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Neue Leichtigkeit im Wein: Sauer macht luftig
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Viele Jahre wurden schwere und vollmundige Weine als das Nonplusultra angepriesen. Mittlerweile hat sich der Trend gedreht: Frische ist in. Ein dafür wichtiger Inhaltsstoff wird aber lieber verschwiegen.

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frenchie3 27.10.2019, 16:10
1. Immer wieder faszinierend, diese Kritiker

Wie sich Leute durch sogenannte "Kenner" erzählen lassen was gut ist und deren angesagter Geschmack zu sein hat. Das sind ganz sicher die Leute die sich von keiner Reklame verführen lassen. Ich probiere selbst und höre bei Empfehlungen nur auf Leute deren Geschmack ich kenne. Wenn ich mal zu Unbekanntem greife (gar nicht mal so selten) habe ich dafür in der Regel keine rationale Erklärung.

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Actionscript 27.10.2019, 16:18
2. Es sollte nicht vergessen werden,...

...dass auch Wein Alkohol enthält, was schädlich ist. Beim Bier bin ich schon auf Nichtalkoholisches umgestiegen, und da gibt es wirklich gute Biere. Ich würde mir auch beim Wein wünschen, dass der Alkoholgehalt gesenkt würde, wobei der Geschmack noch weinig ist. Wein ohne Alkohol gab es mal, schmeckte aber wie Obstsaft.

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bobrecht 27.10.2019, 16:24
3. Saurer und „ frischer Wein „

verlangt weniger Können des Winzers und passt vorzüglich zu allen Fastfood-Menüs von McDonald und Co. Derartige Speisen sind ja auch in aller Munde. Sagt „tschüss „ zu jedweder Qualität!!!

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Gerdd 27.10.2019, 16:24
4. "trinkig ..."

= " quaffable" ?

Wenn ja, dann ist das hier ein alter Hut.

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noalk 27.10.2019, 16:34
5. Oh Bacchus!

Ich schließe mich da uneingeschränkt #1 frenchie3 an. Wein und Mode sind für mich zwei unvereinbare Gegensätze. Man denke an die bacchuslob vergangenen Liebfraumilch-Modezeiten. Wein ist für mich DAS Genussmittel an sich. Der Alkoholgehalt spielt da nur eine untergeordnete Rolle.

Im übrigen: Winzer keltern keine _Weine_, sondern _Trauben_ bzw. _Beeren_. Wie der Wein dann wird, ist eine Frage des Ausbaus, der Vergärung, des Mostes.

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ambulans 27.10.2019, 16:39
6. problem

erkannt, angerissen - aber unscharf geblieben. dass ein wein auffällt mit "spitzer" apfel-säure, liegt meist am falschen, "zu frühen" lese-zeitpunkt (das lesegut war noch nicht "physiologisch reif" - erkennbar z.b. an den kernen). die physiologischen werte der trauben werden bereits während der reife am stock (also vor der lese) fortlaufend gemessen und überwacht, um so den optimalen lese-zeitpunkt anzusteuern (etwa °oechsle, kloster neuburger mostwaage, usw. - das ist nicht nur zucker, sondern die summe aller extrakte). die nach der lese anschließende wein-bereitung erkennt mögliche probleme wegen übermäßiger säure - rebsorte, reife-zustand, gewünschter stil - und versucht sie durch maßnahmen wie "malo-laktische gärung" (spitze apfelsäure wird in mildere milchsäure umgewandelt), zeitweise gärung, reifung und lagerung in holzfässern verschiedenster größe (doppel-/stück, fuder, barrique; neu oder schon mal verwendet) in die gewünschten bahnen zu lenken. das leidige thema "(mindest-)alkohol" verdanken wir den lange zeit klimatisch begünstigteren südländern europas: für die qualitätsstufe "riserva/reserva" brauchen sie in der regel mind. 13 % vol., was den gewohnheiten deutscher weintrinker nur kurzfristig entgegen kam (urlaubserinnerung). weißweine aus dem supersommer 2003 haben die übliche lagerungszeit praktisch kaum überlebt; derart viel alkohol lässt die weine schnell "brandig" und damit unattraktiv schmecken. heute liegen verträgliche wein-typen - z.b. kabinett trocken - bei nicht mehr 11 % vol. (etwa von der mosel) voll im trend. führerschein-verträglicher (0,5 promille-regel) sind sie allemal ... mfg, dr. ambulans (alle kassen)

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ginorossi 27.10.2019, 17:08
7.

