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Antikapitalismus-Film "System Error": Besuch bei den Wachstumsjüngern
Port au Prince Pictures

Vom argentinischen Sojabauern bis zum Trump-Berater: Manager und Politiker setzen auf ewiges Wirtschaftswachstum. Der Dokumentarfilm "System Error" erforscht ihren Glauben, ganz erklären kann er ihn nicht.

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syracusa 10.05.2018, 19:00
20.

Zitat von chrisotm
Ich empfehle eher Hans Rosling's Dokumentationen, dass es uns immer besser geht als zuvor - wo ist der System Error?
Ich empfehle Ihnen, Hans Rosling doch nochmal, und dieses mal etwas aufmerksamer zu rezipieren. Das eine schließt das andere nämlich nicht aus. Hans Rosling war nicht nur Humanist durch und durch, sondern auch ein entschiedener Kapitalismuskritiker, und ein Kritiker der absurden These vom unendlichen Wachstum.

Rosling war sich der Tatsache voll bewusst, dass der Wohlstand, den wir Menschen der ersten Welt mittlerweile genießen, vom Planeten Erde nicht für 10 Mrd Menschen bereit gestellt werden kann.

Aber was ist Wohlstand? Das ist v.a. eine Sache der Definition. Man kann als Single in Deutschland mit 1.000 Euro monatlich sehr gut leben. Und wenn man über gute Bildung verfügt, dann muss man dafür ca 30 bis 40 Arbeitsstunden im Monat aufwenden, und kann den Rest der Zeit für sich und seine Interessen aufwenden. Das ist sicher ungleich mehr Wohlstand, als ihn etwa ein Angestellter im mittleren Management genießt, der mit seinen gut 200 bis 250 Arbeitsstunden zwar 10.000 netto verdient, aber eben kein eigenes Leben mehr hat.

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Özdemirözickdir 10.05.2018, 19:54
21. Wachstum ist nicht böse

Zitat von frau_m_aus_d_an_der_e
Dass man Wachstum verbietet, geht erst recht nicht. Man kann doch einfach sagen, was man will und was nicht, unter der Berücksichtigung der Antwort auf die Frage, was langfristig geht und was nicht. Denn Wachstum an sich ist neutral und nicht automatisch schädlich.
doch,sehr sogar.
Weil die Geldgier schneller wächst als das menschliche Hirn,hat Wachstum immer mit Ausbeutung (Ressourcen) Abholzung,Vermüllung,Luftverpestung,Tierquälerei,Ü berbevölkerung,Klimaschädigung usw,usw. zu tun.
Dieser Mensch will einfach nicht innehalten,ein Schritt zurück schon garnicht.

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mina2010 10.05.2018, 20:51
22. Naja,

Zitat von Bernhard Reiter
Ist ja auch voll schwer zu verstehen, liebe Flacherdler. Technischer Fortschritt erzeugt Wohlstand und Wachstum. Und man kann davon ausgehen, dass den Leuten immer was neues einfällt.
wenn ich mir die technische Entwicklung der letzten hundert Jahre ansehe, ist das schon bemerkenswert.
Wenn ich mir den Wohlstand in der gesamten Welt ansehe, ist es nur beschämend.

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td007 11.05.2018, 00:09
23. leider eine falsche Analyse:

Wirtschaftswachstum beschreibt nicht die Veränderung einer absoluten Grösse (wie z. B. die Höhe eines Baumes, der nicht unendlich hoch wachsen kann) sondern den Zuwachs dessen, was Menschen wertvoll finden. Damit ist es eine Stromgrösse wie eine Geschwindigkeit, und die wird ewig zunehmen, weil immer andere und neue Dinge wichtig und wertvoll werden.
Mit Kapitalismus hat das überhaupt nichts zu tun, auch in anderen (gescheiterten) Experimenten wie Sozialismus und Kommunismus gibt es Wachstum, nur eben nicht so effizient wie im Kapitalismus.
Den Kapitalismus kann man kritisieren wie den Blutkreislauf, der ist auch anfällig und unvollkommen, aber wir haben eben nichts anderes. Probleme basieren eher auf zu wenig Kapitalismus.
"Grenzen des Wachstum" gibt es auch nicht, weil der Club of Rome Innovationen und den Preismechanismus unterschätzt und vernachlässigt hat. Ende des 19. Jahrhunderts wurde hochgerechnet, dass London in wenigen Jahren im Mist der zunehmenden Anzahl Pferdefuhrwerke versinken würde, und dann kamen Kraftfahrzeuge.
Wenn z. B. ein Rohstoff tatsächlich knapp würde so würde zunächst sein Preis steigen, später die Nachfrage sinken, weil Alternativen wirtschaftlicher werden.
Sieht man sich reale Rohstoff-Preise über lange Zeiträume an (also inflationsbereinigt, z. B. www.markt-daten.de) so gibt es zwar Schwankungen, aber ein stabiles bis eher sinkendes Preisniveau. Beispielsweise ist Öl heute billiger als 1980, Reis sogar deutlich billiger. Strom aus Photovoltaik ist heute billiger als Strom aus Kohle.

