Forum: Sport
Zum Tod von Robert Enke

Er war ein großartiger Fußballer und ein sensibler Charakter. Robert Enkes Karriere verlief extrem wechselhaft. Nun hat er sich das Leben genommen. Wie behalten Sie Robert Enke in Erinnerung? Wie sehen Sie seinen tragischen Tod?

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Jolly65 15.11.2009, 05:00
990. Abwehr und so

Zitat von andii80
Man kann das natürlich als "Berufsrisiko" abtun, doch in meinen Augen war Enkes Tod vor allem eines: feige. Krankheit hin oder her.
Jawoll, Urteilen über Dinge, die man nicht versteht, ist schließlich nicht umsonst Volkssport, das erhebt einen so schön und man muß gar nichts dafür wissen. Bringen sie sich doch einfach mal um, sie sind doch nicht etwa zu feige dafür? Ich glaube, das Wort "feige" wird von vielen Leuten verwendet, ohne sich je Gedanken darüber zu machen, was sie sagen. Attentäter, die sich dabei selbst in die Luft sprengen, werden als feige bezeichnet, obwohl das offensichtlich Unsinn ist und jemand, der auf den Schienen Suizid begeht, ebenso. "Feige" ist im Sprachgebrauch vieler einfach nur ein beliebiges Schimpfwort.

Viele, die hier so über Enke oder andere Depressive oder Menschen, die sich das Leben nehmen schreiben, betreiben nichts weiter als Abwehr. Abwehr eigener depressiver Anteile, Abwehr der Botschaft, daß Ohnmacht real sein kann und zum Leben gehört (spätestens am Ende), Abwehr jeden Zweifels an der Souveränität des eigenen Willens.

Spiegel Online hatte vor kurzem einen Artikel über die Depression im Angebot. Auf der Seite war ein Kasten über den "depressiven Realismus", d.h. Depressive schätzen den eigenen Einfluß auf Ereignisse realistischer ein als Nichtdepressive, die den eigenen Enfluß überschätzen. Und genau diese Überschätzung ist der Grund für die verbreitete Ignoranz gegenüber Depressiven und anderweitig psychisch Kranken. Psychische Krankheiten entlarven diese Überschätzung der eigenen Souveränität und müssen deshalb umgedeutet werden als Charakterschwäche, Willensschwäche, Faulheit etc., dann hat die eigene Welt wieder ihre Ordnung.

Bei körperlichen Krankheiten ist das schwerer, das Problem lösen wir dann dadurch, daß wir den Kontakt abbrechen, dann sieht man es nicht mehr. Erkrankt man an Krebs, hat man schnell kaum noch Freunde. In beiden Fällen geht es darum, den bedrohlichen Gedanken an Ohnmacht abzuwehren. Bei psychischen Krankheiten wird oft aus der Not eine Tugend gemacht, indem die Kranken abgewertet werden, wobei man sich gleichzeitig selbst aufwertet (man ist selbst aus anderem Holz geschnitzt und demonstriert das durch die Abwertung des Kranken). Die Psyche macht immer kurzfristige Kosten-/Nutzenanalysen und so lohnt es sich halt am meisten. Das einzige, das dagegen hilft, ist Aufklärung und Selbstreflektion.

Jolly65

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Fritz Katzfuß 15.11.2009, 06:44
991. Kein Freitod

Freitod ist auf ejden Fall die falsche Bezichnung für eine Selbsttötung aufgrund von Depressionen.

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Jamesteakirk 15.11.2009, 07:17
992. Seelische Verletzungen in der Kindheit

Ich möchte mal etwas zu diesem Thema sagen, was offenbar nicht angesprochen wird.

Warum wird im Fall Robert Enke kein einziges Mal die Aufmerksamkeit auf seine Kindheit gelenkt und die Rolle der Eltern?

