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Arbeitsmarktreform in Frankreich: Macron macht ernst
REUTERS

Die Reform des französischen Arbeitsmarktes ist Emmanuel Macrons heikelstes und wichtigstes Projekt. Nun hat seine Regierung die konkreten Details zum Umbau des Arbeitsrechts vorgestellt. Deutlich wird: Die Verhandlungstaktik des Präsidenten könnte aufgehen.

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Kamillo 01.09.2017, 07:34
60.

Zitat von hle
Es mag das sein, was Macron angestrebt hat. Aber anstatt sich zu überlegen, wie man die Wirtschaft antreibt und mehr, mehr, mehr und noch einmal mehr Wachstum zu erwirtschaften, wäre es mal an der Zeit, sich wirklich Gedanken zu machen, wohin die Reise gehen soll. Es dürfte wohl allen klar sein, dass es das unendliche Wachstum nicht geben kann. Und wie steht es mit Bevölkerungswachstum, wieviel kann noch verkrafet werden? Irgendwie fehlt auch einem Macron die Weitsicht und eine ehrliche Debatte, wie die Gesellschaft sich selbst überlebt.
Welches Land kann es sich leisten, China beim Wirtschaftswachstum einfach nur zuzusehen? Wenn China weiter wächst und immer mehr Entwicklung und Produktion in sein Land zieht, werden die Volkswirtschaften anderer Länder zwangsläufig schrumpfen, weil, wie Sie richtig erkannt haben, das Gesamtwachstum auf diesem Planeten begrenzt ist. Aber noch ist nicht jeder Chinese, Inder, Indonesier, Brasilianer usw. motorisiert und mit nem Handy in der Hostentasche unterwegs (allerdings geht das mit den Handies schneller als das mit den Autos), und solange wird es Wachstum geben. Entweder Europa bietet beim Wachstum China die Stirn, oder jeder von uns wird bald wieder zum Selbstversorger mit Kartoffelacker im Garten werden müssen.

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e.pudles 01.09.2017, 07:35
61. Die Franzosen sollten sich mal

an der Schweiz ein Beispiel nehmen. Eine Entschädigung von 3 Monatsgehältern bei einer Kündigung nach 2 Jahren. Je nach Länge der Anstellung bis zu 30 Monatsgehältern. Alles Umstände, welche einen kleineren Betrieb direkt in den Ruin treiben können. Davon können die Schweizer praktisch nur träumen. Sie kriegen zum Abschied meistens einen warmen Händedruck. Entlassen kann in der Schweiz auch praktisch jeder werden, ohne dass irgend eine Gewerkschaft sich einmischt. Aber der Vorteil dieser Regelungen sind, dass es der Schweiz sehr gut geht, es keine Streiks gibt und die arbeitende Bevölkerung relativ sehr zufrieden ist.

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chardon 01.09.2017, 07:36
62. @22 d.meinung

