Forum: Stil
Design-Start-up aus Berlin: Aufpoliert
TFOB

Mehr als 200 Millionen Tonnen mineralischer Bauabfälle fallen pro Jahr in Deutschland an. Zwei Berliner Designerinnen verarbeiten den Schutt zu modernen Terrazzo-Böden.

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Das Grauen 10.03.2019, 13:47
10. Mit Symbolik wird man die Welt nicht retten.

Die auch hier im Forum aufgeworfene Kritik, ob nicht mehr Schutt und dafür weniger neues Bindematerial verwendet werden könnte und sollte, ist daher durchaus berechtigt. Ich frage mich auch, warum es eigentlich Preise für symbolisches Recycling gibt. Das wirft ein schlechtes Licht auf die Branche, die anscheinend eher einem Modetrend huldigt, als es mit der Nachhaltigkeit wirklich ernst zu meinen.

Also, schöner Ansatz, aber leider auch nicht mehr als das. Hoffentlich führt dies in der Folge zu einer besseren Wiederverwertung, die einen wirklichen Unterschied macht. Im übrigen wäre es aber auch hilfreich, wenn zusätzlich stärkere Anstrengungen zur Umwidmung und Neunutzung bestehender Bausubstanz unternommen würden, damit garnicht erst so viel Bauschutt entsteht. Da trotz zunehmender Verknappung von Bausand (verblüffend, aber wahr - nicht jede Sorte ist für Beton geeignet) selbst Gebäude aus den 70ern, mit intakter Statik, abgerissen werden, sind Neubauten anscheinend immer noch zu billig. Umbau statt Bauschutt wäre sicher die ökologischere Alternative.

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The Independent 10.03.2019, 14:26
11.

Zitat von Das Grauen
1) Da trotz zunehmender Verknappung von Bausand (verblüffend, aber wahr - nicht jede Sorte ist für Beton geeignet) .........2) selbst Gebäude aus den 70ern, mit intakter Statik, abgerissen werden, ...... 3) sind Neubauten anscheinend immer noch zu billig. 4) Umbau statt Bauschutt wäre sicher die ökologischere Alternative.
1) Eigentlich ein sehr guter Einwand. Allerdings ist die Lage in Deutschland noch nicht bedrohlich. Die Vorkommen reichen noch für die nächsten 700 Jahre, allerdings sind von dieser Zahl die nicht erreichbaren Vorkommen (die z.B. unter Naturschutzgebieten, Siedlungen und Autobahnen liegen, etc.) noch nicht abgezogen. Trotzdem kann weiter gebaut werden. In Asien sieht das anders aus:

https://www.daserste.de/information/wissen-kultur/w-wie-wissen/sendung/baustoff-sand-100.html

2) Die wurden aber nicht selten genau während des Inkrafttretens des Asbestverbots gebaut und sind dann zumindest teilweise mit Asbest belastet, oder mit PCB belastet, oder sie haben Planungsmängel, die z.B. Feuchtigkeit begünstigen, und eine Sanierung wäre dann zu kostenintensiv (Investmentfonds nutzen das ja leider auch gerne als Ausrede, um gewinnträchtigere Objekte bauen zu lassen), etc.

3) Die Baukosten stiegen 2018 um 4,1%, Preise für Instandhaltung um 3,8%. Wegen des Handwerkermangels stiegen auch die Preise für den Innenausbau (in der Rohbauphase), und zwar um 4,6%. Betonarbeiten: 5,6%.
Damit stiegen die Baukosten mehr als doppelt so schnell wie andere Vebraucherpreise (Quellen: SPIEGEL, Die Welt).

Stimmt, aber nur wenn die Bausubstanz das auch hergibt.

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Das Grauen 10.03.2019, 15:06
12. @The Independent: Das muß man global sehen, fürchte ich.

