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Ärger um "Neue Bauernregeln": Bauern werfen Umweltministerin Hendricks Mobbing vor
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"Steht das Schwein auf einem Bein, ist der Schweinestall zu klein": Umweltministerin Hendricks (SPD) will "neue Bauernregeln" plakatieren. Bauern und Unions-Politiker sind empört - können aber auch nicht besser reimen.

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Gleichstrom 08.02.2017, 14:06
210.

Gesellschaftlicher Druck könnte ein Grund sein, oder das angeborene Verhalten zur Bevorzugung der eigenen Art. Bei all diesen Fragen, auch der, ob man Kind oder Katze ausweicht, geht der meistens in solchen Notsituationen herrschende Zeitdruck völlig unter - das, was man zu fassen bekommt, rettet man (und macht damit weiter, solange es geht) bzw dem, das man zuerst sieht, weicht man aus - das Andere bekommt man evtl erst mit, wenn man es überfährt. Was, wenn der Hund zwischen Retter und Baby treibt, man nur ihn erreicht? Sich das Baby an seinen Beinen festhält und losläßt, wenn er halb im Rettungsboot ist? Soll man ihn dann wieder fallen lassen?

Es ist sehr selten, daß man sich dafür entscheiden muß, daher sind diese Beispiele alle nicht besonders alltagsrelevant, oder zumindest nicht wesentlich wichtiger als z.B. die Frage, ob man die eigene Oma oder einen Mafiosi eher ann Galgen hängen würde. Ich mußte mich jedenfalls noch nie zwischen verschiedenen zu rettenden Hilfsbedürftigen entscheiden, ich hab die immer nur allein gefunden (meistens Betrunkene, seltener Konsumenten anderer Drogen).

Bringt aber am Ende alles nichts, wenn man ein Tier der eigenen Art oder eines einer fremden Art retten muß, und nur eines der beiden, bringt auch eine neutrale Perspektive meistens bis immer den Menschen, in diesem Fall also Artgenossen des Entscheidenden, in die Situation oberster Priorität. Aufgrund seiner Eigenschaften, nicht aufgrund der Tatsache, daß er ein Mensch ist. Damit könnte man auch Rothaarige bevorzugt retten, schließlich haben sie rote Haare, und niemand wird das je anzweifeln.

Es ist auch nicht so, daß ich etwas dagegen hätte, daß Menschen Menschen bevorzugen, das würd ich ja selbst auch oft machen; was mich stört ist, daß das häufig in einem Akt von Willkür beschlossen wird, den man ebensogut nur auf bestimmte Menschen anwenden könnte, ohne daß sich an Legitimation, Verpflichtung oder Rechtfertigung irgendwas systematisch ändert, es wären nur kleine, graduelle Änderungen. Und dagegen, daß Luxusprobleme von Menschen oft über jedes andere Lebewesen gestellt werden.

Es ist oft son völlig unreflektiertes Reflexhandeln, das nicht dazu paßt, daß der Mensch das leistungsfähigste Gehirn der bekannten Fauna hat und alle möglichen Rechte gegenüber anderern Lebewesen genau darauf gründen möchte, daß er ein großer Philosoph sei, randvoll von Erkenntnis und der Möglichkeit zu z.B. Rücksichtnahme ... aber genau die mit diesem Hinweis bitteschön doch unterlassen dürfen will.

Oft ist es nicht "Hund ertrinkt oder Mensch ertrinkt", sondern "Hund wird getötet und Mensch bekommt einen Fellkragen - oder eben nichts davon", was zur Wahl steht.

Warum muß es unbedingt ein Baby sein? Sind die wertvoller als ältere Menschen? Soll damit eine schützende Verhaltensweise getriggert werden, soll sie von der Fragestellung ablenken?

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IB_31 08.02.2017, 15:24
211.

