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Analyse des Middelhoff-Urteils: Hart, aber gerecht
AP/dpa

Drei Jahre Gefängnis - ein hartes Urteil. Doch Thomas Middelhoff hat sich die hohe Strafe selbst eingebrockt. Vergleichbare Fälle zeigen: Mit ein wenig Demut vor Gericht wäre er weit glimpflicher davon gekommen.

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diskutant32 14.11.2014, 17:47
1.

Ich versteh die ganze Aufregung nicht. Dieser Mann hat Millionen für seine "hohe Verantwortung" kassiert und jetzt flippen alle aus weil sie auf einmal tatsächlich da ist, die "hohe Verantwortung". Aber wem mach ich hier irgendwas vor, es zeigt sich vortrefflich, daß "hohe Verantwortung" schon immer nur das billigste Argument für überhöhte Managergehälter war.
Die Sache mit den Hubschrauberflügen ist im großen ganzen sicher eine Lappalie, aber AL Capone wurde auch nicht für Mord sondern für Steuerhinterziehung hinter Gitter gebracht. Dieser Mann hat einen Konzern ruiniert und tausende Menschen arbeitslos gemacht, weil er und seine Kumpel den Hals nicht voll genug bekommen haben. Er wollte Platintauschierungen für seine goldene Badewanne und bekommt jetzt Fensterornamente aus rostfreiem Stahl, richtig so!

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mike48 14.11.2014, 17:51
2. Einer von vielen .....

Middelhoff ist nur einer von vielen sogenannten Top-Managern, die ihr Geld nicht Wert sind, aber trotzdem Unsummen kassieren. Man fragt sich, wann wird diesem Treiben ein Ende gesetzt. Middelhoff war nur ungeschickt, andere haben größere Summen "abgezogen" und keinen hat´s interessiert.

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expendable 14.11.2014, 17:54
3. Mitteldoof gelaufen...

...offenbar besitzt die Justiz nicht genügend Kunstverständnis um das Gesamtkunstwerk Middelhoff angemessen zu würdigen...Nee, aber mal im Ernst, was hat dieser ärgerliche Mensch getan, um immer wieder, auch an dieser Stelle, als "Top"-Manager verklärt zu werden? Dieser Mensch Middelhoff hat bisher keinen einzigen Tag seines Lebens wirklich gearbeitet, er weiß überhaupt nicht, was arbeiten und Arbeit wirklich bedeutet. Er hat seine Tage damit verbracht, sein hochstaplerisches Spiel zu spielen, am Spekulationsrad zu drehen und die Millionen zu zählen, die er sich mehr oder weniger unmoralisch zu verschaffen wußte. Er hat es nicht einmal besonders gut oder erfolgreich gespielt, sondern hat überall nur Scherbenhaufen und plattgetretene Existenzen hinterlassen. Dennoch ist er "top", aber was soll´s es gibt ja auch "Top-Terroristen"...Jetzt jedenfalls hat er die einmalige Chance, die Bedeutung des Wortes "Arbeit" aus erster Hand kennenzulernen, falls das Tütenkleben in der Knastwerkstatt ihm zumutbar ist...Aber auch da wird der Top-Häftling sicher seine gewohnten Extrawürste in jeder gewünschten Länge und Dicke erhalten...So etwa wird er sich kaum in einer Viermannzelle mit 3 stark tätowierten bulgarischen Fachkräften für Verschiedenes wiederfinden, und mit den Prolls aus dem Blechnapf futtern wird er garantiert auch nicht, sondern es werden sich schon Wege finden, damit er sich seine gewohnte Schampus-Kaviar-Diät in seine Luxuszelle mit Aussicht einfliegen lassen kann..

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Bondurant 14.11.2014, 17:58
4. Widersprüche

Dieser Angeklagte, dem ein paar Jahre lang alles zu Gold zu werden schien, was er anfasste, verlor irgendwann die Bodenhaftung. Nur Arbeit, nur Erfolg, nur Glanz und Gloria. Da verschwimmt die Grenze zwischen privat und dienstlich leicht. Mal eben nach New York im gemieteten Flugzeug, übers Wochenende nach Südfrankreich, mit Gästen zum "Lunch am Beach" und zum "Faulenzen auf dem Boot", dann zum "Powershopping" und abends hinein ins Nachtleben von Saint-Tropez "in fetziger Kleidung", auf Kosten des Unternehmens. In den Augen der Staatsanwaltschaft waren das ganz oder zum Teil betriebsfremde Ausgaben in Höhe von 935.000 Euro.

