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Armutsmigration: Wie Wirtschaftsflüchtlinge Deutschland geprägt haben
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Sie kommen nach Deutschland, auf der Suche nach einem besseren Leben - und gelten doch als Flüchtlinge zweiter Klasse. Dabei sind es gerade die Arbeits- und Armutsmigranten, die für die Geschichte des Landes so wichtig waren.

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it--fachmann 13.09.2015, 10:42
100. Die Willkommenskultur ist regional höchst unterschiedlich

Meine Eltern sind Sudetendeutsche und mussten nach dem Krieg fliehen. Zuerst ging es nur 20km weit ist das benachbarte Nordost-Bayern. Die Leute da waren ganz ok. Später sind meine Eltern dann in die Nähe von Stuttgart gezogen und da war gar nichts mehr ok. Meinen Vater, Akademiker in einem angesehenen Beruf, wurde von seinen schwäbischen Kollegen noch 30 Jahre nach dem Krieg als "der Flüchtling" betitelt. Und in der Grundschule wurde ich auch gehänselt, wie alle Flüchtlingskinder. Man hat da unseren Familiennamen die Nachsilbe "-ka" angehängt, um dem Namen einen tschechischen Klang zu geben. Gott sei Dank ist mir das als Kind nicht bewusst geworden und später auf dem Gymnasium hörten diese Hänseleien auch auf. Mit Willkommenskultur ist es nicht so weit her in der Gegend um Stuttgart. Aber das Land, die Gemeinden sind reich, stinkereich. Die wissen gar nicht wohin mit dem Geld und stecken es in absurde Bauvorhaben, die Stadtbild und Landschaft verschandeln. Wir haben hier noch genügend Aufnahmekapazität in BaWü. Das weiss ich ganz genau, weil ich ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe mitarbeite. Vor den Sommerferien fühlten wir uns zwar schon am Limit, aber durch geschickte Improvisation könnten wir locker noch doppelt soviele Flüchtlinge aufnehmen, als wir jetzt schon haben. Ich finde es auch sehr fies die hilfsbereiten Münchner im Regen stehen zu lassen. Wo sind denn die angeblich so menschen- und fremdenfreundlichen GRÜNEN in BaWü? Ich kann nur sehen, dass sie an der Regierung sind, aber sonst nirgendwo.

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reiisa 13.09.2015, 10:42
101. Grafik zur Auswanderung

HartzIV-Empfänger wandern nicht aus D aus, sondern Leistungsträger, denen hier mangels sogenannter nationaler Kraftanstrengung, die Perspektiven fehlen, um ihre Leistung hier anzubringen. Anders gesagt: Es gibt einfach keine guten Jobs in D. Nur Hiwi-Tätigkeiten zum Mindestlohntarif. Dafür braucht die Wirtschaft ausländische Arbeitskräfte. Der Deutsche bezieht über HartzIV mehr "Lohn", als ihm die reichen Manager für reguläre Arbeiten geben.

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tullrich 13.09.2015, 10:47
102. Der Neoliberalismus hilft auch hier

Zitat von lupenreinerdemokrat
Bin mal gespannt, wie lange man noch geduldig auf den ersten sachlichen und faktisch richtigen Artikel warten muss, der dieses Thema endlich einmal korrekt darrstellt! Aber bei der gleichgeschalteten Presse in Deutschland habe ich da wenig Hoffnung....
Was immer das sein mag, der Neoliberalismus hilft auch hier: Die Frankfurter Rundschau ist den Weg allen Fleisches gegangen, im SPIEGEL-Verlag verkauft die Familie Augstein ihre Anteile an jeden, der nicht schnell genug auf den Bäumen sitzt, und die Süddeutsche muss sich von WDR und NDR quersubventionieren lassen.

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LouisWu 13.09.2015, 10:47
103.

Zitat von flipworld12
..Was mit den ungelernten Gastarbeitern früher geschehen ist, wird auch mit nicht wissenschaftlich ausgebildeten sog. Facharbeitern in Zukunft passieren: sie werden die ersten sein, die ihren Job verlieren und am Sozialtropf hängen, wenn immer mehr Arbeit durch Kapital substituiert werden kann.
Das stimmt so nicht. Sie können nicht mit Naturwissenschaftlern ein Haus hochziehen, dazu brauchen sie Handwerker, die aber mittlerweile ähnlich hoch qualifiziert sein müssen. Auch in vielen anderen Bereichen fehlen eher qualifizierte Facharbeiter als Naturwissenschaftler, denn die bekommt man mittlerweile im Dutzend billiger..

