Forum: Wirtschaft
Alternativen zu Produktion in China: Vietnam gewinnt Trumps Handelskrieg
imago images /Xinhua

Der US-Präsident will Unternehmen zwingen, wieder in den USA statt in China zu produzieren. Aber die verlagern ihre Produktion lieber in andere Niedriglohnländer. Zum Beispiel nach Vietnam.

Seite 3 von 7
baumisms 12.07.2019, 10:49
20. "Einheitliche Einfuhrzölle" auf Waren ALLER Länder werden vor allem

EINEN Effekt haben: Dass ALLE Länder Zölle auf Waren aus den USA einheben.
Und somit wird der Geniestreich recht bald das Gegenteil dessen erreichen, was beabsichtigt war.
Die Trump-Anbeter werden sich aber auch das schönreden...

Beitrag melden Antworten / Zitieren
schwerpunkt 12.07.2019, 10:49
21.

Zitat von benutzer1000
Ich werde nie verstehen, warum manche es so toll finden, wenn Firmen so clever sind, billige Produktionsstandorte zu finden. Der einzigste Nutznießer der billigen Produktionsstätten sind vermutlich die Unternehmen, die dadurch fettere Gewinne einfahren.
Wenn Ihre Annahme dabei ist, dass die Artikel, würden Sie "bei uns" produziert, für den gleichen Preis angeboten werden können, dann haben Sie recht.

Ich arbeite in einem Unternehmen mit derzeit noch etwa 1Mia € Umsatz (Gewinn: schwarze 0), dass Geräte hier in Deutschland entwickelt und fertigt. Dabei haben wir immer verschärfter mit Wettbewerb aus sogenannten Billiglohnländern zu kämpfen. Unsere Anforderung dabei ist bei steigenden Lohnkosten, die Herstellkosten jährlich um etwa 5% zu reduzieren. Langfristig haben wir die Wahl entweder massiv zu automatisieren (was deutlich weniger MAs bedeuten würde), zumindest Teile der Fertigung ebenfalls zu verlagern oder irgendwann nicht preislich nicht mehr konkurrenzfähig zu sein und ganz vom Markt verschwinden.
Wir fahren derzeit rund 70% unseres Umsatzes in Deutschland (29% in der restlichen EU). Es gibt sicherlich einige unserer potentiellen Kunden, die sich für günstigere Billigimporte entscheiden (obwohl durchaus gesehen wird, dass unsere Produkte qualitativ besser sind) und sich aber gleichzeitig, wie Sie, sich über Unternehmen echauffieren, welche wegen "fetterer Gewinne" in sogenannten Billiglohnländern produzieren lassen.

Die Kunden (zu denen auch Sie gehören) entscheiden maßgeblich darüber, wo hauptsächlich produziert wird.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
thequickeningishappening 12.07.2019, 10:56
22. Das mit Dem "Made in" sollte auch mal gerichtlich aufgearbeitet werden

Wie schon im Bericht erwaehnt ist es inzwischen Usus, fast alle Komponenten zu importieren und dann Das Zusammenschrauben oder auch nur Den Aufkleber auf Das umverpackte Fertigprodukt als "Made in ..." zu deklarieren. Die Chinesen rechnen uebrigens auf Den Pfennig und Die Vietnamesen auf Den Zehntel ( von mir abgewandelte alte chinesische Weisheit).

Beitrag melden Antworten / Zitieren
localpatriot 12.07.2019, 11:00
23. Kosten sind der ewige

Zitat von benutzer1000
Ich werde nie verstehen, warum manche es so toll finden, wenn Firmen so clever sind, billige Produktionsstandorte zu finden. Der einzigste Nutznießer der billigen Produktionsstätten sind vermutlich die Unternehmen, die dadurch fettere Gewinne einfahren.
In einer globalisierten Welt sind Kosten der ewige Druck fuer jeden Produzenten. Den Konkurrenzkampf überleben ist das tägliche Ziel.
Und ....
die Menschen in den Billiglohnländern sind im Grunde genommen genau so fähig wie diejenigen in Europa oder in Nordamerika.

Vietnam erlebt seit Ende des Krieges eine rasante Zuname der Bevölkerung und alle suchen ein besseres Leben.

