Forum: Stil
50 Jahre Benetton: Provokation als Masche
Benetton

Streitbare Kampagnen machten Benetton berühmt. Dann ging Skandal-Fotograf Oliviero Toscani und mit ihm der große Erfolg. Jetzt wird die italienische Modefirma 50 Jahre alt.

Seite 1 von 2
Pinky & Brain 11.11.2015, 10:31
1.

Ich (Jahrgang 1973) bin praktisch mit den Benetton Werbeplakaten von Oliviero Toscani aufgewachsen.
Ich fand sie damals zwar auch provokant, aber vor allem auch kritisch und irgendwie dem Zeitgeist der 80er und 90er absolut angemessen.

Bild Nummer 3 ist und bleibt mein absoluter Favorit und hängt als Poster auch daheim an der Wand.
Es ist ein Jammer, dass Benetton nicht mehr diese Linie fährt und keine Motive mehr von Oliviero Toscani verwendet.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Alfons Emsig 11.11.2015, 10:32
2. Billigste Effekthascherei

Und noch dazu häufig pietätlos. Ich fand die Benetton-Werbung seinerzeit widerlich und voyeuristisch. Motive wurden offenbar einzig und allein danach ausgewählt, ob das Auge des Betrachters daran unwillkürlich "hängen" bleiben muss. Aber sie hat die Marke weltweit bekannt gemacht und darf somit wohl als erfolgreich bezeichnet werden.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
g3cd 11.11.2015, 10:56
3.

Oliviero Toscani wurde bei einem Vortrag bei den Clio Awards in Miami gefragt "wie konnten sie diese Werbung beim Kunde durchkriegen?" und er antwortete "nun, wir haben Benetton zuvor sehr viel Geld eingebracht und sie haben mir vertraut".
Es geht also weniger darum, ob sich jemand als "Künstler" sieht - wie der Autor behauptet - sondern um wirtschaftliche Aspekte und die Notwendigkeit, in einem gesättigten Markt neue Ideen zu haben, um sich gegenüber der Konkurrenz zu profilieren. Das hätte auch was anderes sein können, hätte aber nicht so gut zu der kukturellen Vielfalt gepasst, die der Claim "United Colors of Benetton" erfordert (der schon vorher da war).

Beitrag melden Antworten / Zitieren
comtom 11.11.2015, 11:07
4.

Wäre es nicht als Werbung deklariert würden die Fotos in eine andere Ecke als Provokation rücken.
So aber wird es als pietätlos abgestempelt. Dies grenzt allerdings auch an eine gewisse Naivität. Die Welt ist nun mal so wie sie ist.
Verachtend, mordend, korrupt, kriegerisch und vieles mehr. Die Gesellschaft degeneriert immer mehr und warum soll ausgerechnet bei der Werbung da Grenzen gezogen werden. Es wäre wünschenswert, wenn mehr Firmen der Gesellschaft mal den Spiegel vorhalten würden.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
fred2013 11.11.2015, 11:11
5. Bei mir hat die Methode funktioniert!

es gibt keine Kleidungsstücke von Benetton bei uns. Wer mit dem Leid anderer Menschen billige Effekthascherei betreibt, der passt überhaupt nicht in mein Weltbild und der hat auf der Liste meiner 'Lieferanten' nichts zu suchen. Dauerhaft!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
DesTeufelsAnwalt 11.11.2015, 11:25
6.

Billigste Provokation.
Nichts Hintersinniges, reflexionswürdiges, einfach nur billig.
Und dazu noch mittelmäßig fotografiert.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Memento74 11.11.2015, 11:27
7. Der eigentliche Skandal

ist doch, dass es nicht Politiker, Kirchenoberhäupter, Künstler oder Journalisten waren, die diese Themen gewaltsam in den Vordergrund gerückt haben, sondern eine Pollover-Firma. Solange andere drüber schweigen oder entrüstet sind, solange darf Toscani ablichten, was er will.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
lionel_hutz 11.11.2015, 11:44
8. Schade, dass es das heute nicht mehr gibt

Benetton hat damals Fotokunst auf Werbeplakate gebracht, die sonst im Museum von ein paar Prozent intellektueller Oberschicht des Landes als gelungene sozialkritische Abbildung schrecklicher Realitäten gelobt worden wären.

Durch das Plakatieren in der Öffentlichkeit wurde der durchschnittliche Bild-Leser, der nie ins Museum gegangen wäre, gezwungen sich mit dieser Fotokunst auseinander zu setzen, denn man musste sich das anschauen. Klar, dass diese Leute lieber Marlboro Cowboys oder glückliche Heile-Welt-Mittelstandsfamilien auf den Plakaten wollen, die ihre Psyche nicht belasten. Die haben sich damals aufgeregt.

Benetton hat damals recht mutig gesellschaftliche und soziale Probleme zum Gegenstand breiterer Debatte gemacht und per Saldo wahrscheinlich in der Tat mehr Geschäft dadurch verloren als gewonnen. Mir ist die Marke daher immer sympathisch gewesen (auch wenn ich inzwischen selten etwas da kaufe, weil es einfach nicht mehr mein Stil ist).

Schade, dass es heute kaum noch Organisationen gibt, die so etwas durch Aufnahme in die Werbekampagnen in die Mitte der Gesellschaft tragen. Die nehmen heute alle wieder ein Scheckbuch und fördern irgendwelche guten Zwecke, mobilisieren ihre Kunden aber nicht damit.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
laufmichel 11.11.2015, 11:45
9. ich kann mich noch gut daran erinnern.

Wie die ersten Fotos von Boatpeople und Von der Krankheit gezeichnete Aidspatienten abgelichtet und in den Werbungen von Benetton erschienen. Ich habe die Kunst dahinter ganz offensichtlich nicht begriffen, denn Benetton hatte mich als Kunden ganz konsequent und für immer verloren

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 1 von 2