Forum: Stil
Architekturpreis A+: 98 beste Bauten
Joao Morgado

Bei diesem Wettbewerb ist nichts bescheiden: 5000 Einsendungen, 400 Juroren plus 400.000 Leser-Votes. Die Veranstalter nennen das Ergebnis "die beste Architektur der Welt". Schick sind die Bauten allemal.

mannakn 01.07.2019, 19:35
1. Fazit:

...es wird eigentlich überall schöner und interessanter gebaut als in Deutschland. In meiner Heimatstadt Fürth wird gerade eine neue Feuerwache fertiggestellt, die gerne als Gegenthese zu diesen Bauwerken gesehen werden darf. Wie kann ich mit einem Maximum an öffentlichen Geldern ein völlig uninteressantes Gebäude an den völlig falschen Platz bauen.

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Papazaca 02.07.2019, 08:49
2. inwieweit beeinflußt das Außergewöhnliche den Alltag?

Street Bridge Park , der Lego Bau und die Bamboo Halle in Thailand haben mir gefallen. Vieles finde ich zu groß, zu monumental. Ich vermisse auch mehr Einfamilienhäuser. Aber vielleicht sind ja mehr im Buch, das ziemlich teuer ist. Mal sehen. Interessant ist es allemal zu sehen, was in der Architektur passiert.

Viel wichtiger aber ist, inwieweit gute Anregungen in der "Alltagsarchitektur" landen, siehe auch der Bau in Kigali. Auch wenn viele Häuslebauer es nicht glauben, Architektur kann auch Kunst sein. Klar, sie muß auch funktionieren. Beides ist möglich. Aber sehr selten!

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Romiman 02.07.2019, 12:57
3. Architektur

Ich sehe in dieser Bilderreihe immernoch erschreckend viele "4eckige* Kästen". Ich denke, die Architektur sollte sich in 2 Richtungen weiterentwickeln: erstmal weg von dem ewig gleichen "4eck* mit 3eck* obendrauf-Schema", und dann aber auch in Richtung Effizienz (1. Kosten, 2. Wohnfläche vs. Grundfläche und 3. Energieeffizienz).
Seit Jahren ist bekannt, dass unsere Weise zu bauen erschreckend ineffizient ist und mit der vergleichbar ist, wie man um 1900 herum Autos gebaut hat.
(*Ich weiß, dass es eigentlich Quader und Prismen sind...)

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Papazaca 02.07.2019, 13:19
4. Architektur, die eierlegende Wollmilchsau?

Zitat von Romiman
Ich sehe in dieser Bilderreihe immernoch erschreckend viele "4eckige* Kästen". Ich denke, die Architektur sollte sich in 2 Richtungen weiterentwickeln: erstmal weg von dem ewig gleichen "4eck* mit 3eck* obendrauf-Schema", und dann aber auch in Richtung Effizienz (1. Kosten, 2. Wohnfläche vs. Grundfläche und 3. Energieeffizienz). Seit Jahren ist bekannt, dass unsere Weise zu bauen erschreckend ineffizient ist und mit der vergleichbar ist, wie man um 1900 herum Autos gebaut hat. (*Ich weiß, dass es eigentlich Quader und Prismen sind...)
Die Richtung, die Sie anstreben, ist ja schön. Aber wahrscheinlich sind "viereckige Kästen" mit die kostengünstigsten Lösungen. Und auch Ihr zweite Punkt Wohnfläche vs. Grundfläche geht in die Richtung.

Ich finde das ja sympathisch, so nach der Devise: Ich möchte richtig glücklich werden, aber bitte preiswert. Und wenn Sie von Energieeffizienz sprechen können Sie davon ausgehen, das ein großer Teil der Welt dieses Problem nicht hat, weil es da warm ist.

Hat Ihnen denn was von vorgestellten Bauten gefallen, weil Sie in erster Linie davon schreiben, was ihnen alles nicht gefällt?

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Referendumm 02.07.2019, 14:00
5. @Papazaca #2

Zitat von Papazaca
... Auch wenn viele Häuslebauer es nicht glauben, Architektur kann auch Kunst sein. Klar, sie muß auch funktionieren. Beides ist möglich. Aber sehr selten!
Ich weiß ja nicht, wie oft Sie aus dem Haus kommen, aber he, wenn man mal mit offenen Augen durch Stadt und Land läuft, dann sieht man sehr viele wunderschöne Bauten, auf denen beides zu 100 % zutrifft. Ja, auch Privatbauten belegen dieses eindeutig.

