Forum: Wirtschaft
Angespannter Wohnungsmarkt: Kabinett beschließt Verlängerung der Mietpreisbremse
Jens Kalaene/zb/dpa

Die Mietpreisbremse geht in die zweite Runde. Das Bundeskabinett will damit die Mietentwicklung bis 2025 dämpfen. Eine ebenfalls beschlossene Reform der Maklerprovision stößt auf Kritik.

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thomasschöffel 09.10.2019, 13:05
1. Gut gemeint, ist noch lange nicht...

Betriebswirtschaftlich gesehen, gehören die Makler in den Bereich Vertrieb. Die Immobilien werden ja nicht für die grüne Wiese hergestellt. Und, wie bei einem Supermarkt, werden die Kosten für die Kassiererin nicht extra berechnet, sondern sind in die Produktpreise inkludiert. Bei der Maklerprovision wird der Verkäuferanteil in Zukunft selbstverständlich dann auch inkludiert und über die beispielsweise in Hessen höhere Grunderwerbsteuer zahlt der Kunde dann nicht wie geplant, weniger, sondern mehr. Man erreicht genau das Gegenteil von dem, was geplant ist. Das nennt man Inkompetenz. Hauptsache, im Schaufenster sieht es gut aus. Es ist geradezu unfaßbar.

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ziehenimbein 09.10.2019, 13:40
2. @ #1: So isses!

Eigentlich war es früher doch immer so, dass der Makler sowohl vom Verkäufer (Innenprovision) als auch vom Käufer (Außenprovision) genommen hat. Durch die hohe Nachfrage und das geringe Angebot haben einige Makler angefangen nur noch vom Käufer etwas zu verlangen. Also wird es jetzt statt z.B. 3,57 Prozent Außenprovision auch wieder die Innenprovision in gleicher Höhe geben. Das wird die Makler sicher sehr freuen und die Finanzminister noch mehr.

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bobrecht 09.10.2019, 13:59
3. Eintreten wird das Gegenteil

An sich ist es einfach zu verstehen: für Bau, Renovierung, Instandsetzung und den Erhalt von Wohnraum wird Kapital benötigt. Dieses Kapital stellen entweder private Investoren oder der Staat zur Verfügung. Private Investoren werden sich angesichts eines derartigen Mietdeckels zurückziehen - bleibt nur noch der Staat... Diese Situation gab es ja schon vor dem Fall der Mauer. Der Mietpreisdeckel wird dazu führen, dass die Bausubstanz in Berlin wieder verfällt. Offensichtlich haben die Linken im Senat die Vergangenheit ausgeblendet, sie agieren populistisch und kurzsichtig.

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biene69m 09.10.2019, 15:10
4. Frechheit

das jetzt die Markler Provision geteilt wird!
Für alle die in den letzten Jahren sich Eigenheim angeschafft haben.
Zudem kommt es jetzt zu Preisaufschläge.

Ich werde nicht mehr Wählen gehen, alles Politiker sehen uns die jeden Tag arbeiten gehen, als das aller letzte an.

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thomasschöffel 09.10.2019, 15:15
5.

Zitat von ziehenimbein
Eigentlich war es früher doch immer so, dass der Makler sowohl vom Verkäufer (Innenprovision) als auch vom Käufer (Außenprovision) genommen hat. Durch die hohe Nachfrage und das geringe Angebot haben einige Makler angefangen nur noch vom Käufer etwas zu verlangen. Also wird es jetzt statt z.B. 3,57 Prozent Außenprovision auch wieder die Innenprovision in gleicher Höhe geben. Das wird die Makler sicher sehr freuen und die Finanzminister noch mehr.
Das ist nicht ganz richtig. Wenn Sie früher an Neubauprojekten das Schild lasen "provisionsfrei für den Käufer", war die Maklervergütung in den Kaufpreis eingepreist, denn die Jungs, die da an Wochenenden in ihren zugigen Containern Dienst schoben, bekamen natürlich auch ihr Geld. Man konnte aber wahlweise verschiedene Formen einsetzen, was teilweise günstig war. Die jetzt geplante Version sieht nur optisch für den Verbraucher besser aus. Ist sie aber nicht.

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MichaelundNilma 09.10.2019, 16:08
6. Staatssozialismus als Marktteilnehmer

Es ist allgemein bekannt, daß der Staat als Unternehmer über keinerlei unternehmerische Fähigkeiten verfügt. Das endete bislang immer im Desaster. Das betrifft auch die Verlängerung der Mietpreisbremse. Die privaten Vermieter und Baugenossenschaften sitzen hier zwischen allen Stühlen. Sie werden für die Mietexesse von 14 Prozent gewerblicher Vermieter bestraft. Auf der einen Seite sind sie, was Kostensteigerungen bei Handwerkern und Banken anbelangt, dem freien Markt ausgeliefert und auf der anderen Seite stülpt der Staat hier den Vermietern den staatlichen Sozialismus über. Damit gefährdet er wiederum die Existenz vieler Vermieter. Wie die Vermieter damit fertig werden, ist ihr Problem. Bei allem Verständnis, ein Staat welcher Vermietungsunternehmen über die Modernisierungsumlage, und diese darf dann auch noch steuermindernd geltend gemacht werden, solche Renditen und Mietsteigerungen erst ermöglicht, muß sich fragen lassen, warum er nicht einfach hier eingreift. Statt dessen ermöglicht er Vermieterunternehmen weiterhin exorbitante Mieterhöhungen und damit Gewinne durch die Modernisierungsumlage und den privaten Vermietern exorbitante Verluste bis zur Privatinsolvenz. Das bittere daran ist, das es viele Rentner trifft, welche durch Vermietung Vorsorge für das Alterbetreiben.