Zitat von Gleichstrom
Warum muß es unbedingt ein Baby sein? Sind die wertvoller als ältere Menschen? Soll damit eine schützende Verhaltensweise getriggert werden, soll sie von der Fragestellung ablenken?
Es ist eine durchaus berühmte Frage aus der Ethik, die ein bekannter Tierrechtsphilosoph folgendermassen beantworten würde:

"Auf die Frage, ob er zuerst ein Baby oder einen Hund aus einem kenternden Boot retten würde, antwortete der amerikanische Tierrechtsphilosoph Tom Regan: "Wenn es ein geistig zurückgebliebenes Baby wäre und ein gescheiter Hund, würde ich den Hund retten."

aus:
https://www.welt.de/wissenschaft/article2294376/Tierschuetzer-fordern-Menschenrechte-fuer-Tiere.html

Nur mal so als Beispiel dafür wie "schräg" das ganze werden kann,
wenn man Tiere rechtlich mit Menschen gleichstellt.

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zzipfel 08.02.2017, 15:59
212. Türschutz kann natürlich ebenso Lobbyismus sein, wie andere

Zitat von Gleichstrom
Tierschutz ist kein Lobbyismus.
werbliche Aktivitäten in der Politik: Dient doch der "Tierschutz" vornehmlich irgendwelchen obskuren "Tierschutz"-Organisiationen die sich an Spenden und Erbschaften vollfressen und deren Mitarbeiter schlicht und einfach von ihrer "Empörung" leben und daran gut verdienen. Luxuxproblemchen halt. Die Türschützer sollten mal lieber dafür demonstrieren, dass Köter nicht auf öffentlche Gehwegen und Parkanlagen und Kinderspielplätzen ihren Kot hinterlassen - oder dass man zusätzlich zur Hundesteuer sinnvollerweise eine Umweltabgabe erhebt (zB von 200 EUR mtl. pro Köter) um dafür Hundefänger einzustellen - die alle Köter wegfangen, die auf öffentlichem Gelände Kot hinterlassen oder ohne Leine herumlaufen. Diese wegefangenen Köter könnte man zB tierschutzgerecht zu Hundefutter verarbeiten - im Sinne einer Recyclingwirtschaft, dann braucht man für Hundefutter keine anderen Tiere zu opfern: Das wäre mal eine sinnvolle Tierschutzaufgabe. Bisher machen die nix gescheites.

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g_bec 08.02.2017, 16:16
213. Na und?

Zitat von sport_gerd
...würde man schnell im Gefängnis sitzen. Aber mit den Bauern kann man ja so etwas machen. Durchschnittliches betriebseinkommen eines Landwirts EHEPAAR in Deutschland bei min. ca 50 h pro Nase & Woche: 29 000 Euro. Nach 40 Jahren plackerei für den Hof & die Natur in der man lebt dann fürs Ehepaar zusammen 800€ Rente. Aber mit den Bauern kann Mans ja machen. Sind wahrscheinlich eh alle doof. Immer schön verbal draufschlagen. Sind ja keine Minderheit, oder vielleicht doch? Da freue ich mich doch gutbezahlt im Ausland zu sitzen, wo ein Großteil meiner Gesprächspartner nur noch den Kopf über mein Heimatland schüttelt. Macht so weiter - macht Germany Great again
Augen auf bei der Berufswahl.
Und noch etwas: Wem die Jacke passt, der zieht sie sich an. Offensichtlich haben sehr viele Bauern eine standardisierte Einheitskonfektionsgröße.

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g_bec 08.02.2017, 16:41
214. Häh?

Zitat von regelaltersrentner
Gerade die Politik hat den Trend zu größeren Einheiten gefördert. Wenn ein Betrieb mit 50 Kühen nach Geldern für eine Stallrenovierung nachfragt, dann ist der Bescheid negativ, will er auf 200 Kühe erweitern, dann bekommt er Gelder. Nein, nicht dass der Reicher wird, nein, er kann billiger produzieren. Es ist unsinn, wenn sie behaupten, dass es für Mais mehr Subventionen gibt, die Agrarhilfen sind an die Fläche gekoppelt. Richtig ist, das der Erlös bei Mais hoher ist, als zb. bei Weizen. Sind sie bereit auf Lohn zu verzichten?
Und billiger produzieren (war das Ihrerseits beabsichtigt:?) heißt doch nur verklausuliert "reicher werden". Gerade das Beispiel Mais zeigt, dass es auch Bauern oft ums "reicher werden" geht.
Ist ja nichts schlechtes. Nur wenn's auf Kosten der Nutzviecher oder der Umwelt geht, ist es eben nicht mehr so toll. Und wenn eine Umweltministerin auf launige Art und weise hinweist, ist es eigentlich gerade gut.

