Forum: Wirtschaft
Anwohnerproteste gegen Bauprojekte: Sozialwohnungen? Ja - aber bitte nicht hier
Tobias Lill

Viele Geringverdiener finden kaum noch bezahlbaren Wohnraum. Endlich steuert die Politik um - doch ausgerechnet die Proteste von Anwohnern bremsen den sozialen Wohnungsbau vielerorts aus. Sie haben Angst vor Fremden.

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B.K.D.K. 11.08.2018, 09:24
70. Spieglein, Spieglein ...

"Man habe nichts gegen Sozialwohnungen, aber ihr Anteil dürfe nicht "zu hoch sein". Es gehe ihr "um den Charakter des Viertels"."
Der Charakter eines Viertels wird durch Menschen mit Charakter geprägt. Nur minimal durch das Einkommen.
Hier und an vielen anderen Standorten ist ein sehr mieser Charakter erkennbar. Vielleicht sollten die sozial schwächeren froh sein, nicht in der Nähe solcher Leute wohnen zu müssen.

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count_zer0 11.08.2018, 09:26
71.

Haha,
bei so manchem aus der Oberschicht hier sieht man schoen, wie sich Geld haben und asozial sein nicht wirklich ausschliessen. Was ein piefkiger Haufen von borniertem Spiessertum. Uhhh, da koennte nacht jemand Party mit dem Bierkasten machen. Die muessen weg. WEG! Uh, meine Kinder koennten mit weniger reichen Kindern im Kindergarten zu tun haben. Die muessen weg. WEG! Uh, meine Spekulantenbude koennte dann weniger wert sein wenn weniger reiche Leute im Viertel leben, weil potentielle Nachfrager fuer Immobilien wie meine genauso asoziale bornierte Spiesser sind wie ich. Die muessen weg. WEG!

Aber den spiegellesenden Oberschichtler wird es auch treffen frueher oder spaeter. Hoffentlich hart.

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ChrisStTh 11.08.2018, 09:29
72. Das Problem einer hohen Zahl von Flüchtlingen in der Nachbarschaft

Diejenigen, die sich über die ablehnende Haltung gegenüber Sozialwohnungen beklagen, wohnen sicherlich nicht neben neu gebauten Sozialwohnungen, in die dann eben auch viele Flüchtlinge einziehen.

Die Wirkung einer hohen Anzahl an Flüchtlingen in der Nachbarschaft erleben wir seit zweieinhalb Jahren: in der wärmeren Jahreszeit wird im Freien in fast jeder Nacht gelärmt (d.h. außer wenn es regnet und daher der nächtliche Aufenthalt im Freien unattraktiv ist), es passieren Einbrüche, Raub und gewalttätige Bedrohungen, die es vorher nicht gab. Zusätzlicher Müll auf den Straßen ist dabei noch das allergeringste Problem.

Sicherlich passieren die Gewaltübergriffe nicht täglich. Doch wenn man selbst und die eigene Familie in einer Nachbarschaft, in der in mehr als einem Jahrzehnt absolut nichts Kriminelles passiert ist, binnen zwei Jahren mehrfach bedroht wurde (und dasselbe gilt auch für Nachbarn und Freunde, die die Straßen passierten) – und zwar stets im Umkreis von 100 m um das eigene Haus nach dem Zuzug von Flüchtlingen –, wirft dies dann doch die Frage auf, ob der Widerstand gegen den potentiellen Zuzug einer großen Anzahl von Flüchtlingen in neu gebaute Sozialwohnungen nicht nur verständlich, sondern auch berechtigt und sinnvoll ist.

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im_ernst_56 11.08.2018, 09:30
73.