Architektur unterliegt dem Wandel der Zeit, das ist logisch. Was früher das Nonplusultra war und eben auch Design, Kunst sowie Alltagsfunktionalität in sich vereinte, sehen moderne Architekten heute diese Gebäude zum Teil als altmodisch oder gar als ein völliger Graus an. So gehen diese Damen und Herren "Bauleute" hin, knallen irgend ein Monstrum hin und meinen, jetzt den Stein der Weisen gefunden haben; vielfach sind diese Dinger einfach nur - maximal oppositionell - gegen den Strich gebügelt. In 20, 30 oder 40 Jahren werden diese Klötze dann abgerissen und jeder fragt sich: Wie konnten wir nur ... nur bei den ganz alten Bauten geht uns (fast) allen dann das Herz mit freudigem Entzücken auf. Aha, war früher daher alles besser? Jein! Zumindest verstand man ganz früher noch das Bauhandwerk und das war schon eine Kunst an sich. Oder merke: Ein Bagger, ein Radlader sowie Kräne und ein "Verrückter" machen noch lange keine gute Architektur; vom einem Design mal ganz zu schweigen.

Nun zum Thema dieser hier vorgestellten Bauten: 1.) Am besten man/ frau fotografiert immer Nachts bei tiefblauem Himmel mit einer entsprechend guten Lichtquelle im Haus - zur Not tuts auch ein Licht per Photoshop gezaubert, ums "schön" zu machen.

2.) Dass fast ALLE diese Bauten nahezu Null-komma-Null an Alltagsfunktionalität haben, he, wen juckt das denn, Hauptsache schöne Fotos. 3.) Diese Bauten hier haben mit Design im klassischen Sinne nun einmal rein gar nichts zu tun. So betrachtet sind es reine, leere Bauklötze, wie sie sich vielleicht Klein-Fritzchen als super tolle Bauten vorstellt.

Ach ja, und immer schön solche "beste Architektur der Welt" in freier Natur hinstellen und fotografieren - ist ja alles sooo was von realitätsnah.

P.S.: Für die Fans der runden (oft nichtssagenden Klötze) gabs hier vor kurzem auch bewundernswertes zu sehen - einfach mal nach Architekt Mario Martins suchen oder nach Architekt und Designer Frank O. Gehry, der u.a. das Guggenheim-Museum in Bilbao schuf - Ketzer und Unwissende meinen eher: "verbrochen hat".

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Papazaca 02.07.2019, 14:44
6. "Kommen Sie auch mal raus?" "Nö, bin immer in meinem Keller"

Ob ich auch aus dem Haus auch mal rauskomme? Sie Spassvogel. War gerade im kühlen Wald biken bzw. radeln. Aber das meinten Sie ja sicher nicht.

Klar, gute Bauten waren schon immer eher eine Seltenheit. Früher wie auch heute. Ich habe mir mal Bauten von den von Ihnen erwähnten
Mario Martins (aus Portugal?) angesehen . Frank Gehry kenne ich seit langem. Martins empfinde ich als zu massiv, fast protzig. Ist nicht mein Fall. Gehry hat natürlich spektakulär gebaut (Museum in Bilbao).

Ich werde mal sehen, ob ich das Buch kaufe. Werde es erstmal zur Ansicht bestellen. Wie auch immer, sehr gute Architektur ist sehr selten. Das Problem , das wir heute haben: Man kann sehr schnell sehr viel und auch schlecht bauen. Wir leben eben in einer Zeit, die in vieler Hinsicht maßlos ist. Das macht das kleine Glück umso erstrebenswerter .....lach ......Stichwort kühler Wald ....

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Referendumm 02.07.2019, 16:39
7. @Papazaca #6

Zitat von Papazaca
Klar, gute Bauten waren schon immer eher eine Seltenheit. Früher wie auch heute. Ich habe mir mal Bauten von den von Ihnen erwähnten Mario Martins (aus Portugal?) angesehen . Frank Gehry kenne ich seit langem. Martins empfinde ich als zu massiv, fast protzig. Ist nicht mein Fall. Gehry hat natürlich spektakulär gebaut (Museum in Bilbao).
Um keine Missverständnisse zu haben: Bitte denken Sie nicht, mir täte das Zeug des Portugiesen Mário Martins oder gar das eines Frank Gehry gefallen (hatte mir auf SPON alle vorgestellten Gebäude angesehen gehabt). Nur wurde hier von den ewig eckigen Dingern geschrieben und die Dinger der beiden oben genannten haben - zumindest viele - teils große runde Linien.

