Forum: Wirtschaft
Absturz der Boeing 737 Max: Schwere Vorwürfe gegen FAA und Boeing
REUTERS

Hat der US-Flugzeugbauer Boeing aus Profitgier bei der Entwicklung der 737 Max geschlampt - und die Aufsichtsbehörde FAA hinters Licht geführt? Ehemalige Ingenieure des Unternehmens und der Behörde berichten von groben Verstößen.

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mikelinden 18.03.2019, 10:00
100. aerodynamisch kompliziert

Eine Gedanke beschäftigt mich die ganze Zeit, wenn man liest, dass dieses "aerodynamisch komplizierte" Flugzeug nur durch das MCAS, sofern es störungsfrei funktioniert, sicher zu fliegen ist - was passiert, wenn in der Startphase (oder auch während des Fluges) ein oder beide Triebwerke ausfallen, Stichwort Vogelschlag, wie bei der A320, die im Hudson River notwasserte? Ist dann das Flugzeug überhaupt noch beherrschbar, oder ein Absturz vorprogrammiert?

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claus7447 18.03.2019, 10:01
101.

Zitat von Arrow50t
Die beiden Angle of Attack Sensoren wichen nicht um 20% ab sondern um 20 Grad. Man muss auch nicht die Nase hochziehen um gegen die Nose Down Trimmung anzukämpfen sondern die Piloten können mit einem Trimmungsschalter am Steuerhorn einfach in die andere Richtung die Trimmung vorstellen (Nose up). Die Betätigung des Schalters überstimmt das MCAS System. 5 Sekunden nachdem dieser losgelassen wurde, würde das MCAS aber wieder aktiv werden wenn es erneut den zu hohen Anstellwinkel anhand der falschen Sensorangabe wahrnimmt. Die Lösung ist dann gemäß des Trainings eines jeden 737 Piloten zwei Schalter umzulegen und das System komplett abzustellen. So hat es auch die Vorcrew (welche die gleichen Probleme hatte) vor dem Lion Air Unfallflug gemacht und ist damit sogar noch zur Destination geflogen.Die 737 Max ist auch nicht aerodynamisch instabil. Das MCAS ist lediglich ein Notfallsystem welches in Extremsituationen eingreift. Auf jedem normalen Flug kommt es kein einziges Mal zum Einsatz. Nur wenn die Piloten ihr Flugzeug in eine Fluglage bringen in der Sie es nie bringen sollten würde das System unterstützend eingreifen. Die Berichterstattung in den Medien über die 737 Max ist unerträglich. Es muss unbedingt der große Skandal aufgedeckt werden. Das MCAS System sollte wahrscheinlich nachgebessert werden (Stichwort zwei Sensoren als Input) aber der Lion Air Unfall wäre leicht vermeidbar gewesen (nachzulesen im Vorabbericht, eine viel bessere Informationsquelle als die Meldungen der Medien). Wenn die Ethiopian Crew tatsächlich trotz der Erfahrungen des Lion Air Unfalls, es ebenfalls versäumt hat die Stab Trim Switches auf cut out zu legen, wäre das schwer zu erklären und die Medien sollten sich einmal auf den Trainingsstandard der jeweiligen Fluglinien fokussieren.
Es hört sich zwar schlüssig an, was sie schreiben - dennoch es gibt ungeklärte Dinge

- warum hat man das MCAS nicht redundant angelegt
- Nach Berichten der Airline waren die Piloten zumindest der Kapitän hingewiesen und auf dem Simulator eingewiesen.
- Kann es sein, dass das System durch die geringe Höhe nach dem Start - die Crew überfordert hat - erkennen - agieren und Wirkung?

Ich hatte ja schon erwähnt - im Moment sollte man die Füsse still halten bis belastbare Ergebnisse vorliegen.

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ustein 18.03.2019, 10:01
102. Mangelnde Fehlerkultur

Ich denke nicht, dass hier von vorneherein absichtlich und menschenverachtend gehandelt wurde, dafür steht viel zu viel auf dem Spiel. Ich denke vielmehr, dass diese Art der Durchführung von Zulassungsprozessen üblich sind. Man ist hinterher schlauer, wenn etwas schief geht. Ich halte es für wahrscheinlich, dass die Ingenieure tatsächlich auf die Steuerbarkeit des Flugzeugs per Software vertraut und die Gefahr selbst nicht richtig eingeordnet haben. Alles andere wäre auch Harakiri. Dass nur bei diesem Flugzeug "Druck" auf Behörden ausgeübt, Risiken herunter gespielt oder Eile an den Tag gelegt wurde, kann ich mir nicht recht vorstellen.