Warum nicht nach Vietnam mit den Fabriken.
Der Verbraucher ist der Gewinner.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
annetteseliger 12.07.2019, 11:02
24. So So jetzt ziehen die Firmen also um nach Vietnam.....

... das aber ändert nichts an den Handelsdefiziten, denn diese hat Herr Trump dann mit Vietnam.

Wird er danach auf Produkte aus Vietnam Zölle erheben? Seine ganze Strategie mit China ist unsinnig, denn wenn er ehrlich ist, dann soll er sagen, dass er eine Politik gegen seine eigenen Firmen wie Walmart, HoneDepot, Lowes, Target, Bestbuy, etc. fährt. Die Zölle werden von den Importeuren bezahlt und diese geben sie weiter an die Verbraucher,

An dem riesigen chinesischen Binnenmarkt werden die U.S.A. auf Dauer nicht vorbeikommen.

Trump wird sich beeilen müssen einen Deal mit den Chinesen abzuschließen, denn wenn Produktionen aus China verlagert werden, dann reduziert sich die Motivation für die Chinesen überhaupt einen Deal zu vereinbaren. Amerikanische Produkte werden durch europäische oder südamerikanische ersetzt.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
astat 12.07.2019, 11:03
25.

Zitat von benutzer1000
Ich werde nie verstehen, warum manche es so toll finden, wenn Firmen so clever sind, billige Produktionsstandorte zu finden. Der einzigste Nutznießer der billigen Produktionsstätten sind vermutlich die Unternehmen, die dadurch fettere Gewinne einfahren.
Das stimmt nicht bzw. nur halb. Natürlich profitieren auch die Unternehmen davon, sonst würden sie es nicht tun. Aber Hauptnutznießer sind definitiv die Konsumenten. Ohne das wären die billigen Waren nicht denkbar. Die ganzen Wegwerfartikel, die günstigen Autos, die billigen Klamotten und vor allem die günstige Elektronik. Das war noch vor drei Jahrzehnten so unmöglich. Die billige Fertigung in Ländern wie China u.a. hat die Preise enorm gedrückt. Und die Mehrheit der Verbraucher will das auch so. Natürlich ist das nicht nachhaltig und eigentlich Wahnsinn. Aber es ist Realität. Ein ganz wesentlicher Faktor bei dieser Entwicklung sind übrigens die enorm gesunkenen Transportkosten durch die Riesen-Containerschiffe. Ohne die wäre das alles gar nicht denkbar.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Di_oH 12.07.2019, 11:07
26. Wie ich es erwartet habe

Von Microsoft und Apple ist in diesem Artikel überhaupt nicht die Rede. Nur ein Apple Zulieferer wird hier erwähnt. Dass niemand in allem Ernst glaubt, dass Vietnam erst seit Trump für Firmen interessant wurde, sollte doch jedem klar sein. Nur durch Trumps Zölle gegen China hat sich das eben alles nochmal beschleunigt.
Es scheint Ihre Meinung zu sein, dass jetzt Umweltstandards beachtet werden und die Armen in Vietnam nun gut entlohnt werden. Ich kann Ihnen versichern, dem wird definitiv nicht so sein.
Bis auf Dokumentationen über die Elektro-Bus-Flotte in chinesischen Städten habe ich mit Sicherheit noch nie einen Bericht gelesen oder eine Doku gesehen, in der China als "die Nation, wo alle nur das Beste für dei Welt wollen" bezeichnet wird. Keine Ahnung, in welchem Mikrokosmos man sich bewegen muss, um derartige Infos/Einstellungen zu finden.

Trumps Anliegen war es meiner Meinung nach nie, den Niedriglohnsektor zurück in die USA zu holen. Konkret bei China ging es ihm um die Unterbindung staatlicher Subventionen und damit künstlicher Verbilligung von Waren, den Protectionismus gegen Inverstitionen durch die chinesische Regierung, vom Staat geduldete Produktpiraterie und den Handelsüberschuss. Ich kann es immer nur wieder betonen: Ich sehe es als Armutszeugnis, dass die EU diese Spielchen mitgemacht hat bzw. immer noch mit macht und peu à peu europäischens Know-How nach China fließt, während europäische Firmen de facto keine Möglichkeit haben sich bei chinesischen Firmen einzukaufen.
Von daher hoffe ich ein Stück weit, dass die USA genau diese Punkte mit China gelöst bekommen und die Länder der EU dann dumm aus der Wäsche gucken.

