Forum: Wirtschaft
Amazon absurd: Von Deutschland nach Deutschland - über Polen
AP/dpa

Deutsche Händler empören sich über eine neue Amazon-Strategie: Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE drängt der Konzern Vertriebspartner, ihre Waren über Osteuropa zu verschicken - selbst wenn sie an Kunden in Deutschland gehen.

Seite 22 von 25
MatthiasPetersbach 21.11.2015, 19:19
210.

Zitat von steffen.ganzmann
Wo ist denn dann der Unterschied zu Amazon, wenn mir mein Buchhändler Buecher nach Hause schickt?
Daß Amazon seine Leute nicht komplett selbst bezahlt - und Steuern auch nicht. Und jetzt auch noch über Polen bescheuerte Vertriebswege incl. Umweltverschmutzung und Händlerverarsche anleiert

Mit der "Leistung", die für den Kunden in Bezug auf Lieferung usw. hat das eigentlich garnix zu tun. Amazon bietet - vordergründig - für den Kunden gute Leistung. Ob die jetzt gebraucht wird (ich kann damit leben, daß irgendwas erst nach 2 Tage da ist) sei mal dahingestellt. Die Problematik liegt eben in etwas anderem - siehe oben.

Deshalb kauft man einfach bei nem anderen Internethändler. Die Diskussion ist ja nicht Internethandel pro/kontra Einzelhandel.

Die Diskussion ist amazon oder nicht.

Beitrag melden
MatthiasPetersbach 21.11.2015, 19:20
211.

Zitat von steffen.ganzmann
... sparen uns nicht schnöde 30 Eurocents, sondern unbezahlbare Zeit und Nerven ...
…das sparen Sie bei anderen Internethändlern auch. Das ist kein Argument für Amazon.

Beitrag melden
bill_dauterive 21.11.2015, 20:31
212.

Zitat von malcom1
Alle die hier auf die Gewerkschaften schimpfen sei gesagt, dass sie ihren Urlaubsanspruch, bezahlte Krankentage, Urlaubsgeld, Weihnachtsgeld, Kündigungsfrist, usw. eben der Gewerkschaft zu verdanken haben.
Ich arbeite mein ganzes Leben schon selbständig.
Mit Gewerkschaften konnte ich noch nie etwas anfangen.
Ich bin strikt gegen bezahlte Krankentage und Kündigungsschutz weil das (für mich zumindest) auch für den Arbeitnehmer nur Nachteile bringt. Ich bin absoluter Anhänger von "hire and fire". Schon immer.

Beitrag melden
markus_wienken 21.11.2015, 20:34
213.

Zitat von klaus meucht
Einen eigenen Online Shop aufzumachen, ist zwar einfach und billig, aber wie macht man diesen bekannt? Wer geht schon auf die Seite www.meinLaden-hinterdupfingen.com um eine gewünschte Ware zu finden und dann zu bestellen? Ein kleiner Einzelhändler kann nicht über den Preis den Wettbewerb gewinnen, er muss es über den Service probieren. Der Einzelhändler hat viel kleinere Stückzahlen, und erhält damit schlechtere Lieferbedingungen. Damit er die Ladenmiete bezahlen und seine Mitarbeiter schulen und fair entlohnte kann, muss er pro verkaufte Ware mehr Gewinn erwirtschaften als der Marktführer.Der Einzelhändler kann es sich nicht leisten, über mehrere Jahre ggf. unter dem Einkaufspreis zu verkaufen. Genau dies hat Amazon lange gemacht, um die Monopolstellung zu erhalten. Der lokale Fernsehverkäufer kann punkten in dem er beim Kunden den Fernsehen selber anschließt, aber dies geht nur wenn dann der Fernseher deutlich teurer ist.
Schönes Beispiel mit dem Fernseher.
Das letzte große verbliebende Radio- und Fernsehfachgeschäft in der Mainzer Innenstadt (seit einigen Monaten nicht mehr da) habe ich 3x aufgesucht, 1x alleine, 2x mit meinen Eltern.
Der Wunsch war der Kauf eines Löwe Fernsehers, dem man nachsagt intuitiv in der Bedienung zu sein.

Einmal war (angeblich) der Internet Anschluss defekt, so dass man uns nicht die Smartfunktionen vorführen konnte (beim verlassen des Landen konnte icjh durch das Fenster sehen, wie einer der Angestellten mit dem PC an der Kasse surfte.

Bei 2 weiteren Besuchen war der Mitarbeiter, der sich mit Löwe Geräten auskennt nicht im Laden.
(Schon seltsam, dass in einem Fachgeschäft nur einer der 4 Mitarbeiter mit der Premiummarke, die dort angeboten wird vertraut ist.)

Meine Eltern und ich haben uns dann Online kundig gemacht und ebenso dort gekauft.

Beitrag melden
markus_wienken 21.11.2015, 20:47
214.