Mir war dieser Frank Gehry kein Begriff, bin aber mindestens 100-mal in Prag an einem seiner Schanddinger vorbeigefahren - immer dachte ich, wann räumen die denn endlich mal den Bauschutt vor dem Haus weg - nun erfuhr ich, das das Haus genau so auzusehen hat. Nun ja ....

Was ich allerdings einwenden wollte ist a) gutes Design und gute Architektur rein gar nichts mit dem Motto: Die Schönheit liegt im Auge des jeweiligen Betrachters zu tun hat und b) ohne einen kleinen Hintergrund an Wissen über Kunst, Design und Architektur man / frau sich eigentlich keine wirklich fundierte Meinung erlauben sollte.

Schaue ich mir Kunstwerke an, kann ich auch nur sagen: Gefällt mir, gefällt mir nicht. Gehe ich allerdings mit einer meiner Verwandten, die Kunstgeschcihte studiert hatte, in einer Ausstellung herum, erzählt sie mir oft, warum das der Künstler genau so und nicht anders gemacht hatte und was seine (möglichen) Gedanken zu diesem Zeitpunkt der Kunst sicherlich waren (gut, ist auch nur ihre Meinung). Dann machen aber viele Kunstwerke - zumindest für mich - mehr Sinn. Ob sie mir dadurch besser gefallen, ist wiederum ne andere Story.

Mich nerven bei solchen "Architekturpreisen" nur die Einfallslosigkeit der Bauten, da hat Forist "Romiman" schon sehr recht. Der Knüller dabei ist allerdings, wenn Preise durch "400.000 Leser-Votes" erfolgen, zudem mit dem Hinweis: "Publikumssieger". Was 400.000 Leser toll finden, interessiert mich persönlich rein gar nicht. Da ist mir ein einziger Experte mit fundiertem Wissen 1.000-mal lieber. Ansonsten täte ich mir das eine oder andere Foto sicherlich aufhängen, aber sorry, die Bauten sind bis auf ganz wenige Ausnahmen alle komplett gaga. Was bitteschön soll denn der Jury- und Publikumssieger "Plano Humano Arquitectos, 2018: Capela de Nossa Senhora de Fátima in Idanha-a-Nova, Portugal" darstellen? Ne Bushaltestelle? Ne offene Kapelle? Ne Mückenfangstation? Ein offenes Klohaus?
Capela = Kapelle - und warum ist das der Jury- und Publikumssieger? Völlig sinn und zweckbefreit. Nun ja, zumindest ist es leichter wegzubekommen und zu entsorgen als die Kirche Nevigeser Wallfahrtsdom. Echt der Knüller ist auch der sogenannte Affenfelsen (offizieller Name: Studentenwohnanlage APM) in Braunschweig. Die Top 10 der hässlichsten Gebäude Deutschlands hat wenigstens mehr zu bieten, auch wenns nur der eine oder andere Schenkelklopfer ist.

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Papazaca 02.07.2019, 17:56
8. Ach so, ein Affenfelsen in Braunschweig?

Lustiger Kommentar von Ihnen, selbst, wenn man nicht gleicher Meinung ist. Habe mir auch den Affenfelsen in Braunschweig angesehen. Dahin hätte sich selbst der Graf von Monte Christo nicht verbannen lassen.

Ja, was sind wirklich tolle Bauten? Klar, das ist sicher eine Sache des persönlichen Geschmacks. Und es können ganz unterschiedliche Gebäude sein. Das Chrysler Building in New York, die Kapelle von Le Corbusier in Ronchamp, die Alhambra in Granada und das Taj Mahal gehören für mich sicher dazu, obwohl jedes ganz anders ist.

Ich muß mir mal darüber wirklich Gedanken machen. Und ich dachte, der Affenfelsen wäre in Gibralter ......

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paradoxSon 03.07.2019, 09:51
9. In deutscher Architektur vermisst: Soul, Phantasie und Lebensfreude

Warum kein deutsches Gebäude dabei ist?
Wenn ich mir Bilder von Burano bei Venedig oder von den French Quarters in New Orleans ansehe, und diese mit den Fertigstellungen der aktuellen deutschen Architektur (cool, grauer, am Grausten) vergleiche, werde ich traurig. Bei uns fehlen zur Zeit oft Soul, Phantasie und Lebensfreude. Ein Spiegel der Gesellschaft?

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