Im Übrigen: Wie wenig idealistisch gerade auch der Bauernstand ist, konnte man gut nach 1918 und 1945 und, in der Ostzone, bis in die 50er Jahre sehen. Da war nix mit "Ernährer des Volkes". Da war Taschen vollmachen angesagt. Ist jetzt schwieriger, aber Dank der EU immer noch möglich.

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g_bec 08.02.2017, 16:54
215. Uh.

Zitat von Goldwin
Doch, da gibt es was zu diskutieren. Nämlich dass Ihre Aussage Unfug ist. Richtig wäre: es gibt Regionen in Deutschland in denen zu viel Gülle ausgebracht wird. Wir sprechen hier von etwa 10% der landwirtschaftlichen Nutzfläche. Für diese Regionen brauchen wir Verschärfungen. Nicht immer alle in Sippenhaft nehmen. Ich selbst komme zum Beispiel aus Rheinland-Pfalz. Hier werden kaum noch Schweine gemästete und Geflügel sind ebenfalls kaum vorhanden. Der Selbstversorgungsgrad liegt weit unter 50%. Wir haben hier auch Probleme mit Nitrat im Grundwasser. Nämlich in der Vorderpfalz und in Rheinhessen. Die Schweine, Kühe und Hähnchen die dort leben können Sie fast an einer Hand abzählen. Dort gibt es überwiegend Gemüsebau (Vorderpfalz) und Weinbau (Rheinhessen). Was passiert jetzt wegen solchen Pauschalierern wie Ihnen: Die wenigen Tierhalter müssen teuer investieren um neue gesetzliche Anforderungen zu erfüllen. Mit nahezu NULL effekt für die Problemregionen.
Oh, nur 10%. Na, dann ist ja alles gut. ok, dann sollen die halt weiter Gülle verklappen, gerne auch Importgülle. Wo kämen wir denn da hin, dass sich Produzenten an gesetzliche Vorgaben zu halten haben. Muss VW ja auch nicht.
Bisher hört man immer nur: "Mimimi, wir armen (Industrie-)Bauern, wir MÜSSEN Umweltsäue sein, weil der Verbraucher das so will!" Dabei ist es genau umgekehrt: Die (Industrie-)Bauern sind Umweltsäue, auch wenn der Verbraucher das nicht will.

Nebenbei: Das Märchen vom hart arbeitenden und schlecht bezahlten Volksernährer glaube ich schon lange nicht mehr. Soviel Mais und Raps kann man ja gar nicht essen. Und dieses ekelhafte Massenhühnerfleisch (oder auch Pute oder oder) kommt schon gar nicht in meine Küche.
Außerdem sieht die "Arbeit" in der GPS-gesteuerten High-Tech-Vollerntemaschine irgendwie nicht sehr anstrengend aus. Auch in den automatisierten Ställen scheint das Desinfizieren die größte körperliche Herausforderung zu sein.

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mark.waller 09.02.2017, 10:34
216. Verschwendung von Steuergeldern?

Dass hinter der Kampagne viel mehr steht als ein paar Sprüche, das weiß jeder, der mal auf der Seite der Kampagne war. Dort sind auch Hintergrundfakten und Lösungsansätze veröffentlicht. Dass eine Anzeigenkampagne vor allem Aufmerksamkeit erzeugen sollte ist doch selbstverständlich. Da bleibt nicht viel Raum für tiefergehende Inhalte. Ob sie 1,6 Millionen wert ist, ist eine andere Sache, aber zumindest kann man sicher sein, dass da Substanz dahinter steckt.