Zitat von klaus meucht
Ich befürchte es stirbt dann noch viel mehr. Wir erhalten seelenlose Innenstädte. Online Shoppen ist billig und bequem, aber nicht allzu sinnlich. Ich hatte eine nette Unterhaltung mit einer jungen Frau. Sie will die Waren sehen bzw. probieren. Sie will den Einkauf mit einem Cafe oder Kinobesuch verbinden und andere Leute beobachten. Das Einkäufen ist nicht nur ein funktioneller Akt, sondern es sollte ein Erlebnis sein.So ein Erlebnis muss man sich aber auch leisten können. Es ist die Jahrzehnte lange Lohnzurückhaltungspolitik die bewirkt dass beim Einkauf immer stärker der Preis dominierend wirkt. Das nützt vor allem den Billigheimern und den großen Konzernen. Viele Menschen sind nicht bereit (bzw. haben nicht die Möglichkeit) 100 Euro mehr zu zahlen, damit der Fernseher angeschlossen wird. Da wartet die ältere Generation lieber bis der Enkel mal zu Besuch kommt. Oder der Schrank wird selbst aufgebaut auch wenn er danach wackelt. Ein Handwerker könnte das besser.
Es werden nicht alle Läden verschwinden, Bekleidung wird überleben, zumindest die Ketten, Nischen (Hochzeits- Schwangerschaftsmode) vielleicht auch. Ebenso Nischen wie vielleicht Comicläden, High-End Hifi und dergleichen.
Ebenso Friseure, Drogerien, Lebensmittelmärkte, Parfum/Schminkbranche und ähnliches, dazu bleiben natürlich auch Cafes und Kinos erhalten.
Aber ich gebe Ihnen Recht, die Vielfalt bleibt auf der Strecke, ist mir aufgefallen, als ich nach mehr als 15 Jahren mal wieder die Dortmunder Fußgängerzone besucht habe.
Auch in Mainz schließen "alteingessene" Geschäfte, Ende des Monats mein Liebingsbuchladen. Wobei hier aber eindeutig Managementfehler im Vordergrund standen.

Die Innenstädte werden sich verändern, zweifellos.
Es obliegt den Städteplanern sich auf die neuen Gegebenheiten einzustellen und neue Konzepte zu finden, denn: Aufhalten läßtt sich der Trend zum Onlinehandel nicht.

Beitrag melden
klaus meucht 21.11.2015, 21:22
215. Arbeitsplätze

Zitat von swmf
Glückwunsch an die Einheitsgewerkschaft verdi. Trotz aller Warnungen von dritter Seite will man seit Jahren vollkommen absurde Forderungen durchsetzen und hoffte durch den angeblich schlechten Ruf des Arbeitgebers erfolgreich zu sein.
So wenig können die meisten der Mitarbeiter gar nicht verdienen, damit diese nicht durch Roboter ersetzt werden.

Langfristig sind diese Arbeitsplätze doch nicht zu halten.

Beitrag melden
klaus meucht 21.11.2015, 21:52
216. Hohe Automatisierung

Zitat von MatthiasPetersbach
…und dafür zahlen wir die gestiegenen Sozialkosten für das arbeitslose "überflüssige Personal"? Wie bescheuert und kurzsichtig ist denn das?
Wir müssen das Problem grösser sehen, als die Konzerne zu beschimpfen. Jedes Unternehmen will erfolgreich sein, wachsen und so hohe Marktanteile wie möglich zu haben. Jedes Unternehmen möchte so wenig Konkurrenz wie möglich haben. Ich sehe das Problem Amazon, möchte das Unternehmen nicht beschimpfen.

Internet und Automatisierung macht es möglich dass internationale Monopolisten entstehen.

Allerdings wird es ein Problem wenn die Herstellung und Verteilung von Waren und viele Dienstleistungen in den Händen weniger Firmen liegt. Viele Arbeitsplätze können durch Industrie 4.0 ersetzt werden. Und vor allem werden es gut qualifizierte Arbeitsplätze sein.

Aber es gibt kein Naturgesetz dass hohe Automatisierung zu Armut führt. Ganz im Gegenteil hohe Automatisierung ist die Voraussetzung für Wohlstand.

Was machen wir mit den vielen Menschen die zunächst arbeitslos werden? Die Erfahrung zeigt dass viele neue Arbeitsplätze entstehen können, an denen wir heute noch gar nicht denken.

Allerdings wenn nur die Konzerne vom technologischen Fortschritt profitieren, werden auch diese irgendwann einmal nicht mehr wachsen können - weil Kunden es sich immer weniger leisten können die Produkte zu kaufen.

Die Voraussetzung dass Automatisierung zu Wohlstand führt, ist dass der technologische Fortschritt weitergegeben wird

Beitrag melden
RadioLA 21.11.2015, 22:21
217. Der Einzelhandel trägt eine Mitschuld an seinem Untergang!

