Forum: Treffpunkt
Lyrik

Was hier noch fehlt, ist ein Forum wo man sich vom drögen und harten Alltag des Internet - Surfens erholen kann um sich den Harfenklängen der Poesie hinzugeben. Alles ist erlaubt : sowohl selbstverfaßte Zeilen, wie auch die berühmter Poeten, ob politisch oder unpolitisch, ob satirisch oder ernst, ob Goethe, Schiller, Rilke, Wedler oder Morath: Nur keine Hemmungen!

Seite 2649 von 2669
KurtT. 27.06.2014, 13:00
26480.

der arme poet

das dichten ihm vergangen
bei linsen und im hemd
drum der poet noch wartet
bis ihn die mus' erkennt ...

doch die ihm nie erschienen,
sie hat ihn nicht vermisst
nie keine ist gekommen
und hat ihn je geküsst ...

von Pedroburla - mit "ausgeschöpftem" Dispo ...

Beitrag melden
Jörn Bünning 27.06.2014, 13:59
26481. Fluch(t) des Glücks

Zwar wird der Mensch zu seinem Glück geboren
und sucht es in der Liebe zu erlangen,
doch schwer verliebt bis über beide Ohren
lässt sich der Augenblick nicht lange fangen.

Die Seligkeit zieht schweigend aus dem Haus,
sie wartet nicht, dass man ihr Abschied gibt -
das Glück eilt stets dem Suchenden voraus
und Sehnsucht schreibt sich Verse, selbstverliebt.

Die Zukunft wird auch dem nichts wiederbringen
der Gegenwart nicht lange halten kann,
er wird doch nie das eigne Glück erzwingen,

das stets die Freiheit braucht und immer dann,
wenn wir im Clinch verzweifelt darum ringen,
sich jenem zeigt, der es noch nicht ersann.

Beitrag melden
KurtT. 27.06.2014, 14:10
26482.

Zitat von Jörn Bünning
Zwar wird der Mensch zu seinem Glück geboren und sucht es in der Liebe zu erlangen, doch schwer verliebt bis über beide Ohren lässt sich der Augenblick nicht lange fangen. Die Seligkeit zieht schweigend aus dem Haus, sie wartet nicht, dass man ihr Abschied gibt - das Glück eilt stets dem Suchenden voraus und Sehnsucht schreibt sich Verse, selbstverliebt. Die Zukunft wird auch dem nichts wiederbringen der Gegenwart nicht lange halten kann, er wird doch nie das eigne Glück erzwingen, das stets die Freiheit braucht und immer dann, wenn wir im Clinch verzweifelt darum ringen, sich jenem zeigt, der es noch nicht ersann.

Auch wegen solcher Gedichte bin ich - meistens - gerne hier!

Gruß an die Alster! Pedro

Beitrag melden
tinosaurus 27.06.2014, 16:40
26483. Na gut

Zitat von HeinzHH
Lass es gut sein tino, das wird langsam lächerlich!
Ich finde das überhaupt nicht lächerlich. Will jetzt meinen Verdacht vorerst nicht weiter konkretisieren, weil die Leser auch nicht wissen können, um was es geht.
Ansonsten, Ihre Beleidigungen möchte ich ebenfalls nicht kommentieren. Die sprechen für sich.

Beitrag melden
tinosaurus 27.06.2014, 18:35
26484. hier bin ich

Ich zerteile die Luft
mit meinen Händen
reiß den Vorhang
auf
hier bin ich
ihr könnt mich...
sehen
heimlich
verstohlen
wie ihr wollt
und dann
wenn ich gehe
dürft ihr auch
erleichtert aufatmen
aber nur
hinter vorgehaltener Hand
und leise

sonst komm ich wieder




(aus aktuellem Anlass erneut...)

Beitrag melden
eigentlicher_Schwan 27.06.2014, 19:04
26485. ... nicht gut kirschenessen

Nach dem Erdbeerfieber
Kam der Kirschenwahn.
Wie heiße Kartoffeln
Wurden sie umhergereicht.
Denn wer
will schon stundenlang
in der Küche stehen
und Marmelade kochen?

Beitrag melden
gantern 27.06.2014, 19:51
26486. Das Schlaraffenland

Eine Gegend heißt Schlaraffenland,
den faulen Leuten wohlbekannt;
die liegt drei Meilen hinter Weihnachten.
Ein Mensch, der dahinein will trachten,
muß sich des großen Dings vermessen
und durch einen Berg von Hirsebrei essen;
der ist wohl dreier Meilen dick;
alsdann ist er im Augenblick
im selbigen Schlaraffenland.

Da hat er Speis und Trank zur Hand;
da sind die Häuser gedeckt mit Fladen,
mit Lebkuchen Tür und Fensterladen.
Um jedes Haus geht rings ein Zaun,
geflochten aus Bratwürsten braun;
vom besten Weine sind die Bronnen,
kommen einem selbst ins Maul geronnen.
An den Tannen hängen süße Krapfen
wie hierzulande die Tannenzapfen;
auf Weidenbäumen Semmeln stehn,
unten Bäche von Milch hergehn;
in diese fallen sie hinab,
daß jedermann zu essen hab.

