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Verplemperte Zeit: Ordnung ist nicht das halbe Leben
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Ordnung führt zu schlechter Laune, weil sie ständig gefährdet ist, weil sie viel Arbeit macht, aber keinen Spaß. Genau deshalb sollten wir nicht das halbe Leben damit verbringen.

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gracie 02.10.2017, 09:53
50. Minimalismus...

.....habe ich schon immer praktiziert. Aus einem einfachen Grund: überfüllte Schränke und Schubladen erzeugen bei mir Angstzustände. Ich bin auch ein gebranntes Kind, bei meinen Eltern wurde alles zurückgelegt und verstaut, "es könnte ja noch...". Ich habe auch nie ein Dach über dem Kopf besessen, habe immer nur zur Miete gelebt, egal wie viel ich verdient habe. In meinem Kopf ist Besitz wie eine Kette am Fuss oder ein Anker den man mit sehr viel Mühe wieder einholt.

Sicher ist bei mir nicht alles angereiht und perfekt aufgeräumt, aber alles ist sehr übersichtlich.

Für mich ist es ist ein Stück Freiheit.

P.S Marie Kondo übertribt es völlig und ich frage mich was bei ihr nicht richtig tickt.

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gracie 02.10.2017, 09:57
51.

Zitat von Newspeak
Noch zwei Dinge zur Ergaenzung: Besser, als Nutzloses wegzuwerfen, ist es, Nutzloses erst gar nicht zu kaufen. Wieviele Kuechengeraete und Heimtrainer werden wirklich regelmaessig genutzt? 1000 Leute brauchten einen Wok, und einer kocht darin auch so oft, dass man sagen kann, es hat sich gelohnt. Und dann die Anmerkung zu der Chemikerin (abgesehen davon, dass ich mich frage, wer diese Nobelpreistraegerin fuer Chemie sein soll? Ausser Ada Yonath kommt kaum jemand in Frage). Aus meiner Erfahrung erkennt man ein gutes chemisches Labor am Zwischenzustand zwischen Ordnung und Chaos. Wenn es ausschaut wie in einer Rumpelkammer, dann wird der Raum auch oft genug genau dafuer genutzt, wenn es ausschaut wie im Katalog, alles sauber und huebsch aufgeraeumt, dann wird das Labor oft gar nicht genutzt, oder extrem selten, was auch nicht fuer die dort arbeitenden Leute spricht (ausser es ist explizit ein Reinraum etc.). Ein gutes Labor, also eines, in dem staendig produktiv gearbeitet wird, ist sauber, aber voller Dinge, die irgendwo herumliegen, gerade benutzt wurden, werden, oder werden sollen. Nebenbei, es gibt tatsaechlich auch die Genies, die das Chaos ueberblicken. Man schaue sich ein Bild von Paul Ehrlich in seinem Arbeitszimmer an.
Gut gesagt ! Nur kaufen was man braucht und es ist wirklich erstaunlich wie wenig man braucht.

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michibln 02.10.2017, 10:02
52. Ist ja alles gut

Solange die Wohnung nicht messimäßig vermüllt. Und weil eben immer wieder was dazu kommt geht das geht nur wenn man sich gelegentlich von irgendwas trennt.

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theresarain 02.10.2017, 10:07
53. Richtig!

Ich bin doch überrascht, wie viele Aufräumfanatiker (oder Jünger der genannten "Aufräumexpertin"?) hier kommentieren. Wenn man ehrlich ist, langt etwas Ordnung doch durchaus. Knapp gesagt: Es ist nur wichtig, dass sich der Topf im unteren Regal des Küchenschranks befindet. Wo da genau ist völlig unwichtig. Es gibt aber tatsächlich nicht so wenig Leute, die verplempern ihre Zeit damit, jedem Topf im Küchenschrank einen ganz genauen Standplatz zuzuweisen, der dann strikt eingehalten wird. Wer's braucht ...

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captain twang 02.10.2017, 10:25
54. spannbettlaken

das mit dem spannbettlaken falten ist gut beobachtet. hurrah! ich bin nicht allein mit diesem problem

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Spr. 02.10.2017, 11:19
55. Sammler gab es schon immer

und das sind sicherlich nicht die Leute, die Bücher einer Aufräumexpertin kaufen. Die bekommen solche Bücher höchstens geschenkt, weil die Schenker die Unordnung einfach nicht mehr mit ansehen können.

Sammler sind vielmehr die Leute, die nie Platz haben. Eben weil sie hässliche Geschenke und Selbstgebasteltes weit über die Zeit aufbewahren. Ihre Kleidung müssen sie im Keller einmotten, weil der oft zu knapp bemessene Stauraum bereits von Dingen besetzt ist, die schon seit langer Zeit nicht mehr genutzt werden und daher längst aussortiert sein sollten.