Zitat von robien
Meine erste Reaktion: Wie abartig ist das denn ...?!! Und der nächste Gedanke dann ... Der Widerstand ist richtig, wenn auch aus ganz anderen Gründen als denen der Anwohner. Meiner Meinung nach muss eine Anforderung an künftige Baugebiete und -Projekte zwingend sein, eine wie auch immer geartete Gettoisierung zu vermeiden. Es muss grundsätzlich jeder, ganz unabhängig von seinem Einkommen, dort eine Wohnung finden können. Das Zeitalter der Reichen- und Armengettos muss vorbei sein. Das ließe sich hinbekommen, wenn 20-30% der (Gesamt-) Wohnfläche bzw. der Anzahl der Wohneinheiten eines Gebietes als Sozialwohnungen ausgewiesen werden. Und selbst dann sollte innerhalb des Wohngebietes darauf geachtet werden, dass es zu keiner Klumpenbildung (Reiche in diese Ecke, Arme in diese) kommt. Also bitte immer alles schön durchgemischt.
"Und selbst dann sollte innerhalb des Wohngebietes darauf geachtet werden, dass es zu keiner Klumpenbildung (Reiche in diese Ecke, Arme in diese) kommt. Also bitte immer alles schön durchgemischt."

Das bekommen Sie aber nur mit einer staatlichen bzw. kommunalen Wohnraumlenkung hin, bei der nicht mehr der Vermieter, sondern eine Behörde darüber entscheidet, wer eine bestimmte Wohnung bekommt. Und mit der drastischen Einschränkung des Wohneigentums. Sowas gab es in der DDR. Da wohnte mitunter der Klinikchef im selben Wohnblock wie die Putzfrau. Ich vermute, dass das heute niemand mehr so prickelnd finden würde. Und rechtlich durchsetzbar ist das erst recht nicht. Es wird also weiter Wohngebiete geben, in der die Wohlhabenden unter sich sind.

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at.engel 11.08.2018, 09:30
74.

"Aus Sicht von VdW-Mann Maier verlieren durch Proteste wie in Allach am Ende nicht nur Geringverdiener... Künftig könnten noch mehr von ihnen leer ausgehen."
Dahinter steht wieder der absurde Glaube, der (Wohnungs-) Markt würde die Mietpreise regulieren. Das stimmt nur nicht! Der einzig beiflussbare Faktor ist langfristig die Wohnfläche, das heißt die Leute werden sich, bei steigenden Mieten, auf immer kleinere Wohnflächen beschränken müssen. Lösen kann man diese Problem nur politisch, aber das will bisher niemand!
Ansonsten ist das mit dem sozialen Gleichgewicht in einem Viertel ein wirklich ernst zu nehmendes Problem. Einfach irgendwo Sozialwohnungen hinzustellen, weil da gerade Platz ist, kann katastrophale Folgen haben. Das hat man schon in den 60ern ausprobiert, und hat bis heute mit den Folgen zu kämpfen: Getthoisierung in urbanen Zonen, wo es praktisch keine Arbeit gibt, sozialer Ausschluss, Parallelwirtschaft, Kriminalität... Und das liegt nicht an den Menschen, sondern dem Fehlen sozialer Einbindung bzw. irgendwelcher Perspektiven.
Man sollte da unbedingt aufpassen: soziales Gleichgewicht, sprich Mischung, ist ein entscheidender Faktor... gesellschaftlich und wirtschaftlich.

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polltroll 11.08.2018, 09:33
75. Ja, aber nicht hier!

Das könnte der Claim unter der Marke „Die Deutschen“ sein. Eine furchtbare Einstellung, die wir da mit uns rumtragen: Wohnungen zu teuer?! Es müssen neue her! Aber nicht hier in meiner Umgebung! Zu wenig Kindergartenplätze!? Es müssen endlich neue her! Aber nicht in meiner Nachbarschaft! Im Biomarkt einkaufen! Aber dann mit den V12 SUV nach Hause fahren! Ökostrom buchen, aber dann gegen das Windkraftprojekt in der Nähe protestieren! Etc.
Wenn der deutsche Michel nicht unmittelbar von einer Veränderung in seiner Umgebung profitiert, ist er grundsätzlich dagegen! Andererseits aber grundsätzlich für Veränderungen in anderen Stadtteilen! Den eigenen Komfort zu Gunsten der Allgemeinheit einschränken ist auch verdammt schlecht! Da kriegt man schon einen Würgereiz wenn man das liest!

