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Angst vor Invasion: Was Populisten dem Volk vorgaukeln
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In Österreich haben die Rechten just in den Dörfern an Stimmen gewonnen, in denen vor 500 Jahren die Türken gewütet haben. Aber erst, seit die FPÖ damit Kampagne gemacht hat. So schnell lässt sich heute mit Unsinn der eine oder andere verdummen.

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muellerthomas 12.10.2018, 16:14
30.

Zitat von Die Aufklärung
Licht in dieses sonderliche Dunkel der Korrelatiion von Hetze-Erfolg Straches mit den Türkeneinfällen vor 500 Jahren würde wohl eine Analyse der vielen kleinen Dorfmuseen, deren Kurator/innen meist Lehrer/innen sind, bringen. Dort werden die "muselmanischen" Untaten und die Heldengesänge der Christen in oft vielerlei Erscheinungsformen aufbewahrt und an Festtagen der Wichtigtuerei dann hervorgekramt. Wobei die vorgelagerten Spiegelbilder der Kreuzfahrer-Massaker selbstredend ausgespart bleiben. Da ist nix geheimnsiumwoben, das kann jeder mit Kenntnis der dörflichen/kleinstädtischen Infrastrukturen nachvollziehen.
aber wieso hat das vor 2005 offenbar keine Rolle gespielt?

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kajoter 12.10.2018, 16:15
31.

Meiner Meinung nach der falsche Ansatz.
Ich würde hingegen in die Geschichte schauen und die zeigt auf, dass seit der letzten, großen rechtsnationalen Welle eine Art von Schamfrist vergangen zu sein scheint. Die Zeugen des 2. Weltkriegs sterben aus und auch diejenigen, die die unmittelbaren Folgen noch hautnah erlebt haben, sind alt geworden. Politiker, die sich damals der einstigen Geschehnisse bewusst waren und sich um Aufarbeitung und Wiedergutmachung kümmerten, wären sprachlos ob der momentan herrschenden Nationalismuswelle.
Und genau diese wäre der zweite Ansatz. Es ist ein internationales Phänomen, ein Schwarmverhalten, die Emanzipation des geistigen Prekariats oder wie immer man es nennen mag. Zum Glück besitzt sie eine Gallionsfigur in Trump und ich bin mir sehr sicher, dass sie mit seiner Abwahl oder Entmachtung weit mehr als nur ihre Speerspitze verlieren wird.
Es ist ja ganz amüsant, diese Beispiele an Unfug zu präsentieren, den die Rechtsnationalen in Bezug auf einen angeblichen historischen Kontext von sich geben. Aber es erinnert fatal an die Debatten, die um die Parole "Lügenpresse" einsetzten. Wo nichts ist - da ist nichts.
Es ist natürlich nicht so, dass die Medien keine Fehler machten oder nicht verbesserungswürdig wären. Aber der Begriff Lügenpresse ist nichts weiter als ein Kampfbegriff, um der negativen Presse entgegenzuwirken und um einzelne Verlautbarungen als "fake news" abzutun.
Mit anderen Worten: Man kann ihn nicht ernst nehmen, so wie eben auch die Gsschichte mit den Besetzungen durch die Türken. Der Kommentar reiht sich daher mMn in die Reihe der Überinterpretationen und -reaktionen ein, die diese Welle nach sich zieht.

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KaulQuappe 12.10.2018, 16:15
32.

"Irre, aber wahr": von solcher Wissenschaft überzeugt kann Herr Fricke natürlich auch gleich die Ergebnisse der streng wissenschaftlichen Populismusforschung auf Piefke-Land übertragen. Respekt!

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Calen 12.10.2018, 16:17
33. Reale Angst

Zitat von familie.schoch
Sehr geehrter Schreiber, Die Ängste im Volk sind real vorhanden. Genauso wie die Morde und Belästigungen durch Flüchtlinge real sind. Mit freundlichen Grüßen Familie Schoch
Sie bestätigen den Autor im vollem Umfang. Vielen Dank hierfür. Angst ist ein Gefühl. Die Frage ist aber, ob der Angst eine reelle Bedrohung gegenüber steht. Natürlich gibt es Verbrechen durch Flüchtlinge, aber die Frage ist, ob hieraus eine reelle Gefahr entsteht, die sich in ihrer Person verwirklicht. Haben Sie auch Angst, dass ihre Kinder geistige und körperliche Fehlentwicklungen aufgrund der hohen Stickstoffoxide durch Diesel bekommen? Haben Sie Angst, dass ihre Kinder Opfer eines deutschen Pädophilen werden (in dieser Statistik sind Deutsche Spitzenreiter)? Wenn nein, warum? Es ist real, dass Deutsche Kinder missbrauchen. Es ist real, dass Abgase Auswirkungen auf den Gesundheitszustand haben? Es stellt sich also die Frage, wie Populisten die Ängste für ihre Sache nutzen und ob diese Angst der Wirklichkeit entspricht. Darum geht es in diesem Artikel. Die Chancen, dass Österreich von Türken überrannt und geplündert wird, dürfte zumindest in Zeiten der EU und NATO unwahrscheinlich sein. Die Österreicher sollten sich lieber mal ne Karte des alten Groß-Ungarn anschauen...