Zitat von bobrecht
verlangt weniger Können des Winzers und passt vorzüglich zu allen Fastfood-Menüs von McDonald und Co. Derartige Speisen sind ja auch in aller Munde. Sagt „tschüss „ zu jedweder Qualität!!!
Ganz im Gegenteil! Es bedarf keiner großen Kunst des Winzers, um aus vielen Öchsle einen alkoholreichen und damit stark duftenden, schweren Wein herzustellen, denn Alkohol ist nun mal DER Geschmacksträger un deckt alle kleinen Unebenheiten wunderbar zu. Suchen Sie mal einen differenziert und intensiv schmeckenden Weißwein unter 10% Alkohol: das kriegen nur die Könner unter den Winzern hin! - Allgemein: wenn es diesen Trend wirklich geben sollte, dann würde mich das freuen. Denn ich möchte Wein genießen und gern auch mal zwei oder drei Gläser trinken, ohne mich zu berauschen. Wenn ich mich besaufen will, dann kann ich Schnaps nehmen: geht schneller und bringt nicht so viel Flüssigkeit. Weißweine mit mehr als 12,5% sind ein absolutes Unding (von seltenen Ausnahmen mal angesehen). Und immer gilt: GUT ist der Wein, der MIR schmeckt! Was habe ich davon, wenn er dem "Kenner" schmeckt, aber mir nicht?

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Referendumm 27.10.2019, 20:30
8. Neue Leichtigkeit im Wein ?

Und ich dachte immer, es kommt auf den Geschmack an; ts, ts, ts ... Ein neuer Trend? Modeerscheinung?
Ach so, Zitat: "Mehr Zucker = mehr Alkohol
Doch warum bringen höhere Temperaturen mehr Alkohol in den Wein? Die Antwort ist eigentlich ganz einfach: Mehr Sonnenstunden und höhere Temperaturen lassen in den Trauben mehr Zucker entstehen, sie werden reifer und süßer. Der höhere Zuckergehalt sorgt wiederum dafür, dass im Zuge der alkoholischen Gärung auch mehr Ethanol, so genannter „Trinkalkohol“, entsteht...."

Also wenig Sonne = weniger Alkohol = saurer. Ganz einfach; Problem gelöst!

Wer wirklich weniger Alkohol im Wein haben will, kann doch Weinschorle trinken. Oder eben alkoholfreie Weine - gibts tatsächlich (einfach unglaublich).

By the way: Wer alkoholfreie Biere als inzw. gut bezeichnet, wird vor alkoholfreien Weinen sicherlich nicht zurückschrecken und sie ebenso loben. Wie wärs mit Sprudelwasser?

Oder:
Weinart: Weißwein
Rebsorte: Riesling
Jahrgang: 2014
Alkoholgehalt: "nur" 8,5% vol

Und wie war das nochmals mit dem Glykol im Wein? War das nicht auch mal „Trend“? Ja, stimmt, das ist wiederum was ganz anderes.

Was ich viel interessanter und diskussionswürdiger fände, ist die Tatsache, dass immer mehr Winzer bzw. Winzergenossenschaften dazu übergehen Cuvée-Weine anzubieten.
Was ist das denn schon wieder? Zitat: „Im deutschsprachigen Raum ist die Cuvée ein Synonym für Verschnitt, Mariage oder Mélange.“ - böse Zunden würden jetzt schlicht: „Gepanschter Wein“ dazu sagen. Damit ließe sich doch auch jeder leichte Wein mit ausreichendem Geschmack zaubern, oder?

Eine Winzergenossenschaft verkauft inzwischen tatsächlich „Rotwein“ (mehr steht nicht mehr vorne drauf) - ich hatte mal höflich angefragt, was das denn sei. Ich kenne nämlich Spätburgunder (Pinot noir), Merlot, Cabernet Sauvignon oder …. aber die Rebsorte „Rotwein“ kannte ich bis dato nicht. Obwohl ich sehr guter Kunde war, kam keine Antwort. Nun ja, das wars dann mit der guten Kundenbeziehung. Cuvée-Weine – ich glaub, ich spinne!

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k70-ingo 27.10.2019, 21:05
9.

Zitat von frenchie3
Wie sich Leute durch sogenannte "Kenner" erzählen lassen was gut ist und deren angesagter Geschmack zu sein hat. Das sind ganz sicher die Leute die sich von keiner Reklame verführen lassen. Ich probiere selbst und höre bei Empfehlungen nur auf Leute deren Geschmack ich kenne. Wenn ich mal zu Unbekanntem greife (gar nicht mal so selten) habe ich dafür in der Regel keine rationale Erklärung.
Mir ist völlig wurscht, was sogenannte "Kenner" -heißen die heute nicht "Influenza"?- herumhypen, egal in welchem Zusammenhang.

Was Wein angeht, so kann "frischer" Wein noch so bedetungsschwanger angepriesen werden - ich rühre das Zeug nicht an. Von zu säurehaltigem Wein bekomme ich Sodbrennen und Bauchweh - und das sind die relevanten Ausschluskriterien, nicht irgendwelches Hype-Gewäsch.

Ich ziehe ja auch keine Schuhe an, in denen ich mir Blasen laufe, nur weil diese Schuhform gerade trendy ist.

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