Forum: Sport
Zukunft des Fußballs: Wie der DFB das Frauennationalteam sabotiert
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Das Rampenlicht WM ist für die deutschen Fußballerinnen erloschen. Nun gilt es, den Sport nachhaltig zu fördern. Der DFB hat daran aber wenig Interesse - obwohl es viele leicht umzusetzende Ideen gibt.

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im_ernst_56 02.07.2019, 10:10
80.

Zitat von Steueragenta
Ich merke ja, sie sind Handballfan. Das ist auch ein schönes Spiel. Jedoch gegen König Fussball ist es eher eine Randsportart. Das merkt man zum Beispiel daran, dass ich mindesten zehn Jungs kenne, die Fussballstar werden wollen, aber keinen, der Handballstar werden will.
Dass der Handball noch die Rolle spielt, habe ich nicht behauptet. Sie müssen meine Aussage im Zusammenhang mit der Erwiderung auf Karla Winterstein verstehen, die auf die Bedeutung des Rugbys im Verhältnis zum Fußball in einigen europäischen Ländern verwies. Ausgangspunkt der Diskussion war die Aussage von Vera Gehlkiel, die vom Fußball als "einer Sportart, die wie keine andere noch assoziiert ist mit deutscher Alltagskultur und Lebensart" schrieb und damit die Notwendigkeit einer starken finanziellen Förderung des Frauenfußballs (wohl auch im Vergleich zu anderen von Frauen betriebenen Sportarten) begründete. Im übrigen bin ich kein spezifischer Handballfan, aber Sportfan allgemein und liebe neben dem Fußball auch die Leichtathletik, auch wegen der tollen Atmosphäre in den Stadien. Die WM vor einigen Jahren und die EM im letzten Jahr in Berlin waren für mich echte Highlights.

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im_ernst_56 02.07.2019, 10:32
81.

Zitat von Don Slawinde
Entweder, sie haben keine Ahnung von Fußball, von Sport allgemein, von Unterschieden (!) zwischen Männern und Frauen und vom Kapitalismus oder sie wollten nur mal zeigen zu was falsch verstandener Feminismus führen kann. In diesem Artikel steht so viel Unsinn, das kann man gar nicht alles widerlegen! Unfassbar schlecht! Journalismus, der sich realitisch mit den Problemen des Frauenfußballs auseinander setzt, ist der von Ihnen als "fragwürdig" bezeichnete Artikel aus der "Zeit". Das ist ein lesenswerter Artikel, einfach guter Journalismus. Danke für den Link!
Der Kommentar in der "Zeit" wurde von Philip Köster mitverfasst, dem Chefredakteur von "11 Freunde", dem m.E. anspruchsvollsten Fußballmagazin. Herr Köster versteht was vom Fußball. Wenn Herr Krämer diesen Kommentar als "fragwürdig" bezeichnet, dann muss man fachlich natürlich etwas mehr auffahren als er es getan hat. Jedenfalls genügt es nicht, die Gründe für das Scheitern der DFB-Frauen allein durch die feministische Brille zu betrachten und einfach nur mehr Geld für den Frauenfußball zu fordern. Darauf läuft sein Kommentar hinaus. Dass seinem Blick auf den Frauenfußball in den USA die ökonomische Durchdringung der Verhältnisse gefehlt hat, hatte ich bereits angemerkt.

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Karla Winterstein 02.07.2019, 11:36
82. Wo hört Sport auf und fängt Unterhaltung an

Zitat von im_ernst_56
Man kann die Entwicklung im Profifußball der Männer furchtbar finden und den Frauenfußball oder den Amateurfußball idealisieren. An den Fakten ändert das nur nichts.
Profisport gehört zur Unterhaltungsindustrie, so wie Theater, Kino, Festivals, etc. Zuschauer wollen sich nicht sportlich betätigen, sondern unterhalten werden.

Bedingt durch die heutigen Medien gibt es eine grosse Verbreitung, was für hohe Umsätze sorgt und Bezahlung der Beteiligten, wie bei Filmstars.

Im Amateurbereich sind zwar Zuschauer sehr erfreulich, aber es geht in erster Linie um die am Sport aktiv beteiligten Personen. Das hat nichts mit den Unterhaltungsveranstaltungen der Profis zu tun, unabhängig von der Sportart.

Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass sich von uns in der Zeit, als wir aktiv Fussball spielten, niemand für die Profiligen interessierte. Wir hatten unseren Sport und lebten ansonsten unser Leben, bei welchem andere Interessen eine Rolle spielten.

Meines Erachtens gehört der Unterhaltungs-Profibereich DFL in keiner Weise zum DFB, der sich um die Organisation bezüglich der vielen Amateure kümmern sollte.

DFL ist kommerzielles Geschäft, DFB dient der Unterstützung der Sport treibenden Amateure, ob Frauen, Männer, Jugendliche oder Erwachsene.

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pjotrmorgen 02.07.2019, 12:30
83. "Förderung von oben"

Etwas höhere Gehälter für Fussballerinnen der NM oder Bundesliga sind ja OK, aber mit viel Geld wird man erstens das Niveau des Frauenfussballs und die Popularität nicht entscheidend verändern.

Angesichts von nur maximal 5% Frauenteams unter allen beim DFB registrierten Vereinsmannschaften, gilt es erst einmal eine breitere Basis für den Frauenfussball zu schaffen. Eine Möglichkeit wäre es gemischte Teams zuzulassen, die auch in entsprechenden Ligen spielen dürfen.

Das wird gleich einen Sturm der Entrüstung hervorrufen: Frauen und Männer sind ja sooooooo verschieden (!!!!!). Ein einfaches Beispiel aus einer anderen Sportart wiederlegt dies: Gemischte Doppel sind im Tennis bei Grand Slams Standard, kein Schwein labert da über körperliche Unterschiede, das ist etwas ganz Fussballspezifisches.

In Wirklichkeit hat es auch im Hobbyfussballbereich schon immer Mädchen und Frauen mit körperlichen Voraussetzungen und fussballerischen Fähigkeiten gegeben, die über denen von "Durchschnittsmännern", d.h. der meisten Männer liegen. Jetzt wird als Replik gleich wieder ein Beispiel gebracht, dass irgendeine U16 eine Frauennationalmannschaft besiegt hätte. Wenn Männerteams gegen Frauenteams verlieren, was immer wieder vorkommt, wird das natürlich seltener berichtet und mit allerlei Akribie erklärt, dass da nur unterklassige Ersatzspieler und Krüppel eingesetzt wurde.

Mein Vorschlag: Gemischte Teams als Vereinsteams zulassen, dann wird es mehr fussballernde Mädchen und Frauen geben und dadurch steigt das Niveau des Frauenfussballs in Deutschland zwangsläufig.

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im_ernst_56 02.07.2019, 12:54
84.

Zitat von Karla Winterstein
Profisport gehört zur Unterhaltungsindustrie, so wie Theater, Kino, Festivals, etc. Zuschauer wollen sich nicht sportlich betätigen, sondern unterhalten werden. Bedingt durch die heutigen Medien gibt es eine grosse Verbreitung, was für hohe Umsätze sorgt und Bezahlung der Beteiligten, wie bei Filmstars. Im Amateurbereich sind zwar Zuschauer sehr erfreulich, aber es geht in erster Linie um die am Sport aktiv beteiligten Personen. Das hat nichts mit den Unterhaltungsveranstaltungen der Profis zu tun, unabhängig von der Sportart. Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass sich von uns in der Zeit, als wir aktiv Fussball spielten, niemand für die Profiligen interessierte. Wir hatten unseren Sport und lebten ansonsten unser Leben, bei welchem andere Interessen eine Rolle spielten. Meines Erachtens gehört der Unterhaltungs-Profibereich DFL in keiner Weise zum DFB, der sich um die Organisation bezüglich der vielen Amateure kümmern sollte. DFL ist kommerzielles Geschäft, DFB dient der Unterstützung der Sport treibenden Amateure, ob Frauen, Männer, Jugendliche oder Erwachsene.
Ich habe auch mal Fußball im Verein gespielt. Damals gab es noch vor den Spielen der Bundesligamannschaft ein Vorspiel von Knaben- oder Schülermannschaften (heute D-Jugend und C-Jugend) und es war das absolut Geilste, im Stadion meiner Heimatstadt das Vorspiel vor dem Bundesligaspiel bestreiten zu dürfen. Heute gibt es diese Auflaufkids, was ich im Vergleich zum Vorspiel vor früher ziemlich albern finde. Die Bundesliga hat uns schon interessiert und wenn wir als Vorstadtklub der Jugendmannschaft des Bundesligavereins mal eins auswischen konnten (was leider sehr selten vorkam), dann war das schon sehr cool. Zurück zum eigentlichen Thema: Was nützt die Erkenntnis, dass der Profifußball Unterhaltung ist, wenn der Profifußball ein Aushängeschild des DFB ist und ganz wesentlich zu seinen Einnahmen beiträgt? Was glauben sie wohl, was vom DFB übrig bliebe, wenn der Profifußball ausziehen würde? Bei allem Verständnis für romantische Vorstellungen: Die Fußballwelt ist, wie sie ist. Nicht nur bei uns.