Leider ist es eine Sysiphus-Aufgabe, diese populären, doch falschen Begrenztheits-Ideen richtigzustellen. Aber wer daran nicht glaubt ist wirtschaftlich erfolgreicher.

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chrisotm 11.05.2018, 01:00
24. @syracusa

"""[...]Hans Rosling war nicht nur Humanist durch und durch, sondern auch ein entschiedener Kapitalismuskritiker, und ein Kritiker der absurden These vom unendlichen Wachstum."""
War er ein solcher Kritiker? Selbst in seinem 200 Länder, 200 Jahre sieht man das 'unendliche Wachstum', d.h. den technologischen Fortschritt, sehr deutlich. Und dieser wird positiv dargestellt, weil er den Menschen ein besseres Leben verspricht.

"""Rosling war sich der Tatsache voll bewusst, dass der Wohlstand, den wir Menschen der ersten Welt mittlerweile genießen, vom Planeten Erde nicht für 10 Mrd Menschen bereit gestellt werden kann."""
War das so? Er hatte auch eine BBC4 Doku gemacht, wo es um die Lebenserwartung und die Geburtenrate ging - wenn ich mich nicht irre. Aktuell steigt die Anzahl ja nur noch, weil es nun doppelte Generationen gibt. Falls die Geburtenrate noch in diesem Video dabei war, dann gilt: Die Geburtenrate sinkt mit der Lebenserwartung die die Eltern Ihreren Kindern beimessen.

Alle Videos sind von Hans Rosling positiv dargestellt worden.

Hinsichtlich Kapitalismus will ich gar nicht weiter eingehen. Dieser gehört reguliert (Banken, Werbung bzw. das Erwecken von Bedürfnisssen, Rechenschaft, etc.), aber das System an sich ist doch kein System Error...

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frytom 11.05.2018, 06:12
25. Kapitalismus=Minderheitenmodell