Zitat von The Independent
1) Eigentlich ein sehr guter Einwand. Allerdings ist die Lage in Deutschland noch nicht bedrohlich. Die Vorkommen reichen noch für die nächsten 700 Jahre, allerdings sind von dieser Zahl die nicht erreichbaren Vorkommen (die z.B. unter Naturschutzgebieten, Siedlungen und Autobahnen liegen, etc.) noch nicht abgezogen. Trotzdem kann weiter gebaut werden. In Asien sieht das anders aus: https://www.daserste.de/information/wissen-kultur/w-wie-wissen/sendung/baustoff-sand-100.html 2) Die wurden aber nicht selten genau während des Inkrafttretens des Asbestverbots gebaut und sind dann zumindest teilweise mit Asbest belastet, oder mit PCB belastet, oder sie haben Planungsmängel, die z.B. Feuchtigkeit begünstigen, und eine Sanierung wäre dann zu kostenintensiv (Investmentfonds nutzen das ja leider auch gerne als Ausrede, um gewinnträchtigere Objekte bauen zu lassen), etc. 3) Die Baukosten stiegen 2018 um 4,1%, Preise für Instandhaltung um 3,8%. Wegen des Handwerkermangels stiegen auch die Preise für den Innenausbau (in der Rohbauphase), und zwar um 4,6%. Betonarbeiten: 5,6%. Damit stiegen die Baukosten mehr als doppelt so schnell wie andere Vebraucherpreise (Quellen: SPIEGEL, Die Welt). Stimmt, aber nur wenn die Bausubstanz das auch hergibt.
1) Für uns würde es 700 Jahre reichen, aber wohl nicht, wenn wir den ganzen Rest der Welt versorgen. Und wie würde unser Land dann aussehen, überall Kiesgruben? Soweit ich weiß, exportieren wir jetzt schon Bausand. Das wird noch deutlich mehr werden, fürchte ich.

2) Solche Gebäude könnten saniert werden. Und das würde doch wohl auch die Menge des kontaminierten Mülls erheblich reduzieren. Natürlich wäre das teuer, aber das sollte nicht das Hauptproblem sein, wenn wir es beim Kampf gegen den Klimawandel ernst meinen (Betonproduktion ist energieintensiv).

3) Ja, Angebot und Nachfrage. Die Republik wird weiter zugepflastert, weil die vorhandene Bausubstanz von der Art (erhöhte/veränderte Ansprüche) oder der Lokation (Wohnraum fern der Cities ist wenig gefragt) nicht passt. In Anbetracht dessen wäre eine breite Diskussion über Anspruchsdenken (können/dürfen wir uns diesen Luxus leisten?) und Strukturpolitik (im Zeitalter von Homeoffice, warum noch Urbanifizierung?) dringend nötig. Aber wohl auch unerwünscht, denn eigentlich möchte niemand auf irgendwas verzichten. Ethisch sinnvoller wäre aber jedenfalls die Weiternutzung vorhandener Bauten, wenn (!) die Substanz es erlaubt.

Wir werden die Welt wohl leider nicht retten, aber vielen Dank für Ihre sachliche und zielführende Antwort!

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juri. 10.03.2019, 20:18
13. Wie grün?

Die guten Menschen tragen Atemschutzmasken der Filterklasse A1 oder A2 (oder jeweils noch ein X dran, nicht zu unterscheiden anhand der Farbe), was bedeutet, dort schwebt so etliches an organischen Lösungsmitteln in der Luft herum. Die Dinger trägt man nicht umsonst, man kann ja mal nach den Preisen googlen (3M 6051 bzw. 3M 6055; die X sind noch einiges teurer). Die aufgeklickten Partikelfilter (mal abgesehen davon, das sie falsch herum angebracht sind, die Beschriftung gehört auf die Innenseite) gibt's wesentlich günstiger separat für die Masken...also, eine reine Zementbindung erscheint unwahrscheinlich; eher 2K-kunstharzgebunden, würde ich mal sagen.