Zitat von d.meinung
....ist, dass die Gewerkschaften in der Privatwirtschaft keine grosse Rolle spielen, aber sehr wohl in der öffentlichen Verwaltung im weitesten Sinn. Eine Minderheit kann da das Land lahmlegen (Bahn, Schulen). Wenn es Macron nicht gelingt, die Macht der Gewerkschaften in den Staats - (und staatsnahen) Unternehmen zu brechen, wird er genauso scheitern, wie andere vor ihm. Ich wünsche ihm 'Bonne chance'!
"Die Macht der Gewerkschaften"? Das ist eben das Problem. Die französischen Gewerkschaften wurden gegründet, um den Arbeitsmarkt zu "verwalten"! Sowie die ENA (Ecole Natiionale d'Administration) von de Gaulle gegründet wurde, um einen Staat zu verwalten. Die Gewerkschaften werden zu 80% von Staat und "patrons" (Arbeitgeber) finanziert. Gewerkschaftlich organisiert sind rd.20% der Arbeitnehmer, und da wieder ca. 80% öffentlicher Dienst (Beamte). Streikrecht, auch für Beamte, ohne wenn und aber, lediglich eine Anmeldung 48 Stunden zuvor. Staatsnahe Unternehmen? Der Staat ist an allen grossen Firmen beteiligt, und zwar so, dass er intervenieren kann, wenn nötig. Siehe STX, Verstaatlichung 27.Juli 2017, damit die Firma nicht in italienische Hände fällt. Siehe auch Handeln (Erhöhung Aktienpaket des Staates) auch von Macron (damals Minister in Bercy) im Falle Renault. Gäbe es in Frankreich richtige Gewerkschaften und keine Karikaturen......aber es wird lediglich der Code de Travail etwas reformiert, ändern tut da nix.
An den Grundrechten, um nicht zu sagen Privilegien, der Gewerkschafter wird nicht gerüttelt. Frankreich ist ein sozialistisches Land, und wird sozialistisch regiert. NIEMAND will in Frankreich die MACHT der Gewerkschaften brechen! Weil es keine Gewerkschaften im Sinne von ...... sind!

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Kamillo 01.09.2017, 07:38
63.

Zitat von Manitou-01@gmx.de
UNGERECHTFERTIGTER, also illegaler Entlassung
Was ist das denn?

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chardon 01.09.2017, 07:40
64. @ 27 pascht

Zitat von pascht
"Zwar hat das Parlament der Regierung für die Reform des Arbeitsrechts eine Art Vollmacht ausgestellt" Ermächtigungsgesetze haben schon immer nur diktatoriale Zustände produziert, schon bei der Machtergreifung Napoleons. " Ein Beispiel seien die Regelungen zu Abfindungen: beginnt bei drei Monatsgehältern (nach zwei Jahren Betriebszugehörigkeit) und erreicht höchstens 20 Monatsgehälter (nach 30 Jahren Betriebszugehörigkeit)" Geregelt ist da gar nichts, außer der gesetzlichen Begrenzung von Arbeitnehmeransprüchen zugunsten der Arbeitgeber. Der Arbeitnehmer muss erst vor Gericht ziehen, um das zu erreichen. Ein staatlicher Eingriff in das freie Vertragsrecht zugunsten einer Vertragspartei, der Arbeitgeber. " Mehr Verhandlungen auf Unternehmensebene", Schwächung der Verhandlungsmacht der Arbeitnehmerseite, nach dem machiavellischen Grundsatz, divide et impera, also wieder eine einseitige Regelung zugunsten der Arbeitgeber. "Weniger Arbeitnehmer-Gremien" Eine Anlehnung an das deutsche Modell, dürfte bei den national bewussten Franzosen, Macron genau so wie schon Hollande als Anbiederung auf die Füße fallen. "Eine Reihe von Maßnahmen soll es Unternehmen erleichtern, Arbeitnehmer zu entlassen - und so die Hemmschwelle senken, neue Arbeitsplätze zu schaffen" Einfach nur krudes ideologisches Dogma des Manchesterkapitalismus, das noch nie einen einzigen Arbeitsplatz geschaffen hat, aber viele vernichte hat ohne neue zu schaffen und zum Lohndumping missbraucht wurde, denn es besteht keine Pflicht neue Arbeitsplätze zu schaffen wenn alte wegfallen, eine kapitualtion vor der Macht der Märkte. "Die ersten Reaktionen der Gewerkschaft CGT: "Alle unsere Befürchtungen haben sich bewahrheitet" Die gemäßigte CFDT, die größte Gewerkschaft des Landes, zeigte sich ebenfalls enttäuscht" Wird wohl ein heißer Spätherbst in Frankreich werden. "Für den zweiten großen Teil - den Umbau der Sozialversicherungen und die Senkung der Lohnnebenkosten hat sich Macron noch bis Ende 2018 Zeit gegeben." Die sollte er auch nutzen, denn beim Umbau der Sozialversicherungen steht er im Dialog mit den Franzosen selbst, nicht mit gefügig gemachten Gewerkschaften.
Gefügig machen der Gewerkschaften? Sie werden von Staat und patrons finanziert, in Höhe von 80%, keiner will sie "gefügig" machen.
Es sind "Karikaturen" von Gewerkschaften!

