Forum: Treffpunkt
Lyrik

Was hier noch fehlt, ist ein Forum wo man sich vom drögen und harten Alltag des Internet - Surfens erholen kann um sich den Harfenklängen der Poesie hinzugeben. Alles ist erlaubt : sowohl selbstverfaßte Zeilen, wie auch die berühmter Poeten, ob politisch oder unpolitisch, ob satirisch oder ernst, ob Goethe, Schiller, Rilke, Wedler oder Morath: Nur keine Hemmungen!

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Bloomberg 10.06.2014, 13:36
26110.

Zitat von gantern
Treibgut auf dem Sprachen-Meer wiegende Sätze hohl und leer Worte retten sich auf weiße Strände zusammengeleimt in dicke Bände Nur selten erreicht sie ein Leserblick selten gibt es einen Erinnerungsknick Verlorene Seelen im Literatenmeere verlorene Hoffnung als Dichters Chimäre In der blauen Ferne blitzen Flügelspitzen seht nur, endlich! der Albatros ist nah Und im Wahnsinn fiebriger Hitzen schlüpfen Worte in Sätze so wunderbar ganter
Herakles-s Chímaira

Sie und „seine vielleicht ..“ wurde getötet,
wird bis der Mitte Julinacht -die Löwe
und Ziege und der edelste Schlange
sich ergeben, hinlegen fürs Schlachten.

Der edel Herakles im ersten Wettbewerb
mit ihrer Waffen, aller - Bogen und Pfeile,
sogar ihre eigen aus Olivenbäumen geschnittene
fehlgeschlagen, auch seine Bronze-Schwert
und Keule. In einer Höhle, die zwei Ausgänge
hatte, wurde einer der Ausgänge blockiert,
während die andere durchsetzt. Er drückte
der Kehle des Löwin nur mit bloßen
Arm und warf Kraft auf sie, alles.
Er hat Stunden verbracht mit der
Abziehen der Pelz, nahm die Krallen
und machte der Schild. Wurde der Held.

Amen.

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KurtT. 10.06.2014, 13:50
26111.

Zitat von Umberto
Ein Dichter, rund und feist bei Leibe, Mit einem Antlitz, lang wie breit, Und glänzend, wie des Vollmonds Scheibe, Sprach einst von seiner Dürftigkeit, Und schimpfte brav auf teure Zeit. »Das tun Sie bloß zum Zeitvertreibe«, Rief einer aus der Compagnie; »Denn dies Gedeihn an Ihrem werten Leibe, Und Ihr Gesicht, die schöne Vollmondsscheibe, Herr Kläger, zeugen wider Sie!« - »Das hat sich wohl!« seufzt der Poet geduldig. »Doch, Gott gesegn' ihn! meinen Bauch - Sanft strich er ihn - und diesen Vollmond auch Bin ich dem Speisewirt noch schuldig.«

Sonett VIII

Wie nähm' die Armut bald bei mir ein Ende,
Wüsst' ich den Pinsel kunstgerecht zu führen
Und hübsch mit bunten Bildern zu verzieren
Der Kirchen und der Schlösser stolze Wände.

Wie flösse bald mir zu des Goldes Spende,
Wüsst' ich auf Flöten, Geigen und Klavieren
So rührend und so fein zu musizieren,
Dass Herrn und Damen klatschen in die Hände.

Doch, ach! Mir Armen lächelt Mammon nie;
Denn leider, leider! trieb ich dich alleine,
Brotloseste der Künste, Poesie!

Und ach! Wenn andre sich mit vollen Humpen
Zum Gotte trinken im Champagnerweine,
Dann muss ich dürsten, oder ich muss – pumpen ...

von Heinrich Heine

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eigentlicher_Schwan 10.06.2014, 13:55
26112. Echsengewächse

Die Eidechse hatte einst
ihren Eid gebrochen.
Seither ist sie -eieiei-
stumm, leises Züngeln
für sie das höchste der Gefühle.
(Sehr viel hatte sie nie gesprochen.)

