Forum: Wirtschaft
Angespannter Wohnungsmarkt: Kabinett beschließt Verlängerung der Mietpreisbremse
Jens Kalaene/zb/dpa

Die Mietpreisbremse geht in die zweite Runde. Das Bundeskabinett will damit die Mietentwicklung bis 2025 dämpfen. Eine ebenfalls beschlossene Reform der Maklerprovision stößt auf Kritik.

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thomasschöffel 10.10.2019, 14:47
10. Nebenwirkung durch Bestellerprinzip

Bis vor dem Wechsel zum neuen Bestellerprinzip hatten wir eine spezielle Kraft im Büro, die jeden noch so unbedeutenden Immobilienhinweis auswertete von der Zeitung über die Dorfpostille bis hin zu Aushängen beim Frisör, im Supermarkt oder in der Schützenzeitung. Wir haben also jedes noch so kleine Immobilienangebot gesichtet und auf den üblichen Plattformen veröffentlicht. Da jedes Immo-Büro so gearbeitet hat, waren manche Wohnungen sogar doppelt und dreifach im Internet vertreten. Da es also ein mannigfaches Angebot gab, waren die Preise also auch noch vertretbar. Die Bundesregierung hat jedoch durch ihren gutgemeinten, aber schlecht gemachten Mieterschutz das Gegenteil von dem erreicht, was geplant war. Dadurch, daß der Makler jetzt objektbezogen nur noch einen Auftrag pro Mieter abwickern darf, das Objekt also, falls der Mieter neinsagt, "verbrannt" ist, lohnt sich das einfach nicht mehr. Die Leute nehmen doch nicht jeden Scheiß, sondern gucken sich durchschnittlich fünf bis sieben Immobilien an, bevor sie entscheiden. Wir haben also die bislang prima funktionierende Suche für die Mieter einstellen müssen. Wir haben also die ganzen Plätze in den Portalen storniert und machen nur noch Verkauf. Da das natürlich fast alle Büros auch so gemacht haben, ist das sichtbare Mietangebot um 90% geschrumpft und die Mietpreise durch die Decke gegangen. Das war für jeden halbwegs intelligenten Menschen vorauszusehen und wir haben uns im Vorfeld die Finger wundgeschrieben, um das den Zuständigen zu verklickern, Genutz hat es nichts. Ich nenne sowas Inkompetenz. Anstatt daß die Mieter einmal für die Suche einen Makler zu entlohnen hatten, müssen sie jetzt ohne akler viel länger suchen und haben außerdem noch die Irrsinnspreise an der Backe. Ach ja, die Sekretärin, die nur die Aufgabe hatte, die Kleinanzeigen und so zu durchforsten, hat ihren Job natürlich auch verloren.

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Wuschel_4711 10.10.2019, 18:06
11.

Zitat von thomasschöffel
Da das natürlich fast alle Büros auch so gemacht haben, ist das sichtbare Mietangebot um 90% geschrumpft und die Mietpreise durch die Decke gegangen.
Es gibt also jetzt jede Menge günstig zu vermietender Wohnungen, von denen aber leider keiner weiss?

Die Kaufpreise sind viel stärker gestiegen als die Mieten, obwohl es hier das Bestellerprinzip bislang nicht gibt. Wie ist das denn möglich?

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k70-ingo 10.10.2019, 22:35
12.

Zitat von Wuschel_4711
Es gibt also jetzt jede Menge günstig zu vermietender Wohnungen, von denen aber leider keiner weiss? Die Kaufpreise sind viel stärker gestiegen als die Mieten, obwohl es hier das Bestellerprinzip bislang nicht gibt. Wie ist das denn möglich?
Diese nicht der Öffentlichkeit zugänglichen Wohnungen gibt es in der Tat, wobei es mehr Eigentumsobjekte als Mietwohnungen sind.

In begehrten Wohnlagen gehen Wohnungen und Häuser heutzutage unter der Hand weg, mittels Beziehungen und Mundpropaganda in der Nachbarschaft, insbesondere in übersichtlichen Gegenden, wo man sich kennt.

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thomasschöffel 11.10.2019, 06:32
13. zwei Fragen, zwei Antworten

Zitat von Wuschel_4711
Es gibt also jetzt jede Menge günstig zu vermietender Wohnungen, von denen aber leider keiner weiss? Die Kaufpreise sind viel stärker gestiegen als die Mieten, obwohl es hier das Bestellerprinzip bislang nicht gibt. Wie ist das denn möglich?
Das ist leicht zu erklären: Im Kaufsektor kaufen die Leute, weil es sonst kaum noch andere Möglichkeiten für den Investor gibt, anständige Renditen ohne Risiko zu erzielen. Stichwort Nullzinspolitik der EZB. Da spielt die Maklervergütung überhaupt keine Rolle.
Im Mietsektor ist es so, daß der allergrößte Vermietungsbestand nicht in den Händen einiger großer Gesellschaften ist, sondern sich zusammensetzt aus einer riesigen Summe von Klein- und Kleinstanbietern. Diese sind im Großteil sechzig Jahre oder älter und zu einem ersttaunlich hohen Anteil noch nicht mal computeraffin. Was meinen Sie, wo wir als Maklerbüro die meisten Immobilienangebote für Vermietungen finden? In Provinzblättchen und Lokalpostillen. Ins Internet sind die erst durch uns gekommen. Dafür haben sogar eine eigene Arbeitskraft gehabt. Und es hat sich ja nichts daran geändert. Wenn heute jemand von Berlin nach Frankfurt will und sich im Internet die "üblichen Verdächtigen" anschaut, entgeht ihm -genau wie früher- der ganze Provinz- und Lokalmarkt. Der ist einfach nicht im Internet. Und wie sollen sie es als Berliner wissen, welche Lokablättchen es dort gibt? Sie brauchen mir ja nicht zu glauben, es ist aber so. Ich mache das seit mehr als zwanzig Jahren.