Es gibt doch längst Alternativen. Nur sie werden von den Kapitalismusjüngern "DEN GLÄUBIGEN" nicht ernst genommen und unter den Tisch gekehrt, z.B. die GEMEINWOHLÖKONOMIE von Christian Felber, wo ein komplette System entworfen wurde, welches permanent in der Weiterentwicklung begriffen ist, wo z.B. das Konsensieren eine (de)-zentrale Bedeutung bekommt.
Die IMEPRIALE LEBENSWEISE ist gefährlich wegen des permanent nötigen Wachstums, ohne das sie sofort zusammenbrechen würde. Kapitalismus ist ein pathogenes Schneeballsystem, welches keine Grenzen kennt und deswegen so gefährlich ist. Der Planet ist ja selbst die Grenze aller verfügbaren Kontingente.
So durften wir Nordlinge ja gerade den Earth Overshoot Day abfeiern, der uns plastisch & drastisch zeigt, wie wir Nordlinge die übergroße Mehrheit der Ressourcen der Erde an uns binden. Der Süden wird niemals zu einer Lebenweise aufschließen, die wie Nordlinge (bisher mehrheitlich noch immer) als normal empfinden.
Die Erfindung des Neoliberalismus geschah zu in einer Zeit, wo sich niemand Gedanken gemacht hat, wie man mit dem Problem der Kontingente umzugehen hat. Die Endlichkeit und Ökologie waren damals vollkommen unbekannt.
Das Hauptproblem ist heute der Theismus den Menschen! Der Glaube an Ersatztheismen wie Neoliberalismus, Kapitalismus, Fortschritt, Technik usw. Zwei kleine fantastische Bücher gibt es von Paul Rabhi (der selber sagt, von Religionen geheilt worden zu sein - er gehört keiner Glaubensrichtung mehr an...) "Glückliche Genügsamkeit" & "Manifest für Mensch und Erde", in denen unsere Mythen eben als solche entlarvt werden und gezeigt wird, dass natürlich ein Leben abseits des Kapitalismus nicht nur möglich, sondern obligatorisch sein wird, wenn unsere Spezies überleben will.
Ökologie ist der (dezentrische) Materialismus des Lebendigen, auf dem die Welt fußt. Die größten Probleme der Menschheit entstehen aus der globalen industriellen Landwirtschaft, die die Böden vernichtet und alles, was darin lebt. Die Katastrophen geschehen Tag für Tag, sie werden nur nicht von der Allgemeinheit wahrgenommen, weil niemand außer wissenschaflicher Literatur darüber berichtet und weil darüber natürlich NICHT berichtet werden soll, denn das herrschende System darf nie zeitgleich zu viele Zweifler generieren, die einen möglichen Aufstand wagen würden. Denn das System ist doch per Definition das System der GUTEN (=Kapitalismus).
Die endliche Welt Terra, einzige OASE des Lebens, braucht dringend eine Ökonomie, die weiß, wie man haushaltet, indem seine Bewohner und Anwender sich in glücklicher Genügsamkeit, der Mäßigung und im Verzicht üben. WOHLSTAND muss per definitionem ein Begriff werden, der den ganzen Zustand der Welt bemisst, wo alles inkludiert sein muss (Zustand der Menschen UND der Nichtmenschen etc.). Erst so ein holistischer Begriff namens WOHLSTAND macht überhaupt Sinn, verwendet zu werden.
Der Kapitalismus vertagt seine Probleme gerne in die Zukunft. Nun, genau diesen Horizont besitzen wir Menschen nicht mehr. Das CO2-Fenster zum Reagieren wird sich in 50 Jahren geschlossen haben, während das 6. anthropogene Massensterben weiterläuft.
Wir haben soviel zu tun und so wenig Zeit.

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dbeck90 11.05.2018, 10:32
26. Wieso nicht?

Die Natur hat zwar kein Wachstum. Aber da wir alle kosmische Durchlauferhitzer sind, haben wir uns schon lange vom natürlichen Weg verabschieded. Wachstum ist nicht unendlich? Schonmal ins Universum geschaut? Wenns auf der Erde stockt, sucht man sich halt die Märkte ausserhalb derselben. Aber das Wachstum wirklich stoppt - nicht möglich. Erst wenn wir alle am ausgerottet werden sind. Nicht nachdem der Mensch mit Beginn seiner Selbstwahrnehmung und geistigen Überlegenheit die Naturgesetze an seine Gefühlswelt anzupassen zu versucht. Und die will nunmal: Mehr. Das Hirn langweilt sich auch, wenn es nicht mehr bekommt ;) versucht mal ein Hobby zu halten, in dem ihr alles gleich macht, immer gleiche Socken stricken ohne Muster, etc. pp. Wollt ihr nicht? dann müsst ihr unterschiedliche Farben nehmen und neue Wolle probieren etc. Und schon hat man wieder: Wachstum (wenn auch in kleinem privaten Maße)

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Aberlour A ' Bunadh 11.05.2018, 10:47
27. Die Natur hat sehr wohl unendliches Wachstum?

