Forum: Stil
Debatte über Grünen Knopf: "Ein mit Pestiziden begossenes T-Shirt bekäme das Siegel"
Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

Deutschlands erstes staatliches Nachhaltigkeitssiegel soll Garant für faire Kleidung sein. In der Modebranche hat der Grüne Knopf dennoch viele Kritiker - einer von ihnen ist Streetwear-Designer Jan Thelen.

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blurps11 11.09.2019, 14:44
10.

Zitat von gartenkram
Es gibt mehr siegel u kennzeichen aös ein normaler mensch nachvollziehen kann.was die einzelnen tatsächlich sein sollen muss jedes mal aufwendig recherchiert werden.dass politiker zu schnellschüssen neigen ist ja unübersehbar, dr sinn von noch so einem siegel erschliesst sich mir ebenso wenig wie ich nachvollziehen kann wozu das gut sein ausser noch mehr büroktärarie.
Das ist bei von CSU-Politikern eingeführten Siegeln doch recht offensichtlich: Schutz der armen darbenden Wirtschaft vor der Neugierde oder sogar Beschwerden dieser nervigen Konsumenten. Dabei darf man letztere schon mal ordentlich hinters Licht führen, dient ja einem guten Zweck...

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Bakturs 11.09.2019, 14:55
11. Psychologie und Greenwashing

Der gute Deutsche will sein Label haben. Hinterfragen tut es dies aber i. d. R. nicht. Hauptsache die Politik hat was zum verkünden, der Bürger ist glücklich, wenn es ein grünes Siegel hat und alle sind zufrieden.

Es wäre ja noch schöner, wenn in der aktuellen Umweltdebatte hier noch ein zweiter Aspekt dazukommen würde. ;-)

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Bakturs 11.09.2019, 15:07
12. Zufriedene Wähler

Zitat von max-mustermann
Die Bürger oder gar die Umwelt interessieren überhaupt nicht, da können Söder und co. noch so viele hohle Phrasen über angebliche Klimaziele usw. dreschen.
Komischerweise wählen immer noch die meisten die CDU/CSU. Entweder sind die alle verkalkt oder pfeifen auf die Zukunft der Erde. Also scheinbar sind die meisten Wähler zufrieden mit dem, was die CDU/CSU so treibt.

Ach übrigens: die SPD sitzt auch in der Regierung.

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flars1985 11.09.2019, 15:23
13.

Warum wird denn eine Initiative wie diese jetzt krampfhaft schlecht geredete obwohl ja schon jetzt geplant ist hier noch nachzubessern?

Es ist ja auch primär nicht als Ökosiegel gedacht, sondern soll sicherstellen, dass den Arbeitern in der Produktion Mindestbedingungen erfüllt werden.

Wer also ein vollständiges Biosiegel möchte, muss sich woanders umsehen.

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plaudertasche123 11.09.2019, 15:49
14. @flars1985

Zitat von flars1985
Warum wird denn eine Initiative wie diese jetzt krampfhaft schlecht geredete obwohl ja schon jetzt geplant ist hier noch nachzubessern? Es ist ja auch primär nicht als Ökosiegel gedacht, sondern soll sicherstellen, dass den Arbeitern in der Produktion Mindestbedingungen erfüllt werden. Wer also ein vollständiges Biosiegel möchte, muss sich woanders umsehen.
Warum? Kann ich Ihnen sagen. Weil eine Initiative, die von vorne bis hinten unausgegoren, unausgereift und nicht fertiggedacht ist, einfach schlimmer ist als nix. Weil ein Siegel, das suggeriert "alles prima", aber in Wirklichkeit nur einen Bruchteil der erforderlichen Kriterien abdeckt, nicht eingeführt gehört, weil es falsche Tatsachen vorspiegelt und schadet.Was soll sowas?? Da könnten wir ja auch ein Tierhaltungs-Label einführen, das zwar erlaubt, Schweine mit Medikamenten vollzupumpen, in Kleinst-Ställen zu kasernieren, im eigenen Dreck sterben zu lassen - aber hey, die Ställe sind von außen schön mit Ökofarbe angestrichen und es gibt drin Fernsehen. Merken Sie jetzt was? Nicht die Initiative für dieses Siegel an sich ist schlecht - das behauptet der Artikel auch gar nicht -, sondern es ist falsch und hirnverbrannt, sowas Halbfertiges rauszugeben.

