Forum: Wirtschaft
Altersvorsorge: Sparer legen jeden fünften Riester-Vertrag auf Eis
Stephan Scheuer/ DPA

Die staatlich geförderte Privatvorsorge bleibt ein Flop. Nach SPIEGEL-Informationen zahlen viele Anleger keine Beiträge mehr ein.

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thoms1957 02.08.2019, 16:19
1. Super, das "Altersvorsorgedepot"

Gibt es schon und ist seit Jahrzehnten bewährt: Die gesetzliche RV. Ermöglichte der Gesetzgeber freiwillige Einzahlungen in selbige, würde der gesamte Quatsch mit der " zusätzlichen privaten Vorsorge" entfallen". Und das ist auch der Grund, weshalb die Schröder Regierung das auch nicht wollte - es kann sich die private Versicherungswirtschaft dann nicht die Taschen vollstopfen. Und die FDP will das schon mal gar nicht, ließe sich auch nicht mit dem neoliberalen Weltbild vereinbaren. Das FDP Modell sieht sicher auch Steuergelder vor, sonst merkte auch der letzte potentielle Kunde, dass er am Ende draufzahlt. Versicherte wären mit dem freiwilligen Einzahlungsmodell in die GRV besser dran: Keine Vertragsprovisionen und keine Verwaltungsgebühren. Eventulle Erbschaften könnte man ebenfalls dort anlegen. Und alle 4 Jahre kann der Wähler entscheiden, ob das Modell funktioniert. Dazu gehört aber auch, dass endlich alle Einkommensarten versicherungspflichtig werden und dass jeder dort einzahlen muss. Und wem das alles nicht reicht, der kann ja jederzeit zusätzlich "privat vorsorgen". Ich tue das, indem ich bis zur Rente mein Haus abgezahlt habe - wenn alles gut geht.

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chrisotm 02.08.2019, 16:22
2. Wieso?

Mittlerweile gibt es doch schöne Riester-Verträge am Markt, allerdings nicht viele, aus meiner Sicht eigentlich nur einen Einzigen, der mittlerweile auch (nach bestimmter transparenter Quote) 100% Aktienquote fährt.

Die Probleme sind doch eher, dass
- es ohne Aktien sich nicht lohnt.
- bei Aktien mit zwei oder mehr Töpfen alles nur BlackBox Modelle sind. Wie genau da die Versicherung wie und wann umschichtet, gibt sie im Vorefeld nicht preis.
- und gute transparente Fondssparpläne mit 100% Aktienquote (wegen der Garantie) sehr schwer zu finden sind.
Hinzukommt, dass mdie üblichen Verkäufer gerne immer das Falsche verkaufen.
Allerdings muss man zu Gute halten: Der Markt bietet relativ gute Angebote, aber nur wenige. Gleichzeitg muss der Kunde sich aber auch bemühen.

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Holzbeinschnitzer 02.08.2019, 16:26
3.

Ich sage das nun schon gebetsmühlenartig. Wir brauchen keine private Vorsorge. Alle zahlen ohne Ausnahmen ein, keine Beitragsbemessungsgrundlage also kein Höchstbeitrag, Mindestrente und Höchstrente festlegen und schon redet keiner mehr über Altersarmut. Dieses Problem ist lösbar. Man muss es nur wollen und sich nicht von Lobbyisten und denen mit eigenen Vorsorgewerken einlullen lassen. Schäuble hat einmal gesagt, wir sind eine Schicksals- und Solidargemeinschaft. Der Spruch sollte nicht nur dann gelten, wenn die Ärmeren für die Reichen zahlen müssen, sondern auch umgekehrt.

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dasfred 02.08.2019, 16:40
4. Rente ist wie Flughafen. Wir können alles besser

Das scheint der Wahlspruch der deutschen Politik zu sein. Ebenso, wie es im Ausland funktionierende Flughäfen gibt, die man in Berlin nur nachbauen müsste, gibt es in vielen Ländern Rentensysteme, die bei einer ähnlichen Bevölkerungsstruktur erheblich besser funktionieren. Aber statt das beste System zu übernehmen hat die Regierung Schröder, in einer Zeit, als Reformen anstanden, lieber ein Gelddruckprogramm für Maschmeier und Co. gestartet. Die gierigen Lobbyisten der Versicherungswirtschaft fanden mehr Gehör, als die Mahner. Weil Deutschland ja alles besser kann. Die Verantwortlichen haben längst ihre Millionen im Trockenen. Seit über zehn Jahren ist bekannt, dass Riester ein Flop war und trotzdem will keiner substanzielle Veränderungen beschließen. Ich habe aufgegeben mich zu Ärgern.

