Forum: Wirtschaft
995 Milliarden Euro in 2018: Bürger machen immer mehr Schulden für Immobilien
DPA

Die niedrigen Zinssätze befeuern die Kreditvergabe: Allein im vergangenen Jahr haben Privatleute fast eine Billion Euro Schulden aufgenommen, um Wohnungen und Häuser zu finanzieren. Ist das ein Zeichen für eine Überhitzung?

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Havel Pavel 06.09.2019, 09:52
50. Zinsanhebung wohl langfristig so gut wie ausgeschlossen

Zitat von Rigoroth
Denn sobald die Zinskurve wieder ansteigt (und das wird sie mit Sicherheit), werden viele dieser Kredite notleidend. Wohnungen, die 2014 für € 75K angeboten wurden, stehen heute für €135K und mehr im Angebot. Wenn dies keine Blase ist, dann gibt es keine. Wir werden genau das erleben, was 2007/2008 in den USA passierte. Tausende von Kreditnehmern werden schon bei einem Zinssatz von mehr als 3,5% Schwierigkeiten bekommen, ihre Kredite zu bedienen und ein Verkauf wird auch nichts bringen, denn ab dann fallen die Preise wieder auf ein Level auf das frühere Niveau. Bin jetzt schon gespannt, wie das ablaufen wird.
Warum sollte die "Zinskurve" denn ansteigen? Jeder der sich mit der ökonomischen Situation eingehend befasst weiß, dass dies auf lange Sicht so gut wie unmöglich sein wird, ganz im Gegenteil sind eine Ausweitung der Minuszinsen ernsthaft im Gespräch. Die Immobilienkredite werden also gewiss noch langfristig auf niedrigem Niveau verharren und wer weiß, vielleicht wird es künftig ja sogar für Immobilien Kredite mit Minuszinsen geben, bestimmte Ankündigungen laufen ja bereits in diese Richtung. Gerade vermietete Objekte versuchen derzeit viele Eigentümer zu veräußern, weil sie Kapitalbedarf haben aber wie jeder weiß, sind derartige Objekte kaum nachgefragt und der Anbieter bleibt oft jahrelang darauf sitzen.
So treten immer mehr die Nachteile von Immobilienbesitz zutage und die Käufer werden zunehmend kritischer bei der Objektauswahl und merken, dass Immobilen nicht uneingeschränkt zur Kapitalanlage geeignet sind, sofern man sie nicht selber bewohnt. Alternativen hierzu gibt es zur Genüge, die sind allerdings meist nur für ausgesprochene Experten lukrativ, der Ottonormalverbraucher kann hier auch herbe Verluste einfahren. Davor haben viele halt Angst und werden sich wohl noch zumindest mittelfristig für "Betongold" entscheiden aber nicht mehr alles blindlings kaufen.

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olli0816 06.09.2019, 09:55
51. Schaut vermeintlich alles gut aus

Aber was zu gut ausschaut, hat zumeist einen Haken. Die Zinsen sind zugegebenerweise klasse. Man kann sich eine lange Zinsbindung geben lassen und durch die niedrigen Zinsen schneller tilgen.

Ich schau mir in meinem Kaff bei München gerne die Immoangebote an. Was ich da preislich sehe, ist für mich Satire. Ein kleines Reihenhaus für 700 - 800k und die Butze bietet Minigrundstück und nichts besonderes. Die niedrigen Zinsen, die es nicht erst seid gestern gibt, sind in den Immobilien eingepreist, ohne Frage. Dazu sind die Baufirmen überlastet, d.h. ich muss damit rechen, dass gerne gepfuscht wird. Da ich selber wie wohl die meisten keine Spezialisten für den Bau sind, werden so einige Leute nette Überraschungen erleben, wenn der Bau abgenommen ist.

Dann sollte man sich unsere wirtschaftliche Lage und vor allem die Aussichten näher anschauen. Würde ich in der Autoindustrie arbeiten, dann würde ich mir keine Baufinanzierung ans Bein binden. Das gilt inzwischen für einige Bereiche, wo die Aussichten nicht so toll sind. Es besteht die Gefahr, dass die Wirtschaft in Deutschland/Europa eine kleine Verschnaufpause einlegt. Was nutzt mir dann die Zinsfestbindung, wenn der Job wegfällt oder die Einnahmen durch Kurzarbeit zu wenig sind? Ich kann schlicht die Raten nicht bedienen.