Das Kriminelle an der Sache ist dagegen das Vertuschen und Aufzeitspielen, als Fehler erkannt wurden. Da wurden finanzielle und Imageschäden gegen Menschenleben aufgewogen. Dem Konzern und einigen Mitarbeitern darin fehlt es an Fehlerkultur, Mut und Aufrichtigkeit, wenn es um große Summen geht. Erst dadurch ist ein Schaden entstanden, wie er größer kaum sein könnte.

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williwupp 18.03.2019, 10:04
103. Md11 lsas !!

Das ganze erinnert mich fatal an die Probleme von MC Donnell Douglas bei dem Umdesign von der DC10 auf die MD11. Die MD11 war glaube ich die erste Version mit einem "superkritischen" Flügel. Die MD11 neigte aufgrund ihrer aerodynamischen Eigenschaften dazu zu "überziehen". Und um diese Probleme in den Griff zu kriegen wurde das System "LSAS" (longitudinal stability augmentation System) entwickelt, mit ganz ähnlichen Funktionen wie das jetzige MCAS.
Die Douglas Company wurde später von Boeing übernommen !!
Prinzipiell ist es kritisch ein Flugzeug das rein hydraulisch und nicht "fly by wire" (mit Stellmotoren) gesteuert wird wegen schwieriger Flugeigenschaften nachträglich mit elektro-mechanischen Komponenten nachzurüsten.
Mal sehen was Boeing dazu noch einfällt, aber ich persönlich sehe das kritisch.

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dr.joe.66 18.03.2019, 10:11
104. Die Nutzer treffen die Entscheidung!

Zitat von gantenbein3
Auch die Amerikaner wissen ihr Eingemachtes zu schützen. Darin sind sie nicht anders als die deutsche Bundesregierung, wenn es um die Interessen der Autoindustrie geht. Sie können es aber viel besser verkaufen.
Da kann die Politik nicht viel machen. Denn am Ende bestimmt der Nutzer, ob er das Produkt noch nutzen will und wird.
Beim Diesel passiert dem Nutzer nix, außer dass er vielleicht ein paar Euro bezahlen muss, wenn er unerlaubt in der Stadt rumfährt. Lebensgefahr besteht jedenfalls nicht. Genau deshalb verkauft VW und. Co immer noch prima ihre Autos...
Demgegenüber begibt sich der Nutzer einer Boeing 737 MAX vermutlich in Lebensgefahr. Das werden Passagiere nicht akzeptieren. Und - noch viel wichtiger - auch Piloten und Bordpersonal möchten gerne weiterleben. Ich bin gestern mit American Airlines in den USA geflogen. Zwei Flugbegleiter haben mir klar gesagt, dass es einen Streik des gesamten fliegenden Personals gegeben hätte, wenn der Flieger nicht gegroundet worden wäre. Selbst wenn die FAA nichts gemacht hätte, wäre in dieser Woche keine 737 MAX mehr abgehoben. Wenn zwei oder drei erfahrene Piloten sich geweigert hätten, wären auch alle anderen am Boden geblieben. Lieber den Job verlieren als das Leben.
Und noch was zu den anstehenden Gerichtsverfahren: Da ist es hier in den U.S.A. ebenfalls völlig egal, was die Politik dazu sagt. Es geht für die Hinterbliebenen um Summen in zweistelliger Millionenhöhe, durchgesetzt von Anwälten, die 30-40 % dieser Summe als Honorar behalten. Die lassen sich nicht mit ein paar Kleinigkeiten abspeisen oder durch Anrufe von Senatoren aus Seattle beeindrucken... Bei 300 Opfern schätze ich mindestens 6 Mrd. Schadenersatz plus punitive damages nochmal in der gleichen Höhe. Es sei denn, Boeing geht Vergleiche ein, was aber einem Schuldeingeständnis gleichkommt und damit ein PR-Desaster wäre.
Im Grunde muss Boeing jetzt die Entscheidung treffen zwischen drei Varianten: 1. Vergleich mit den Geschädigten = Schuldeingeständnis = Vertrauensverlust für Jahre. 2. Niederlage vor Gericht = Schuld-Nachweis = Vertrauensverlust für Jahre. 3. Sieg vor Gericht durch den Nachweis der Unschuld. Letzteres wird aber Jahre dauern, weil durch alle Instanzen hindurch. Das ganze ist für Boeing der Supergau. Selbst dann, wenn sie der FAA den schwarzen Peter zuschieben können. Denn dann werden sich alle fragen, ob a. Boeing bei der FAA zu mächtig ist und damit doch Boeing Schuld hat, oder ob b. die FAA unfähig ist und damit auch alle anderen Flugzeugtypen nochmals überprüft werden sollten. Beides ein Supergau für Boeing und auch für die Fluggesellschaften, die sich aber wiederum bei Boeing schadlos halten werden.
Wenn es sich bewahrheiten sollte, dass die Abstürze durch eine Mischung aus Fehlkonstruktion, Unterlassung wegen Profitgier, Abkürzung der Zulassung, und Nicht-Ausbildung der Piloten verursacht wurden, dann dürfte der Begriff Boeing 737 MAX in Zukunft in einem Satz mit Bhopal, Tchernobyl und Contergan genannt werden...

