Forum: Wirtschaft
700-Euro-Pille von Sovaldi: "Unmoralische Gewinnzahlen"
AP/Gilead Sciences

Eine Pille des Hepatitis-C-Präparats kostet 700 Euro. Kassen warnen vor Milliardenkosten, Experten kritisieren das "unmoralische" Gewinnstreben der Pharmakonzerne. Doch wie kommt der hohe Preis eigentlich zustande?

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egal 06.08.2014, 20:01
1. Konkurrenz bringt wenig

Als Novartis Lucentis auf den Markt brachte kostete es knapp 1400 Euro pro Spritze. Das nicht zugelassene Krebsmittel Avastin 60 Euro bei in doppelblind randomisierten Studien (CATT und CATT2) gleicher Wirksamkeit. Die Konkurrenz trat mit Eylea von Bayer auf den Markt. Die kosten jetzt beide (!) 1100 Euro. Ein Schelm, der da an Preisabsprachen denkt!

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TICKundTOOF 06.08.2014, 20:01
2. Tja

So ist das eben mit der Marktwirtschaft.
Schön ist ja auch das PMS, das jetzt eine Krankheit ist. Da lief halt in den USA das Patent an Cymbalta aus - Antidepressiva. Dann hat man PMS erfunden, Ärzte geschult und was ist das Mittel der Wahl: Cymbalta. Heißt nur anders, sieht anders aus, wird 4x weniger oft eingenommen und kostet dafür 4x mehr. Alles in allem konnte man mit der neu erschaffenen Krankheit und einem alten Medikament, dessen Patentschutz auslief, wieder zu Ruhm und Ehre kommen. Naja, Rum und Ehre ist vielleicht zu hoch gegriffen, aber wenn die Kasse stimmt ist der Rest egal.

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alwalis 06.08.2014, 20:05
3.

Man sollte bei der Berechnung der Kosten des neuen Medikaments nicht vergessen, dass einige Kosten wegfallen: die meisten, die das Präparat bekommen, können über die Dauer der Behandlung weiter ihrer beruflichen Tätigkeit nach gehen und fallen nicht wochen - oder monatelang aus. Die Nebenwirkungen sind deutlich geringer als noch bei den alten Präperaten. Die Behandlungszeiten sind deutlich verkürzt usw. Da kommen dann also schon noch ein paar Euro zusammen, die sich sparen lassen. Aber natürlich treibt auch hier der Turbo-Kapitalismus sein Blüter. Absahnen, wo und wie es eben geht! Allerdings kommt Konkurrenz und dann werden die Preise purzeln.

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s342 06.08.2014, 20:14
4. Wo ist das Problem?

Wenn das Medikament wirklich so unglaublich gut ist und sogar Heilung verspricht, dann sollen die Pharmakonzerne ruhig was verlangen dürfen. Die Gewinne ja fließen auch wieder in die Forschung und nicht nur in die Taschen der Aktionäre.
Außerdem: Was kostet es die Wirtschaft, wenn eine junge Arbeitskraft an Hepatits C weit vor der Rente stirbt, weil es keine Heilung gab? Ich glaube, dagegen sind die 60.000€ für eine Behandlung mit Heilung recht wenig.

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wetzer123 06.08.2014, 20:18
5. Patente abschaffen

Der Autor schreibt: "Letztlich gibt es nur einen Weg, die Kosten zu drücken. Durch Konkurrenz."

Es gibt noch einen anderen Weg. Arzneimitelpatente abschaffen und die Forschung öffentlich finanziert von öffentlichen Institutionen führen lassen. Dann können die Medikamente zum Produktionspreis verkauft werden.

Die Summe der Kosten aus Produktionspreisen und Forschungsausgaben sind garantiert niedrier als die Kosten jetzt und so könnten die Versicherungsbeiträge gesenkt werden.

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AllesKlar2014 06.08.2014, 20:23
6. Nebenwirkungen...

in erster Linie ein äusserst attraktiver Cash Flow und das allergrößte Buget für politische Lobby-Arbeit. Gesunder Menschenverstand heißt: Fragen Sie irgend jemanden ob ein spezielles Medikament ihm je in seinem Leben geholfen hat. Wenn jemand das ehrlich mit "JA" beantworten kann - soll er hier gleich mal antworten. Wetten, dass die Kommentare sich mit einem Blick lesen lassen.. ;_)

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Zhukov45 06.08.2014, 20:26
7. Warum unmoralisch?

Wenn es jemandem nicht passt, kann er ja sein eigenes Mittles erfinden und es dann für 5 Euro verscherbeln. Nur werden damit leider nicht die Entwicklungskosten gedeckt - weder für das wichtige Heilmittel, noch die anderen Versuche aus denen nichts geworden ist.

Wenn man den Profit als "unmoralisch" verbietet, werden halt weniger neue Medikamente auf den Markt kommen und dementsprechend mehr Leute nicht geheilt werden und vielleicht sterben. Also bitte Vorsicht, bevor man ein Profitverbot erwägt.

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OHCRIKEY 06.08.2014, 20:43
8. ...

Zitat von sysop
Eine Pille des Hepatitis-C-Präparats kostet 700 Euro. Kassen warnen vor Milliardenkosten, Experten kritisieren das "unmoralische" Gewinnstreben der Pharmakonzerne. Doch wie kommt der hohe Preis eigentlich zustande?
Soweit ich das gelesen habe, behauptet Sovaldi, gar nicht die R&D-Kosten nach verschiedenen Medikamenten getrennt detailliert aufzuzeichnen. Generell sollte man bedenken, dass erfolgreiche Medikamente auch fruchtlose Forschung unterstützen muss.
Auch kann man froh darüber sein, dass da jemand forscht und tolle neue Medikamente auf den Markt bringen, die vielen kranken Menschen helfen können. Und da habe ich dann auch nichts dagegen, wenn diese Firmen gut daran verdienen.

Allerdings ist der Preis von 700 euro für eine Pille und 60.000 euro für eine Behandlungskur einfach nur eine glatte Unverschämtheit. Nach 100.000 Behandlungen, was 1/3 der Hep-C-Kranken allein in Deutschland entspricht, erreichen die damit bereits 6 Mrd Umsatz. So viel kann man gar nicht forschen, dass sich sowas rechtfertigen lässt.

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weder.florian 06.08.2014, 20:45
9.

Den Konzern vom Patent enteignen und die Pillen an erkrankte verteilen, fertig. Zitat: ?(1) Jede natürliche oder juristische Person hat das Recht auf Achtung ihres Eigentums. Niemandem darf sein Eigentum entzogen werden, es sei denn, daß das öffentliche Interesse es verlangt, und nur unter den durch Gesetz und durch die allgemeinen Grundsätze des Völkerrechts vorgesehenen Bedingungen.

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