Die Autorin sprich selbst den "Augen der Staatsanwaltschaft" in denen "ganz oder zum Teul" gewisse Ausgaben betriebsfremd gewesen sein sollen. Außerdem von "Verlust der Bodenhaftung" beim Angeklagten. Kein Wort, dass etwa sich der Angeklagte dauerhaft zu bereichern versucht hätte. Aber trotzdem soll das Urteil "gerecht" sein? Schadensersatz, ok. Aber dafür drei Jahre in den Knast?

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francoilgatto1! 14.11.2014, 18:02
5.

Zitat von diskutant32
Ich versteh die ganze Aufregung nicht. Dieser Mann hat Millionen für seine "hohe Verantwortung" kassiert und jetzt flippen alle aus weil sie auf einmal tatsächlich da ist, die "hohe Verantwortung". Aber wem mach ich hier irgendwas vor, es zeigt sich vortrefflich, daß "hohe Verantwortung" schon immer nur das billigste Argument für überhöhte Managergehälter war. Die Sache mit den Hubschrauberflügen ist im großen ganzen sicher eine Lappalie, aber AL Capone wurde auch nicht für Mord sondern für Steuerhinterziehung hinter Gitter gebracht. Dieser Mann hat einen Konzern ruiniert und tausende Menschen arbeitslos gemacht, weil er und seine Kumpel den Hals nicht voll genug bekommen haben. Er wollte Platintauschierungen für seine goldene Badewanne und bekommt jetzt Fensterornamente aus rostfreiem Stahl, richtig so!
Wieso Aufregung, die meisten lesen den Artikel wahrscheinlich mit einer Art gemütlicher Genugtuung. Was der Mann abgeliefert hat, hat pathologische Züge. Im Anschluss an die Haft empfehle ich ihm den Eintritt in ein Trappistenkloster.

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kostenger 14.11.2014, 18:02
6. Die eigentliche Untreuehandlung war gar nicht angeklagt...

Big T. hat in all seinen Jobs genau das gemacht, wofür er von der Elite der deutschen Wirtschaft bezahlt worden ist: Solange die Firma mit Unternehmensberatern (natürlich auch Absolventen von Salem & Co.) zugemüllt, bis die Kasse leer war. DAS ist die wahre Untreue, die einen Betrieb ohne Gegenleistung ausblutet, bis auch der letzte Angestellte auf der Straße sitzt. Merkwürdig nur, dass die ganzen Berater länger ihr Stundenhonorar erhalten haben, als alle anderen, oder?

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braman 14.11.2014, 18:02
7. Hart? Gerecht?

Das Urteil ist weder hart noch gerecht, allerdings nur wenn Vergleiche gezogen werden zu anderen Untreue-Urteilen welche gefällt wurden an Arbeitnehmern, die mit weit weniger krimineller Energie deutlich geringere Schäden verursacht haben.
Beispiele, nicht nur die in den Medien erwähnten, gibt es zuhauf.
Die andere Frage für mich ist allerdings, was eine solche "Strafe" bewirken soll.
Der Mann hat offensichtlich nicht das geringste Unrechtsbewußtsein, so wie fast alle Straftäter.
Da wäre wohl der Besuch eines Intensievlehrgangs in den Mechanismen der kognitiven Dissonanz sehr viel hilfreicher.

MfG: M.B.

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stefan kaitschick 14.11.2014, 18:06
8. So geht's nun auch wieder nicht

Viel zu selten werden Wirtschaftsverbrechen am Ende mit Knast geahndet. Aber 3 Jahre in den Bau wegen etwas arg lockerem Spesenumgang? Das klingt für mich wie Knast als Strafe für Erfolgslosigkeit. Solange Firmen noch bei Kasse sind, lässt sich Vater Staat nur allzugern auf Vergleiche ein, die die Missetäter persönlich verschonen. Aber wenns nix zu holen gibt, dann kann man ja mal ein Exempel statuieren. Kost ja nix.

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schlaumischlumpf 14.11.2014, 18:16
9. Schlecht beraten...

Dem Anwalt sollte eigentlich die Hybris seines Mandanten bekannt gewesen sein. Da ist Großkotzigkeit im Auftreten nicht wirklich hilfreich. Es zeichnet herausragende Manager aus, dass sie sich nicht nur mit Jasagern und Schleimleckern umgeben. Hätte hier Middelhof mindestens ein paar Nächte im Knast erspart (vielleicht haben die aber auch was Gutes zur Erdung)... Das (Reise-) Verhalten von Middelhof erscheint unangemessen, das Urteil aber trotzdem vergleichsweise hart...

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