Forum: Wirtschaft
Aufschub der Börsensteuer: Macron, Muster-Europäer a. D.
AFP

Das Bild vom Vorzeige-Europäer Emmanuel Macron bekommt Risse. Der französische Präsident blockiert die EU-Steuer auf Finanzgeschäfte - offenbar, weil er Londoner Banken nach Paris locken will.

Seite 8 von 17
denker_2 12.07.2017, 16:53
70.

Zitat von Nationalökonom11
Ist dies ein Artikel oder eine Glosse/ Kommentar? Die Wertungen der FTT als "sinnvolles Vorhaben" und der Ausdruck "enthemmte Finanzwelt" für die am stärksten regulierte Branche unserer Volkswirtschaft zeugen nicht von großem Fachwissen. Auch das Hr. Macron EU Vesprechen brechen würde ist vollkommen übertrieben, wo es doch um Planungen von 11 der aktuell 28 EU Länder geht. Da diese Steuer ein bürokratisches Ungetüm ist mit rein symbolischer Funktion auf der Einnahmenseite, jedoch zu Verlagerungen der Finanzmärkte in die Länder führen würde, die nicht bei diesem Quatsch mitmachen (z.B. Luxemburg), ist seine Reaktion sehr vernünftig. Er will eben für sein Land und die EU nur das Beste und keine Beruhigungssteuer für linke Bankenhasser.
Das ist kompletter Unsinn.
1. Zum Beispiel ist eine FTT in keiner Weise ein bürokratisches Ungetüm, da alle Finanztransaktionen seit langer Zeit ausschließlich elektronisch erfolgen, ist es ein sehr geringer Aufwand eine FTT zu installieren.
2. Eine Verlagerung nach Luxemburg oder sonstwohin würde natürlich nicht erfolgen, wenn solch ein Land isoliert würde. Auch das ließe sich mit geringem Aufwand realisieren.
3. Eine FTT ist schlicht eine gerechte und notwendige Steuer und alles andere als eine "Beruhigungssteuer für linke Bankenhasser".
Dieser Begriff lässt allerdings Rückschlüsse auf ihre moralischen und intellektuellen Mängel zu.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Ährengast 12.07.2017, 16:56
71. Quod licet Iovi, non licet bovi

Soso. Da ist nun also Macron kein Super-Europäer mehr, weil er bei der Finanztransaktionssteuer bremst.

Was ist denn dann aber Herr Schäuble? Der hat, wie weiter unten im Artikel vermerkt ist, von der Finanztransaktionssteuer noch nie was gehalten und (wie es heißt) nur der SPD zuliebe das Projekt nicht blockiert. Daher: wenn man sagt, dass Macron wegen seines Bremsens kein guter Europäer mehr ist, müsste man eigentlich auch sagen, dass Schäuble niemals einer war. Wir wollen doch sicher nicht mit unterschiedlichem Maße messen. Und immerhin ist es ja nicht ganz unwahrscheinlich, dass wir ab Herbst wieder eine schwarz-gelbe Regierung haben werden, von der ich mir nun wahrlich nicht vorstellen kann, dass sie eine zustimmende Haltung zu dieser Steuer hat. Wäre diese Regierung dann irgendwie Anti-EU?

Beitrag melden Antworten / Zitieren
53er 12.07.2017, 16:58
72. Es zeigt sich immer wieder,

dass Banken und auch Unternehmen am Ende machen können, was sie für richtig halten, denn der Hebel an dem sie sitzen ist mittlerweile wesentlich länger als der Hebel der gesamten Wählerschaft eines Landes. Daher sollte man so freundlich sein und die FTS streichen. Natürlich sollte dies nicht ersatzlos geschehen. Diejenigen Banken, die sich regelkonform verhalten sind zu begrüßen, Vermittler von cum/ex- Geschäften z.B. sollten mit aller Härte bestraft werden. D.H. Strafen wie die USA sie in solchen Fällen vorsehen, sind nicht mehr tabu. Der Staat sollte in diesen Fällen nehmen was er kriegen kann. Genauso sollte im Falle von ertappten Steuerhinterziehern vorgegangen werden. Wenn dem Hinterzieher nach Abarbeitung seiner Schuld nur noch die sprichwörtliche Unterhose am Leib bleibt, dann sei es eben so. Erfreulicherweise nimmt sich nun auch das BKA der durch die Panama-Leaks gewonnenen Adressen an. Und so muss man diese Fälle auch sehen, ob schwarzer Block oder Steuerhinterzieher, beides sind Verbrecher auf gleichem Niveau.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
moonstruckannalist 12.07.2017, 16:58
73. Es mag sich seltsam anhören

Zitat von muellerthomas
Wenn die Banken die Steuer einfach durch Gebührenerhöhungen weitergegen können, stellt sich natürlich die Frage, wieso die banken die Gebühren dann nicht schon längst auch ohne Steuer erhöht haben, um so den Gewinn zu maximieren?
Aber eine Bank scheint als Teil eines wirtschaftlichen Systems auf Kundenaquise angewiesen zu sein und dann greift Angebot und Nachfrage, von Konkurrenz kann man heute glaub ich kaum noch sprechen.

Ich weiss, in Wirklichkeit schert sich eine Investmentbank um den winzigen Privatanleger bzw. behandelt ihn grossteils wie den letzten Dreck, doch ab und an braucht so eine Bank rein aus steuerrechtlichen Gründen sowas wie einen Kunden, der ihr Geld in Umlauf bringt (seit 2008 bezweifle ich das, genauso wie sie wahrscheinlich auch).