Wenn aber Landwirtschaftsminister Schmidt 70 (!) Millionen Euro an Steuergeldern für die Bewerbung seines Tierwhol-Siegels ausgeben will - aber nicht mal in der Lage ist detailierte Auskunft über die Kriterien zu geben - regt sich niemand auf. Warum wohl? Ach ja, die Profite gehen direkt an die Landwirte, dann ist ja alles gut. Dass sich Schmidt dermaßen einseitig positioniert und noch eine Entschuldigung seitens Hendricks fordert ist einfach nur ein Skandal.

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Goldwin 09.02.2017, 15:51
217.

Zitat von g_bec
Oh, nur 10%. Na, dann ist ja alles gut. ok, dann sollen die halt weiter Gülle verklappen, gerne auch Importgülle. Wo kämen wir denn da hin, dass sich Produzenten an gesetzliche Vorgaben zu halten haben. Muss VW ja auch nicht. Bisher hört man immer nur: "Mimimi, wir armen (Industrie-)Bauern, wir MÜSSEN Umweltsäue sein, weil der Verbraucher das so will!" Dabei ist es genau umgekehrt: Die (Industrie-)Bauern sind Umweltsäue, auch wenn der Verbraucher das nicht will. Nebenbei: Das Märchen vom hart arbeitenden und schlecht bezahlten Volksernährer glaube ich schon lange nicht mehr. Soviel Mais und Raps kann man ja gar nicht essen. Und dieses ekelhafte Massenhühnerfleisch (oder auch Pute oder oder) kommt schon gar nicht in meine Küche. Außerdem sieht die "Arbeit" in der GPS-gesteuerten High-Tech-Vollerntemaschine irgendwie nicht sehr anstrengend aus. Auch in den automatisierten Ställen scheint das Desinfizieren die größte körperliche Herausforderung zu sein.
Ich glaube es erübrigt sich zu solch einem Kommentar eine längere Ausführung zu machen. Das was sie von sich geben strotzt nur so vor Neid auf Bauern. Wenn die Bauern so einfach und leicht gutes Geld verdienen, warum halbiert sich dann die Zahl der landwirtschaftlichen Betrieb alle 10 Jahre? Weil die Bauern so dumm sind und nicht kapieren dass sie so einfach Geld verdienen? man, man, man...

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Goldwin 09.02.2017, 15:57
218.

Zitat von mostly_harmless
Nennen Sie mal eine der "neuen Bauernregeln", in denen Bauern pauschal verunglimpft werden. Real werden da konkrete Probleme genannt, die durch Bauern verursacht werden. Und nicht durch alle Bauern, sondern eben jene, die so agieren, dass die genannten Probleme entstehen. Das reale Problem ist auch hier mal wieder, dass die eigene Wahrnehmung der Bauern von der Realität abweicht.
Vor ein paar Jahren hatte die NPD im Wahlkampf (zumindest in meiner Region) Plakate aufgehängt mit dem Spruch: "Ist der Ali kriminell, ab nach Hause aber schnell". Ich denke wir sind uns einig, dass so etwas eine Verunglimpfung von ausländischen Mitbürgern darstellt, oder? Natürlich stand da nicht: "Alle Ausländer sind kriminell", aber genau das war die Botschaft. Und genau das haben wir mit der Plakat-Aktion von Hendricks (die sich im übrigen damals (zu recht) über die Plakate der NPD echauffiert hat) auch. Man stellt subtil "die Landwirtschaft" an den Pranger. Mit Steuergeldern.

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Beorn 10.02.2017, 22:55
219. Klasse, weiter so!!!

Die Zustände auf den Äckern sind eine Katastrophe und es wird Zeit dagegen etwas zu unternehmen. Meine Enkel sollen in keinem verwüstetem Land wohnen. Wie steuern auf chinesische Verhältnisse zu, die Bestäuberinsekten werden immer weniger und sind bald verschwunden. Aber leider wird ja nun nichts aus der Plakataktion.

Aber die Agrarindustrie darf mit dümmlichen Aktionen wie "Schau ins Feld" die Tatsachen ignorieren und verdrehen. Dabei zeigen die Bio-Bauern, dass es auch ohne großen Einsatz von Gift und Kunstdünger geht. Es wird Zeit, dass die Bauern sich aus dem Würgegriff der Industrie befreien und wieder selbst denken.

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