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tommirf 02.08.2019, 16:45
5. Kostenproblem

"Die zuständigen Ministerien zeigen sich ratlos, wie das Kostenproblem gelöst werden könnte. "

Für die Lösung eines Kostenproblems ist es jetzt viel zu spät. Die "Kosten" sind der Teil, an dem sich die Versicherungswirtschaft doll und doof verdient, weil die Regierung Schröder auf Beratung des Herrn M. aus H. und des Herrn Riester den Versicherern exorbitante Provisionen und extra-weiche Risiko-Polster eingeräumt hat. Die werden in den ersten fünf ( bei Riester acht bis neuen ) Jahren von den Versicherten und auf dem Weg über die Zuschüsse auch vom Steuerzahler bezahlt. Das ist also durch...da gibt es nichts mehr zu lösen.

Ich habe selbst bis vor 20 Jahren Lebens- und Rentenversicherungen verkauft, und bin wegen der Riester-Modelle ausgestiegen, weil ich danach meinen Kunden nicht mehr hätte in die Augen sehen können...

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Realist111 02.08.2019, 16:50
6. Dann sage ich mal gebetsmühlenartig, ...

Zitat von Holzbeinschnitzer
Ich sage das nun schon gebetsmühlenartig. Wir brauchen keine private Vorsorge. Alle zahlen ohne Ausnahmen ein, keine Beitragsbemessungsgrundlage also kein Höchstbeitrag, Mindestrente und Höchstrente festlegen und schon redet keiner mehr über Altersarmut. Dieses Problem ist lösbar. Man muss es nur wollen und sich nicht von Lobbyisten und denen mit eigenen Vorsorgewerken einlullen lassen. Schäuble hat einmal gesagt, wir sind eine Schicksals- und Solidargemeinschaft. Der Spruch sollte nicht nur dann gelten, wenn die Ärmeren für die Reichen zahlen müssen, sondern auch umgekehrt.
... dass es wenig Sinn macht, nicht privat vorzusorgen, sondern dem Staat noch mehr Verfügungsgewalt über sein eigenes Geld zu geben.

Was dann irgendwann immer wieder passieren wird, sieht man beispielhaft an den Direktversicherungen 2003:
Die Krankenkassen nagen am Hungertuch, der Herr Bundeskanzler und seine Berater denken sich ein Gesetz aus, das die Versicherten bei Renteneintritt zwingt, Arbeitgeber- UND Arbeitnehmerbeiträge für die KV abzuführen - Höhe 18 % - und das damals auch noch rückwirkend für alle vor 2003 abgeschlossenen Verträge.
Bestandsschutz? Unbekannt!

So viel kann kein Vertrag erwirtschaften und mit solchen Machenschaften zerstören unsere Regierenden jegliches Vertrauen in staatliche Vorsorgemaßnahmen!

Unser Bundesbankpräsident macht vor, wie man privat höchstwahrscheinlich besser zum Ziel kommt: ETF-Sparpläne über 25, 30, 40 Jahre - und wenn's "nur" 50 Euro im Monat sind. Man muss halt nur selbst aktiv werden ...

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suchenwi 02.08.2019, 16:58
7. Vordruck V0210

Zitat von thoms1957
Gibt es schon und ist seit Jahrzehnten bewährt: Die gesetzliche RV. Ermöglichte der Gesetzgeber freiwillige Einzahlungen in selbige, würde der gesamte Quatsch mit der " zusätzlichen privaten Vorsorge" entfallen".
Wenn Sie mindestens 50 sind und 35 Renten-Anrechnungsjahre haben, also im Alter 63 mit Abschlägen Rente für langjährig Versicherte beziehen können, können Sie mit V0210 (leicht googlebar) eine Auskunft über freiwillige Beiträge zum Ausgleich der Rentenminderung anfordern. Dann ausrechnen, wieviel davon steuerlich absetzbar ist, und überweisen. Habe ich 2018 (FA hat ca.30% der frw.Beiträge erstattet) und 2019 gemacht. Wirkt sich auf meine Rente seit gestern entsprechend aus.
Alternative: V0060 - wirkt aber erst ab Regelrentenalter, dann ohne Abschläge.