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labjmh 13.09.2015, 10:48
104. Erwähnung der kulturellen Unterschiede vermißt

Ich vermisse sehr in diesem Artikel die Erwähnung der kulturellen Unterschiede. Ich bin Taiwaner und lebe derzeit nur vorübergehend in Deutschland. Da ich aber jahrelang in diesem Land studiert habe, weiß ich sehr genau, dass Integration nicht leicht ist. Die polnischen Einwandler haben dies geschafft, weil sie eben Christen sind. Dass es bei den Türken anders läuft, ist bekannt. OK, man hat Fehler bei der Integration gemacht. Aber ist es nicht wahr, dass der Grund auch darin liegt dass die Gastarbeiter eine ganz andere Kultur und vor allem Religion haben? Dies wird leider oft im Sinne der "political correctness" verschwiegen. Ich befürchte, für die Verkennung der Realität wird Deutschland bald einen hohen Preis zahlen müssen. Gemeint ist der soziale Frieden.

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moritz27 13.09.2015, 10:48
105. In Arbeit und Brot?

Vielleicht machbar, wenn wir hier nciht schon genug und dazu noch qualifizierte Arbeitssuchende hätten, die sich teilweise von Praktikum zu Praktikum durchhangeln müssen. Und fragen Sie einfach mal Handwerksbetriebe nach den Mindestvoraussetzungen, die ein Bewerber mitbringen muss. Dann verlieren Sie schnell den ganz großen Optimismus. Und die zuständige Ministerin. Na ja, die wird noch vor Schlagseite warnen, wenn der Dampfer Deutschland schon am Grund liegt.

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a.braun 13.09.2015, 10:50
106. Schieflage

Das ist natürlich eine vollkomen schräge Sicht der Dinge und nicht weiter als eine der weiteren sinnlosen Durchhalteparolen. Wir können die heutige Situation nicht vergleichen:
Mit den türkischen Gastarbeitern, die nur ins Land kamen, wenn sie einen Arbeitsplatz hatten. Es kamen auch keine 10.000 pro Tag.
Auch nicht mit den russischen Spätaussiedlern, die sich als Deutsche fühlten und sich großteils integrieren wollten und auch viele bereits die Deutsche Spache zumindest verständlich konnten. Aber die bodenloseste Frechheit ist der Vergleich mit den damligen DDR Bürgern. Hier sind Deutsche innerhalt Deutschlands umgezogen. Das war ihr verfassungsmäßiges Recht und eine vollkommen selbstverständliche Sache. Obwohl es keinerlei Sprachbarriere, ein sehr hoher Bildungslevel bestand und alle mit Leib und Seele Deutsche waren musste sich Deutschland anstrengen dies zu leisten. Im vergleich dazu ist es naiv und kindhaft zu meinen in der jetzigen Situation könne es zu so etwas ähnlichem wir Integration kommen. Deutschland wird sich verändern - ich und die meisten anderen deutsche haben Angst davor.

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geando 13.09.2015, 10:51
107. Einwanderunng ist nicht gleich Einwanderung

Einwanderung ist an sich nichts schlechtes. Es kann eine grosse Chance sein, sowohl für die neue Heimat, wie auch für die Einwanderer. Es gibt allerdings auch viele Faktoren, die Einwanderung zu einem Problem machen können. Die Bereitschaft zur Integration in der neuen Heimat ist zum Beispiel eine Frage des mitgeführten "kulturellen und geistigen Reisegepäcks" des Migranten. Einwanderung ist immer besonders gut gelungen, wenn eine breite Basis der gemeinsamen Werte zwischen Migrant und neuer Heimat existierten. So geschehen im Falle der Hugenotten, Polen und Italiener in Deutschland. Diese haben sich zwar durchaus das Andenken an ihre alte Heimat bewahrt, fühlen und handeln aber mittlerweile als Deutsche, sprechen Sprache und nehmen am gemeinsamen Leben teil. Wie Frau Merkel aber schon vor ein paar Jahren bemerkte, gibt es auch eine Geschichte gescheiterter Einwanderung nach Deutschland. Die Türken haben besonders häufig Probleme mit der Integration. Das liegt an deren autoritär-nationalistischen Ansichten und sicher auch am islamischen Glauben. Die Zahl derer, die noch in 3. Generation Sprachprobleme haben und sich vom öffentlichen Leben abschotten und sich nur in kleinen kulturell "türkisierten" Umfeldern bewegen ist gross. Hier ist kein "buntes Miteiander", sondern bestenfalls ein friedliches Nebeneinander gegeben, mit viel gegenseitigem Argwohn. Da muss man auch gar nichts schönreden. Die Gefahr, das es sich mit vielen der jetzigen Zuwanderer ähnlich entwickelt, ist nicht von der Hand zu weisen. Einwanderung braucht also klare Definitionen und Steuerung um sowohl Migranten als auch der neuen Heimat einen Erfolg zu bringen. Ich bin mir aber sicher, das eine solche sinnvolle Steuerung nicht erfolgen wird, da eine rationale Diskussion über Vor- und Nachteile der Einwanderung sowohl von Linksliberalen als auch von Rechtskonservativen Kräften torpediert wird. In diesem Sinne glaube ich: "Wir schaffen das nicht".

