Forum: Treffpunkt
Lyrik

Was hier noch fehlt, ist ein Forum wo man sich vom drögen und harten Alltag des Internet - Surfens erholen kann um sich den Harfenklängen der Poesie hinzugeben. Alles ist erlaubt : sowohl selbstverfaßte Zeilen, wie auch die berühmter Poeten, ob politisch oder unpolitisch, ob satirisch oder ernst, ob Goethe, Schiller, Rilke, Wedler oder Morath: Nur keine Hemmungen!

Seite 2 von 2669
Hans-Joachim Grüßner 25.04.2005, 13:22
10.

Zitat von Mischa Dreesbach
Ganz ausgezeichnet, die konsequente konsonante Vokalverweigerung - Literaturpreiswürdig! =P
Häh ?

Kriegen jetzt alle Israelis nen Literaturpreis ?

Fragt sich

Hanjo Grüßner

Beitrag melden
Pallas 25.04.2005, 13:23
11.

Besser jedenfalls als ein kurzes "Hurz".

Beitrag melden
Midnightman 25.04.2005, 19:52
12. Lyrik, oder was man dafür hält...

Nachdem nun das legendäre BWB-Forum seine (un-)heiligen Pforten wahrscheinlich für immer geschlossen hat, sucht der Schreiber dieser Zeilen eine Gelegenheit, seine realsatirischen Texte einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Es handelt sich (zunächst) um Beschreibungen aus das Leben & Leiden eines durchschnittlichen, kreativen PC-Technikers & "Computer-Aristokraten der ersten Stunde".
In o.g. Forum konnte man seine seelischen Ergüsse problemlos "zu Papier" bringen, ohne befürchten zu müßen, auf etwaige Form- & Grammatikfehler in mehr als unbedingt notwendiger Form hingewiesen zu werden, da es die Mehrzahl der User mit der deutschen Rechtschreibung ohnehin nicht so genau nahmen :-))
Sei´s drum, hier nun ein (schon wenig älterer) Text, der für einige Internet-Verteranen vielleicht durchaus nachvollziehbar sein mag...

ME AND MY MODÄMON

Es ist noch nicht lange her, da mußte man, um seinen intimeren Freunden - etwa denen in der Nähe des Polarkreises - eine Nachricht von höchster Vertraulichkeit zukommen zu lassen, sich hinsetzen, zu Kugelschreiber und Papier greifen und sich im Schweiße seines Angesichts Stunden und Tage abmühen bis dem Empfänger auch seine Nachricht auch zukam. Heute ist das einfacher. Heute gibt es das Internet.
Als modern erzogener Mensch würde ich nicht im Traum daran denken die vielfältigen Segnungen der Technik von mir zu weisen, es ist doch wirklich so einfach: man schaltet seinen PC ein, tippt ein paar pfiffige Zeilen, schickt sie in einen Raum von dem alle glauben, daß er da ist, nur keiner so recht weiß wo eigentlich und schon ist man mit dem Rest der technophilen Menschheit versöhnt.

So machte auch ich mich wieder daran, um meinem inzwischen weltweiten Bekanntenkreis einige unsterbliche Sentenzen zu übermitteln, ganz einfach, ich brauche es nur zu tippen, abzuschicken und dazu brauche ich nur noch den Zugang zum Internet, welcher mir zuteil wird mit diesem Passwort, wie war es doch gleich, es müsste sich eigentlich in meinem Gedächtnis befinden, doch da ist es nicht, weder in der rechten noch in der linken Hälfte meiner organischen HD, so sehr ich mich auch bemühe, 23 senkrecht, Wort mit acht Buchstaben, fängt mit einem R an wie Regensburg oder Rom, nur mit 8 Buchstaben, die Mnemotechnik bringt mich anscheinend auch nicht weiter, die erste Krise in dem sonst wolkenlos sonnigen Tag, doch halt, ein Mann von Welt kennt seine Schwächen, ich glaube ich habe es mir irgendwo aufgeschrieben, dieses Passwort, keine Panik, es wird alles wieder gut.

Während sich rund um meinen Arbeitsplatz unterschiedlich große Haufen von Papierfetzen bilden, schießt mir ab und zu dieser komische Werbespruch vom "papierlosen Büro" durch den Kopf und ich werde das Gefühl nicht los, daß diese Leute wirklich nicht gut nachgedacht haben, was wäre der heutige PC-User ohne Papier und Bleistift?
Nach kaum 2-stündiger Suche tauche ich als strahlender Sieger aus diesem elenden Papierkrieg auf, das geheimnisvolle Papyros in meinen schweißfeuchten Händen, darauf mir bekannt erscheinende Runen, die verkünden: WRXLBRAC. Wie konnte ich das nur vergessen! Ist doch wirklich nicht schwer!
Also dann mal los, Geheimcode ( kommt gut, das Wort, oder? ) eingeben und ab damit....

