Forum: Wirtschaft
Achten Sie auf das Fairtrade-Siegel?

2008 gaben die Deutschen 213 Millionen Euro für Produkte aus fairem Handel aus. Achten auch Sie beim Einkauf auf das Fair-Trade-Siegel?

Seite 1 von 7
Jochen Binikowski 09.12.2009, 11:06
1.

Die Idee mit dem Fairtrade Siegel ist an sich sehr gut. es gibt dabei aber ein gewaltiges Problem: Eine Fairtrade und Bio Zertifizierung kostet den Hersteller in der Dritten Welt über 10.000 EURO. Für 99% aller Farmer und Kleinbetriebe völlig unerschwinglich.

Weiterhin ist mir schleierhaft, warum Fairtrade-Produkte teurer als konventionelle sind. Immerhin bleiben vor allem bei Agrarprodukten ca. 90% des Endverkaufspreise beim Handel, Transport und Steuern hängen.

Cui bono? Meiner Meinung nach vor allem die Iniatoren und Mitarbeiter der Fairtrade- und Bio-Organisationen im Westen sowie die Verbraucher, die sich durch Zahlung von Mondpreisen ein gutes Gewissen erkaufen.

Beitrag melden
Stefanie Bach 09.12.2009, 12:51
2.

Zitat von Jochen Binikowski
Cui bono? Meiner Meinung nach vor allem die Iniatoren und Mitarbeiter der Fairtrade- und Bio-Organisationen im Westen sowie die Verbraucher, die sich durch Zahlung von Mondpreisen ein gutes Gewissen erkaufen.
Ich habe auch kein gutes Gefühl, wenn Verbraucherinformation durch irgendwelche bezahlten Siegel ersetzt wird. Das hat schon bei den Banken nicht funktioniert.

Beitrag melden
Jochen Binikowski 09.12.2009, 13:54
3.

Ein Freund von mir, ebenfalls Deutscher, hat hier auf den Philippinen vor einigen Jahren eine Produktion von kaltgepresstem Kokosöl aufgebaut, aus kleinsten Anfängen heraus. Der hat Jahre gebraucht um sich diese ganzen Zertifizierungen leisten zu können.

Deshalb habe ich bei unseren eigenen Agrar-Projekten auf diesen Tinnef von Anfang an verzichtet. Dadurch sind wir nicht nur finanziell wesentlich flexibler. Durch die Kombination von konventionellen mit Bio Anbaumethoden wächst fast alles mit superguten Erträgen und ist damit voll konkurrenzfähig. Ist zwar nicht 100% Bio, aber im Schnitt so um die 80%.

Nach unseren bisherigen Erfahrungen kommt es den Kunden neben dem Preis vor allem auf Frische und lokale Produktion an. Das dürfte in Deutschland auch nicht viel anders sein.

Beitrag melden
DJ Doena 09.12.2009, 17:03
4.

Zitat von sysop
Achten auch Sie beim Einkauf auf der Fairtrade-Siegel?
Nö.

Beitrag melden
Kontra 09.12.2009, 17:14
5.

Zitat von sysop
2008 gaben die Deutschen 213 Millionen Euro für Produkte aus fairem Handel aus. Achten auch Sie beim Einkauf auf der Fairtrade-Siegel?
Das sind ja ~2,50 pro Kopf, da habe ich wohl führ ein paar Geizhälse mit eingekauft.
Kaffee mit Fairtrade-Siegel habe ich schon das öfteren gekauft, aber ansonsten sind mir kaum Produkte mit Fairtrade-Siegel aufgefallen. Ritter-Sport soll doch auch faire Preise für Schokolade bezahlen, zählt das auch.

Beitrag melden
günter1934 09.12.2009, 21:26
6.

