Forum: Stil
Star-Architekt Santiago Calatrava: Hoch im Kurs
Hufton + Crow/ Taschen

Er entwarf den U-Bahnhof in New York und das Planetarium in Valencia. Die Entwürfe des Architekten Santiago Calatrava sehen dabei oft aus wie Ufos oder fliegende Vögel. Nun baut er am höchsten Gebäude der Welt.

Seite 2 von 3
hcmc01 24.02.2019, 13:50
10. Calatrava

ist natürlich Geschmacksache. Aber seine Bauwerke haben einen enormen Nachteil, sie verfallen zusehend. Das Ensemble in Valencia sieht schon nach ein paar Jahren marode und sanierungsbedürftig aus. Die Stadt muss ständig nachbessern und renovieren. Wer sich für Calatrava entscheidet, sollte für die Zukunft ein gut gefülltes Säckchen haben.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Papazaca 24.02.2019, 14:02
11. Architektur ist hier Kunst, genauer Skulptur

Mich begeistert Calatrava. Brücken, die man nicht vergißt. Aber andere Gebäude, die einzigartig sind. Der Gegenpol ist zum Beispiel der Frankfurter Flughafen. Bis auf den Bahnhof nichts architektonisch interessantes.
Ja, wir sind umzingelt von gesichtsloser Gebrauchsarchitektur.

Klar kann man alles mögliche denunzieren: Gut essen ist wahrscheinlich schädlich, Wein trinken auch. Man kann auch einen rationalen Partner heiraten, auch wenn es keine Liebe ist. Ich bin nach wie vor von der Elb-Philö begeistert, obwohl es ein finanzielles Fiasko war. Man bekommt Großartiges in der Regel nicht umsonst oder zum normalen Preis. Auch lange weite Reise sind in der Regel gefährlicher als ein Wochenende in Sylt.

Die Rationalisten hier im Forum haben sicher aus Ihrer Sicht recht. Aber ich wiederum will kein rationales Leben führen, das können die Rationalisten für mich stellvertretend führen. Brauchen wir Rationalität? Klar. Aber nicht umfassend und immer. Für mich ist Calatrava jemand, der mich an Oskar Niemeyer erinnert. Der mich trotz seiner oft großen Projekte an Poesie erinnert. Und die "Rationalisten" sollen, ja müssen ihn kritisieren, auf die Weise erklären sie sich sicher auch ihr eigenes Leben. Ich bin mehr für Kreativität. Das Leben sollte was Außerordentliches sein. In dem Sinne mehr Calatrava's als Fertigbauhäuser und Bürogebäude von der Stange.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
DerBlicker 24.02.2019, 14:13
12. Viel zu teuer

Calatrava wurde in Spanien wegen heftiger Baumängel zu etlichen Millionen Schadenersatz verurteilt. So wohl in Spanien als auch in USA wird er von Ausschreibungen inzwischen ausgeschlossen, weil er nie den Kosten Rahmen einhält. Offenbar hat er bei den Scheichs in Dubai mal wieder einen Dummen gefunden.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Papazaca 24.02.2019, 14:28
13. Von Ausschreibungen ausgeschlossen? Fakt oder Gerücht?

Zitat von DerBlicker
Calatrava wurde in Spanien wegen heftiger Baumängel zu etlichen Millionen Schadenersatz verurteilt. So wohl in Spanien als auch in USA wird er von Ausschreibungen inzwischen ausgeschlossen, weil er nie den Kosten Rahmen einhält. Offenbar hat er bei den Scheichs in Dubai mal wieder einen Dummen gefunden.
Kann ja alles sein. Wie kann man jemand in einem Land von Ausschreibungen ausschließen? Gibt es in Spanen oder den USA ein "Calatrava-Ausschluß-Gesetz"? Vielleicht gibt es ja eines für die Elb-Philo gegen Herzog+Meuron. Und was ist mit BER?
Klären Sie uns doch bitte auf, Sie kennen sich doch aus, oder?

Beitrag melden Antworten / Zitieren
danubius 24.02.2019, 15:47
14. Licht & Schatten

Nicht zu vergessen eines seiner größeren Erstlingswerke: der Bahnhof Satolas am Flughafen Lyon - heute: Lyon St. Exupéry TGV. Für die damalige Zeit - 1988 geplant, 1994 fertiggestellt - bei aller Kritk an der Person Calatravas - auch heute noch ein absoluter Hingucker. Hingegen in Deutschland: Klötzchen- und Würfelbauten ohne jegliche visionäre Ästhetik.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Knossos 24.02.2019, 16:43
15. Dumpfe Originalität

Solange sie statisch gut abschneiden, gefallen mir die Brücken. Und der Falke ist auch nicht schlecht, vorausgesetzt, er ist nicht staubdurchlässig. Ich nehme mal an, darunter ist der Raum entsprechend in Glas gefaßt.

