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Zum Tod Luigi Colanis: Der Mann im Morgen
Horst Ossinger/ DPA

Luigi Colani war ein Mann mit Ecken und Kanten - als Designer machte er alles rund. Er träumte groß und lag manchmal komplett daneben. Doch ob Flop oder Hit, eines waren seine Entwürfe immer: visionär.

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s.l.bln 16.09.2019, 17:50
10. Colani war ein...

kompletter Blender.
Seine Entwürfe waren vor allem aus einem Grund so rundgelutscht: weil es so schön einfach war.
Wer Prototypen und Studien als physische Objekte fertigen muß, weiß wieviel Mühe es macht, Linien und Wölbungen so zu kombinieren, daß das Licht anschließend aus sämtlichen Perspektiven homogen über das Objekt läuft und dabei auch noch spannende Momente erzeugt.
Wer das nicht kann oder zu bequem dafür ist, lackiert einfach einen unentschlossenen, komplett undefinierten Klumpen glänzend weiß und nennt das ganze dann "Biodesign".
Davon abgesehen gibt es im Design auch so etwas wie eine Grammatik, die vornehmlich von dem bestimmt wird, was das menschliche Unterbewußtsein spannend oder richtig findet.
Das schien ihn aber nie zu interessieren.
Die überwiegende Mehrzahl seiner Entwürfe wirken, als hätte er gar nicht gewußt, wie man einer Linie Spannung verleiht, wie man Bezüge zwischen einzelnen Designelementen eines Objektes herstellt oder wie die Form eines Objektes seine Funktion unterstreicht.
Vieles von dem, was er öffentlich vorgestellt hat, wirkte außerdem so unfertig ,schlampig ausgeführt und bis an die Grenzen zum Lächerlichen banal, daß ich phasenweise versucht war, zu glauben, daß er sich einen Spaß daraus macht, zu sehen, wie weit er das Spiel treiben kann.
Ohne seine zugegebenermaßen wirkungsvolle Selbstinszenierung hätte den niemand beachtet.

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marc.koch 16.09.2019, 17:53
11. Another one bites the dust

Langsam wird einem mulmig, soviele sind es
dieses Jahr, die uns verlassen haben. Dieser
Typ war vor allem eines: wohltuend unangepaßt
und ein echter Kreativer. In der tollen Fotoliste
fehlt noch sein Truckdesign aus den 70er
Jahren, eine Fahrerkabine mit Scheibenwischern
im Mercedes-Stern-Look, die bei Unfall nach
hinten oben aus der Gefahrenzone bewegt wurde.
War aerodynamisch günstig mit cW-Wert geringer
als die ganzen Schrankwände. Danke, Mann,
Du hast die Welt bereichert.

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Papazaca 16.09.2019, 18:24
12. Der Fußball war selbst Colani zu rund.

Zitat von tafka_neowave
Zitat: ⇒ "Ob da, wo er jetzt ist, auch rundes Design vorherrscht? Wenn wir alle einiges Tages im schwarzen Loch verschwinden, hätte Colani zum guten Schluß doch recht behalten...... "⇐ Recht behalten... in welchem Sinne? Was will uns der werte Forist damit bedeuten? Spricht da das Verständnis und die Ahnung eines Astro-Physikers oder die recht weltliche profane Atitüde eines Luigie Colani ;-? "⇐ Ansonsten, zeitweilig im Umfeld "seines" Schlosses gelebt und mehr als einmal ( exakt 2x) unliebsame Bekanntschaft gemacht habend mit seinen freilaufenden Hunden (Riesenviecher) und dann mit dem Herrchen (die wollen nur spielen) ... ich empfand und verstand ihn immer mehr als visionärer (abgefahrener) Künstler denn als Designer, der unser Lebensumfeld gestaltet.
Recht behalten in dem Sinne das Colani eine Abneigung gegen "Rechteckiges", aber eine Vorliebe für "Rundes" hatte. Und das berühmte schwarze Loch sieht auf den letzten Fotos auch ziemlich rund aus. Und in einem schwarzen Loch könnte wir mal alle enden, inklusive die Bundesliga.

Das mit den Hunden hätte mir auch nicht gefallen, um es sehr diplomatisch auszudrücken. Einen Fußball hat er aber - glaube ich - nie gestaltet. Der war einfach dann doch zu rund, selbst für Colani. Grüße

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gammoncrack 16.09.2019, 18:26
13. Ich bitte um Überarbeitung!