Ein geschmackvoll in Blau und Grau gehaltener Hinweis springt mich an wie ein Raubtier und schlägt seine elektronischen Krallen in mein Vorderhirn: FEHLER R 58. EIN MODEM FEHLT ODER IST NICHT VORHANDEN! ABBRECHEN ODER WEITERMACHEN?
Wie aus weiter Ferne höre ich gurgelnde und ächzende Geräusche, die anscheinend aus meiner Kehle stammen. Es sind diese Meldungen die ich so liebe und die das Gefühl wachrufen, als würde mir mit einer watteumwickelten Stahlstange das Gehirn aus dem Kopf geprügelt.
Während ich mich an die ersten zaghaften Versuche einer semantischen Analyse wage, überkommt mich eine schrecklicher Erkenntnis: MODEM FEHLT. Das war die Kernaussage, daran gibt es nichts zu rütteln und deuteln. Nun, ohne ein Modem kann natürlich der beste Computer keine Mails verschicken, es nützt nichts in Selbstmitleid und Wehklagen zu versinken, das Modem muß gefunden werden, koste es was es wolle, nichts und niemand soll mich aufhalten diese Mail abzuschicken!

In den letzten Resten meines von moderner IT-Technik zerfressenen Denkapparates glimmt die vage Erinnerung an den Kauf eines Modems und die höhnischen Bemerkungen von Leuten, die mir dieses Teil tatsächlich verkauft hatten.
Nachdem ich die etwas loseren Schichten meiner technischen Peripherie - die nichts weiter zutage fördert als so nutzlose Dinge wie Monitore, Drucker und ausgebrannte Computergehäuse - durchwühlt habe, müssen die Bücherregale dran glauben. In gutem Konsens mit der Schwerkraft sammeln sich bald die Werke von Hesse, Bukowski und dem Dalai Lama auf dem Boden und bilden interessante Konglomerate. Heulend und kreischend durchpflüge ich die dunklen Flure meines 0,004 qkm - Labyrints, vorbei an schier endlosen Reihen aufgestapelter CD´s , die mir 10 Tage kostenlosen Zugang zum Internet verheißen ( Was, sie sind noch nicht drin? ), vorbei an bunten Zeitschriften die PC´S ( und MODEM´s ! ) anbieten, hinaus in die endlosen Weiten des Balkons; Kein Modem. Verdammich!!

Ächzend und schwitzend lasse ich mich in die Reste meines Chefsessels sinken. Ganz klar, hier ist nichts zu machen, das ist ein Fall für die Kripo oder die Staatsanwaltschaft. Man hat mir am hellichten Tag mein Modem geklaut, warum versagen im entscheidenden Moment immer die Staatsorgane?
Von Selbstmordgedanken geplagt greife ich gedankenverloren zur Zigarrenkiste um mir noch ein letztes Vergnügen zu gönnen. Unbegeiflicherweise scheint sich das Zedernholz dieser Kiste in Aluminium verwandelt zu haben und statt der heroischen goldgeprägten Lettern des real existierenden Sozialismus blinken mich munter diverse rote LED´s an. Es ist kaum zu glauben, wie ähnlich diese Zigarrenki......

Nun ja, man kann über den technokratischen Turbokapitalismus sagen was man will, wenn der ewigbärtige Realsozialismus seine roten LED´s so hübsch und flink auf- und abhüpfen lassen könnte, hätte er vielleicht doch noch Chancen.
Nichtsdestotrotz bin ich stinksauer. Irgendein Vollkretin hat das Modem an meinen PC angeschlossen und auch sonst mit allerlei Kabeln ziemliche Verwirrung gestiftet. Kein Wunder, daß nichts geht.
Nachdem ich diese Dummheit korrigiert und den Überschuß an schwarzen Spaghetti hinter einem Bücherregal verschwinden lasse ist mir wohler. Die Fehlermeldung flackert nervös.
Derart moralisch gestärkt sehe ich mich nun imstande dieser eingeschmuggelten Meldung einiger subversiver Hacker und Terroristen zu trotzen und ganz cool auf WEITERMACHEN zu klicken; werden ja sehen wer hier der Boß ist...

1999 by J.J."Midnightman" B.


In schriftstellerischer Kokettheitheit möchte ich noch anmerken, daß Kritik, ob destruktiver ("wir wollen hier sowas NIE wieder sehen") oder konstruktiver ("gib uns mehr davon") Art, oder irgendwas dazwischen ist durchaus erwünscht & würde mich ermutigen (oder abhalten) weiteres zu veröffentlichen.


MfG

Midnightman

Beitrag melden
Mischa Dreesbach 25.04.2005, 21:30
13.

Zitat von Hans-Joachim Grüßner
Häh ? Kriegen jetzt alle Israelis nen Literaturpreis ? Fragt sich Hanjo Grüßner
Vn mr as! :)

Beitrag melden
illona kunz 25.04.2005, 22:57
14.

so?

Beitrag melden
Kurt Rainer 26.04.2005, 16:59
15. Wrxlbrac.