Immer schon Freund des Hellen und Lichten, müßte mir die Stahl-, Beton- & Glas-Ära eigentlich zusagen; jedoch kaum einmal.

Das Problem scheint mir Profilierungssucht über 'eigene', möglichst 'originelle' Handschriften zu sein. Kommerziell verständlich, daß man im feschen Markt der Reputation darauf abzielt, aufzufallen, um schließlich in den irrationalen Olymp der Exzellenzen aufgenommen, mit Geld wie mit Heu überworfen zu werden, und als seine kreative Durchlaucht gebettet, Spleens pflegen zu dürfen.

Doch meine ich, daß es keine Kunst ist, dramatisch Form zu geben, und dann notdürftig Funktion hinein zu biegen. Statt dessen wohl, mit Letzterer zu beginnen, und durch geschickte Variation hier & da zu besonderer Form zu gelangen.

Jedenfalls steht Sinn und Relevanz auf dem Kopf, wenn in sogenannter Moderner Kunst und Architektur, Spektakel und Noch-nicht-Gemachtes unbesehen im Vordergrund steht, während Fertigkeit des Metiers in dritter Reihe Platz nehmen darf.

Was hat uns -von einigen gelungenen Stücken abgesehen- allein die Manie ums Bauhaus eingebrockt. Wie auf der Spur des Klotzes in prächtigsten Altbauten Stuck abgeschlagen, Fassaden rasiert und Erker, oder die Gebäude gleich im Ganzen abgerissen wurden. Unheilbare Wunden; kulturhistorisches Taliban im Herzen Europas.

Man hätte spätestens in den Siebzigern mit dem baulichen Quasimodo einhalten, können, aber Trends sind dafür zu sehr zu leerem Inhalt geworden.

Deswegen geht mein Dank an Gastarbeiter, die als Opfer des Mietwuchers in heruntergekommener Klassik, Berliner Eigentümer davon abhielten, dem damaligen Trend der Bauhausierung zu folgen und herrlich massives Erbe vorrangegangener Großzügigkeit mit der Abrißbirne zu traktieren.

Selig sind Jene, die in großräumigem Ambiente hoher Decken, Dielenböden und großer, zweifacher Fenster hausen dürfen. Wo man Feten abhalten kann, während Nachbarn friedlich schlummern.
Wohnen und Arbeiten in Bauten mit Charakter.

Heute wäre solche Bauweise "viel zu teuer". Zugleich werden für profilneurotische Insignien nicht mehr Millionen, nicht zehnfache Millionen, sonder inzwischen gleich Milliarden verpulvert.

Persönlich stehe ich auch auf sinnige Holzbauten. Gerne Blockhäuser, oder verspielte mit Säulen, Veranden, Giebeln; aber auch moderne wie z.B. jene von Erwin Thoma.

Muß es immer neuartig sein? Wenn es nicht besser ist: Nö.
Wenn es nur "spektakulär" ist: Laßt den Quatsch doch bleiben.
Als Bauherr sollte man über ausreichend Persönlichkeit verfügen, auf Sensation verzichten zu können und nachhaltiger Lebensqualität Vorrang einzuräumen. Selbst, wenn es eventuell konventionell ausschaut.
Gutes ist nicht häßlich.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
neanderspezi 24.02.2019, 17:09
16. Stararchitektur fürs Volk zur ästhetischen Bereicherung

Neben den ausufernden Kosten für die phantastischen Bauwerke des Stararchitekten Santiago Calatrava werden die Aufraggeber alias Stadtväter im Taumel der Begeisterung tüchtig Geld für die Erhaltung seiner architektonischen Wunderwerke in die Hand nehmen müssen und dafür zweifellos von der Stadtbevölkerung unentwegt mit Sonderlob eingedeckt werden. So ein Fischgrätenmonument, eine Falkenflugimitation oder ein schillernder Regenbogen zur Kanalüberquerung fürs Fußvolk in Venedig hat nun mal einen sagenhaften Preis. Erst wenn die Menschheit gelernt hat das überwältigend Großartige mit dem vollkommen Unnützen zu verbinden und sich mit Begeisterung fortwährenden Renovierungskosten hinzugeben, wird die Genialität ihrer Stararchitekten zur höchsten Vollendung gelangen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Siebengestirn 24.02.2019, 17:22
17. Die Begeisterung empfinde ich auch.