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Der andere Genosse 13.09.2015, 10:52
108. Da vergleichen Sie aber Äpfel mit Birnen.

Zitat von Global Citizen
... das lässt sich auch in der aktuellen Situation beobachten. Jene Volkswirtschaften, welche in der Lage sind Migranten anzuziehen wie die USA, Großbritannien und Deutschland, weisen bessere Wachstumszahlen und -perspektiven auf als Länder die altern und schrumpfen. Die Allokation von Investitionen und Ressourcen orientiert sich nun mal an wachsenden Bedarfen und Entwicklungsperspektiven. Bei den nun nach Deutschland einwandernden Migranten wird das Gelingen aber nicht nur von deren wirtschaflticher Anpassung sondern auch von der kulturellen Integrationsfähigkeit abhängen. Ein Einwanderer in den USA schwört bei seiner Einbürgerung auf die Verfassung. Ob Schwur oder nicht, wichtig ist, dass in Deutschland jeder Migrant die Grundwerte dieser Gesellschaft teilt. Im Minimum ist das die Verfassung, was jeglichen Religionen und Ideologien eindeutig säkulare Plätze zuweist. Wir können auf dieser Basis zusammen leben, nur nicht in Parallelgesellschaften.
USA oder Kanada profitieren, weil sie nur die Einwanderer ins Land lassen, die gerade gebraucht werden. Diese haben eine gute Ausbildung, einen Arbeitsvertrag in der Tasche und sprechen die Landessprache. Außerdem erhalten sie keine Leistungen aus den Sozialsystemen.
Nach D kommen solche Leute eben nicht. Die Einwanderer, die hierher kommen, sprechen nicht die deutsche Sprache. Aus diesem Grund können sie auch die ersten Jahre nicht arbeiten. Ein nur syrisch oder englisch sprechender Arzt in einem deutschen Krankenhaus macht eben keinen Sinn. Außerdem sind mindestens 20% der Migranten Analphabeten. Eventuelle Qualifikationen reichen für D meist nicht aus.
Das es in Deutschland noch so gut aussieht, ist der Leistung der Einheimsichen zu verdanken, die eben für die neuen Asylbewerber mitarbeiten müssen.

Übrigens, multikulturelle Gesellschaften funktionieren im allgemeinen eben nicht, wie man beispielsweise am Libanon, Irak, Afghanistan und Syrien sehen kann. Der Libanon ist unter der Flüchtlingswelle der Palästinenser zusammengebrochen. Jordanien konnte das nur mit massivem Militäreinsatz verhindern.

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wecan 13.09.2015, 10:54
109.

Zitat von spon-1311138649643
Ich bin glücklich, in den Kommentaren zumindest auch kritische Stimmen zu lesen. Die Bedenken teile ich und bin irritiert über die "Blauäugigkeit", mit der hier Vergleiche gezogen werden. Manchmal bekomme ich schon das Gefühl, dass unsere Presse in Deutschland vom Kanzleramt aufgefordert wird, alles durch die rosarote Brille zu sehen...
Schon seit vielen Monaten warnen etliche Foristen hier im Forum vor genau der Eigendynamik, mit der die aktuelle Entwicklung jetzt "unsere" Politiker und deren Experten überrascht.

Diese Foristen sind aber weder Hellseher noch Genies, sondern benutzen lediglich etwas gesunden Menschenverstand. Offensichtlich im Gegensatz zu "unseren" Politikern und deren Experten.

Leider ist mir mittlerweile aber klar, dass sich an der völlig fehlgeleiteten Entwicklung rein gar nichts ändern wird. Der Autopilot ist auf Kollisionskurs programmiert und was hier im Forum geschrieben wird, hat darauf nicht den geringsten Einfluss.

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