Zitat von Midnightman
(...) So machte auch ich mich wieder daran, um meinem inzwischen weltweiten Bekanntenkreis einige unsterbliche Sentenzen zu übermitteln
Na, "Hesse, Bukowski und Dalai Lama" haben wohl 'n büsken abgefärbt, wie? :-)

Zitat von
In schriftstellerischer Kokettheit möchte ich noch anmerken, daß Kritik, ob destruktiver ("wir wollen hier sowas NIE wieder sehen") oder konstruktiver ("gib uns mehr davon") Art, oder irgendwas dazwischen ist durchaus erwünscht & würde mich ermutigen (oder abhalten) weiteres zu veröffentlichen.
Nur weiter so! wenn's auch nicht reimte, so war's doch von einer ganz eigenen - äh... also ja doch, Lyrik

Und "WRXLBRAC", das ist nun schon fast so gut wie
Zepke! Zepke! / Mekkimapsi-muschibrops / Lakku- Zakku- Wakku- Quakku- muschibrops / Lesebesebimbera

Beitrag melden
Midnightman 26.04.2005, 18:21
16.

@ Kurt Rainer

Danke !

Das wird mich wahrscheinlich zu weiteren Schandtaten ermutigen ;-)


MfG
The Midnightman

P.S. Wer Rechtschreibfehler findet darf sie behalten.

Beitrag melden
hanspeterr 27.04.2005, 23:15
17.

passt zum thema lyrik
und zum neusten Spiegel-Titel

Wacht auf, verdammte dieser Erde, die stets man noch zum Hungern zwingt! Das Recht wie Glut im Kraterherde nun mit Macht zum Durchbruch dringt. Reinen Tisch macht mit dem Bedränger! Heer der Sklaven, wache auf!
Ein Nichts zu sein, tragt es nicht länger, alles zu werden, störmt zuhauf.

Völker, hört die Signale! Auf, zum letzten Gefecht! Die Internationale erkämpft das Menschenrecht! Völker, hört die Signale! Auf, zum letzten Gefecht! Die Internationale erkämpft das Menschenrecht.

Es rettet uns kein hö´hres Wesen, kein Gott, kein Kaiser, noch Tribun.
Uns aus dem Elend zu erlösen, können wir nur selber tun!
Leeres Wort: des Armen Rechte! Leeres Wort: des Reichen Pflicht!
Unmündig nennt man uns und Knechte, duldet die Schmach nun länger nicht!

Völker, hört die Signale! Auf, zum letzten Gefecht! Die Internationale erkämpft das Menschenrecht! Völker, hört die Signale! Auf, zum letzten Gefecht! Die Internationale erkämpft das Menschenrecht.

In Stadt und Land, ihr Arbeitsleute, wir sind die stärkste der Partei´n.
Die Müßiggnger schiebt beiseite! Diese Welt wird unser sein;
unser Blut sei nicht mehr der Raben und der nächt´gen Geier Fraß!
Erst wenn wir sie vertrieben haben, dan scheint die Sonn' ohn' Unterlaß

Völker, hört die Signale! Auf, zum letzten Gefecht! Die Internationale erkämpft das Menschenrecht! Völker, hört die Signale! Auf, zum letzten Gefecht! Die Internationale erkämpft das Menschenrecht.

Beitrag melden
Kurt Rainer 30.04.2005, 16:02
18.

Zitat von hanspeterr
(...) Wacht auf, verdammte dieser Erde, die stets man noch zum Hungern zwingt! (...)
Gute Lyrik bleibt eben aktuell :-)

Beitrag melden
Cisco 01.05.2005, 16:23
19. Arthur Schramm

Nun mein Beitrag zur Lyrik, hier einige Verse des zu Unrecht verkannten großen Lyriker des Erzgebirges Arthur Schramm:

Sommer, Sonne, Wellenpracht
Badehose, Sowjetmacht

Was schaut da hinter dem Bergeswipfel heraus?
Es ist das Bergarbeiterkrankenhaus!

Was blinkt da vom Waldesrande her?
Ein feindliches Maschingewehr!

Der Bergmann aus dem Schachte kriecht,
Glück auf - Der Sozialismus siegt! *

Rumpeldipumpel,
weg waren die Kumpel

Im Herbst da fallen die Blätter - Donnerwetter!
Im Frühling sind sie wieder dran - sieh mal einer an!

Der Fichtelberg ist steil - Schi heil!
Der Keilberg ist steiler - Schi heiler!

Griene Kließ un' Schwammebrieh
Oh, Arzgebirg, wie bist Du schie!**

Im Wald, da steht ein Ofenrohr.
Stellt euch mal die Hitze vor!

*g wird im sächsischen Dialekt ch gesprochen
** Grüne Klöße und Pilzbrühe
Oh, Erzgebirge, wie bist Du schön!

In diesem Sinne:

Die größten Dichter, die wir ham:
Goethe, Schiller, Schramm

Beitrag melden
Seite 2 von 2669
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!