigens weitgehend ignoriert!). Der Frauenfußball mag sich deutlich zum Positiven entwickelt haben, aber der Qualitätsunterschied zum Männerfußball bleibt gewaltig!

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Jodlerbua 01.07.2019, 16:38
3.

Die Frauenfußball-Bundesliga hat einen Zuschauerschnitt von gut 800 Leuten pro Spiel. Da werden eben keine Unsummen verdient und mit Werbepartnern läuft auch eher wenig. Is halt so.

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handballer1968 01.07.2019, 16:44
4. Noch mehr Monokultur?

Wie an meinem Nikname unschwer erkennbar ist, gilt mein Fokus einer anderen Ballsportart. Daher sehe ich es mit sehr großer Sorge, wenn der DFB seine finanzielle und mediale Stellung nunmehr dazu nutzen würde, im Bereich des Mädchen- und Damenfußballs das gleiche "Erfolgsmodell" umzusetzen wie bei den Jungs und Männern. Wir haben doch seit Jahren eine Monokultur insbesondere in der medialen Berichterstattung, die es anderen Sportarten schwer bis unmöglich macht, regelmäßig Interesse für ihre Belange zu wecken. Um nicht mißverstanden zu werden, ich bin absolut für eine geschlechterneutrale Förderung der sportlichen Aktivitäten. Nur wenn der DFB hier wirklich durchzieht, werden die z. B. Turn-, Schwimm-, Basketball-, Leichtathletik-, Volleyballverbände das Nachsehen haben. Wer wissen will, wie abwechselungsreich Sport sein kann, suche in den Archiven mal nach einer Sportschau oder einem aktuellen Sportstudio aus den 70er und 80er Jahren.

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missourians 01.07.2019, 16:53
5.

...nicht nur der DFB sabotiert, auch das Fernsehen!

Es wurde ständig über die U21 (EM) berichtet, und wenig bis gar nichts über die Damen WM!!!
Egal welcher Sender. NTV Nachrichten Sport, Heute/Tagesschau.... Immer ausführlich die männliche U21, und wenig bis nichts über die Damen WM.

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StefanXX 01.07.2019, 16:54
6. Frauen-Fussball trotz Medien-Hype uninteressant

Fakt ist doch, dass selbst der von ARD und ZDF inszenierte Medienhype nicht dazu geführt hat, dass sich jemand für Frauenfussball interessiert. Und das sollte man dann auch einfach mal akzeptieren. Dazu nur 3 Beispiele aus dem realen Leben: 1) Ich habe in meiner Stadt, ja nicht mal im Umkreis von 100 km auch nur ein einziges Auto gesehen, das mit Deutschlandfahnen geschmückt gewesen wäre, während beim Männerfussball zur WM ca. jedes 4 Auto so rumfährt. 2) Abends wenn man einen Trinken geht, dann hat niemand, wirklich niemand Frauenfussball geguckt, während beim Männerfussball die Buden beim Public Viewing voll waren.3) Man gehe bitte einfach mal zu einem ganz normalen Erstliga-Spiel im Frauenfussball, selbst ein durchschnittlicher Fünftligist im Männerfussball hat da noch mehr Zuschauer. Das alles sind doch unbestreitbare Beweise, dass es die Leute nicht interessiert, und das obwohl ARD und ZDF das Thema wegen political correctness pushen (müssen) ohne Ende.

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hei-nun 01.07.2019, 16:55
7. na toll

Das Problem ist leicht geschildert: Der Bundesliga-Zuschauer-Schnitt bei den Frauen liegt bei 833 ! Bei den Männer beträgt er 43.467. Das heißt, dass die Männer ein über 50 mal größeres Interesse wecken. Wer nur irgendein Spiel der Frauen-WM gesehen hat, weiß warum. Das heißt im Klartext: Die Frauen können sich im Fußball nicht mit den Männern messen oder Amateure (Regionalliga) gegen Profis (1. BL). Warum muss es da die gleichen Prämien geben ? Das liegt eben daran, dass Fußball nicht der ideale Frauen-Sport ist und deshalb viel weniger Frauen Fußball spielen. Es gibt andere Sportarten, da ist es ähnlich: Boxen, Gewichtheben, Tischtennis, Ski-Springen, Radfahren, usw. Auch dort gibt es grundsätzlich das gleiche Problem. Wenn eine Sportlerin viel Geld verdienen will, sollte sie das nicht mit Fußball versuchen. Und das ist alles andere als ein Skandal !

