Forum: Wirtschaft
Anlageberatung: Das Straf-Protokoll
DPA

Immer deutlicher zeigen sich die Folgen der Regulierungswut in der Anlageberatung: Wer Sparer um jeden Preis vor Verlusten schützen will, nimmt ihnen auch die Chance auf Erträge.

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meckeronkel 22.12.2013, 14:52
1. Ursachen der Risikoscheu

> Allerdings verstetigen die ungleichen Dokumentationspflichten die Risikoscheu.

Naja, die Frage ist, was nun die wirklichen Ursachen für eine zunehmende Risikoscheu sind. Ob es wirklich nur die Protokolle sind, wage ich doch stark zu bezweifeln. Die Scheu könnte ja nun auch etwas mit der realen Spekulationslage zu tun haben.
Ansonsten finde ich persönlich, dass das Beratungsprotokoll und die Offenlegungspflicht der Provisionen zwei richtige Schritte in die richtige Richtung sind. Für die nicht unerheblichen Provisionen kann man auch ruhig ein Beratungsprotokoll erstellen, ich sehe nicht, wo hier das Problem bestehen sollte.

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ssommerf 22.12.2013, 14:56
2. Einseitig

Extrem einseitige Sichtweise. Der Sinn und Yweck der Verordnung ist nicht - wie es die gebeutelten Vertriebsmitarbeitert der um so mehr gebeutelten Banken darstellen mögen - hohe Renditen zu erziehlen sondern die Verpflichtung die Kunden, zumindest mehr als vorher, über Risiken aufzuklären.
Ausser dem Gejammer "da kann ich ja gar nichts mehr verkaufen" wären ein paar warme Worte warum Aktien gerade auf Indexhöchständen DIE Renditechance schlechthin sein sollen gut gewesen.
Wenn die armen Banker so viel Interesse an der Rendite für die Kunden haben dürfen sie sich gerne die Zeit nehmen diese umfassend aufzuklären.

Der Tenor dieses Artikels (der des verlinkten FAZ Artikels) sagen jedoch einfach nur "Macht zu viel Mühe, lohnt sich für mich nicht". Übersetzt meine persönlich Gewinnmaximierung erreiche ich anders.

Bei der hier zur Schau gestellten Einstellung der "Beratung" kann ich nur sagen die Verordnung war schon ganz richtig. Drücken wir die Daumen das die vorhandenen Lücken noch geschlossen werden.
Wenn dann eine gewisse Anzahl von "Beratern" erkennt das Beratung doch nicht so ganz das ist was sie machen möchten hat das ja auch dort zu einem Erkenntnissgewinn geführt.

Zum Abschluß deutlich - Wer heute Knock-Out Derivate auf Solarfirmen kaufen möchte wird nicht gehindert, auch wenn das hier so dargestellt wird. Hier wird nur die grenzenlos Faulheit und Raffgier der Branche hofiert.

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meckeronkel 22.12.2013, 14:58
3. Höheres Risiko = höhere Provisionen

noch ein klitzekleiner Nachtrag:
Auch die Behauptung, dass ein Berater wegen des Protokolles und der Haftung (für fehlende Warnungen, falsche Beratung etc.) keine riskanten Anlagen mehr empfiehlt, halte ich auch für Humbug. Denn je riskanter eine Anlage ist, umso höher wird auch seine Provision ausfallen. Insofern wird er eben doch belohnt für sein größeres Engagement, er muss eben nur nachweisen, dass er korrekt beraten hat.

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vulcain 22.12.2013, 15:09
4.

Mit fast 40 Jahren leidvoller Erfahrungen in der Geldanlage kann ich nur konstatieren: Finger weg von Aktien, Fonds, Derivaten und ähnlich riskantem Zeug. Wie im Casino heisst es hier: am Ende gewinnt immer die Bank. Und zwar meist über die Provisionen. Für die meisten Riester-Verträge gilt das übrigens auch.

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stesch 22.12.2013, 15:21
5.

Zitat von sysop
Immer deutlicher zeigen sich die Folgen der Regulierungswut in der Anlageberatung: Wer Sparer um jeden Preis vor Verlusten schützen will, nimmt ihnen auch die Chance auf Erträge.
Den Anlageberater, der Risiken transparent darstellt, habe ich bisher non nicht kennengelernt. Die Höhe seiner Provision würde mich auch interessieren. Wer damit nicht leben kann, soll sich halt einen anderen Job suchen. Ich werde ihn nicht vermissen.