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tibee 18.03.2019, 10:12
105. Pendel als Ersatz für den AOA Sensor @ghawdex

Hallo ghawdex, aus Ihrem Vorschlag spricht blanke Ahnungslosigkeit. Mitnichten ist ein Pendel ein guter Anstellwinkelsensor. Schließlich gehen in die Lotrichtung eines Pendels alle möglich dynamischen Beschleunigungsvorgänge ein - Kurvenflug, Abbremsen, Bescheunigung usw. Genau diese Form der Einflussnahme auf die Ingenieure durch das naturwissenschaftlich inkompetente Managment hat zum Desaster bei der Entwicklung der 737 Max geführt.

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biesi61 18.03.2019, 10:21
106. Wenn dieser Bericht so stimmt,

wird es noch verdammt schlimm für Boing. Hier wird aus Profitgier das zum Fliegen notwendige Grundvertrauen bei Besatzungen und Passagieren erschüttert. Schwer vorstellbar, wie man das wiederherstellen soll.

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_gimli_ 18.03.2019, 10:23
107.

Zitat von Arrow50t
Wenn die Ethiopian Crew tatsächlich trotz der Erfahrungen des Lion Air Unfalls, es ebenfalls versäumt hat die Stab Trim Switches auf cut out zu legen, wäre das schwer zu erklären und die Medien sollten sich einmal auf den Trainingsstandard der jeweiligen Fluglinien fokussieren.
Das ist eine völlig unsinnige Argumentation. Eingesetzte Technik muss so konzipiert sein, dass sie durch die verfügbaren Nutzer (in diesem Fall die Piloten) ohne größere Zwischenfälle bedienbar ist. Sollte sich nun herausstellen, dass die Piloten in vielen Regionen, wo die 737 Max 8 zum Einsatz kommt, mit der Steuerung überfordert sind (warum auch immer), hat Boeing ein Problem. Die Strategie von Boeing und Airbus unterscheidet sich bzgl. des Themas Automatisierung erheblich. Meiner Meinung nach hat Airbus hier den besseren Plan. Hier ein guter Artikel zu diesem Thema: http://www.manager-magazin.de/unternehmen/industrie/boeing-737-max-autopilot-und-mcas-gegen-vertrauen-in-piloten-a-1258023.html

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scoopx 18.03.2019, 10:24
108. Mich auch!

Zitat von williwupp
Das ganze erinnert mich fatal an die Probleme von MC Donnell Douglas bei dem Umdesign von der DC10 auf die MD11. Die MD11 war glaube ich die erste Version mit einem "superkritischen" Flügel. Die MD11 neigte aufgrund ihrer aerodynamischen Eigenschaften dazu zu "überziehen". Und um diese Probleme in den Griff zu kriegen wurde das System "LSAS" (longitudinal stability augmentation System) entwickelt, mit ganz ähnlichen Funktionen wie das jetzige MCAS. Die Douglas Company wurde später von Boeing übernommen !! Prinzipiell ist es kritisch ein Flugzeug das rein hydraulisch und nicht "fly by wire" (mit Stellmotoren) gesteuert wird wegen schwieriger Flugeigenschaften nachträglich mit elektro-mechanischen Komponenten nachzurüsten. Mal sehen was Boeing dazu noch einfällt, aber ich persönlich sehe das kritisch.
Ihre Detail hatte ich zwar nicht bereit, aber an die Misere der DC10 und das Ende von MC Donnell Douglas kann ich mich gut erinnern.

Es ist aber unwahrscheinlich, daß Boeing von Airbus übernommen wird.

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Peletua 18.03.2019, 10:24
109. Anno Domini 2017

Als die Zulassung der 737 Max 8 ansteht, schreiben wir das Jahr 2017 - Trumps erstes Regierungsjahr, eine Gala-Show des Genres 'Pleiten, Pech und Pannen'. Airbus ist Boeing hart auf den Fersen. Trump steht unter dem selbst gesetzten Druck seiner prahlerischen Wahlkampf-Parole, er werde 'America great again' machen.

Boeing ist eines der letzten Industrie-Highlights der USA. Wenn im Rennen USA - EU die Europäische Union an den USA vorbeizieht, steht auch das Großmaul in Washington blöd da. Trump und der Boeing-Chef telefonieren häufig.

Ist bei dieser Sachlage der Verdacht zu abwegig, Boeing und die Kontrollbehörde hätten gewisse Anweisungen von 'ganz oben' bekommen? Beweise hierfür wird es allerdings nicht geben, es sei denn, jemand packt gründlich aus.

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