Zitat von s.l.bln
kompletter Blender. Seine Entwürfe waren vor allem aus einem Grund so rundgelutscht: weil es so schön einfach war. Wer Prototypen und Studien als physische Objekte fertigen muß, weiß wieviel Mühe es macht, Linien und Wölbungen so zu kombinieren, daß das Licht anschließend aus sämtlichen Perspektiven homogen über das Objekt läuft und dabei auch noch spannende Momente erzeugt. Wer das nicht kann oder zu bequem dafür ist, lackiert einfach einen unentschlossenen, komplett undefinierten Klumpen glänzend weiß und nennt das ganze dann "Biodesign". Davon abgesehen gibt es im Design auch so etwas wie eine Grammatik, die vornehmlich von dem bestimmt wird, was das menschliche Unterbewußtsein spannend oder richtig findet. Das schien ihn aber nie zu interessieren. Die überwiegende Mehrzahl seiner Entwürfe wirken, als hätte er gar nicht gewußt, wie man einer Linie Spannung verleiht, wie man Bezüge zwischen einzelnen Designelementen eines Objektes herstellt oder wie die Form eines Objektes seine Funktion unterstreicht. Vieles von dem, was er öffentlich vorgestellt hat, wirkte außerdem so unfertig ,schlampig ausgeführt und bis an die Grenzen zum Lächerlichen banal, daß ich phasenweise versucht war, zu glauben, daß er sich einen Spaß daraus macht, zu sehen, wie weit er das Spiel treiben kann. Ohne seine zugegebenermaßen wirkungsvolle Selbstinszenierung hätte den niemand beachtet.
https://de.wikipedia.org/wiki/Luigi_Colani

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c.gebel 16.09.2019, 19:11
14.

Schade, dass die Fotostrecke so wenig von dem gezeigt hat, was wirklich auf den Markt kam. Oder gibt es da so wenig?

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krautrockfreak 16.09.2019, 19:46
15. Wäre er nicht so furchtbar überheblich gewesen, würde man ihn

vielleicht als "Genie" in Erinnerung behalten, aber leider war er unglaublich eingebildet von sich selbst. Ich hatte ihn mal in seinem Museum in Karlsruhe gesprochen, das war einfach unerfreulich, wie er sich selbst über den Klee gelobt hat, und alle anderen waren Pfuscher...
Ein vielleicht guter Designer ist von uns gegangen, aber kein sehr einfacher Mensch....

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Mertrager 16.09.2019, 19:48
16. Rip

Wenn in Deutschland ein Genie stirbt, stehen als erstes die Nietenzähler auf und weisen ihm Unfähigkeit nach. Aus dem Stand. Meist sind die Kritiker dann sachlich unterlegt aber selbst weitgehend erfolglos mit ihrem Schaffen.

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BrunoGlas 16.09.2019, 19:58
17. auch ich hatte die Gelegenheit ...

Zitat von gammoncrack
näher kennen zu lernen. Ein gemeinsames Mittagessen und eine geschäftliche Besprechung. Das ist schon ein Typ. Ich habe noch nie einen Menschen kennengelernt, der so von sich überzeugt war. Und egal, was ich angesprochen habe, irgendwie kam immer von ihm: "Da war ich auch dabei". An den ICE kann ich mich noch erinnern. Und natürlich habe ich auch die Colani-Maus angesprochen, die damals über mein Pad rollte. Ein sehr interessanter und bei allem auch lockerer Mensch. Ich bin schon stolz, ihn einmal näher gekannt zu haben. R.I.P. Luigi Colani
zusammen mit Colani bei der "Lackkunst Asien und Europa" 2002 im Ostasiatischen Museum in Köln auszustellen. er als Lackdesigner 2001 mit einem orangenen Sessel aus Polyurethan, und ich als Lackdesigner des Jahres 2002 mit einer räumlichen und Reflexions-verstärkenden, lichtleitenden 3-D Lackierung auf mit Edelmetall beschichteten Handys. Dennoch ist der flutschige Colani an mir vorbeigeflutscht, weil er das Surfen auf seiner Erfolgswelle besser beherrschte.

Noch zu Kommentar 10:

Da spricht ein Design-Krampfatmer aus vollem frustrierten Herzen, ich gönne ihm seine verzweifelt uninspirierten Anstrengungen ein plastisches Design mit "Lichtkanten" und ähnlichem Firlefanz zu kreieren. Colani hat nicht nur runde Formen designed, sondern auch ganzheitlichen Schwung und Rhythmus in seine Modelle reingebracht - bei seinen besten Möbelstücken auch einen präzisen Lichtverlauf, eben fließend, stetig anschwellend und abschwellend, und nicht kantiges Allerweltstrallalla à la Zeichenakademie.

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hajueberlin 16.09.2019, 21:22
18. Ich weiß nicht

Zitat von marc.koch
... In der tollen Fotoliste fehlt noch sein Truckdesign aus den 70er Jahren, eine Fahrerkabine mit Scheibenwischern im Mercedes-Stern-Look, die bei Unfall nach hinten oben aus der Gefahrenzone bewegt wurde. War aerodynamisch günstig mit cW-Wert geringer als die ganzen Schrankwände. Danke, Mann, Du hast die Welt bereichert.
wieviel von diesen Trucks gebaut wurden aber einer ist mir letzte Woche auf der A9 Richtung Berlin entgegen gekommen. Ich war beindruckt. Ich erinnere mich auch noch an die Präsentation in den Medien. Welche Vorteile der hat. Es war ein Vergnügen, dieses Exemplar zu sehen. Und zwar nicht in einem Museum, sondern auf der Straße.

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linoberlin 16.09.2019, 22:39
19. ich erinnere mich an einen

Talkshow-Auftritt, bei dem er mit einer Tafel und einem Edding-Stift das Design der damals neuen Mercedes A-Klasse zerpflückte. Das war schlüssig, kompetent, höchst professionell. Und man konnte die Argumente gut verstehen. Er hat mich überzeugt.

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