Weshalb dann der Pullover gar nicht mehr zu den Pullovern gelegt werden kann, weil da schon so viele alte und seit Jahren nicht getragene Pullover liegen, dass einfach kein Platz mehr für weitere Pullover ist. Aber macht ja nichts, dann merkt man sich halt, dass die neueren Pullover da liegen, wo eigentlich z.B. die Unterwäsche ihren Platz gehabt hat. Bis man nur noch grob vermuten kann, was sich wo befindet, und mehr als die Hälfte seines Lebens mit Suchen verbringen muss.

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BellaChicki 02.10.2017, 12:52
56. Ordnung ensteht im Kopf

Wer die Gegenstände wertschätzt, die er besitzt, seine Umgebung und seine Gäste, der hält zwangsläufig Ordnung. Ordnen empfinde ich teilweise sogar als Entspannung/ Meditation; denn die schönste "Arbeit" ist doch die, nach der man den Erfolg auch sieht.

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vera gehlkiel 02.10.2017, 16:50
57.

Ich galt lange als Chaotin schlechthin vom Dienst. In den WG's, in denen ich wohnte, oder mich ehrlich gesagt auch manchmal einnistete, erzeugte das gelegentlich schreckliche Streite, so auch in der Kölner Junglehrer-WG, in der zuerst mein Bruder wohnte, und ich nach drei Monaten, wo ich sein leerstehendes Zimmer gekriegt hatte, einfach nicht mehr auszog. Damals war ich wirklich eine Zumutung, schätze ich. Ich soff und schleppte Kerle an, und wenn ein Mitbewohner die Tür nicht abschloss, nutzte ich seine Sachen wie meine. Nur mit weniger Sorgfalt. Manches, was dort geschah, treibt mir noch heute die Schamesröte hervor. Später hab ich die Wohnung, als ich gut verdiente, und die Leute sich von selbst weitgehend zerstreuten, komplett gemietet, und ab da schlug das total um, ich liess die Bude teuer einrichten, ganz steril, es war mein erster wirklich eigener Platz, den ich zu einer Art Tempel der reinen Anschauung umwidmete. Waren aber alles Phasen. Ich brauche meine chaotische Ecke, sonst bin ich nicht ich selbst. Brauche meinen total zugeschmierten und verkritzelten Tischkalender, der irgend so ein Ding ist, was man in Drogerien oder bei der Sparkasse bekommen kann. Mein Leben funktioniert nur, wenn ich irgendwo einen Stapel aus der Seitentasche rausgefingerte Schmierzettel habe, die ich dann in tätige Wahrheiten umsetze. Mein Auto ist von innen eine Müllkippe. Ich kann aber dafür eine bestimmte Bluse, die ich zu einem bestimmten Rock gern hätte, auch nach drei Jahren mit fast hypnotischer Zielstrebigkeit aus meinem Fundus hervorziehen, und das passt immer haargenau. Heute nacht fliege ich nach Australien, wo mein Bruder ist, der stets ganz genau das Gegenteil von mir war, was Ordnungssinn angeht. So wie mein Bruder ist auch mein Lebensgefährte, aber es funktioniert bestens, weil es drei Zonen gibt: seine Zone, meine Zone, neutrale Zone. Neulich, als wir telefonierten, sagte mein Bruder, wie sehr er es vermisst, mit meiner Chaotik, und wir erzählten uns die alten WG-Zeiten, er sagte, ich hätte da nur Notwendiges durcheinandergebracht, mein Chaos hätte die Selbstgewissheiten wohltuend erschüttert, und es machte mich dann klammheimlich sogar ein bisschen stolz.

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Hmmmmm.......... 02.10.2017, 17:57
58. Gegenstände.....

......erfüllen ihren Zweck nur dann, wenn sie bei Bedarf zeitnah zur Verfügung stehen.

(Deshalb habe ich Kleinzeugs in meinem Keller in Marmeladengläsern sortiert, die Deckel auf Holzleisten 2x3 cm getackert, die Holzleisten auf die Decke geschraubt und sodann die Gläser an die Deckel geschraubt. Da habe ich viel sofort im Blick, besser als in kleinen Schublädchen.)
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purple 02.10.2017, 18:05
59.

Zitat von kanadasirup
Gebe Ihnen völlig Recht. Ordnung ist mitnichten das halbe Leben. Ordnung ist das ganze Leben! Welcher Berufstätige kommt ohne Ordnung aus? Völlig absurd!
Ich!
Ich habe mein ganzes ziemlich erfolgreiches Berufsleben nach der Aussage von Einstein gelebt:

"Ordnung braucht nur der Dumme, das Genie beherrscht das Chaos"

Ganz im Ernst, die Entropie der Dinge täglich zu bekämpfen hält einem nur von wichtigen Dingen ab.

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