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Aus_die_Laus 22.12.2013, 15:26
6. Tja, der Schuß ging nach hinten los

Gut gemeint ist nicht gut gemacht. Das Beratungsprotokoll erweist sich als Schuß in den Ofen. Warum? Den Banken ist dieses

a) zu arbeits- und kostenintensiv
b) wegen erhöhter Haftungsrisiken zu gefährlich

Kommt es zum Prozeß zwischen Kunden und Bank, wird in der Regel immer der "arme schutzwürdige Anleger" gegen die "böse Bank" obsiegen. Was ist die Konsequenz?

Die Banken machen keine Beratung mehr, einige Banken wollen bereits das Privatkundengeschäft komplett einstellen bzw. tun dies bereits. Oder aber sie treiben die Kundschaft in die hauseigene Vermögensverwaltung und ersparen sich so bei jeder Neuinvestition das Beratungprotokoll. Und wenn der Kunde das nicht haben will - bitte, er darf sich gerne selbst schlau machen und dann zum Bankberater gehen und seinen Auftrag erteilen. Da steht dann auf dem Protokoll: "Kundenwunsch - ohne Beratung".

Und was wird passieren? Bekommen wir jetzt überall schlaue und informierte Kunden? Mitnichten! Statt des Bankberaters übernehmen externe windige Geschäftemacher die "Beratung", die, weil sie keine Banker sind, keine Protokolle erstellen müssen. Der Kunde sitzt auf dem Trockenen. Die Bank sagt ihm nichts mehr, er muß selber sehen, wie er im Internet und durch Zeitungslektüre zurechtkommt. Ein gefundenes Fressen für Abzocker und Betrüger.

Hat der Kunde letztlich gewonnen? Wohl kaum.

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Gerdtrader50 22.12.2013, 15:28
7. Beratungsprotokolle, prima, oder nicht ?

Ich mag ja den Kunden, der bei die Bank rennt und beraten werden möchte. Faszit: Wer sich beraten lassen muss, was er mit seinen 3 Kröten anfängt, der lässt sie besser auf dem Giro oder Sparkonto liegen. Er könnte auch Tagesgeld oder Festgeld wählen, bringt ja auch kaum was. Die Opfer der Niederigzinspolitik müssten also theoretisch ohne Berater höhere Risiken eingehen. Da aber nicht jeder in der Lage ist, Cash flow, KVG, Dividendenzahlungshöhe, Kursentwicklung und Volatilität jeweiligen des Index zu verfolgen, sind diese Instrumente wirklich nur mit guten Kenntnissen des Aktienmarktes zu handeln. Dem Normalo sei zum Schnippchenschlagen für die Zinsdumpingjongleure empfohlen, entweder 1 bis 2 Zi Eigentumswohnungen und guter Wohnlage und Verkehrsanbindung zu kaufen, beim heutigen Darlehenszins kommt das relativ günstig in der Monatsbelastung und Mieten sind immer noch einigermaßen sicher, wenn man sich die richtigen Mieter aussucht. Er könnte auch in Ballungsgebieten Garagen auf erworbenes Grundstück stellen, bringt noch mehr Rendite, bei Fertiggaragen. Dann ist er immer besser dran als mit den Beratern. Er setzt das Geld nicht in den Sand.

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Aus_die_Laus 22.12.2013, 15:30
8.

Zitat von vulcain
Mit fast 40 Jahren leidvoller Erfahrungen in der Geldanlage kann ich nur konstatieren: Finger weg von Aktien, Fonds, Derivaten und ähnlich riskantem Zeug. Wie im Casino heisst es hier: am Ende gewinnt immer die Bank. Und zwar meist über die Provisionen. Für die meisten Riester-Verträge gilt das übrigens auch.
Mit 30 Jahren leid- und freudvoller Erfahrungen in der Geldanlage kann ich nur konstatieren: rein in Aktien, auch in Derivate, aber sie müssen es richtig machen und das ist nicht einfach. Als Gegenleistung erhalten sie langfristig eine deutlich überdurchschnittliche Rendite.

Finger weg dagegen von Fonds, Vermögensverwaltungen, Kapital-Lebensversicherungen und dem Riester-Betrug sowieso.

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klausbaerbel 22.12.2013, 15:31
9. haha - dafuer ist der Deutsche zu dumm

"Nur sind Rendite und Risiko stets zwei Seiten einer Medaille."

Schoene Feststellung. Wahr, aber nicht mehrheitsfaehig.

Im uebrigen hat der oeffentliche Dienst SEIN Risiko dem Rest der Gesellschaft aufgebuerdet, bis ins hohe Pensionsalter. Beliebtester Arbeitgeber Deutschlands. Bestimmt wegen der interessanten Arbeitsinhalte oder Karrierechancen !

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