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interessierter Laie 02.08.2019, 16:59
8. Die gesetzliche Rente ist keine Kasse...

Zitat von thoms1957
Gibt es schon und ist seit Jahrzehnten bewährt: Die gesetzliche RV. Ermöglichte der Gesetzgeber freiwillige Einzahlungen in selbige, würde der gesamte Quatsch mit der " zusätzlichen privaten Vorsorge" entfallen". Und das ist auch der Grund, weshalb die Schröder Regierung das auch nicht wollte - es kann sich die private Versicherungswirtschaft dann nicht die Taschen vollstopfen. Und die FDP will das schon mal gar nicht, ließe sich auch nicht mit dem neoliberalen Weltbild vereinbaren. Das FDP Modell sieht sicher auch Steuergelder vor, sonst merkte auch der letzte potentielle Kunde, dass er am Ende draufzahlt. Versicherte wären mit dem freiwilligen Einzahlungsmodell in die GRV besser dran: Keine Vertragsprovisionen und keine Verwaltungsgebühren. Eventulle Erbschaften könnte man ebenfalls dort anlegen. Und alle 4 Jahre kann der Wähler entscheiden, ob das Modell funktioniert. Dazu gehört aber auch, dass endlich alle Einkommensarten versicherungspflichtig werden und dass jeder dort einzahlen muss. Und wem das alles nicht reicht, der kann ja jederzeit zusätzlich "privat vorsorgen". Ich tue das, indem ich bis zur Rente mein Haus abgezahlt habe - wenn alles gut geht.
...sondern ein Schlauch. Da fließt hinten so viel Geld raus, wie vorne reinfließt. Und Inzwischen reicht das reinfließende Geld nicht mehr. Deswegen muss der Steuerzahler zuschießen. Es ist sicher kein schlechter Vorschlag, die gesetzliche RV durch einen Kapitaltopf zu erweitern, in dem Geld tatsächlich angelegt wird. Aber dann stellt sich dieselbe Frage wie bei bei Riester-Alternativen: In was investiere ich das Geld? (Ein weiterer lautet: Wie schütze ich das Geld vor der Politik!) Das Problem bei der ganzen Rentendebatte ist: Der Deutsche will nicht wahrhaben will, dass Zukunft immer ungewiss ist. Egal wie man Rente organisiert - es wird IMMER ein Risiko geben. Und Rendite ist immer vom Risiko abhängig. Riester hat man so gebaut, dass das Risiko von den Versicherungsunternehmen getragen wird. Die lassen sich das aber bezahlen. Ergebnis: Rendite gering.

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Stoepse 02.08.2019, 17:03
9. Flop ist der falsche Ausdruck. Es ist Betrug.

Es war von vornherein ein Betrug an dem Bürger, weil die Politkaste nicht bereit war, die Änderungen in dem Faktor Arbeit hin zu Roboterarbeit zur Kenntnis zu nehmen und entsprechend im Rentensystem einzahlen zu lassen.

Die Werktätigen wurden seit 1980 an der erhöhten Produktivität der Wirtschaft n i c h t mehr beteiligt (Gleichstand bei verdreifachten NIP) und den Reibach kassierte die Kapitalseite und der Staat, als die Gewinnsteuern explodierten. Die dt. Politiker dachten überhaupt nicht daran, diesen Windfallprofit in die Renten zu lenken.

Nein, die bezahlen nun lieber 100 Mrd. Euro jedes Jahr an die herein geholten Einwanderer in die Sozialhilfe und lassen die eigenen Leute gegen die Pumpe laufen. Wie es die Feudalisten immer taten.

Politik heisst Kampf um Interessen. Wer als Bürger nicht kämpft wie ein tollwütiger Köter, hat gegen die Internationale der Politiker schon verloren.

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