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Wuschel_4711 11.10.2019, 10:57
14.

Bei den Kaufpreisen ist es also das knappe Angebot bei steigender Nachfrage - bei den Mieten liegt es jedoch einzig daran, dass man im Lokalanzeiger von Hohenmölsen nachschaun müsste, um eine der vielen dort angebotenen günstigen Mietwohnungen am Ku'damm zu ergattern?

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spmc-12355639674612 12.10.2019, 11:05
15. Das war jedoch zu erwarten

Zitat von Wuschel_4711
Es gibt also jetzt jede Menge günstig zu vermietender Wohnungen, von denen aber leider keiner weiss? Die Kaufpreise sind viel stärker gestiegen als die Mieten, obwohl es hier das Bestellerprinzip bislang nicht gibt. Wie ist das denn möglich?
Und zwar war diese Entwicklung deshalb zu erwarten, weil bei niedrigeren Zinsen auch die Renditen auf sichere Anlagen sinken. Das hatte ab etwa 2013 zur Folge, dass die Immobilienrenditen drastisch nach unten gingen und sich aus genau diesem Grunde die Kaufpreise in Relation zu den Nettomieteinnahmen erhöhen mussten. Wem diese Korrelation bewusst war, der hat also vor 5 Jahren kräftig Immobilien gekauft, da der Immobilienmarkt relativ träge ist (es handelt sich schließlich um eher langfristige Geldanlagen) und klar war, dass die Preise durch die Niedrigzinsen erst mit einiger Verzögerung steigen würden.
Das Bestellerprinzip spielt im Übrigen für Kaufentscheidungen kaum eine Rolle, da jeder geübte Investor seine Finanzierung und Rendite penibel durchrechnet. Wer die Maklergebühr bezahlt, ist dafür weitgehend egal - die Verkäufer preisen sie ohnehin ein, wenn sie es bezahlen müssen. Es führt höchstens zu einem etwas geringeren Eigenkapitalbedarf, was die Preise aber eher nach oben treibt als drückt.

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thomasschöffel 12.10.2019, 13:34
16. Hahaha, Hohenmölsen

Zitat von Wuschel_4711
Bei den Kaufpreisen ist es also das knappe Angebot bei steigender Nachfrage - bei den Mieten liegt es jedoch einzig daran, dass man im Lokalanzeiger von Hohenmölsen nachschaun müsste, um eine der vielen dort angebotenen günstigen Mietwohnungen am Ku'damm zu ergattern?
Fast richtig: Die freien Wohnungen in Hohenmölsen - wo immer das ist - sind in den Gazetten dort zu suchen und zu finden. Für die Wohnungen am Kurfürstendamm in Berlin befürchte ich allerdings gibt es keine diesbezüglichen Lokalblätter, aber man weiß ja nie. Die "zweite Hand" kam mir schon zu meinen Studentenzeiten arg linkslastig vor. Als Makler würde ich mich in eins der Kaffeehäuser am Ku´Damm setzen und anfangen, mit alten Damen ins Gespräch zu kommen. Die übernehmen da vermutlich die Funktion der Lokalblätter.

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spmc-12355639674612 12.10.2019, 17:12
17. Hohenmölsen

Zitat von thomasschöffel
Fast richtig: Die freien Wohnungen in Hohenmölsen - wo immer das ist - sind in den Gazetten dort zu suchen und zu finden. Für die Wohnungen am Kurfürstendamm in Berlin befürchte ich allerdings gibt es keine diesbezüglichen Lokalblätter, aber man weiß ja nie. Die "zweite Hand" kam mir schon zu meinen Studentenzeiten arg linkslastig vor. Als Makler würde ich mich in eins der Kaffeehäuser am Ku´Damm setzen und anfangen, mit alten Damen ins Gespräch zu kommen. Die übernehmen da vermutlich die Funktion der Lokalblätter.
Dass ich den Namen von Hohenmölsen einmal in diesem Forum lesen darf, grenzt schon fast an ein Wunder. Ich habe mir dort tatsächlich einmal eine (damals spottbillige) Wohnung angeschaut, von einem Kauf jedoch Abstand genommen, weil ich gewisse Zweifel an der zukünftigen Entwicklung dieses Ortes hatte - die dortigen Einwohner werden mir das hoffentlich nachsehen.

Hohenmölsen liegt übrigens - für alle, die noch nicht nachgeschaut haben - ca. 20km südwestlich von Leipzig und 10km nördlich von Zeitz nah an der A9 und fast mitten im dortigen Braunkohlentagebau, der in ca. 15 Jahren zu einer idyllischen Seenlandschaft mutieren soll (einige Seen gibt es bereits).

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Wuschel_4711 16.10.2019, 13:14
18.

Insbesondere sollte es verwundern, wieso die Mieten in HHM nicht ebenfalls durch die Decke gegangen sind. Das Bestellerprinzip gibt es ja auch dort (ebenso wie das billige Geld von der EZB).

Könnte vielleicht - aber auch nur gaaaaz eventuell - doch der Nachfrageüberhang für die "Mietexplosion" in den Metropolen ursächlich sein?

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