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mylinux 02.07.2019, 13:14
85. Wie Recht Handballer 1968 doch hat ...

Zitat von handballer1968
Wie an meinem Nikname unschwer erkennbar ist, gilt mein Fokus einer anderen Ballsportart. Daher sehe ich es mit sehr großer Sorge, wenn der DFB seine finanzielle und mediale Stellung nunmehr dazu nutzen würde, im Bereich des Mädchen- und Damenfußballs das gleiche "Erfolgsmodell" umzusetzen wie bei den Jungs und Männern. Wir haben doch seit Jahren eine Monokultur insbesondere in der medialen Berichterstattung, die es anderen Sportarten schwer bis unmöglich macht, regelmäßig Interesse für ihre Belange zu wecken. Um nicht mißverstanden zu werden, ich bin absolut für eine geschlechterneutrale Förderung der sportlichen Aktivitäten. Nur wenn der DFB hier wirklich durchzieht, werden die z. B. Turn-, Schwimm-, Basketball-, Leichtathletik-, Volleyballverbände das Nachsehen haben. Wer wissen will, wie abwechselungsreich Sport sein kann, suche in den Archiven mal nach einer Sportschau oder einem aktuellen Sportstudio aus den 70er und 80er Jahren.
... damit andere Sportarten bessere Medienzeiten bekommen kann der DFB und die DFL Ihre Veranstaltung ja ausschließlich im PayTV ausstrahlen ... Ich würde so gerne die Beach-Volleyball WM, die derzeit in Hamburg läuft, abends im TV sehen...

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Don Slawinde 02.07.2019, 13:17
86. @pjotrmorgen

Zu bestreiten, dass Männer "sooooooo verschieden" sind ist tatsächlich hanebüchen, spielt im weiteren aber keine Rolle.
Die Mixed im Tennis sind zwar etabliert, richtig interessieren tun sie aber auch nicht was natürlich mehrere Gründe hat.
Da es zwingend (!) 50:50 (bzw. 1:1) gemischte Teams sind, ist es logisch, dass da "kein Schwein über körperliche Unterschiede labert", es gibt sie in diesem Fall schlicht nicht. Ansonsten ist es aber auch im Tennis so, dass Herren-Tennis etwas anderes als Damen-Tennis ist, eben wegen der körperlichen Unterschiede, ohne bewerten zu wollen, was davon ansehnlicher ist.
Dass ein Männerteam gegen ein Frauenteam im Fußball verloren hat, kann ich mich nicht erinnern. Evtl. hat die Frauennationalmannschaft mal knapp gegen einen Landesligisten gewonnen, mag sein. Was man dazu zur Rechtfertigung für die Männer überhaupt noch sagen muss, keine Ahnung. Wenn eine Nationalmannschaft gegen eine andere Mannschaft gewinnt ist das ja einfach nur normal. Andersrum ist es schlicht peinlich, erst recht, wenn es Jugendliche sind!
Nun zu den gemischten Teams im Fußball: finde ich tatsächlich erstmal interessant die Idee. Könntest du das weiter ausführen? Mit oder ohne Quote? Ohne Quote müsste es sein, wenn man davon ausgeht, dass es keine Unterschiede gibt. Mit wäre vermutlich erstmal besser für die Förderung, wäre aber schwer umzusetzen und auch zu begründen.
In meiner Kindheit hat eine Klassenkameradin von mir ganz selbstverständlich auch bei uns im Verein mitgekickt und war gar nicht mal schlecht (zumindest besser wie ich). Das durfte sie allerdings nur bis sie zehn oder zwölf war, ab da war es ihr nicht mehr erlaubt. Keine Ahnung warum es diese Regelung gab, wahrscheinlich wurden hier Problem während der Pubertät befürchtet. Ich weiß auch nicht ob es eine solche Regelung noch gibt. Bei Alexandra Popp war es wohl so, dass die Grenze bei 14 Jahren lag.
Ich glaube aber, dass es zu wenige Mädchen schaffen würden als das sich gemischte Teams wirklich etablieren könnten. Das Verbot dazu gehör aber tatsächlich überdacht.