Die meisten Einzelhandelsgeschäfte sind doch selber Schuld an ihrem langsamen Untergang. Viele leben immer noch in einer Welt, in der das Geschäft eine reine Einkaufsstation ist, aus der die Kunden mit der erstandenen Ware möglichst rasch wieder verschwinden sollen. Sie vergessen in ihrer Phantasielosigkeit ganz einfach, daß die Atmosphäre im Laden genauso wichtig wie die angebotene Ware. Sehr viele Kunden erwarten heute, daß ein Einkauf auch eine angenehme und durchaus sinnliche Erfahrung sein sollte. Und sie vergessen dabei, daß solch eine sinnliche Erfahrung geradezu zum Verweilen einlädt und Einkäufe generieren kann, die der Kunde ansonsten nicht getätigt hätte.

Gerade hier in Los Angeles, wo die Supermärkte vorherrschen und generell ein gnadenloser Konkurrenzkampf tobt, haben viele kleine Geschäftsinhaber die Zeichen der Zeit erkannt und die Verkaufsphilosophie vollkommen umgestellt. Da gibt es Bäckereien mit Sofabereichen, wo auch kostenlos Kaffee oder Tee angeboten wird – mit sanfter Hintergrundmusik natürlich. Ähnliches kann man in Fahrradläden, HiFi-Läden oder Mode- und Schmuckgeschäften sehen. Sogar Optiker gehören dazu, die dann auch einen großen Flachbildschirm an der Wand haben (man darf dreimal raten, warum). Geschäfte, die z.B. Handys oder Tablets anbieten, lassen die Kunden die Geräte ausgiebig ausprobieren vor dem Kauf – in der Sofaecke und mit Kaffee. Auch wird sich oft um die Kinder gekümmert. Und Service ist wichtig!!! Bei Nichtvorhandensein eines Artikels kümmert sich der Verkäufer sofort, freundlich und professionell um die Verfügbarkeit und eine eventuelle Bestellung per Internet und vor den Augen des Kunden – nix da mit „Rufen Sie mich morgen mal an“! Eventuelle Garantiefälle werden stets im Sinne des Kunden gelöst – nix da mit „das müssen Sie aber zum Hersteller schicken“!

Die Beispiele sind ellenlang, und die erfolgreichen Einzelhändler mit dieser Verkaufs- und Servicephilosophie gibt es in einer steigenden Unzahl. Die Kunden schätzen das und zahlen ohne Murren auch etwas mehr Geld dafür. Natürlich erfordert das eine Extramühe und ein Umdenken. Aber genau das kann den Unterschied ausmachen zwischen Erfolg oder Untergang.

Als ich vor ca. 10 Jahren das letzte Mal Deutschland besucht hatte, war ich erschüttert, wie unfreundlich und barsch man in vielen Einzelhandelsgeschäften behandelt wird und wie wenig Sachkenntnis über die angebotene Ware herrscht. Und viele Geschäfte hatten dabei auch noch das Ambiente eines Publikumsraumes beim Polizeirevier.

Beitrag melden
d.selle 21.11.2015, 22:35
218. Was willman von einem asozialen Konzern auch anderes erwarten?

Der Laden ist weder der billigste noch interessiert den der Kunde wirklich. Es geht um Profit und Marktmacht das war's. Aber es geht auch ohne Amazon. Ich bin selbst online-Händler und biete auch Diennstleistungen an. Kommt ein Kunde mit einem Amazon-Produkt, darf er sich einen anderen Handwerker suchen. Das sind jedes Mal einige Euros die Amazon nicht verdient und die Kunden fangen an sich mit der Geschäftspolitik von diesem Möchtegernmonopolisten auseinanderzusetzen.

Beitrag melden
markus_wienken 22.11.2015, 08:44
219.

Zitat von buubsche
hier wird von Amazon Gegnern immer auf den Einzelhandel verwiesen. Nur frage ich mich, wo es in der Stadt den unabhängigen Einzelhandel noch gibt . Lebensmittel - Kette , Drogeriemarkt - Kette , Bäckerei - Kette , usw. Und die Angestellten sind meistens Minijobber und schlechter bezahlt als bei amazon.
Ja, damit haben Sie durchaus Recht.
Der "Zug" ist für den Einzelhandel - also Einzelhändler, die keiner Kette angehören - doch bereits abgefahren.

Es gibt Nischen wo einige überleben können (Comic-Spieleshops, High-End Hifi-Läden, lokale "PC-Schrauber", die neben Hardwareverkauf sich mit Serviceleistungen über Wasser halten und sicherlich gibt es noch andere Nischen)

Tante Emma Läden gibt es auch nicht mehr, ebenso wie Scherenschreifer und andere Läden/Berufe.

Die Welt verändert sich, der Onlinehandel wird weiter zunehmen und das läßt sich nicht aufhalten.

Meine Großmutter hat das Sterben der Tante Emma Läden verkraftet und wir werden das Sterben vieler Einzelhändler auch verkraften.

Beitrag melden
Seite 22 von 25
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!