Wenn sich jemand umbringt oder einen Amoklauf begeht, dann ist dies auf schlimme traumatische Erfahrungen in der Kindheit zurückzuführen. Wie sämtliche psychischen Erkrankungen, von denen doch letztlich jeder Mensch unserer Geselschaft irgendwie betroffen ist.

Dieses Tabu darf offensichtlich nicht berührt werden.
Entweder "einigt" man sich darauf, daß es keine Erklärung gibt, oder man greift auf Pseudoerklärungen wie "die Gesellschaft", der Leistungsdruck, Schicksalsschläge etc. zurück.

Nur die eine Frage dürfen wir nicht stellen. Was hat Robert Enke in seiner Kindheit erlebt, daß er mit den Fährnissen des Lebens nur auf eine solch destruktive Weise umgehen konnte?

Ein Mensch, der als Kind geliebt und respektiert wurde, hätte die Kraft, den Tod einer Tochter zu verarbeiten, er wäre in der Lage "Good bye" Leistungssport zu sagen, wenn ihm dieser als inhuman vorkommt, oder er wäre besser mit dem Leistungsdruck klargekommen.

Er hätte nicht solch ein großes Leid bei seiner Frau und seiner anderen Tochter hinterlassen müssen.

Unsere Gesellschaft will auf keinen Fall die Frage zulassen, wie Eltern mit ihren Kindern umgehen, was die angeblich normale Erziehung für ein Leid produziert.

Lieber irgendwelche Pseudoantworten, damit man nicht auf das Leid in der eigenen Kindheit gestoßen wird. Dieses Problem betrifft nahezu jeden Menschen, und genau deshalb ist die Angst so groß, eine ernsthafte Antwort zu finden auf die Frage, woher Depressionen und alle anderen Formen der menschlichen Destruktivität herkommen.

Diese Pseudoantworten sind so lächerlich, weil es unzählige Fälle gibt, die unter gleichen Bedingungen eben ganz anders und positiver gehandelt haben.

Dies betrifft zum Beispiel auch die "Erklärungen" des Holocaust usw. Warum führt die Gleichung "Versailler Vertrag + labile Weimarer Verfassung + Weltwirtschaftskrise + soziale Wohltaten der Nazis + etc." bei nicht wenigen Leuten dazu, daß sie eben nicht Juden vergasen, die Nazis unterstützen, daß sie Widerstand leisten usw.

Die einfachen Erklärungen sind so schön und unverbindlich. Wir müssen uns nicht fragen, was für eine faschistoide und totalitäre Erziehung die Generation des Holocaust erlebt hat.

Ebenso ist es mit dem Selbstmord von Enke und vielen anderen Negativschlagzeilen, die uns erregen.

Wer sich ernsthaft mit dem Problem der Kindesmißhandlung auseinandersetzen möchte, sollte sich einmal folgende Seite anschauen: http://www.alice-miller.de

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Rudolf_56 15.11.2009, 07:29
993.

Zitat von seine_unermesslichkeit
Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass bei den meisten "Trauernden" sich mehr eine verborgene Sehnsucht nach kollektiver Gleichschaltung manifestiert. Vielleicht ist es doch ganz gut, dass wir in Deutscland keine direkte Demokratie haben?!
Ich hatte mir auch immer eine direkte Demokratie gewünscht.
Wenn ich aber sehe, was hier in den letzten Jahren in D. passiert, bin ich dankbar, dass es für dieses Wählervolk diese Form der Freiheit hoffentlich nie geben wird.
Heute belächelt uns das Ausland noch über die ständigen Ausuferungen oder schüttelt den Kopf über soviel "Patriotismus" und überschäumenden Fanatismus der Masse.
Wenn es so weiter geht, wird die Welt eher misstrauisch, die deutschen Medien sind schon wieder Opium fürs Volk.

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hardy2402 15.11.2009, 08:13
994.

Auszug aus der Internet Seite von Hannover96.....

