Forum: Wirtschaft
Air-Berlin-Mitarbeiter: "Der Abschied fällt schwer"
Alina Lemrich, Kien Hoang Le/DER SPIEGEL

Am Freitag soll der letzte Air-Berlin-Flieger abheben - was aus den Mitarbeitern der insolventen Fluglinie wird, ist offen. Wie gehen Flugbegleiter, Piloten und Techniker damit um? Drei Beschäftigte berichten.

Seite 1 von 7
quark2@mailinator.com 24.10.2017, 18:04
1.

Frage: Wieviele Menschen werden im Schnitt täglich ohne eigene Schuld arbeitslos und warum berichten die Medien immer nur, wenn es um Leute aus Großunternehmen geht, die ohnehin eher zu denen zählen, die es durchschnittlich leichter haben. Bei kleinen Firmen gibt es keine Sozialpläne, Auffanggesellschaften, etc. Ich finde diese Art Berichterstattung fragwürdig. Wenn man sagen will, daß Kapitalimus z.T. menschenverachtende Folgen hat, dann soll man das klar so schreiben und Verbesserungsvorschläge machen. Ansonsten ist das hier nur ein Reiten auf dem Leid der anderen. Die AB-MAs verlieren ihre Jobs und die Presse verdient damit Geld, wie mit den anderen alltäglichen Katastrophen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
hasselblad 24.10.2017, 18:11
2.

Wirklich schade. Ich bin viel und gern Air Berlin geflogen, wenn man regelmäßig auf den gleichen Strecken fliegt hat man irgendwann „seine“ Crews und es wird mir fehlen, ungefragt den Rotwein vor dem Start gereicht zu bekommen. Leider fordert die Billig-Kultur am Himmel ihre Opfer nicht unter ihresgleichen, ich hätte gern mit den Air-Berlinern auf eine Ryanair- oder Easyjet-Pleite angestoßen, anstatt künftig auf die Schokoherzen zu verzichten. Und Schande, auch die Lufthansa hat mit den Resten nichts besseres zu tun als sie in ihre Eurowings-Billigflotte einzugliedern. Je schlimmer sich der Geiz der Touris auf das gesamte Drumherum und vor allem auf anspruchsvollere und kaufkräftigere Passagiere negativ auswirkt, desto mehr bin ich überzeugt, dass es einen Markt für einen reinen Premium-Anbieter gibt. Trotz Status und Business Class muss man ja dennoch mit denen, die in Shorts ins Flugzeug steigen, im Bus zum Flieger fahren, weil das Preismodell die Kosten für die Fluggastbrücke am Gate nicht mehr hergibt, und das wird proportional eher noch schlimmer, je mehr ehemals hochwertige Anbieter sich dem Diktat der Geizhälse beugen. Bye bye, Air Berlin - vielleicht treffe ich eine „meiner“ Crews ja auf den zukünftigen Eurowings- und Lufthansa-Flügen wieder, wäre schön.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
iffelsine 24.10.2017, 18:24
3. Täglich gehen Firmen in die Insolvenz !

Und hier soll es nun eine Sondertour auf Kosten von uns Steuerzahlern geben ? Die Löhne&Gehälter sollen aus dem Insolvenzgeld kommen, nicht aus Extrageld unserer Steuern ! Und: AirBerlin hatte deutlich zu hohe Personalkosten und das war mit Schuld - vielleicht ein Hauptgrund - für die Insolvenz. Nein, hier muss gleiches Recht für alle gelten !

Beitrag melden Antworten / Zitieren
INGXXL 24.10.2017, 18:34
4. Das die Lufthansa bei

dem Verfahren bevorzugt würde ist offensichtlich. Die gerichtliche Klärung kann Jahre dauern. Als Mitarbeiter würde ich darauf nicht warten, sondern mir so schnell wie möglich einen neuen Job suchen, ggf. im Ausland. Die Familie muss dann halt umziehen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
tbline67 24.10.2017, 18:36
5. Das wirkliche Problem ist nicht die Berichterstattung

Eigentlich müssten gerade die Medien Noch deutlicher mehr über diese Insolvenz, den unsäglichen Staatskredit und vor allem zum Thema Winkelmann sagen. Der ganze Fall Air Berlin stinkt zum Himmel. Und ja über die Insolvenz von kleinen Firmen und dem Verlust von wenigen Arbeitsplätzen muss man auch nicht unbedingt berichten. Hier geht es aber darum dass neben einem Staats-Kredit, der unmöglich hohen Abfindung einer Managerpfeife noch ein Schaden am Gemeinwohl (ALG Zahlungen etc) entsteht. Diese „Insolvenz“ ist sicherlich von langer Hand vorbereitet!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
coyote13 24.10.2017, 18:39
6. Habe vollstes Verständnis >>