Der Staat ist ein weiterer Unsicherheitsfaktor geworden. Immer neue umfangreichere Umweltvorschriften, die Renovierungen notwendig machen. Änderungen bei den Gesetzen für die Grundsteuer. Hohe Nebenkosten bei Kauf/(Zwangs-)verkauf. Eine evtl. Vermögenssteuer, da die SPD gerade im Rausch ist, neue Steuern zu erfinden. Möchte ich als Vermieter agieren, muss ich mir nur die Entwicklung in Berlin anschauen.

Ohne Frage, wenn alles gut geht, dann hat man irgendwann eine abbezahlte Immobilie. Aber das Hamsterrad lässt einen nicht los. Nach 20 - 25 Jahren kommen die ersten größeren Renovierungen. Und seien wir ehrlich: Die meisten wollen so ab 50 eher ihre Ruhe und gemütlich vor sich hinleben. Das einzige, was dafür spricht sind Wertsteigerungen in den beliebten Ballungsgebieten. Doch halt, wir hatten große Preissteigerungen seid der letzten Finanzkrise. Von daher halte ich mich lieber zurück, obwohl alles so vermeintlich gut ausschaut.

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muellerthomas 06.09.2019, 09:56
52.

25% mehr Schulden in 10 Jahren...wow,. also 2,25% Zuwachs pro Jahr... damit ist die Schuldenquote, also der Anteil der Immobilienschulden an den Einkommen der Haushalte sogar gesunken.

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spmc-12355639674612 06.09.2019, 09:58
53. @gluonball #7

Alle großen Krisen, nämlich 1929 Weltwirtschaftskrise) , 2000 (Dotcom-Blase), 2005-2013 (Subprime-Krise und davon ausgehend Eurokrise) sind von den USA ausgegangen. Ich gehe nicht davon aus, dass die nächste in Berlin startet. Dafür sind die meisten Berliner Immobilieninvestitionen zu gut abgesichert, auch wenn die Zu-spät-gekommenen jetzt das große Jammern beginnen.

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frankfurtbeat 06.09.2019, 10:01
54. das ...

das Kleingedruckte in jedem Kreditvertrag lesen max. 10%, der Bankangstellte weist nicht darauf hin denn sollte sich der Markt drehen, Immobilienpreise extrem fallen wirkt sich das auf den Wert der Sicherheiten der Bank aus (einer wesentlichen Verschlechterung der Werthaltigkeit von Sicherheiten). Das bewirkt ein Sonderkündigungsrecht der Bank und letztendlich wird die Bank den Kredit nicht mehr zu den zuvor gebotenen Zinsen anbieten. Das steht in jedem Vertrag und könnte im Falle eines Preisverfalls zum Zuge kommen ...

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Hans-Dampf 06.09.2019, 10:01
55.

Zitat von Hanz Gruber
Man kann nicht einfach von seiner eigenen finanziellen Situation auf derer der ganzen Nation schließen. Nur gut das Bänker sich nicht auf fiktive Werte wie 1/3 des Nettoeinkommens versteifen und alle anderen Variablen ausblenden. Man kann selbst mit 2/4 des Nettoeinkommens locker einen Kredit bedienen, wenn andere Variablen passen.
1/3 des Nettoeinkommens für die Kreditrückzahlung ist ein Richtwert, der bei den Kreditinstituten akzeptiert ist. Wenn man aber ein Erbe in Aussicht hat, weil der Vererbende gerade im Sterben liegt, mag das natürlich anders aussehen. Die Anzahl Variablen kann beliebig hoch sein und die alle in ein Kommentarfeld zu verpacken ebenso unmöglich.
In meinem ursprünglichen Beitrag dehte es sich darum, ob man überhaupt die Chance auf einen Kauf hat. Selbst wenn man 1/3 des Nettoeinkommens für die Kaltmiete bei uns hinblättert, würde man für 2/4 des Nettoeinkommens keinen Kredit für (für zur Miete ähnliche Wohnung) bedienen können, weil die Kaufpreise enorm gestiegen sind. Das mag auch woanders anders aussehen, aber auch bei SPON erschienen schon Artikel, in denen meine Behauptung belegt wurde.