Trotz unseres Schmerzes versuchen wir Mitarbeiter von Hannover 96 eine würdige Trauerfeier zu organisieren. Nach der bewegenden Andacht in der Marktkirche und dem von 96-Anhängern initiierten Trauermarsch durch Hannover hat Roberts Frau Teresa die Bitte geäußert, alle Freunde und Anhänger ihres verstorbenen Mannes in der AWD-Arena Abschied von ihm nehmen zu lassen.

Hannover 96 unterstützt Teresa Enke in ihrem Wunsch, Robert und seine Freunde, Fans und Mannschaftskollegen in angemessenem und würdigem Rahmen auseinander gehen zu lassen.....

Auf Wunsch von dem Menschen der Robert Enke wohl am besten gekannt hat.

Niemandem soll sich anmaßen diese Trauerfeier zu Verurteilen.

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hardy2402 15.11.2009, 08:36
995.

Zitat von icke 1977
Warum wird im Fall Robert Enke kein einziges Mal die Aufmerksamkeit auf seine Kindheit gelenkt und die Rolle der Eltern? Wenn sich jemand umbringt oder einen Amoklauf begeht, dann ist dies auf schlimme traumatische Erfahrungen in der Kindheit zurückzuführen. Wie sämtliche psychischen Erkrankungen, von denen doch letztlich jeder Mensch unserer Geselschaft irgendwie betroffen ist.
Entschuldigen Sie bitte, aber das ist Quatsch!! Nicht jeder der in seinem Leben an Depressionen erkrankt oder sich umbringt ist die Ursache in der Kindheit zu suchen. Das mag in der Mehrzahl der Fälle so sein, aber so wie sie es schreiben kann man es nicht stehen lassen.

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AKA 15.11.2009, 08:53
996.

Zitat von barack abamo
Natürlich kommen auch hier die Pseudointellektuellen des Spon-Forums zu Wort. Es scheint im diesen Kreisen äußerst hipp zu seien sich als nicht Fußballinteressierten zu outen. Komisch das.
Was hat das denn mit "pseudointellektuell" zu tun? Man kann sich doch einfach NICHT für Fußball interessieren, weil man sich eben nicht dafür interessiert.
Mir geht der Hype, der sich grundsätzlich um die Kickerei dreht, gewaltig auf die Nerven. Wenn da z.B. verlorene Spiele gleich zu einer nationalen Katastrophe hochstilisiert werden. Oder Betrügereien, wie neulich mal mit dem einen Schiedsrichter. Das nimmt man dann natürlich auch als nicht-fußball-interessierte Person zur Kenntnis - und wundert sich.
Mir war Herr Enke bis zu seinem Tod jedenfalls auch kein Begriff. Ich konnte mich dann aber erinnern, dass vor einiger Zeit mal die Geschichte eines herzkranken Fußballer-Kindes die Schlagzeilen in den Zeitungskästen bestimmte.


Zitat von barack abamo
Wie auch immer, mich hat der Tot des Herrn Enke und die mir natürlich unbekannte Geschichte seiner Krankheit die dahinter steckt sehr berührt.
Dieses Schicksal hat mich auch berührt. Nicht zuletzt der Auftritt der Witwe. Und wenn dadurch Verständnis für eine offenbar tabuisierte Erkrankung geweckt wird, isses 'gut'. Aber wie lange dieses Verständnis nach Herrn Enkes Tod anhält, wird man dann ja sehen...

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Hercules Rockefeller 15.11.2009, 09:05
997.

Zitat von hardy2402
Auf Wunsch von dem Menschen der Robert Enke wohl am besten gekannt hat. Niemandem soll sich anmaßen diese Trauerfeier zu Verurteilen.
Vor allem auf Wunsch des Menschen, der Enke im Moment mit Abstand am meisten hassen wird.

Trauer beginnt, wenn die Leiche verbuddelt ist-und bei Hinterbliebenen von Selbstmördern überwiegen bis dahin eher negative Emotionen zur Person. Enke hat bis zuletzt erfolgreich vermieden, dass die Öffentlichkeit von seiner Erkrankung erfährt. Das seine Frau nun alles detailliert auf den Tisch packt, dass nennt man Rache!