>> für den Frust der AB MA. Alle genannten Argumente sind stichhaltig und nachvollziehbar.
Ob es bei dieser Insolvenz mit rechten Dingen zugegangen ist sollte eigentlich das Insolvenzgericht und beteiligte Instanzen prüfen; das ist deren Verantwortung. Ist es tatsächlich eine astreine Insolvenz oder ein verdeckter Betriebsübergang? Da muss die Gewerkschaft einhaken, das sollte man erzwingen. Das ganze hat einen Beigeschmack, keine Frage, aber es gibt m.E. auch keinen Zweifel daran dass die AB schon vor vielen Jahren pleite war. Ohne Ethihad wären schon vor Jahren die Lichter ausgegangen. Insofern sollte bitte keiner der MA wirklich überrascht sein. Was die Einstellungspolitik der LH angeht kann ich allen AB MA mitteilen: Das ist bei LH Einstellungen auch nicht anders. Die neuen MA werden zu Minimaltarifen eingestellt, irgendwo zwischen Aeroground und LH (Gehaltsstand von vor 3 Jahren). Das ist leider so, scheinbar geht es immer noch ein wenig billiger. Allerdings kann ich mir nicht vorstellen dass Berufserfahrung nicht positiv gewertet wird. Und mehr Flugzeuge benötigen mehr Mechaniker, Techniker und Piloten. Ob ein Copilot unbedingt € 120 T verdienen muss mag ich nicht zu bewerten; Tatsache ist, Pilot ist kein anerkannter Beruf, es ist eigentlich in DE ein Lehr-Beruf; da sollte die Ständevertretung mal was unternehmen. Wirklich dubios finde ich den Garantie-Vertrag des Hr. Winkelmann der sich schon in MUC keine Lorbeeren verdient hat. Er ist ein Dünnbrettbohrer und folgt gehorsam seinem Herrn S. Sowas hab ich selbst bei den Autoprinzen noch nie erlebt dass einer als Insider einen Mitbewerber als CEO übernimmt und schon bei Vertragsabschluss eine Abfindungs-Bankgarantie erhält. Frechheit!
Wehrt Euch!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
guentherzaruba 24.10.2017, 18:40
7. An die KollegINNEN,

ich kann ihnen aus eigener Erfahrung sagen, dass Personen auf den "Plan" gerufen werden, denen möchten sie nicht gegenüber sitzen. Und von wegen "sie werden schon IRGENDWAS finden".... das können sie vergessen, ...überqualifiziert, Lohnvorstellungen oder Arbeitsort.... da läuft nicht mehr viel. Tut mir sehr leid. Reihen sie sich bei 100 000 ex geschassten ein. &-//

Beitrag melden Antworten / Zitieren
sam0712 24.10.2017, 18:57
8. Danke...

...für diesen Beitrag und vor allem Dank an die Kollegin und die Kollegen, die sich hier öffentlich zu Wort melden.
Diese mutigen (und leider sehr zutreffenden) Beiträge zeigen, wie weit die meisten anderen Berichte und Kommentare in den Medien von der Realität entfernt sind. Da die Lufthansa/Eurowings in mancher Hinsicht anscheinend die Rechnung ohne den Wirt gemacht hat, wird das vermeintliche Schnäppchen womöglich nicht nur für vielen Ex-Airberliner, sondern auch für die Kranich-Airline zu einem Trip ins Ungewisse.
Und da es wohl auch nicht klappt, sich durch die "Beitrittsbedingungen" einer (zu 80% fremdfinanzierten!) Auffanggesellschaft vor Klagen vor dem Arbeitsgericht schützen zu können, werden sich hoffentlich viele Hundert Kolleginnen und Kollegen aus der Kabine den Klagen der Cockpit Crews anschließen. Zwar wäre der Ausgang dieser Klagen ungewiss, aber eine möglicherweise jahrelange Rechtsunsicherheit würde dem Branchenprimus auf jeden Fall die Suppe gehörig versalzen...

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Pensionskassen 24.10.2017, 19:00
9. Ein abgekarrtes Schauspiel

Die Abwicklung der Insolvenz war ein abgekarrtes Spiel zwischen Politik und der Lufthansa (LH).
Es geht ausschließlich um Gewinnmaximierung der LH zu Lasten der Verbraucher und des Personals der AirBerlin. Die Staatsbürgschaft diente ausschließlich diesem Ziel und nicht wie politisch erklärt zur Erhaltung der Arbeitsplätzen.
Vorab wurde der Vorstandsvorsitz der AirBerlin von einem bisherigen Vorstand von LH/Eurowings übernommen damit bei der Abwicklung alles im Sinne der LH läuft. Fragt sich auch welches Interesse hat Emirates die Vergütung des Vorstandsvorsitzenden von AirBerlin für die nächsten Jahre zu garantieren??
Hätte man eine sofortige Insolvenz betrieben – ohne Staatsbürgschaft – wäre die LH nicht an die Rosinen von AirBerlin (Fluglizenzen und interessante Strecken) gekommen. Folge wäre eine marktgerechte Veräußerung unter Einbeziehung der Konkurrenz. Vermutlich wäre hierbei die Insolvenzmasse größer geworden und den Verlust von Arbeitsplätzen hätte ich auch nichts geändert.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 1 von 7