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Absturz der Boeing 737 Max: Schwere Vorwürfe gegen FAA und Boeing
REUTERS

Hat der US-Flugzeugbauer Boeing aus Profitgier bei der Entwicklung der 737 Max geschlampt - und die Aufsichtsbehörde FAA hinters Licht geführt? Ehemalige Ingenieure des Unternehmens und der Behörde berichten von groben Verstößen.

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master-of-davinci 18.03.2019, 08:35
50. Denke EIN SYSTEM

Zitat von Attlila
ein Sensor für ein Strömungsabrißsystem? Das Sensoren für Luftströmungen fehleranfällig sind weiß jeder Autofahrer bei dem ein Lufmengenmesser eingebaut ist. Jeder Ingenieur baut in sicherheitsrelevanten Systemen eine dreifache Überwachung ein. Wenn ein System fehlerhafte Werte zeigt fällt das auf weil die 2 anderen Systeme übereinstimmende Werte anzeigen. So kann ein defektes Bauteil leicht erkannt werden. Sparen auf Kosten der Sicherheit. Man sollte dem Hersteller die Zulassung entziehen.
Zugegeben, ich kenne die technischen Einzelheiten zu dem System nicht, aber es ist wohl davon auszugehen, dass "ein Sensor" nicht bedeutet, dass es ein Stück ist, sondern ein System. Sprich, k.A. aber über die Tragflächen sind sagen wir 10 Sensoren verteilt, die aber alle gleich sind und wenn das Auswertungssystem dahinter fehlerhaft ist, ist die Anzahl egal.
Redundanz hätte dann eine Anzahl an Sensoren mit anderer Funktionsweise und anderer Auswertungssoftware sein müssen.

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gantenbein3 18.03.2019, 08:35
51. Keine Sorge

Zitat von der Pöter
Aber immerhin wird es sehr teuer, da die Prozesse in Amerika stattfinden. In Europa würde man die Menschen wieder nur mit ein paar Euro abspeisen.
Auch die Amerikaner wissen ihr Eingemachtes zu schützen. Darin sind sie nicht anders als die deutsche Bundesregierung, wenn es um die Interessen der Autoindustrie geht. Sie können es aber viel besser verkaufen.

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jujo 18.03.2019, 08:36
52. ...

Zitat von bernhard.geisser
Dann kann Boing 500 Flugzeuge zum Recycling-Friedhof fliegen und die Entwicklung bei Null neu beginnen.
Das glaube ich nicht. Der Fehler liegt beim Management.
M.E.n. braucht es nur einen zweiten oder auch dritten Sensor und eine entsprechende Schulung der Piloten. Die Versäumnisse sind dem Zeitdruck geschuldet unter dem die Flugzeuge auf dem Markt gebracht werden sollten.
Das System nicht mal im Handbuch aufzuführen und die Piloten in völliger Unkenntnis zu lassen ist in höchsten Maße kriminell.
Wie soll ein Pilot auf etwas reagieren, von dem er nicht weiß, das es überhaubt existiert?

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maximillian64 18.03.2019, 08:39
53. Welches pol. Klima bewirkt solche toedliche Entscheidungen?

Ich bin nach dem Artikel und dem nachlesen des Seatletimes Berichts geschockt aber nicht wirklich überrascht. Wie beim VW Abgas-skandal, der ja zum Unterschied erstmal keine akkute Lebensgefahr für die Kunden bedeutet haben Aufsichtsbehörden die Kontrolle die sie ausüben sollen verloren. Schnell wurde klar das beim Auslagern von Entwicklung die Kompetenz der eigenen und behördlichen Aufsicht verlorenging. Der Fall wurde von der Konkurenz zum Stolperstein auf dem Weg zum Ende der Europäischen bzw. Deutschen Autodominanz gesehen. Dabei hatte ich aber nie das Gefühl das sich unsere Regierung allzu (mit Aussnahme des Verkehrs-Ministers) zum Mittäter im globalen Wettbewerb gemacht hat. Der Schaden kam eher aus der 2 Reihe, NGOs und Umwelthilfen und natürlich aus der strukturellen Dummheit der Unternehmen selbst.

Eine ganz andere Qualität von Mittäterschaft ist jetzt hier bei Boing und der FAA zu sehen. Dir Firma hat einst die Qualitätssicherungsprozesse für fast alle Fertigenden Industrien massiv vorangebracht. Bei Software scheinen sich diese aber noch nicht eingestellt haben und so haben alle weggeschaut.
Es ist mit Sicherheit eine politische Entscheidung und bedarf einer Kultur des Ignorieren zum Zwecke des Profits wenn die Aufsicht so massiv dem Kontrollobjekt die Deutung überlässt.
Ein weiterer Auswuchs des gestörten Nordatlantischen Verhältnisses. Wenn die Europäer und Amerikaner sich politisch näherstehen würden als eben zur Zeit würde sich das so jedenfalls kein FAA Manager getraut haben.
Jetzt sind sie verantwortlich für mehrere Hundert Tote und ich frage mich wer kontrolliert die Kontrolleure...
Ich werde jedenfalls genau hinsehen wie die USA diesen Skandal aufarbeiten. (und hoffe nicht das ein armer Ingeneur und 2 Mittlermanagement Entscheider am Ende "alleinschuldig" sind)

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kleinsteminderheit 18.03.2019, 08:41
54. Instabil

Es gibt keinen stichhaltigen Grund, warum Passagierflugzeuge mit instabilen Flugeigenschaften konstruiert werden, die nur mit Computerunterstützung beherrschbar sind.