Auch schwimmen Fische in den Lachen,
gesotten, gebraten, gesalzen, gebacken;
die gehen bei dem Gestad so nahe,
daß man sie mit den Händen fahe.
Auch fliegen um, das mögt ihr glauben,
gebratene Hühner, Gäns' und Tauben;
wer sie nicht fängt und ist so faul,
dem fliegen sie selbst in das Maul.
Die Schweine, fett und wohlgeraten,
laufen im Lande umher gebraten.
Jedes hat ein Messer im Rück';
damit schneid't man sich ab ein Stück
und steckt das Messer wieder hinein.
Käse liegen umher wie die Stein.
Ganz bequem haben's die Bauern;
sie wachsen auf Bäumen, an den Mauern;
sind sie zeitig, so fallen sie ab,
jeder in ein Paar Stiefel herab.
Auch ist ein Jungbrunn in dem Land;
mit dem ist es also bewandt:
wer da häßlich ist oder alt,
der badet sich jung und wohlgestalt't
Bei den Leuten sind allein gelitten
mühelose, bequeme Sitten.

So zum Ziel schießen die Gäst',
wer am meisten fehlt, gewinnt das Best;
im Laufe gewinnt der Letzte allein;
das Schlafrocktragen ist allgemein,
Auch ist im Lande gut Geld gewinnen:
wer Tag und Nacht schläft darinnen,
dem gibt man für die Stund' einen Gulden;
wer wacker und fleißig ist, macht Schulden.
Dem, welcher da sein Geld verspielt,
man alles zwiefach gleich vergilt,
und wer seine Schuld nicht gern bezahlt,
auch wenn sie wär eines Jahres alt,
dem muß der andere doppelt geben.
Der, welcher liebt ein lustig Leben,
kriegt für den Trunk einen Batzen Lohn;
für eine große Lüge gibt man eine Kron'.
Verstand darf man nicht lassen sehn,
aller Vernunft muß man müßig gehn;
wer Sinn und Witz gebrauchen wollt,
dem wär kein Mensch im Lande hold.
Wer Zucht und Ehrbarkeit hätt lieb,
denselben man des Lands vertrieb,
und wer arbeitet mit der Hand,
dem verböt man das Schlaraffenland.
Wer unnütz ist, sich nichts läßt lehren,
der kommt im Land zu großen Ehren,
und wer der Faulste wird erkannt,
derselbige ist König im Land.

Wer wüst, wild und unsinnig ist,
grob, unverständig zu aller Frist,
aus dem macht man im Land einen Fürsten.
Wer gern ficht mit Leberwürsten,
aus dem ein Ritter wird gemacht,
und wer auf gar nichts weiter acht't
als auf Essen, Trinken und Schlafen,
aus dem macht man im Land einen Grafen.
Wer also lebt wie obgenannt,
der ist gut im Schlaraffenland,
in einem andern aber nicht.
Drum ist ein Spiegel dies Gedicht,
darin du sehest dein Angesicht.

Hans Sachs

Beitrag melden
eigentlicher_Schwan 27.06.2014, 20:35
26487. Prosaisches...

Die Kirschen fallen von dem Baum,
weil keiner denkt auch nur im Traum,
sich auf die lange Leiter zu stellen
und damit die müden Glieder zu quälen.
Die Kirschen soll man beim Pflücken nicht berühren,
man muss sie am Stiele zum Korbe hin führen.
Zudem ist der Juno auch öfters recht heiß,
und aus deinen Ritzen tropft dir der Schweiß.
Aber im jedem REWE bald schon
gibt es ja Kirschen aus Libanon.
Da stimmt dann alles, sogar der Preis.

Beitrag melden
HeinzHH 27.06.2014, 21:37
26488. "Hier bin ich" (in Gedenken an Nils Koppruch)

Hier bin ich

Ich habe Geld wie Heu trag ein Hut aus Stroh
Immer da wo ich bin da brennt es lichterloh
Ich lege Wert auf gutes Benehmen
Ich trag ein Messer zwischen meinen schiefen Zähnen

Ich bin overdressed ich bin dehydriert
Ich bin gut vernetzt weiß wie man buchstabiert
Ich bin gut gelaunt und mächtig
Ich bin naiv und niederträchtig

Wer bin ich

Ich kann aufrecht stehen
Ich kann vorwärts gehen
Ich hab das Licht gesehen

Wer bin ich

Ich kann ein Herz erweichen
Meine Sünden beichten
Deine Wände anstreichen
Mich von hinten anschleichen
Ich verstehe kein Wort
Ich deute die Zeichen

Wer bin ich

Ich bin Dein Bruder Deine Schwester und ich komm aus gutem Haus
Ich versteck mich in der Menge und verkaufe meine Haut
Ich bin verwundet und verdächtig ich bin verliebt und unersetzlich
Ich verlang mehr als sie geben
und ich hab mehr als ich brauch
Ich führe ein unbestimmtes Leben und weiß mehr als Du glaubst
Ich sag die Wahrheit und verletzt Dich ich lüg Dich an und unterschätz Dich

Wer bin ich

Ich kann aufrecht stehen
Ich kann vorwärts gehen
Ich hab das Licht gesehen

Wer bin ich

Ich kann Türen eintreten
Feuer legen
Alles auf mich nehmen
Die Litanei herbeten
Deinen Dreck wegfegen
Und in Rätseln reden

Wer bin ich

Ich hab zwei Arme
Ich hab zwei Beine
Ich bin viele
Ich bin alleine
Ich bin Frei
Und lieg in Fesseln
Ich darf das Codewort nicht vergessen
-
Ich hab ein Kopf
Und zwei Augen
Ich kann sehen, sprechen, denken und glauben
Ich hab einen Namen und ein Gesicht
Ich sag hallo hurra hier bin ich

Ich kann aufrecht stehen
Ich kann vorwärts gehen
Ich hab das Licht gesehen

Wer bin ich

Oh ich mache Probleme
Ich brauche Licht ich brauch Liebe
Ich erschaffe Systeme und streu Sand ins Getriebe
Ich suche nach Antworten auf Fragen wie diese

Wer bin ich

(Kid Kopphausen)

Beitrag melden
Seite 2649 von 2669
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!