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poetnix 11.08.2018, 09:33
76.

Zitat von PRAN1974
Nach meiner Erfahrung richten sich die Proteste nicht nur gegen Sozialwohnungen. Anwohner sind grundsätzlich gegen alles, was in ihrer Umgebung neu gebaut wird, egal ob das Wohnhäuser, Geschäftsgebäude oder Windräder sind. Sie fürchten um ihre Aussicht, ihre Parkplätze, ihre Ruhe im Viertel, Kitaplätze und vieles mehr. Bei Sozialwohnungen kommt dann noch die Angst hinzu, dass die neuen Nachbarn Unruhe ins Viertel bringen. Meiner Meinung nach ist der Protest auch teilweise berechtigt. Sozialwohnungen sollten immer einen Anteil an neu gebauten Häusern ausmachen, aber niemals sollten ganze Häuser oder gar Wohnblocks nur mit Sozialwohnungen gebaut werden. Da ist die Gefahr der Verwahrlosung und Ghettoisierung viel zu hoch. Aus der Vergangenheit kann man lernen. Würde ich Sozialhilfe empfangen, würde ich ebenfalls ungern in einem Haus leben, in dem nur andere Sozialhilfeempfänger wohnen. Wie gut wird wohl ein Haus vom Vermieter gepflegt, in dem alle nur Miete auf niedrigstem Niveau bezahlen? Klischees und Vorurteile haben außerdem so an sich, dass sie auf einen Teil der Leute tatsächlich zutreffen. Eine gesunde Mischung aus Sozialwohnungen und Wohnungen für Normalverdiener ist viel sinnvoller.
Glauben Sie wirklich, dass Sie mit Ihrer vernünftigen Analyse die Ohren unserer "Elite-Politiker" erreichen werden ?
Alles viel zu kompliziert für Polit-Bürokraten.
Einfacher sind Ghettos in Käfigbauweise.

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exxtreme2 11.08.2018, 09:36
77. Hahaaa!

Das Gleiche mit Flüchtlingsheimen, Windrädern, Bahnhöfen, Speicherkraftwerken, you name it.

XYZ ja, aber biiiite nicht vor meiner Haustüüür! Das würde den Wertr meines Häuschens schmälern auf das ich 30 Jahre lang gespart habe!, Heul, mimimimi ....

Das ist die typische deutsche Doppelmoral.


MfG

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s-achte 11.08.2018, 09:37
78. Eigentlich

steckt die Lösung ja schon im Artikel: wenn es jetzt schon schwer ist, sich bei 60.000 ? eine Wohnung zu leisten und es mit den Mietpreisen so weitergeht, ist bald mind. jeder Zweite selbst betroffen. Da sollte es mit dem umdenken eigentlich recht zügig gehen. Oder die Mietblase platzt, was auf's selbe rausliefe.

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jojack 11.08.2018, 09:38
79. Wertverlust

Gerade in den Hochpreislagen von München haben die Proteste einen ganz einfachen wirtschaftlichen Grund: Wertverlust! Eine hochwertige Immobilie, die neben einem Sozialbau steht, sinkt im Wert. Angesichts der Tatsache, dass viele Immobilienbesitzer über Jahrzehnte abzahlen, ist es doch verständlich, dass man nicht zum Opfer einer verfehlten Einwanderungspolitik werden möchte. Dazu kommt, dass Bewohner von Sozialwohnungen im statistischen Durchschnitt nun einmal mehr Probleme machen. Mancher zieht in die ruhige Vorstadt, um seine Kinder vor Drogen und Kriminalität zu behüten. Dass die Emotionen hochkochen, wenn ihnen arrogante Politiker das Problem vor der Haustür abkippen, kann ich nachvollziehen.

Mein Vorschlag: baut Sozialwohnungen und Flüchtlingsheime neben der Berliner Residenz der Frau Kanzlerin.

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