Zynischer sind nur die ganzen Entertainer des Todes, wie die Käßmann, die ungefragt die große Evangelenshow gibt-die wähnt sich schon als Päpstin von Deutschland, bei all der medialen Relevanz, die ihr momentan zugesprochen wird. So viel Attention für eine öffentliche Märchenlesung bekommt sonst doch nur der Ratze.

Die Enke-Show ist wirklich der Gipfel der Heuchelei, mehr ist dazu nicht mehr zu sagen. Da kann man wirklich froh sein, dass er das nicht mehr erleben muss...

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docmed 15.11.2009, 09:16
998. Unsinnige und haltlose Spekulation!

Warum wird im Fall Robert Enke kein einziges Mal die Aufmerksamkeit auf seine Kindheit gelenkt und die Rolle der Eltern?

Wenn sich jemand umbringt oder einen Amoklauf begeht, dann ist dies auf schlimme traumatische Erfahrungen in der Kindheit zurückzuführen. Wie sämtliche psychischen Erkrankungen, von denen doch letztlich jeder Mensch unserer Geselschaft irgendwie betroffen ist.

Wieder so ein haltloser Beitrag!
SO wird ein fachlich begründeter Schuh draus:

Leute und alle Ihr Sterndeuter und Hobbypsychologen hört endlich auf!
Es geht nicht darum, ob etwa Enkes Berufskollegen nicht aufmerksam genug gewesen sind oder ob der Leistungsdruck in unserer Gesellschaft diese Depression ausgelöst hat. Das ist alles falsch.
Diese Krankheit gibt es in allen Kulturen und es gab sie zu allen Zeiten. Solche Zeitgeist-Debatten, wie sie zur Zeit in den Medien und auch in diesem blog geführt werden, lenken vom eigentlichen Problem der Krankheit ab. Enke hat an einer der schwersten Formen, nämlich einer phasenhaften Depression gelitten, und das ist die Ursache des Suizids gewesen. Aus meiner Sicht ist der Hannoveraner Torwart auch richtig behandelt worden. Aber man muß sich eingestehen, dass 10(zehn!) Prozent der Menschen, die an solchen Depressionen leiden, sich das Leben nehmen, auch wenn grundsätzlich mit Antidepressiva und Therapie viele Erkrankte wieder vollkommen gesund und berufsfähig werden. Eine Psychatrie, die behaupten würde, in allen Fällen helfen zu können, wäre unseriös. Es muss in der Öffentlichkeit endlich mehr in der Sache und über die psychischen Erkrankungen selbst aufgeklärt werden, um die Betroffenen entstigmatisieren zu können.

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hardy2402 15.11.2009, 09:16
999.

Zitat von wotan
Wo man auch hinschaut, überall wird seiten- oder stundenweise vom "ach so tragischen" Freitod eines Lebensmüden berichtet. Nirgends hört, sieht oder liest man etwas darüber, dass jemand, der keine materiellen Sorgen hatte, einen Anderen in seine Selbstmordabsichten mit hineingezogen hat. Was, wenn der Lokführer so traumatisiert ist, dass er seinen Beruf aufgeben muss? Waas wid dann aus dessen Familie? Daran denkt niemand. Ich sage, wenn sich schon jemand umbringen will, dann soll er das tun. Aber er soll nicht andere benutzen. So wird ein von vielen bedauerter Selbstmörder zu einem vorsätzlichen Lebenszerstörer der Menschen, die er benutzt. Darüber sollte man sich Gedanken machen. Ich bin ja gespannt, ob aus dem Millionenvermögen von Enke Schadenersatz an den Lokführer gezahlt wird.
Ist das mit Geld gut zu machen???? Das scheint alles zu sein was bei ihnen zählt!!

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