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flars1985 11.09.2019, 16:24
15. @ plaudertasche123

Dennoch wurde das Siegel u.a. von Brot für die Welt gelobt. Warum das, wenn es doch so schlecht ist. Natürlich gab es auch von deren Seite Kritik an einigen Punkten, aber insgesamt war das Fazit positiv.

Die Kritik hier richtet sich ja primär an Ökologoschen Aspekten, obwohl es bei dem Siegel in erster Linie um die Arbeitsbedingungen geht, zumindest habe ich das so aufgefasst.

Ich bleibe dabei, dass Kritik vielmehr inhaltlich sein sollte mit dem Ziel das Siegel zu verbessern und nicht CSU-Bashing, wie es hier in vielen Beiträgen zu lesen war.

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krautrockfreak 11.09.2019, 17:06
16. Solange unsere Politiker nicht wirklich unabhängig sind, also reine

Berufspolitiker mit dem Verbot, nach der Politik in die Wirtschaft wechseln zu dürfen, wird das immer schlimmer werden. Mittlerweile schreiben die Lobbyisten ja schon die Gesetzesvorlagen für die Politiker! Solange die Politiker die Politik nur als Sprungbrett in die Wirtschaft ansehen (und bei vielen ist das wohl so), werden sie auch nie etwas entscheiden, das gegen die Wirtschaft gerichtet ist, auch wenn es noch so logisch sein sollte und im Interesse der Bürger.
Kein Verbot, in die Wirtschaft zu wechseln: weiterhin und immer mehr Klüngelei und gegen die Volksinteressen und zu Gunsten der Wirtschaft. Leider wird sich das nicht ändern...

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The Independent 11.09.2019, 17:19
17.

Zitat von flars1985
Es ist ja auch primär nicht als Ökosiegel gedacht, sondern soll sicherstellen, dass den Arbeitern in der Produktion Mindestbedingungen erfüllt werden. Wer also ein vollständiges Biosiegel möchte, muss sich woanders umsehen.
Sie meinen, dass sich der Schnäppchenjäger bei Tschibo, der dann auch noch völlig überrascht ein staatliches und umfassend wirkendes Öko-Siegel auf der Verpackung vorfindet, im Laden oder vorher recherchiert, um zu sehen, ob das Siegel ein seriöses und ambitioniertes Gütesiegel, oder doch nur ein schlechter Witz (wie der grüne Knopf) ist?

Der grüne Knopf ist dazu geeignet, um bei der Bevölkerung den falschen Eindruck zu erwecken, dass das Produkt umweltfreundlich (und damit auch nicht gesundheitsschädlich) ist, und damit bedenkenlos gekauft werden kann. Das war 1A-Lobbyarbeit, und die CSU spielt den willigen Gehilfen (wie so oft).

Da gibt es übrigens Parallelen zum grünen Punkt, der den Bürgern mit dem gescheiterten Dualen System vorgaukelte, dass alle mit diesem Label versehenen Verpackungen recycelt werden, was aber tasächlich nie der Fall war. Der Aufpreis pro verkaufter Verpackung war nichts weiter als das (berechtigte) Umlegen der Recycling-Betriebskosten auf die Verursacher (Hersteller), die reichten die paar Cent pro Verpackung aber einfach an den Verbraucher weiter, anstatt auf weniger und umweltfreundlichere Verpackungsmaterialien zu setzen. Die Stoffe, die nicht recycelt werden können werden bei uns verbrannt, oder (13,6%) ins Ausland verfrachtet (und ein Teil davon dann verbuddelt oder verbrannt, und nicht recycelt).

Tatsache war und ist außerdem beim Grünen Punkt, dass die Recyclingquote laut Fachleuten wesentlich niedriger liegt als behauptet (die Regierung behauptet nach wie vor 66%, verwendet dabei aber nur Input-Zahlen), laut Experten liegt sie eher bei 31-41%.

Bei Kunststoffen liegt die Quote nach Angaben der Bundesregierung bei 38%.
Nach Berechnungen von Dr. Henning Wilts vom Wuppertal Institut liegt die Quote bei Kunststoffen in der Praxis aber nur bei 5,6 %, was nicht nur am zunehmenden Einsatz von Verbundplastik bei Lebensmittelverpackungen, dessen unterschiedliche Plastiksorten nicht getrennt werden können, liegen dürfte, sondern auch an der schwachen Nachfrage für recyclefähige Sorten.
Die Grünen sehen eine Quote von 17,3% als gesichert an, und berufen sich dabei auf eine Studie von Conversio. Aber auch die grünen kommen dann wieder auf nur 5,6%, die dann tatsächlich als recycelter Kunststoff auch wieder der Kunststoffverarbeitung zugeführt werden. Diese Überschüsse werden dann ins Ausland verkauft oder hier verbrannt.