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spon-facebook-10000015195 18.03.2019, 08:41
55. Boeinggate

Oha, leider zieht sich diese Mentalität durch alle Zweige der heutigen Industrie. Profit geht über alles - ob es Tesla mit seinem Autopiloten ist, ob Dieselgate oder eben nun das Boeinggate. Boeing wird wohl mehrere Milliarden an Schadensersatz zahlen dürfen und Airbus wird für die nächsten Jahre die Luft beherrschen. Aber ich weiß, dass auch Airbus teilweise Systeme einbaut die nicht redundant ausgelegt sind - nur ist da noch nichts gefährliches draus entstanden. Da frag ich mich, ob die Ingenieure selbst in solche Vögel ruhigen Gewissens einsteigen.

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Spiegelleserin57 18.03.2019, 08:43
56. typisches Anzeichen von Konkurrenzdruck..

jeder will der Erste sein, um jeden Preis. Das kennen wir ja auch aus der Autoindustrie. Das Problem in der Luftfahrt ist eben, es kostet offensichtlich Menschenleben. Die Probleme werden durch die Blackbox aufgezeichnet und so auch analysierbar.
Fehlende oder falsche Angaben in Betriebshandbüchern machen sich fatal bemerkbar.
Ich bin gespannt wie die Behörden nun reagieren.

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rheinett 18.03.2019, 08:44
57. Problematische Systemsicherheitsanalyse

Ein weiterer Punkt im Bericht der Seattle Times zur Systemsicherheitsanalyse von Boeing, der hier nicht erwähnt wurde, aber vermutlich ganz wesentlich zum Absturz der Lion-Air-Maschine beitrug, ist die Tatsache, dass das MCAS bei jedem einzelnen Auslösen der Funktion das Höhenruder automatisch um das in der Software vorgebene Limit verstellt. Nach jedem manuellen Rücksetzen durch den Piloten aktivierte das MCAS auf Grund der falschen Sensordaten erneut, so dass schon nach zweimaligem Rücksetzen der maximal mögliche Verstellwinkel des Höhenruders praktisch erreicht wurde und auch nach jedem weiteren Rücksetzen zur Anwendung kam. Das automatische MCAS hatte dadurch im Wesentlichen unbeschränkte Verfügungsgewalt, mit den bekannten verheerenden Folgen.

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DW74 18.03.2019, 08:45
58.

Zitat von Attlila
"ein Sensor für ein Strömungsabrißsystem? Das Sensoren für Luftströmungen fehleranfällig sind weiß jeder Autofahrer bei dem ein Lufmengenmesser eingebaut ist. Jeder Ingenieur baut in sicherheitsrelevanten Systemen eine dreifache Überwachung ein."
Hier wird so viel Unwissen und Halbwissen verbreitet. Der fragliche Sensor misst keine Strömung sondern einen Anstellwinkel. Einfach mal im Netz nach AOA Sensor suchen.
Der Pilot hat noch mehrere andere Möglichkeiten, den Anstellwinkel zu erkennen (unter anderem weiteren AOA Sensor). Wenn er die richtig nutzt kann er sehr leicht reagieren. Das Problem ist, dass er 1. nicht immer weiss, welcher der Sensoren defekt ist und 2. auch noch andere Informationen (z.B. Indicated Airspeed, Triebwerksschub) zu analysieren sind, um eine kritische Flugsituation zu erkennen.
Wenn Sie schon beim Beispiel Auto sind: Wie viele unabhängige Tachos haben sie denn?

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qoderrat 18.03.2019, 08:46
59.

Zitat von bernhard.geisser
.. von Boeing, die Zulassungs-Verantwortung in Richtung FAA zu schieben. Die FAA könnte sich mit einer Aerodynamik-Analyse revanchieren, welche zum Schluss kommt, dass es theoretisch zwar durch Computersysteme möglich wäre für die 737 MAX jederzeit sicher Flugeigenschaften zu ermöglichen, dass jedoch die physikalischen Flugeigenschaften der 737 MAX grundsätzlich so instabil sind, dass eine Zulassung für den Passagier-Luftverkehr prinzipiell nicht möglich ist. Dann kann Boing 500 Flugzeuge zum Recycling-Friedhof fliegen und die Entwicklung bei Null neu beginnen.
Wenn sich die FAA revanchieren wollte (oder vielleicht muss man eher sagen, könnte), würde sie einfach feststellen dass die Veränderungen des Steuerungssystems mit MCAS so gravierend sind, dass die Steuerung komplett neu als ganzes zu zertifizieren ist, und nicht nur die veränderten Teile ("grandfathering", Übernahme von zertifizierten Baugruppen aus bereits zugelassenen Typen). Dann würde der MAX erstmal für viele Monate, vielleicht sogar ein Jahr am Boden bleiben, damit wäre das Programm aber vermutlich tot und man würde eher versuchen das Vorgängermodell (NG) zu optimieren.

Das wird aber nicht passieren, der Boeing CEO telefoniert regelmässig mit dem Potus, und so wie man hört wurde auch einiges an Geld für den Wahlkampf gespendet und man trifft sich schon mal privat. Die FAA ist längst politisch unterwandert, Trump wollte ja sogar seinen eigenen Privatpiloten an die Spitze setzen.

Das gibt ein Software-Update für MCAS bei dem die maximale Eingriffshäufigkeit und Stellgrösse limitiert wird (das hätte man sowieso von Anfang an machen müssen) und wenn es hoch kommt wird noch der zweite AOA-Sensor mit in die Berechnung einbezogen und es gibt extra Trainingseinheiten für die Piloten, was man ursprünglich aus Kostengründen vermeiden wollte. Ich wäre ernsthaft überrascht wenn das grounding mehr als ein paar Wochen andauert.

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