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KurtT. 10.06.2014, 14:11
26113.

Zitat von gantern
Treibgut auf dem Sprachen-Meer wiegende Sätze hohl und leer Worte retten sich auf weiße Strände zusammengeleimt in dicke Bände Nur selten erreicht sie ein Leserblick selten gibt es einen Erinnerungsknick Verlorene Seelen im Literatenmeere verlorene Hoffnung als Dichters Chimäre In der blauen Ferne blitzen Flügelspitzen seht nur, endlich! der Albatros ist nah Und im Wahnsinn fiebriger Hitzen schlüpfen Worte in Sätze so wunderbar ganter

Sonett 146

Du arme Seele, Zentrum meiner Erde!
Sie ruft Rebellenheere auf den Plan,
das macht dir großen Hunger und Beschwerde,
und doch malst du dein Äußres kostbar an.

Warum willst du für kurze Miete viel
verschwenden für ein Haus, das bald nur Dreck?
Die Würmer erben dieses Domizil,
Soll'n sie es fressen? Wäre dies sein Zweck?

Nein, Seele, halte deinen Körper knapp,
und lass sein Leiden deinen Schatz vermehren.
Kauf ewge Zeit, stoß mindre Stunden ab,
bleib außen arm, und lass dich innen nähren.

Schau, dass der Tod, der Menschen frisst, dich nähr!
Ist tot der Tod, so gibt's kein Sterben mehr ...

von William Shakespeare *

* übersetzt von Markus Marti


Video Pepe Romero "Gran Jota - Tarrega" > http://www.youtube.com/watch?v=IXbWqqkJ8hI <

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HeinzHH 10.06.2014, 14:15
26114.

Zitat von Bloomberg
Hallo Dirk! Was kann man jetzt schreiben? Dass ich wieder einmal eine „Fehlgriff“ gehabt habe? ...
Nö warum, ich sehe keinen Fehlgriff. :)

Laune der Natur,
ein Wasserläufer
taucht nach Luftblasen.

(HHH)

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femtom1nd 10.06.2014, 14:28
26115. Das Nachtlied - Teil 1

...
..
.
Nacht ist es: nun reden lauter alle springenden Brunnen. Und auch meine Seele ist ein springender Brunnen.

Nacht ist es: nun erst erwachen alle Lieder der Liebenden. Und auch meine Seele ist das Lied eines Liebenden.

Ein Ungestilltes, Unstillbares ist in mir; das will laut werden. Eine Begierde nach Liebe ist in mir, die redet selber die Sprache der Liebe.

Licht bin ich: ach, dass ich Nacht wäre! Aber diess ist meine Einsamkeit, dass ich von Licht umgürtet bin.

Ach, dass ich dunkel wäre und nächtig! Wie wollte ich an den Brüsten des Lichts saugen!

Und euch selber wollte ich noch segnen, ihr kleinen Funkelsterne und Leuchtwürmer droben! - und selig sein ob eurer Licht-Geschenke.

Aber ich lebe in meinem eignen Lichte, ich trinke die Flammen in mich zurück, die aus mir brechen.

Ich kenne das Glück des Nehmenden nicht; und oft träumte mir davon, dass Stehlen noch seliger sein müsse, als Nehmen.

Das ist meine Armuth, dass meine Hand niemals ausruht vom Schenken; das ist mein Neid, dass ich wartende Augen sehe und die erhellten Nächte der Sehnsucht.

Oh Unseligkeit aller Schenkenden! Oh Verfinsterung meiner Sonne! Oh Begierde nach Begehren! Oh Heisshunger in der Sättigung!

Sie nehmen von mir: aber rühre ich noch an ihre Seele? Eine Kluft ist zwischen Geben und Nehmen; und die kleinste Kluft ist am letzten zu überbrücken.