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rieberger_2 12.10.2018, 16:18
34. Verhaltensgenetik

Es gibt ein Teil der Genetik, die sich damit beschäftigt, wie Katastrophen in das Erbgut der betroffenen Bevölkerung übernommen werden und die Sorgen und Ängste vererbt werden. So wurde in einem Artikel, die Quellenangabe kann ich leider nicht mehr benennen, das Verhalten der Deutschen zu Recht und Ordnung und Sicherheit auf den 30jährigen Krieg zurückgeführt. Der liegt immerhin auch schon fast 400 Jahre zurück.
Wenn an dieser wissenschaftlichen Theorie etwas dran sein sollte, dann wird einiges erklärbar. Wohlgemerkt: erklärbar, vielleicht nicht nachvollziehbar und schon gar nicht entschuldbar.

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spadoni 12.10.2018, 16:19
35. familie.schoch

Sie scheinen auch zu den "besorgten Bürger" zu gehören, die glauben die rechten oder rechtsextremen, würden alles besser machen. Ein fataler Irrtum, denen sind die "besorten Bürger" doch total egal!! Denen geht es nur darum die Macht zu übernehmen, indem Sie Hass sähen, die Gesellschaft spalten und die Demokratie zerstören.

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menefregista 12.10.2018, 16:21
36. Türkenkriege und Rechtspopulismus in Polen

"Nach Berechnungen der beiden Forscher vom Ifo-Institut in Dresden bekommt die FPÖ in diesen Regionen anteilig ein Zehntel mehr Wähler als überall dort, wo die Türken anno 1529 (und nochmals 1683) nicht vorbeikamen."
An die beiden Ökonomie - Forscher: Wie kommt es, dass die Polen von einem Beitritt der Türkei und der Einwanderung von Muslime in ihrem Land gar nichts halten, obwohl noch keine muslimische Belagerung in ihrer Geschichte jemals stattfand ?
Jan Sobietski aus Polen hätte jetzt zu dieser Studie gesagt: " Ich hab' das kommen sehen, dass die Osmanen es später nochmals auf friedlichem Wege versuchen werden, das Abendland einzunehmen ".
Aber Leute, " noch ist Polen nicht verloren " ! :)

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m.m.s. 12.10.2018, 16:21
37. Kausalität versus Korrelation

die Extreme der Parteienlandschaft haben eine ideologisierende Geistesschulung hinter sich, in der Rationalität, Logik und Realität nicht vorkommen. Es ist daher nicht überraschend, dass in dieser Geisteshaltung Kausalität nicht von Korrelation unterscheiden werden kann. Das Ergebnis der Wahlforscher bleibt daher im Nebel in Bezug auf die Ursache (Kausalität). Was präsentiert wird ist dass die Anzahl der Storchenester mit der Anzahl der Geburten eben nicht zusammenhängen (Korrelation).

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ihawk 12.10.2018, 16:22
38. Allgemeingültigkeit

So gesehen sind alle Parteien Populisten - die einen mehr, die anderen weniger. Wirklich ehrlich ist doch keine Partei und die Regierung schon gleich garnicht.

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mostly_harmless 12.10.2018, 16:22
39.

Zitat von roland.vanhelven
"populus" ist latein und bedeutet "Volk". alle politiker sollten also populisten sein, also dem volk dienen. leider wird dieses wort in den medien als negativ gewertet und auch so eingesetzt. banken und konzernen zu dienen ist nicht im sinne des volkes.
Auch an sie der Rat: wenn man die Bedeutung eines Wortes nicht kennt, ist es sinnvoll, ein Lexikon zu bemühen. Sich selbst eine Bedeutung auszudenken, ist hingegen kontraproduktiv.

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