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alpha0711 06.09.2019, 10:01
56. Abbezahlen

Zitat von emil7685
Was bringen mir geringe Kreditzinsen wenn heutzutage eine halbwegs brauchbare Wohnung in einer normalen und lebenswerten Stadt eine halbe Million Euro kostet? Sowas bekomme ich doch als Normalverdiener NIEMALS abbezahlt; vollkommen wurscht wie hoch oder niedrig die Zinsen sind. Wer sich auf dem Gipfel eines Immobilienhypes zu vollkommen absurden Preisen als Ottonormalverbraucher eine Immobilie ans Bein bindet hat doch den Schuß nicht gehört.
Gleiche Meinung. Fast eine halbe Million Euro (nicht DM) für eine Wohnung auszugeben ist Wahnsinn . Aber solange die monatliche Belastung gleich bleibt geht die Rechnung auf. Ich habe mir vor zehn Jahren auch überlegt zu kaufen , leider habe ich es nicht gemacht. Wer heute hoch einsteigt wird erst dann ein Problem bekommen wenn er gezwungen ist in ein paar Jahren mit Verlust zu verkaufen. Die Preise werden wohl kaum weiter steigen eher sinken. Das der Zins steigt ist aber auch unwahrscheinlich. Ich sehe kein Grund dafür.

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Bob Hund 06.09.2019, 10:02
57.

Zitat von Zuspitze
3% vom Restkapital? Da lachen Sie drüber. Dass wäre eine noch geringere Belastung als vorher. Es gibt im Netz Hypothekenrechner. Versuchen Sie es einfach.
Zumal man in 10 Jahren auch eine Lohnsteigerung von 25-30% hat, wenn man mal sehr konservativ die Lohnerhöhungen aus dem Öffentlichen Dienst annimmt, der ja nicht als besonders guter Zahler bekannt ist. Und das sind nur die 2-2.5% jährlichen Lohnerhöhungen ohne die Stufenaufstiege, die ja auch noch dazu kommen und wesentlich höher sind.

Wobei ja gefühlt jeder hier angeblich seit 30 Jahren keine Gehaltserhöhung mehr bekommen hat...

Mieten steigen an mit der Zeit. Die Tilgungsraten bleiben hingegen über die Laufzeit konstant.

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almeo 06.09.2019, 10:03
58.

Zitat von karlo1952
[...] Aber mich habe nachgerechnet, bei einem 8-Familienhaus, in dem ich selbst eine Wohnung bewohne, müsst ich tatsächlich nicht mehr arbeiten. Aber die wenigsten trauen sich eben, sondern jammern nur.
Habe gerade mal nach dem billigsten 8-Parteien-Wohnhaus in Frankfurt geschaut und bin bei einem Objekt für etwa 1,7 Millionen gelandet. Mieteinnahmen p.a. etwa 95.000 Euro. D.h. wenn alles klappt haben Sie den Kaufpreis in 18 Jahren durch die Mieteinnahmen refinanziert. Da kommen dann aber noch die Zinsen für einen fast 2Mio. Euro schweren Kredit dazu - ob das der Privatmann stemmen kann? Ich würde das Risiko nicht eingehen wollen!

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mkey0711 06.09.2019, 10:04
59. Die Rechnung geht nicht auf

"Wer jetzt Schulden für Wohneigentum macht, hat die günstigsten Zinsen, die es jemals gab."

Und natürlich auch mit Abstand ide höchsten Preise, die es jemals gab.

"Dann ist das Haus in 15 Jahren, wenn die Festschreibung ausläuft, zur Hälfte abbezahlt."

Das wäre selbst dann noch Wunschdenken, wenn man überhaupt keine Zinsen mehr zahlen müsste.

"Die meisten Deutschen sind keine Amerikaner, die sich sinnlos und ohne zu Überlegen verschulden."

Klar, deswegen sind auch rund 10% der Privathaushalte in Deutschland hoffnungslos überschuldet - Tendenz steigend. Der Mensch glaubt in den meisten Fällen, was er glauben möchte, und wenn er von einem eigenen Haus träumt, neigt er dazu sich Kredite schönrechnen zu lassen. Das ist hier nicht anders als in anderen Ländern auch.

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