Forum: Wirtschaft
Arbeitsmarkt: Deutsche Betriebe bilden weniger aus
DPA

In Deutschland gibt es immer mehr Beschäftigte, die Zahl der Auszubildenden geht trotzdem zurück. Das ist das Ergebnis einer neuen Untersuchung. Ein Teil des Landes ist besonders betroffen.

Seite 2 von 12
marathon9000 28.07.2017, 08:24
10. Überregulierung

Ich habe ein kleines Dienstleistungsunternehmen. Um überhaupt ausbilden zu können, bin ich verpflichtet einen entsprechenden Lehrgang zu absolvieren. Entweder für 3 Monate als Abendkurs oder für einige Wochen ganztags. Ich bin gezwungen von Montag bis Samstag von 07:00 - 18:00 Uhr zu arbeiten. Überspitzt gesagt, kann ich nicht nachvollziehen, warum dieser Kurs so umfangreich sein muss (um zu erfahren, dass der Lehrling nicht geschlagen werden darf?) und noch dazu nicht preiswert ist.
Ähnlich verhält es sich mit dem mir aufgezwungen arbeitsmedizinischen und sicherheitstechnischen Dienst (ASD), der mir vorschreibt, wo der Verbandskasten zu stehen hat und mir sagt, welcher Karton nach 20 Jahren auf meinen Kopf fallen könnte.
Es ist nicht zuletzt die Überregulierung in diesem Land (von der natürlich ganze Branchen leben), die vieles ausbremst

Beitrag melden Antworten / Zitieren
horstenporst 28.07.2017, 08:25
11.

1999 lag die Studienanfängerquote bei knapp über 30 Prozent, 2016 bei über 55. Wenn mehr Menschen eines Jahrgangs studieren, ist es dann nicht eine logische Konsequenz, dass weniger eine Ausbildung absolvieren?

Beitrag melden Antworten / Zitieren
christian-h 28.07.2017, 08:25
12. Angabe

Zitat von ruku
Erst am Ende des Artikels kommt die Ursache der sinkenden Ausbildungsquote - es mangelt an Bewerbern bzw. an Befähigungen der Bewerber. Miserable Schulnoten und / oder fehlender Schulabschluss sind schlechte Voraussetzungen, einen Ausbildungsplan zu bekommen.
Das kann natürlich möglich sein. Die Zahl der Abiturienten und Studienanfänger steigt und somit muss die Zahl der Auszubildenden sinken.
Ein weiterer Punkt dürfte aber auch sein, das viele ausbildungsfähige in Übergangsmaßnahmen stecken.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
ptb29 28.07.2017, 08:28
13. Die Jugend will sich nicht mehr anstrengen

Hauptsache das Handy funktioniert. Ich sehe die gleiche Tendenz bei uns im Sportverein. Die Jugendlichen kommen zum Training, aber wenn es anstrengend wird, steigen sie aus.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
christian-h 28.07.2017, 08:30
14. Angabe

Zitat von marathon9000
Ich habe ein kleines Dienstleistungsunternehmen. Um überhaupt ausbilden zu können, bin ich verpflichtet einen entsprechenden Lehrgang zu absolvieren.
Was hat das mit Überregulierung zu tun?
Um Ausbilden zu können benötigt man eben den Ausbildungseignerschein.
Damit soll eben auch die Qualität der Ausbildung sicher gestellt werden.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
keine-#-ahnung 28.07.2017, 08:30
15. Ich kann als Ausbilder engagiert und motiviert ...

... sein wie ich will, aber wenn ich vorher sicher weiss, das ich aus einem Stück verwachsenen Buchenholz trotz aller Mühe und Investition keinen Glasschneider herstellen kann, dann mach ich es auch nicht und lass es sein.
Die Crux ist und bleibt der uneingeschränkte Zugang zu völlig nutzlosen Studiengängen an Hochschulen und Universitäten für jeden HONK, der sich mit dem Nachweis, alleine die Schnürsenkel binden zu können (oder wie wir heute sagen: "Abitur") dafür "qualifiziert" hat, die mehrjährige Ausbildung zum bachelor of taxi driver via BaFöG finanziert zu bekommen ...
Und um den prekären Rest kann ich mich als privater Unternehmer nicht "kümmern", das sollte Aufgabe des Staates sein.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
bandelier 28.07.2017, 08:40
16. Der Facharbeitermangel existiert nicht in dem Masse, wie er beklagt