Bzgl. Trumps Aussage, Vietnam würde die USA wegen des Handelsüberschusses über den Tisch ziehen: Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass er die USA mit 320 Mio. Einwohnern mit dem Entwicklungsland Vietnam mit gerade mal 95 Mio. Einwohern vergleicht. Komischerweise lese ich dieses Zitat hier das erste Mal (auf Deutsch; Nach englisch-sprachigen Quellen habe ich nicht explizit gesucht).

Beitrag melden Antworten / Zitieren
astat 12.07.2019, 11:09
27.

Zitat von hlpatrick
...ist es dann wohl doch nicht. Oder glauben sie, die massive Verbilligung von Elektroartikeln (Computer, Fernseher, ......), von denen vor allem westliche KundInnen profitieren, ist einfach so "vom Himmel gefallen"? Zum überwiegenden Teil hat dies mit Produktion bzw. Produktionsverlagerung in Billiglohnländer zu tun....
Genau so isses! Was ich immer wieder erstaunlich finde ist, dass die Menschen das gedanklich voneinander trennen. Bei amazon Nachmittags einen spottbilligen Fernseher made in Asien schießen, und Abends über die Unternehmen schimpfen, die dort produzieren lassen. Das passt nicht zusammen. Loewe hat jetzt pleite gemacht. Erneut. Warum sollte sich jemand auch einen Loewe-Fernseher für 2000 Euro kaufen, wenn er was vergleichbares für 800 Euro woanders kriegen kann? Da endet dann die Liebe zur eigenen Volkswirtschaft. Und nicht nur da. Die Mehrzahl der Verbraucher handelt ganz exakt genauso wie die Unternehmen, die sie kritisieren. Sie sehen das nur nicht so.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
schwerpunkt 12.07.2019, 11:11
28.

Zitat von baumisms
EINEN Effekt haben: Dass ALLE Länder Zölle auf Waren aus den USA einheben. Und somit wird der Geniestreich recht bald das Gegenteil dessen erreichen, was beabsichtigt war. Die Trump-Anbeter werden sich aber auch das schönreden...
Bei der Rundumschlag-Politik der derzeitigen US-Regierung wird dass wohl noch nicht als potentielle Problematik gesehen. Wenn alle anderen Länder (außer USA) untereinander weiterhin mit zunehmend offenen Märkten, Handel treiben, dann wird für jedes Land "nur" der Handel mit den USA teurer (was je nach Anteil am eigenen Export mehr oder weniger schmerzhaft sein kann). Für die USA aber bedeutet dass, das der Handel mit ALLEN Ländern erschwert wird .. und damit teurer, da wohl die allermeisten selbst mit Gegenzöllen gegenüber den USA agieren werden.
Effizienter kann man sich wohl kaum aus der Rolle der wirtschaftlichen Weltmacht verabschieden.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
böseronkel 12.07.2019, 11:20
29.

Zitat von benutzer1000
Ich werde nie verstehen, warum manche es so toll finden, wenn Firmen so clever sind, billige Produktionsstandorte zu finden. Der einzigste Nutznießer der billigen Produktionsstätten sind vermutlich die Unternehmen, die dadurch fettere Gewinne einfahren.
Es sind schon starke Zweifel erlaubt, dass digital gesteuerte Produktionsanlagen durch unqualifizierte Billiglöhner bedient werden können. Meine schon Jahrzehnte zurück liegenden Erfahrungen verdeutlichen, diese modernen Anlagen laufen keine 15 Minuten störungsfrei. Ein Fachmann, der beim Reisanbau eingesetzt war, wird kaum etwas unternehmen können wenn an einer modernen Produktionsanlage mal ein Greifer abrutscht.

Das Märchen von den billigen Produktionsmöglichkeiten in Niedriglohnländern wird lediglich ganz oben in der Unternehmenshierarchie kolportiert. Außerdem ist die Zerstörung der Nachfrage durch unzureichende Löhne auch für die Finanziers nicht sonderlich bekömmlich.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 3 von 7