Zitat von Stefanie Bach
Ich habe auch kein gutes Gefühl, wenn Verbraucherinformation durch irgendwelche bezahlten Siegel ersetzt wird. Das hat schon bei den Banken nicht funktioniert.
Das ist doch wohl genauso wie bei Bio. Da werden doch auch nur andere Etiketten auf die Kästen geklebt und das wird von Irgendjemand abgesegnet.
Für mich gibt es nur eine Richtlinie, das ist Qualität (Zen und die Kunst ein Motorrad zu warten). Mit anderen Wörtern natürlich auch das Preisleistungsverhältnis. Wenn der fairtrade Kaffee nicht schmeckt, warum soll ich ihn dann kaufen?

Beitrag melden
Roter Teufel 10.12.2009, 12:43
7.

Zitat von sysop
2008 gaben die Deutschen 213 Millionen Euro für Produkte aus fairem Handel aus. Achten auch Sie beim Einkauf auf der Fairtrade-Siegel?
Nein, allenfalls aufs Preisschild.

Beitrag melden
Chico73 10.12.2009, 13:27
8.

Zitat von sysop
2008 gaben die Deutschen 213 Millionen Euro für Produkte aus fairem Handel aus. Achten auch Sie beim Einkauf auf der Fairtrade-Siegel?
Das Siegel selber ist für mich kein alleiniger Maßstab.
Fairtrade bedeutet für mich auch, dass ich - soweit ich in der Lage dazu bin - eher die Produkte kaufe, bei denen ich die Herstellungskette nachverfolgen kann und dabei nicht Sorge haben muss, dass gewisse Standards vollommen außer Acht gelassen werden. Weswegen ich z.B. grundsätzlich nicht bei Schlecker einkaufen gehe.

Beitrag melden
ich schon wieder 03.01.2010, 10:14
9. Wie jetzt...

... machen Konzerne wie Nestle oder andere, nicht nur auf Kakao bezogen, jetzt weniger Gewinn... haben sie die Not der Bauern und Produzenten in der 3. Welt, die sie jahrelang ausbeuteten entdeckt ?

Nö... haben Sie nicht. Ihre jahrelange Profitmaximierung hat sie doch erst dazu gebracht jetzt plötzlich vermeintlich "Gutes" tun zu MÜSSEN. "Nachhaltiges" wirtschaften nennt man das wohl auf Neudeutsch was jetzt kommt und es wird mit nichten die Konzerne nur einen Cent kosten. Der Verbraucher zahlt genau wie bei echten! BIO-Produkten... die Anfangs durch die "großen" verhohnepipelte, mittlerweile aus Profitgier einzelner schon arg gebeutelte Bewegung. Auf diesen Wagen sind sie ja auch aufgesprungen... nur das bei den "Großen" ja nicht immer BIO drin ist, wo BIO drauf steht.

Der ganze Zinober erinnert mich irgendwie an den Film "Brust oder Keule" mit Louis de'Funes.

Lass mal rechnen... genau weiß ich das natürlich nicht, weil ich futtere das Zeug nicht... aber mal ansatzweise: 1 Zentnersack Kakao z.B. verkauft der Bauer in der Elfenbeinküste für vielleicht 5 Euro an seinen Händler.

Jetzt fangen wir mal hinten an, und das möge jeder selbst mal rechnerisch überschlagen: Wie viele KitKat-Riegel kann man daraus produzieren ?... und was kostet jeder dieser Riegel ? Was von der Differenz bleibt bei wem in der Tasche hängen ?

So gesehen sind 70 Millionen über zehn Jahre wie im Beitrag erwähnt doch eher lächerlich um als "FAIRTRADE" zu gelten... eher ein Prima Marketingmittel. Ich warte schon auf die Fersehwerbung :-( (Ach so... wieviel Jahresgehalt bekommt eigentlich der Chef von Nestle?... 7 Millionen ?)

Nachhaltige Landwirtschaft, nachvollziehbare Herkunft der Produkte bei denen auch der Erzeuger des "Grundstoffes" was hat (siehe Milchpreis), sollte jedem Verbraucher mehr wert sein als solch eine Imagekampagne die zu nichts führt. Vielleicht hätte der Erzbischof von York vor seiner Lobpreisung mal einige seiner missionierenden Glaubensbrüder in unmittelbarer Nähe der Produzenten des Kakaos fragen sollen.

Beitrag melden
Seite 1 von 7
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!