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Kamillo 01.09.2017, 07:46
65.

Zitat von ichsagwas
Ich kann nicht erkennen, wie diese Reformen zu mehr Arbeitsplätzen führen sollen. Weshalb sollte das passieren ? Unternehmen investieren dann in neue Arbeitsplätze, wenn Konsum und Absatz anziehen, aber nicht weil ein paar Regeln zum Kündigungsschutz gelockert worden sind. Mal schauen, was noch kommt. Ich glaub nicht an den Erfolg Macrons. Dafür sind die globalen und europäischen Rahmenbedingungen einfach zu schlecht.
Doch genau hier setzen diese neuen Reformen an. Französische Firmen haben bisher auch bei guter Konjunktur nur zögerlich Leute eingestellt, weil sie nicht wissen, wie sie die Leute bei Flaute wieder loswerden sollen. Betriebsbedingte Kündigungen waren unmöglich. Die Folge war, das habe ich selbst beobachtet als ich mit einer französichen Firma zusammenarbeiten musste, dass fast alle Leute dort von einem Dienstleister kamen und schlecht bezahlt waren. Und ich hatte das Gefühl, da wollte jeder jeden anderen nur so überbieten, um von der Firma übernommen zu werden. Geflogen sind sie am Ende alle, als das Projekt rum war.

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fatherted98 01.09.2017, 07:46
66. Wer Frankreich kennt...

....macht sich da keine Illusionen...schon diese kleinen Reförmchen werden an der Macht der Gewerkschaften zerschellen....die Franzosen haben kein Problem damit das Land mal eben eine Woche in Stillstand zu versetzen....Deutsche Gewerkschaften....soweit die man noch als Gewerkschaften bezeichnen kann....würden das nie tun. Evtl. treten deshalb immer weniger in die Gewerkschaft ein....nur so ein Gedanke.

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HansPa 01.09.2017, 07:47
67. Viel Spaß damit!

Das wars dann wohl mit der ausgeglichenen Geburtenquote. Auch die Kapazitäten der psychischen Krankenstationen wird Frankreich erhöhen müssen. Aber wenn dadurch wenige reicher werden ist das alles natürlich gerechtfertigt, wie in Deutschland hält.

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spon_3511963 01.09.2017, 08:07
68. Na ja die Frage ist doch

wie reagieren die Gewerkschaften?
Denn in Frankreich sind das nicht Zahnlose Tiger wie bei uns.
Dort gibt es kein H4 und Agenda 2010 und wird es auch nie geben.
War nur in der BRD möglich mit dem DGB der still hielt und nichts unternahm.

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nomadas 01.09.2017, 08:26
69. rien ne va plus

Er ist in der Tat ein Taktiker, Profi-ENA, châpeau! En marche, Wahl winner, Parlament -beide Kammern- auf seiner Seite, (Pseudo-)Einbindung der Patrons und der Syndicats, châpeau. Brigitte an seiner Seite, kein extra budget, volksnah. Bis dahin 0 Fehler, Note 1, brav élève Emmanuel, wie im Lycée in Amiens, einst. Und, wider das Ritual vor ein paar Tagen, nicht beim big meeting des MEDEF, den Bossen, dem Heiligen Patronat, wie sonst Vorgänger, z.B. Speedy Sarko. Châpeau! All in all eine gute Show hingelegt. Doch nun kommt der show down. Am 12.09. zeigt die CGT ihre Muskeln, die CFDT und die FO haben schon mal die "Schwänze eingezogen". Punkt für König Ödipus. Aber noch kein Sieg. Aber der muss her, sonst war alles zéro!
on verra

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