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Karla Winterstein 02.07.2019, 13:20
87. Ich bin diesbezüglich relativ emotionslos

Zitat von im_ernst_56
Bei allem Verständnis für romantische Vorstellungen: Die Fußballwelt ist, wie sie ist. Nicht nur bei uns.
Es hat nichts mit Vorstellungen zu tun, sondern mit gesetzlichen Rahmenbedingungen. Da offensichtlich auch diverse Juristen einen Konflikt zwischen kommerziellen Profiwelt und dem Amateurbereich sehen und seit geraumer Zeit an Klagen arbeiten (ich fand entsprechende Meldungen zufällig imvWeb, habe aber keine Referenzen, da es mich nicht weiter interessierte), schient es ja Probleme zu geben.

Wer weiss, was UEFA, FIFA und Profivereine im Laufe der nächsten Jahre noch so allen Möglichkeiten finden mehr Geld zu verdienen. Das Wachstum liegt nicht in Europa, so dass die seltsamsten Konstruktionen möglich sind.

Abwarten.

Ob der Fussball in 10 Jahren noch so organisiert ist, wie heute, bezweifle ich. In welche Richtung das aber gehen wird, wissen die Fussballgötter.

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troy_mcclure 02.07.2019, 13:21
88.

Zitat von pjotrmorgen
Etwas höhere Gehälter für Fussballerinnen der NM oder Bundesliga sind ja OK, aber mit viel Geld wird man erstens das Niveau des In Wirklichkeit hat es auch im Hobbyfussballbereich schon immer Mädchen und Frauen mit körperlichen Voraussetzungen und fussballerischen Fähigkeiten gegeben, die über denen von "Durchschnittsmännern", d.h. der meisten Männer liegen. Jetzt wird als Replik gleich wieder ein Beispiel gebracht, dass irgendeine U16 eine Frauennationalmannschaft besiegt hätte. Wenn Männerteams gegen Frauenteams verlieren, was immer wieder vorkommt, wird das natürlich seltener berichtet und mit allerlei Akribie erklärt, dass da nur unterklassige Ersatzspieler und Krüppel eingesetzt wurde.
Mag sein, dass das immer wieder mal vorkommt, aber sehr selten, einfach, weil Frauen körperlich NICHT überlegen sind.
Und sicher haben Sie ein Beispiel dafür, dass "Männerteams gegen Frauenteams verlieren, was immer wieder vorkommt...", oder?
Sie können wohl davon ausgehen, dass dazu nicht seltener berichtet würde, sondern eher als Aufmacher in der Bild.

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Karla Winterstein 02.07.2019, 13:50
89. Der DFB unterstützt gemischte Teams bis zur U-17 (B-Jugend)

Zitat von Don Slawinde
...Keine Ahnung warum es diese Regelung gab, wahrscheinlich wurden hier Problem während der Pubertät befürchtet. Ich weiß auch nicht ob es eine solche Regelung noch gibt. Bei Alexandra Popp war es wohl so, dass die Grenze bei 14 Jahren lag. Ich glaube aber, dass es zu wenige Mädchen schaffen würden als das sich gemischte Teams wirklich etablieren könnten. Das Verbot dazu gehört aber tatsächlich überdacht.
Beispielsweise spielte Lena Oberdorf vor etwas über einem Jahr noch in einer gemischten Mannschaft Gevelsberg. Melanie Leupolz spielte nach eigener Aussage auch so lange in einem gemischten Team.

Nach Aussage des DFB ist das inzwischen sogar erwünscht (https://www.dfb.de/spieler/bis-u-11-spielerin/artikel/maedchen-und-jungen-so-lange-wie-moeglich-zusammen-253/).

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