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kayakclc 11.09.2019, 17:41
18. Es ist immer die selbe Reaktion

Wird nichts gemacht, beschweren sich alle. Führt man ein Siegel für irgendetwas ein, gibt es bestimmt 90% der Leute, die irgendetwas an der Kriteren auszusetzen haben, ganz gleiche wie die Kriterien gestrickt sind. Es liegt in der menschlichen Natur, möglich an anderen erst einem herumzumäckeln. Und wenn ein Vorschlag von der "falschen" Partei kommt, kommen die Ideologen noch dazu. Wenn die Linke das Siegel vorgeschlagen hatten, wären einfach eine andere Gruppe unglücklich, und dann würden die Konservativen schreibe "Die Linke übertüncht ihren Umweltzynismus mal eben grün und ein paar Hersteller tun was für die Markenkommunikation, um ihre Marktposition kurzfrisitg zu stärken,.... "
Naja, dabei hätte die Verbraucherin schon längst reagieren können, und einfach einmal 2-3 Jahre lang konsequent alle Textilien aus Bangladsh boykottieren können. Aber... wenn es an den eigenen Geldbeutel geht, und frau dann deutlich teuerer Textilien aus der EU kaufen muss, dann sieht das wieder anders aus.
Wann begreifen die Leute endlich, dass wir Konsumenten als Kollektiv ein Teil des Problems sind, und es immer billig ist, mit dem Finger auf andere zu zeigen. Die Hersteller sind an allem Schuld, da der Verbraucher nicht das in der EU vorgeschriebene Etikett lesen kann (will).

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The Independent 11.09.2019, 17:42
19.

Zitat von flars1985
Dennoch wurde das Siegel u.a. von Brot für die Welt gelobt. Warum das, wenn es doch so schlecht ist. Natürlich gab es auch von deren Seite Kritik an einigen Punkten, aber insgesamt war das Fazit positiv. Die Kritik hier richtet sich ja primär an Ökologoschen Aspekten, obwohl es bei dem Siegel in erster Linie um die Arbeitsbedingungen geht, zumindest habe ich das so aufgefasst. Ich bleibe dabei, dass Kritik vielmehr inhaltlich sein sollte mit dem Ziel das Siegel zu verbessern und nicht CSU-Bashing, wie es hier in vielen Beiträgen zu lesen war.
Wenn das tatsächlich der Fall ist, dann hat sich Brot für die Welt einfach mal gefreut, dass es ein staatliches Siegel gibt, dass wenigstens einige Sozial- und Umweltstandards berücksichtigt, um deren Verbesserung sich die Organisation seit Jahrzehnten bemüht. Als ausgewiesener Fürsprecher für die Entwicklungsländer ist man bei BfdW aber eben nicht auch automatisch Textilexperte.

Die Kritik richtet sich dagegen, dass das Siegel mindestens die Verbraucher verwirrt, aber vor allem auch ein hohes "Greenwashing"-Potential hat, was letztendlich Verbrauchertäuschung fördert.

Das Siegle unterbindet keine gesundheitsschädlichen Produktionsmethoden, und es wird auch nicht geprüft, ob während des Produktionsprozesses Schadstoffe in die Textilien gelangen. Da nützt es also gar nichts, wenn zwar im Umfeld des Betriebes auf die Umwelt geachtet wird, der Arbeiter und der Verbraucher aber mit gesundheitsschädlichen Chemikalien oder deren Rückständen malträtiert werden.

Mit dem Siegel wurden also genau die beschriebenen "Sauereien" ausgespart, und da muss man sich nicht fragen, warum das geschieht. Es geht ums Geld. Andere Produktionsverfahren sind teurer, oder die althergebrachten Verfahren erfordern auf der Arbeitnehmerseite und hinsichtlich der Vermeidung von Textilkontaminationen höhere Sicherheitsauflagen, Schutzkleidung und Dekontaminationsverfahren. Und damit kann man den angestrebten Endpreis nun mal nicht mehr einhalten. Also spart man beim Siegel diesen Bereich lieber aus und schmeißt weiterhin Billgware auf den Markt.

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