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Wuschel_4711 10.10.2019, 23:47
7.

Zitat von thomasschöffel
Betriebswirtschaftlich gesehen, gehören die Makler in den Bereich Vertrieb.
Im Forum hier gebe ich tendenziell ja eher den "neoliberalen Miethai-Versteher". Allerdings sei folgendes angemerkt: Institutionelle Anbieter haben normalerweise einen eigenen Vertrieb und beauftragen i.d.R. keine externen Makler.

Zu oft ist es der Fall, dass nicht nur der Käufer, sondern auch der Verkäufer im Prinzip als Verbraucher anzusehen ist. Dieser trifft nun auf den Profi, welcher anbietet, für den Verkäufer "kostenfrei" die Immobilie zu vermarkten.

Im Alleinauftrag.

Wie wir am Beispiel "Mietendeckel" erkennen können, ist wirtschaftlicher Sachverstand beim Verbraucher jedoch ein knappes Gut.

In einer solchen - nicht gerade unüblichen - Konstellation kommt es daher zu einer strukturellen Wettbewerbsverzerrung aufgrund asymmetrischer Verteilung wirtschaftlicher Kompetenz.

Der angepeilte staatliche Eingriff könnte daher - wie beim Verbraucherschutz allgemein - zu *mehr* - statt weniger - Wettbewerb führen.

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thomasschöffel 10.10.2019, 10:34
8.

Zitat von Wuschel_4711
Im Forum hier gebe ich tendenziell ja eher den "neoliberalen Miethai-Versteher". Allerdings sei folgendes angemerkt: Institutionelle Anbieter haben normalerweise einen eigenen Vertrieb und beauftragen i.d.R. keine externen Makler. Zu oft ist es der Fall, dass nicht nur der Käufer, sondern auch der Verkäufer im Prinzip als Verbraucher anzusehen ist. Dieser trifft nun auf den Profi, welcher anbietet, für den Verkäufer "kostenfrei" die Immobilie zu vermarkten. Im Alleinauftrag. Wie wir am Beispiel "Mietendeckel" erkennen können, ist wirtschaftlicher Sachverstand beim Verbraucher jedoch ein knappes Gut. In einer solchen - nicht gerade unüblichen - Konstellation kommt es daher zu einer strukturellen Wettbewerbsverzerrung aufgrund asymmetrischer Verteilung wirtschaftlicher Kompetenz. Der angepeilte staatliche Eingriff könnte daher - wie beim Verbraucherschutz allgemein - zu *mehr* - statt weniger - Wettbewerb führen.
Als ich mich vor zwanzig Jahren als Makler selbständig machte, passierte folgendes: Nach Einrichtung des Büros suchte ich durch Werbung Vermieter, die mir Ihre Wohnungen zur Vermietung geben würden. Aber wochenlang passierte nichts. Als ich dies eines Abends jemandem in der Kneipe erzählte, war der sehr froh, mich kennenzulernen: "Ach, Makler sind Sie. Das ist ja prima, ich suche gerade eine drei-Zimmer-Wohnung..." Ich machte ihn darauf aufmerksam, daß er aber ein Provision zu zahlen hätte, worauf er verblüfft schaute und sagte. "Ja, wieso ? Das ist doch klar. Ja natürlich." Nach kurzer Zeit hatte ich ihm einige Wohungen gezeigt und die dritte nahm er dann. Mein erstes Geschäft. Ich lernte also, wer der eigentliche Auftraggeber ist.

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Wuschel_4711 10.10.2019, 12:33
9.

Im Ergebnis hat die Einführung des Bestellerprinzips bei der Vermietung zu einem *Sinken* der Preise für Maklerdienstleistungen geführt. Da hier die Preisfindung dem Markt überlassen wurde, ist dies ein Indikator, für *mehr* Wettbewerb.

Die Anzahl der Wohnungen, welche aufgrund nicht verfügbarer Maklerdienstleistungen nun leider leer stehen müssen, dürfte überschaubar sein.

Wenn - analog zum Kartellrecht - ein staatlicher Eingriff zu mehr Wettbewerb führt, so ist dieser gesamtgesellschaftlich als positiv - weil zielführend - zu bewerten.

Wie wir alle (ausser Frau Lompscher) vor Jahren gelernt haben, ist der ultimative Zweck des Wettbewerbs die bedarfsgerechte Versorgung mit günstigen und qualitativ hochwertigen Waren und Dienstleistungen.

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