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femtom1nd 10.06.2014, 14:29
26116. Das Nachtlied - Teil 2

...
Ein Hunger wächst aus meiner Schönheit: wehethun möchte ich Denen, welchen ich leuchte, berauben möchte ich meine Beschenkten: - also hungere ich nach Bosheit.

Die Hand zurückziehend, wenn sich schon ihr die Hand entgegenstreckt; dem Wasserfälle gleich zögernd, der noch im Sturze zögert: - also hungere ich nach Bosheit.

Solche Rache sinnt meine Fülle aus; solche Tücke quillt aus meiner Einsamkeit.

Mein Glück im Schenken erstarb im Schenken, meine Tugend wurde ihrer selber müde an ihrem Überflusse!

Wer immer schenkt, dessen Gefahr ist, dass er die Scham verliere; wer immer austheilt, dessen Hand und Herz hat Schwielen vor lauter Austheilen.

Mein Auge quillt nicht mehr über vor der Scham der Bittenden; meine Hand wurde zu hart für das Zittern gefüllter Hände.

Wohin kam die Thräne meinem Auge und der Flaum meinem Herzen? Oh Einsamkeit aller Schenkenden! Oh Schweigsamkeit aller Leuchtenden!

Viel Sonnen kreisen im öden Räume: zu Allem, was dunkel ist, reden sie mit ihrem Lichte, - mir schweigen sie.

Oh diess ist die Feindschaft des Lichts gegen Leuchtendes, erbarmungslos wandelt es seine Bahnen.

Unbillig gegen Leuchtendes im tiefsten Herzen: kalt gegen Sonnen, - also wandelt jede Sonne.

Einem Sturme gleich fliegen die Sonnen ihre Bahnen, das ist ihr Wandeln. Ihrem unerbittlichen Willen folgen sie, das ist ihre Kälte.

Oh, ihr erst seid es, ihr Dunklen, ihr Nächtigen, die ihr Wärme schafft aus Leuchtendem! Oh, ihr erst trinkt euch Milch und Labsal aus des Lichtes Eutern!

Ach, Eis ist um mich, meine Hand verbrennt sich an Eisigem! Ach, Durst ist in mir, der schmachtet nach eurem Durste!

Nacht ist es: ach dass ich Licht sein muss! Und Durst nach Nächtigem! Und Einsamkeit!

Nacht ist es: nun bricht wie ein Born aus mir mein Verlangen, - nach Rede verlangt mich.

Nacht ist es: nun reden lauter alle springenden Brunnen. Und auch meine Seele ist ein springender Brunnen.

Nacht ist es: nun erst erwachen alle Lieder der Liebenden. Und auch meine Seele ist das Lied eines Liebenden. -

Also sang Zarathustra.


Nietzsche, Friedrich

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tinosaurus 10.06.2014, 16:35
26117. Salamander

Zitat von eigentlicher_Schwan
Die Eidechse hatte einst ihren Eid gebrochen. Seither ist sie -eieiei- stumm, leises Züngeln für sie das höchste der Gefühle. (Sehr viel hatte sie nie gesprochen.)

Ein Feuersalamander
spielte mit dem Feuer
Es war ihm dann nicht
ganz geheuer
So läuft und kriecht er
wie ein Ungeheuer

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femtom1nd 10.06.2014, 17:08
26118. Von der schenkenden Tugend

Zitat von tinosaurus
Ein Feuersalamander spielte mit dem Feuer Es war ihm dann nicht ganz geheuer So läuft und kriecht er wie ein Ungeheuer

http://gutenberg.spiegel.de/buch/3248/33

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eigentlicher_Schwan 10.06.2014, 17:28
26119. Armreich

Am Erdbeerfeld sitzen
in der prallen Sonne
an den warmen Wind gelehnt
und nur riechen.
So will ich die letzten Tage
in deinen Armen
verbringen
und den Stab
überreichen.

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Seite 2612 von 2669
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