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BrunoGlas 10.03.2019, 23:42
14. Idee des Recycling-Terrazzo noch ausbaufähiger - Lösungsvorschlag:

Die Idee der Terrazzoplatten baut zur Zeit noch auf teure und für das Herstellerteam mit viel Belastung verbundene Herstellungsmethoden auf, die aber immerhin schon in eine design- und kunstorientierte Richtung zielt. Letztlich lassen sich aber gerade in den Bereichen des internationalen gehobenen Interiordesign / Globale Architecture mit solchen und anderen Gestaltungskonzepten neue Märkte aufbauen, allerdings sollte in die Entwicklung eines noch ausgefeilteren Designs investiert werden. Die Idee will ich hier zur Diskussion vorstellen.

Aus Abu Dabi und USA schwappt z. Zeit die Franchiseidee des "3D Flooring" zu uns rüber, das man sich bei Google anschauen an. Der erste Eindruck ist aber, dass einem schon vom bloßen Anschauen der Bilder speiübel wird. Die Grundidee der optischen Dreidimensionalität in Oberflächen dahinter ist hoch faszinierend, lässt sich auch auf die Terrazzoböden übertragen, allerdings muss man es verstehen.

Letztlich wird bei Verklebungen aus geprinteten Bildfolien in geringerer optischer Dichte und eines wässrigen PU-Gießharzes in höherer optischer Dichte eine sogenannte dreidimensionale Schichtlinse als Bodenlaminat konzipiert, welches eine erhebliche räumliche Tiefenoptik erzeugt. Ergebnis, man geht auf einer scheinbar räumlich wasserartigen Oberfläche spazieren, die das einstrahlende Raumlicht in optimierter Weise nach allen Seiten ein- und auslenkt.

Würde man jetzt also den Terrazzosplitt in lichtleitende Kunststoffe als Bindemittel eingießen und daraus Platten oder sogar Folien herstellen, wäre zum einem das gesundheitliche Problem beseitigt, zum anderen bekäme man ein Ausgangsmaterial, um ebenfalls lichtleitende optische 3-D Bodenplatten oder geschnittene Folien für verschiedenste Zwecke herstellen zu können. Ergänzt würden die Bodenplatten nur noch mit 3-D Bodenlacken in selbstnivellierender Einstellung und zum Abschluss mit den abriebfesten 3-D PU-Gießharzen. Zusammen ergibt dies ebenfalls ein Schichtlinsensystem aus optischen Elementen in aufsteigender optischer Dichte.

Die fertigen Böden zeigen damit also die feineren oder gröber vermahlenen Mineralien und Metallsplitt in den Bodenplatten mit 3D Lichtleiteigenschaften und eine scheinbar räumlich darüber schwebende transparente und opake Farbgebung, samt integrierten Metallgrafiken. Die Gesamtherstellung solcher Böden wäre evtl. teurer, das Design wäre aber wesentlich flexibler, vielfältiger und die Raumwirkung solcher Reflektorböden bei einstrahlendem Licht radikaler. Letztlich wäre also der Einsatzbereich der Böden weiträumiger.

Letztlich können für die Entwicklung solcher Bodenelemente und für die selbstnivellierenden Bodenlacke Fördergelder der Bundesregierung bereitgestellt werden - Zertifikat eines ostdeutschen Grundlageninstituts. Das Prinzip der räumlichen Dreidimensionalität in Oberflächen ist hier nachzulesen oder im Film anzuschauen:

Link: https://dasauge.de/-werkstatt-für-ökonoomie-6-kunst/
Link: https://vimeo.com/103330344 Passwort ist Lichtleitender3-DLack

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Hinrich7 11.03.2019, 06:30
15. 200 Millionen Tonnen

das muß man sich mal vorstellen, also ca. 100 Millionen Kubikmeter (Dichte 2 ), nebeneinander gelegt 100 Millionen qm. Das zeigt mal wieder die gigantische Vernichtung der Ressourcen, denn ein großer Teil wird ja ersetzt durch Gestein welches wir aus der Natur holen. So viele Terrazoböden kan man garnicht bauen. Die Gesellschaft sollte schleunigst umdenken.