Zitat von chrisotm
Zitat am Anfang: "Die Natur kennt kein unendliches Wachstum; für eine Art von Wachstum scheint dies aber außer Kraft gesetzt zu sein" Die Aussage ist meiner Meinung nach so in zweierlei Hinsicht nicht richtig: 1. Die Natur hat sehr wohl unendliches Wachstum, bspw. die Evolution: Würde man den Mensch bspw. anhand bestimmter Kriterien bewerten (z.B. die Verarbeitungsgeschwindigkeit und Kombinationsmöglichkeit externer Reize) und blickt zurück sowie in die Zukunft - so ist wohl auch dieses Wachstum aus bisheriger Sicht unendlich. 2. Gleiches gilt auch für den im Film angestrebten Vergleich zum Kapitalismus. Wenn man die Produktionsfaktoren für den Wachstum betrachtet, so stellt man fest: - Geld und Schulden sind nur nominell exponentiell wachsend und zudem eine reine Verrechnungseinheit. Das im Trailer angebrachte Argument mit den Schulden verstehe wer will - die Zentralbank kann auch allen Menschen bzw. dem Staat einfach Geld schenken anstatt den Staat Schulden bei sich im Buch zu führen. - die Weltbevölkerung wächst nicht mehr exponentiell - sofern die Aussage darauf abzielt - das einzige was exponentiell wächst ist der technologische Fortschritt. Hier gilt aus meiner Sicht sehr wohl der Vergleich zur Natur. Ich empfehle eher Hans Rosling's Dokumentationen, dass es uns immer besser geht als zuvor - wo ist der System Error?
Der Vergleich zur Natur ist eben völlig falsch. Unbegrenztes Wachstum in der Natur nennt man tödlichen Krebs. Wäre der Krebs "schlau", würde er den Organismus, den er versklavt, eben nicht umbringen. Da er aber auf unbegrenztes Wachstum programmiert ist, geschieht genau das. Wachstum in den Wirtschaftswissenschaften wird gemessen mit Hilfe des BIP. DER Wohlstandsindikator für die Konsumgesellschaft. Und so kommt es nicht von ungefähr, dass das Wachstum des BIP mit dem zeitlichen Erscheinen einer "Konsumgesellschaft" ("das 1950er Syndrom") eine Einheit bildet. Dieser Wohlstandsindikator hat aber erhebliche Schwächen. Weil Externalitäten nicht gegengerechnet werden. Was erheblichen Einfluss auf die "wahre" Wohlstandsindikation haben kann. Wegen dieser Schwierigkeiten hat man in der jüngeren Vergangenheit in der Ökonomie (wieder) angefangen, die Wohlstandsmessung auf eine ganz andere Grundlage zu stellen, nämlich an der Kategorie "Happiness" festzumachen und eben nicht am quantitativen Wachstum eines definierten Güterbündels. .

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syracusa 11.05.2018, 11:04
28.

Zitat von chrisotm
Hinsichtlich Kapitalismus will ich gar nicht weiter eingehen. Dieser gehört reguliert (Banken, Werbung bzw. das Erwecken von Bedürfnisssen, Rechenschaft, etc.), aber das System an sich ist doch kein System Error...
Naja, dann ist das nur noch eine Frage der Definition der Begriffe. Das, was Sie "geregelten Kapitalismus" nennen, nenne ich lieber Marktwirtschaft. Eine Marktwirtschaft muss keineswegs kapitalistisch sein.

Und wenn es um die zerstörerische Macht des Wachstumsstrebens des Kapitals geht, dann geht es immer darum, dass das Kapital zu wenig geregelt ist. Wenn Wachstum nur durch Ressourcenvernichtung, durch Vernichtung der Allmende, durch Umweltzerstörung entsteht, dann wird es im Kapitalismus auch zwingend auf diese Weise erzeugt.

Die Frage ist also, ob Wirtschaftswachstum auch alleine durch Nachhaltigkeit (sowohl ökologisch als auch sozial!) erzeugt werden kann. Falls das möglich ist, dann muss das Kapital durch sehr starke Regulierung genau zu solchem nachhaltigen Wirtschaften gezwungen werden. Nicht-nachhaltiges Wirtschaften muss sehr, sehr teuer bestraft werden.

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thomasp1965 11.05.2018, 15:09
29. Nö

Zitat von multi_io
Ich glaube, diese Anti-Wachstums-Besessenheit geht auch schon als Religion durch. Jetzt soll jeder ein Sünder sein
Solange Wachstum und Zerfall, wie in der Natur aufeinander folgen ist alles gut. Wer aber glaubt Wachstum ginge unendlich weiter ist naiv. Das gerne genommene Argument, man könne ja noch qualitativ wachsen ist Unfug, denn auch qualitatives Wachstum findet sein Ende, nämlich an Naturgesetzen - siehe z.B. die Beschleunigung der Taktraten von Prozessoren.
Zerbröseln im Herbst/Winter gehört zum Wachstum dazu. Etwas das nur wächst ist Krebs und vernichtet sich früher oder später selbst.

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