Beitrag melden Antworten / Zitieren
andraschek 12.07.2017, 16:58
74. Was heißt hier "nicht links"?

Zitat von jjcamera
Macron hat selber gesagt, dass er Reformen anstrebt, die lange brauchen werden, bis sie Fuß fassen. Und Sie kritisieren ihn schon nach einem Monat? Lassen Sie ihn doch erst einmal machen, auch wenn nicht all seine Pläne "links" sind. Dass er Finanzpolitik beherrscht, hat er schon vorher gezeigt. Die Sozialisten waren der große Wahlverlierer. Selbst für eine gute Opposition sind es zu wenige.
Macron ist ein Mann der Restauration, er strebt eine komplett rückwerts gewandte Politik an und will sie seinem Volk als Reform verkaufen. Wo ist denn das Neue in seinen Plänen? Mir ist nichts bekannt, alles in seinen sogenannten Reformen war schon einmal da.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
zvonimir 12.07.2017, 16:58
75. so ganz

erschliesst sich diese Logik nicht, weil die Banken nur in die EU, egal,welche Stadt,wechseln werden, wenn sie das müssen, sprich, keine Möglichkeit haben, in der EU von London aus tätig zu sein. Und da ist es Sache der EU,die Latte entsprechend hoch zu legen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
tomatosoup 12.07.2017, 17:00
76. Bravo, Macron! Recht hat er!

Wenn die Deutschen zu blöd sind, die Londoner Banken nach Deutschland zu locken, dann sollen sie nach Paris gehen. Das ist gut für Paris und was gut für Paris ist, schadet Frankreich nicht. Vive Nacron!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Stimme der Vernunft SG 12.07.2017, 17:02
77. Hut ab vor Macron

Gottseidank schiebt Macron dieser Hirngespenst einen Riegel vor - damit schadet sich Europa nur selbst und die USA freuen sich. Man kann zu diesem Thema natürlich unterschiedlicher Meinung sein. Aber aus Finanzmarktideologie Macron einen Europäer a.D. zu nennen ist m.E. billige Rhetorik.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
bs2509 12.07.2017, 17:03
78. Lieber 'ne Makrone als ein Macron

Der EX- Investment Banker schlägt zurück und düpiert seine Angela nebst ihren Finanzminister.
Äppelwoi adé mag man da rufen und vive la Republic oder erst mal Paris.

Mal schauen, was nun nach Bouffier-County wirklich umzieht.
Zu dem hat Paris mehr Charme und Flair als Frankfurt am Main.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
seine-et-marnais 12.07.2017, 17:04
79. Hedgefond Macron

Zitat von burgundy
Macron war schon vor seiner Wahl ein erhebliches Gewicht in der französischen Politik und mit seiner En Marche - Bewegung erst recht. Man darf nicht vergessen, dass das gesamte französische Establishment nach langem Siechtum versucht, die Republik umzukrempeln, und Macron ist sein Herold und Held. Und dies nicht erst seit gestern.
Macron ist eigentlich ein Hedgefond. Eine Investition für gewisse Anleger, und da muss er nun liefern. Es ist wohl das erste Mal dass ein grosser Staat so übernommen wurde. Das Problem ist doch dass die Bewegung En Marche nicht demokratisch organisiert ist, sondern wie einstens Berlusconis Forza Italia funktioniert. Weiterhin ist Macron als frz Präsident sehr mächtig, hat die absolute Mehrheit der auf ihn persönlich vereidigten Parlamentarier und eine 'Bewegung' in der er allein bestimmt. Die 'Anhänger' von En Marche können höchstens Vorschläge machen, und das wird als partizipative Demokratie verkauft, zu bestimmen haben sie nichts.
Macron wurde gewählt wegen des Degagismusses, dem völligen Vertrauensverlust der 'alten' Parteien, er wurde gewählt als 'moralischer Saubermann', er wurde gewählt als die Alternative zu Le Pen. Macron wurde nicht gewählt wegen eines klaren Programmes, das ist auch nicht möglich der er alles et en même temps sein Gegenteil war. Macron war immer proeuropäisch, kein Zweifel, aber er war für CETA und auch TAFTA, und gleichzeitig für den Schutz der europäischen Wirtschaft und des Sozialstandards. Und jetzt geht diese Gleichung in der Praxis nicht mehr auf. Wenn das für jemanden eine Überraschung ist dann ist die betreffende Person an politischer Naïvität nicht zu überbieten. Chirac hat gesagt, ein Versprechen ist nur für den gültig der daran glaubt. Da waren viele sehr gläubig, die Investoren des 'Fond Macron' hat es gefreut. Ich glaube allerdings nicht dass Macron wiedergewählt wird, obwohl im Moment Mélenchon und Le Pen die einzigen Oppositionspolitiker darstellen. Ich denke die zerstrittenen Republikaner werden sich zusammenraufen, ohne einen Teil der 'Konstruktiven', und mit einem Teil des FN unter Maréchal-Le Pen mittelfristig eine Opposition bilden. Macron wird es ergehen wie Berlusconi, als der die Bewegung Forza Italia in eine Partei umwandelte, flog sie glatt in die Luft. Und was Italien kann kann Frankreich schon lange.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 8 von 17