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HansChristianKommenter 11.03.2019, 09:33
16. Aha

Und wie ist das dann mit dem Beton? Angerührt mit Sand von - wo genau? ISt wie die Diskussion ums E-Auto. Mein Strom kommt aus der Steckdose. Mag ja vordergründig alles toll und grün und gewisensberuhigend sein, aber hintenrum ist des ausgeblendete Problem.

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Gleichstrom 11.03.2019, 10:55
17.

200 Millionen Tonnen im Jahr ... sind 2,5 Tonnen pro Person im Jahr.

Wo um alles in der Welt wird denn deratig viel abgerissen? Und vor Allem wieso? Sollten Gebäude nicht irgendwie langfristig geplant und genutzt werden?

Vielleicht liegt schon in der Planung das Problem - abgerissen wird etwas ja nur, wenn es unbrauchbar oder gefährlich ist oder (vermeintlich oder real) Wichtigerem im Weg steht. Daß da jedes Jahr pro Person 2,5 Tonnen Schutt anfallen, läßt mich annehmen, daß zuviel gebaut wird, weil zu schlecht geplant wird und die Nutzungsdauer zu kurz angesichts der aufgewendeten Rohstoffe ist - ergo ein völlig verkehrtes Verhältnis zu ebendiesen vorherrscht.

Wie man am Müll anderer Art, der im Alltag präsenter ist, sehen kann.

Wer sich erschrecken will, kann ja mal in einem Mietshaus mit 4...10 Parteien alle Batterien einsammeln, die im Laufe eines Jahres verbraucht werden, und das erwartete Ergebnis mit den Eimern in seinem Keller vergleichen - und immernoch gibt es Geräte, die auf Batterien angewiesen sind und keine Akkus vertragen, weil deren Spannung niedriger liegt. Und keinen schert das.

Ich find alle Gedanken an die schiere Menge Abfall, die eine durchschnittliche Person im Jahr so verursacht, schlichtweg schockierend! Auch hier, wo eine Wiederverwendung präsentiert wird (die so wohl nicht massentauglich ist, aber Potential bietet - man kann Dinge ja manchmal sogar anpassen...), erschreckt es mich, wieviel Bauschutt anfällt. Wir machen da etwas grundsätzlich falsch.

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nici_d 11.03.2019, 14:09
18. Schönfärberei

So stellen sich wohl die ganzen "Friday for Future" Teenies Nachhaltigkeit vor. Hat aber nichts mit der Realität zu tun. Die Versuche, das alles nachhaltig darzustellen gehen in dem Artikel fehl: Zunächst heißt es "Ihr Produkt ist die Antwort auf die Frage: Was passiert eigentlich mit den Unmengen an Bauschutt, die jährlich in Deutschland anfallen?" Doch später wird aufgeklärt: "Es geht also bei dem Projekt eher um ein Symbol: die Entdeckung und Nutzung eines sonst wörtlich verschütteten Material- und Rohstoffreichtums." Und weiter "... liefert TFOB eine fast schon poetische Qualität - und experimentelle Denkmalforschung." Sorry, das ist nur noch Geschwurbel.

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The Independent 11.03.2019, 14:39
19.

Zitat von nici_d
Sorry, das ist nur noch Geschwurbel.
Naja, man könnte geneigt sein, sich Ihrem Urteil anzuschließen, wenn da nicht die Chance wäre, dass sich aus solch einem aktuell eher symbolhaften Projekt einmal ein Trend/ein Massenprodukt entwickeln könnte.
Als Mitglieder meiner Familie in den späten 80ern mit Jutetaschen einkaufen gingen und Mülltrennung dadurch betrieben, dass sie Plastik- und Papierabfälle nicht in der Standard-Hausmülltonne entsorgten, sondern - ähnlich wie heute immer noch Glas - extra die ersten, oft abseits gelegenen Spezial-Container aufsuchten und dort das Plastik einwarfen, wurden sie noch ausgelacht bzw. Ihnen ein "Öko-Fimmel" unterstellt. Heute ist das in D Standard.

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