wird, denn es gibt viele erfahrene Facharbeiter, die einen Fehler haben: Sie sind über 50 Jahre alt und fristen ihre Zeit bis zur Rente beim Jobcenter. Wer dennoch einen künftigen Facharbeitermangel erkennt, kann etwas dagegen tun, nämlich ausbilden. Es war gute Praxis, dass mittelständische Unternehmen über eine Lehrwerkstatt verfügten, auf die sie stolz waren. Diese Werkstätten gibt es bei uns schon lange nicht mehr. Offenbar hatte man sich darauf verlassen, dass Vater Staat den Unternehmen voll ausgebildete Facharbeiter zur Verfügung stellt. Das war Sparen am falschen Ende. Über lange Jahre hatten wir zudem die fatale Entwicklung, dass für viele Ausbildungsberufe, die ganz früher mit Volksschulabschluss durchlaufen werden konnten, das Abitur verlangt wurde. Folge ist bekannt: Immer mehr Gymnasiasten und schwaches Abschlusslevel. Hier haben Politik und Wirtschaft übel miteinander kooperiert. Die Fixierung auf Schulnoten ist übrigens auch nicht sehr sinnvoll. Es gibt durchaus Schüler, die im derzeitigen Schulsystem wenig Chancen haben, dennoch hervorragende Facharbeiter werden können, wenn man sie nur lässt. Personaler, wahrscheinlich nur noch mit Hochschulabschluss, sind nicht mehr in der Lage, nötige Fähigkeiten zu erkennen, weil sie nur noch Schulnoten bewerten mangels besserer Fähigkeiten, Kompetenzen zu erkennen. Im engen Umfeld habe ich kreative Menschen auf beiden Seiten erlebt, die zu bemnerkenswert guten Zusammenarbeiten zum beiderseitigen Nutzen kamen, weil sie ausgetretene Pfade verliessen. Da kann ich observerlbg nur zustimmen: Es muss ein allumfassendes Umdenken erfolgen, denn die derzeitige Situation wurde verursacht durch übersteigertes Renditedenken, ohne zu berücksichtigen, dass vor der Rendite ein Einsatz steht, und an diesem Einsatz mangelt es bereits seit den 80ern erheblich. Im übrigen freue ich mich diebisch darüber, dass die Wirtschaft nun jammern muss, weil ich erlebte, dass arbeitswillige und -fähige junge Menschen 200 und mehr Bewerbungen schreiben mussten, um überhaupt einen Arbeitsplatz zu bekommen. Die Retourkutsche ist nun erlebbar und trägt möglicherweise und hoffentlich zum Umdenken bei. Wir können nur miteinander, und dieses Miteinander muss von beiden Seiten gestaltet werden.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Denkt mal selber nach 28.07.2017, 08:42
17.

Zitat von ruku
populistische Unternehmerschelte. Erst am Ende des Artikels kommt die Ursache der sinkenden Ausbildungsquote - es mangelt an Bewerbern bzw. an Befähigungen der Bewerber. Miserable Schulnoten und / oder fehlender Schulabschluss sind schlechte Voraussetzungen, einen Ausbildungsplan zu bekommen. Die Betriebe tragen dafür keine Verantwortung wie dieser Artikel zunächst suggeriert.
Wieder einmal populistische Bewerberschelte. Dann kann der vermeintliche 'Fachkräftemangel' aber nicht so dramatisch sein, wenn man nicht mal bereit ist in Jugendliche zu investieren, die nicht den Idealvorstellungen entsprechen.
Das Märchen vom Fachkräftemangel und den unfähigen Bewerbern.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
germ 28.07.2017, 08:44
18. Tränen

Zitat von ruku
populistische Unternehmerschelte. Erst am Ende des Artikels kommt die Ursache der sinkenden Ausbildungsquote - es mangelt an Bewerbern bzw. an Befähigungen der Bewerber. Miserable Schulnoten und / oder fehlender Schulabschluss sind schlechte Voraussetzungen, einen Ausbildungsplan zu bekommen. Die Betriebe tragen dafür keine Verantwortung wie dieser Artikel zunächst suggeriert.
Populistische Unternehmerschelte - mir kommen die Tränen. Klar, heute wollen Unternehmer an der Stanze einen Ingenieur aber zu einem bezuschussten Hungerlohn. Da würde ich als junger Mensch auch nicht zum Ausbilden bzw. arbeiten gehen. Nicht nur Unternehmer dürfen das System ausnutzen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
achterhoeker 28.07.2017, 08:45
19. Weniger geeignet?

Das gab's schon immer. Was es damals nicht gab war der geringe Lohn, fehlende Perspektive und Studienplätze ohne Ende. Heute studieren die Jugendlichen BWL am Arbeitsmarkt vorbei, Theaterwissenschaften wo es keine bezahlten Stellen gibt, oder Tierarzt wo es keine Praxis mehr zulässt. Das schlimmste ist Ärztemangel, wo sind die Deutschen? Immer mehr Ärzte die nicht aus Deutschland sind, immer mehr Praxen die keine Patienten annehmen.
Und bei Frauen sieht's mit der Ausbildung schlimmer aus, irgendwann Kinder? Dann passiert es das der Job auf nimmerwiedersehen weg ist. Mit Kindern Schichtarbeit? Geht nicht. Ohne Partner mit Kindern geht auch nicht. Das Problem sind die Arbeitgeber selbst, den Arbeitnehmer mit miesen Lohn, miesen Arbeitszeiten und miesem Eigenverhalten in die Würge nehmen und abends in den teuren PKW steigen und ins teure Anwesen fahren. Das haben viele nun auch schon mitgekriegt.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 2 von 12