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troy_mcclure 01.07.2019, 16:56
8. Wunsch versus Wirklichkeit

"Vielleicht hilft es, die europäische Perspektive zu verlassen. In den USA wird Fußball, dank der Förderung an den Highschools, schon lange von vielen Frauen gespielt. Dort hat sich eine Profiliga (NWSL) etabliert, in der in dieser Saison vor durchschnittlich über 6000 Zuschauern gespielt wird. Die US-Nationalspielerinnen sind beim Verband angestellt, alle anderen werden von den Vereinen bezahlt und erhalten Jahresgehälter zwischen 16.538 und 46.200 US-Dollar. "

Solche Gehaltbudgets sind aber für viele Frauenbundesligaclubs schlicht nicht zu stemmen, mangels Sponsorengeldern.

"Eine Vermarktung, die diesen Namen verdient und sich nicht auf dem viralen Erfolg eines kommerziellen Werbespots ausruht. Der Fußball muss stärker in die Öffentlichkeit getragen werden, zum Beispiel über späte Anstoßzeiten, volle Stadien oder Nationalspielerinnen als DFB-Werbegesichter."

Anstoßzeiten sind sicherlich besser einteilbar, aber wie wollen Sie die Leute ins Stadion kriegen? Frauenfußball zieht einfach nicht so, was auch am immer moch überschaubaren Niveau liegt (siehe das siegtor der Schweden).

Der Verband muss kritische Themen wie die Prämienregelung oder Diversität im DFB zulassen - ohne Spielerinnen zu bevormunden. Allerdings müssen sich die Spielerinnen selbst auch häufiger mit starken Meinungen positionieren.

Unbestritten richtig

Eine bessere Ausbildung von Trainerinnen. Bei der WM wurden neun von 24 Teams von weiblichen Trainern betreut, in der kommenden Bundesligasaison gibt es überhaupt keine Trainerin. In den Fußballlehrer-Lehrgängen des DFB sitzt im Durchschnitt eine Frau unter 25 Teilnehmern.

Das ist richtig, da müsste die Quote steigen, aber vielleicht gibt es einfach auch weniger weibliche Bewerber. Fakt ist, dass es ca. 5-6 mal so viele Spieler wie Spielerinnen gibt und das Verhältnis bei den Trainern ähnlich sein dürfte

Der DFB verzeichnet einen Rücklauf im Mädchenfußball, umso wichtiger ist eine gezielte Förderung von Vereinen mit guter Nachwuchsarbeit. Eine stärkere Integration des Fußballs in den Schulsport. Dort können Mädchen unabhängig vom Vereinswesen für den Fußball begeistert werden.

Sehr gute Idee

Sportlich hätte es keine Auswirkungen, aber es wäre ein vorbildliches Signal, wenn sich der DFB für Spielerinnen engagiert, die ein Kind bekommen wollen. Finanzieller Schutz in Form von Elterngeld ist die eine Seite, es geht aber auch um garantierte Kaderplätze nach der Rückkehr in den Leistungssport.

Wie soll das gehen? Leistungssport verträgt sich halt nun mal mit Kinderkriegen nur bis zu einem gewissen Maß.

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konterspieler 01.07.2019, 16:58
9. Bis vor einigen Jahren war die Nationalmannschaft der Frauen erfolgreicher als die der Männer ....

und neben den Amerikanerinnen die erfolgreichste Frauen-Nationalmannschaft der Welt. Wie konnte es überhaupt zu diesem sportlichen Niedergang kommen? Dieser Aspekt fehlt in Ihrem Artikel ganz!
Das wäre aber wichtig zu wissen. Haben sich die dfb-Funktionäre auf den Erfolgen der Frauen selbstgefällig ausgeruht, nach dem Motto: die gewinnen ja so schon Alles, wofür sollten die noch Förderung benötigen?
Die dfb-Frauen sollten mal so richtig auf den Putz hauen und nach dem Vorbild der grossartigen Schülerinnen von fridays for future die Nationalmannschaft bestreiken und solange nicht mehr antreten, bis der DFB sein Konzept der Minimalförderung gründlich überarbeitet! Dafür müssten sich aber alle Spielerinnen einig sein und es dürfte keine "Streikbrecherinnen" geben. Es muss so richtig "knallen", sonst ändert sich gar nichts! Das ist überall so. - Apropos: Wer hat eigentlich Lust, sich für 250 EURO auf die Knochen treten zu lassen...?

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