Zitat von Papazaca
Mich begeistert Calatrava. Brücken, die man nicht vergißt. Aber andere Gebäude, die einzigartig sind. Der Gegenpol ist zum Beispiel der Frankfurter Flughafen. Bis auf den Bahnhof nichts architektonisch interessantes. Ja, wir sind umzingelt von gesichtsloser Gebrauchsarchitektur. Klar kann man alles mögliche denunzieren: Gut essen ist wahrscheinlich schädlich, Wein trinken auch. Man kann auch einen rationalen Partner heiraten, auch wenn es keine Liebe ist. Ich bin nach wie vor von der Elb-Philö begeistert, obwohl es ein finanzielles Fiasko war. Man bekommt Großartiges in der Regel nicht umsonst oder zum normalen Preis. Auch lange weite Reise sind in der Regel gefährlicher als ein Wochenende in Sylt. Die Rationalisten hier im Forum haben sicher aus Ihrer Sicht recht. Aber ich wiederum will kein rationales Leben führen, das können die Rationalisten für mich stellvertretend führen. Brauchen wir Rationalität? Klar. Aber nicht umfassend und immer. Für mich ist Calatrava jemand, der mich an Oskar Niemeyer erinnert. Der mich trotz seiner oft großen Projekte an Poesie erinnert. Und die "Rationalisten" sollen, ja müssen ihn kritisieren, auf die Weise erklären sie sich sicher auch ihr eigenes Leben. Ich bin mehr für Kreativität. Das Leben sollte was Außerordentliches sein. In dem Sinne mehr Calatrava's als Fertigbauhäuser und Bürogebäude von der Stange.
Obwohl ich nichts von Architektur verstehe. Es sind alles sehr ästhetische, sich völlig von alle anderen modernen Bauwerken unterscheidende Eindrücke. Das gilt z. B. auch für die Ponte della Costitutione bei der Piazale Roma. Obwohl so modern, passt sie da hervorragend hin. Auch wenn es wohl Probleme bei den Brückenlagern gegeben hat. Kostensteigerungen sind im Baubereich ja leider an sich "normal". Wenn man einen Calatrava hat, bringen die Touristen das Geld früher oder später zurück.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Knossos 24.02.2019, 18:39
18.

Zitat von Siebengestirn
Wenn man einen Calatrava hat, bringen die Touristen das Geld früher oder später zurück.
Wie lange wohl?

Er wird zu hohler Periode der Pfauenarchitektur gezählt und belächelt werden. Noch bevor die unpraktischen, kostenaufwendigen Gebilde abgerissen werden, wird man diverse Macher gezwirbelter Baulichkeit namentlich längst nicht mehr kennen.

Das tun auch heute schon die Wenigstens, weil die Manieriten anders als etwa Hundertwasser oder Gaudi weder Praktisches, Ergreifendes noch Anheimelndes hinterlassen haben.
Für Spleeniges gibt es schließlich Skulpturen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Papazaca 24.02.2019, 21:06
19. Ja, was wollte ich eigentlich sagen????

Ich habe mich gefragt, was weiß unser lieber Forest eigentlich von Architektur? Und was ist eigentlich dieser lange Monolog, der vor allem sich selbst gefällt?? Hmmm..

Architekt ist unser Forist kaum, sonst würde er sich nicht im Geschmäcklerischen bewegen. Und mit den oft gehörten Argumenten gegen die Moderne kommen. Übrigens, auch die Golden Gate Bridge war mal modern. Oder der Eifel Turm. Damals gab es bestimmt eine ähnliche Kritik, aber kein Internet.

Da wird kurz das Bauhaus angesprochen, Gastarbeiter, Mietwucher, Holzhäuser, Und Holzbauten. Schon ziemlich konfus. Ehrlich gesagt, was soll man mit so einer "Architektur-Kritik" anfangen? Ignorieren, lachen, Mitleid haben?

Dieser Kommentar hat eindeutig mit der seelischen Befindlichkeit unseres Foristen zu tun, wenig mit Architektur, kaum was mit Calatrava. Um im Duktus zu bleiben: Dieser Kommentar ist nicht gut. Auch nicht böse. Er ist diffus und hat kaum was mit dem Thema zu tun. Hoffen wir, das die Brücken von Calatrava besser gebaut sind
als dieser weitausholende Kommentar.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 2 von 3