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Aus Steuergeld bezahlt: Linke-Chefin will für jeden Recht auf zwei bezahlte Sabbat-Ja
Odd ANDERSEN /AFP

Stress abbauen auf Staatskosten: Linken-Chefin Kipping hat in einem Papier für zwei aus Steuern finanzierte Auszeiten pro Berufsleben gefordert. Privat wiederum genießt die 41-Jährige so manche Sünde sehr.

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Isfet 31.03.2019, 11:42
240.

Zitat von Little_Nemo
Soweit ich weiß gibt es das allerdings schon seit langem für Beamte. Ich weiß nicht ob über den Zeitraum des Sabbaticals die Bezüge normal weiter laufen, aber ein Bekannter von mir, der beim Sozialamt arbeitet, nutzte diese Möglichkeit vor Jahren mal für eine sehr ausgedehnte Fahrradtour durch Australien.
Das ist eine Form der Teilzeitbeschäftigung - er hat das also vorgearbeitet mit entsprechend weniger Bezügen, geht auch nur "wenn dienstliche Belange nicht entgegenstehen". Also 6 Monate Vollzeit arbeiten, 6 Monate daheim = 1 Jahr mit 50 % der Bezüge.

So in der Art gibt es das auch bei einigen großen Firmen schon lange. Bei einer kenne ich es über ein Arbeitszeitkonto, wo man über mehrere Jahre seine Überstunden darauf bucht und sie dann am Stück nimmt.

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geotie1 31.03.2019, 14:21
241.

Zitat von rugall70
Das ist doch eine Milchmädchenrechnung. Im Artikel steht, das Sabbat-Jahr geht auf Staatskosten. Wo hat der Staat das Geld denn her? Vom Steuerzahler. Es geht also auf Kosten der Menschen im Land.
Der Stress entsteht durch die Arbeit, wie man nun unbedingt ganz reich werden will und sich deswegen sehr viel gefallen lassen muss. Wenn dann noch das Geld zuvor beim Staat als Steuern abgegeben werden muss, wie soll man das sonst finanzieren, kommt noch mehr Stress hinzu. Vielleichtsollte man eher mal die Arbeitsuchenden in die Betriebe mit eingliedern, damit der Arbeitsdruck verringert wird. Dann brauch man auch kein Sabbat-Jahr. So nebenbei möchte ich mal wissen, wer alles wie daran teilhaben kann? Vorstandschefs von einer AG, die Putzfrau oder -mann. Was macht die Firma, wenn ein Arbeiter seine Auszeit nimmt? Jemanden einstellen und für viel Geld später wieder entlassen?
Ich denke, diese Idee ist absolut untauglich, nicht durchführbar!

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Ein_denkender_Querulant 31.03.2019, 16:16
242. Kann jederzeit passieren

Zitat von mwroer
Wenn der Chefkonstrukteur mal eben ein Jahr ausfällt - dann finden Sie mal einen als Ersatz der nur für ein Jahr bleiben will. ...
Und wenn er spontan in Elternzeit geht? Ach, darum stellt man Männer eoin, weil die das nicht machen? Das ändert sich zum Glück gerade.

Und ob man nun 3 Monate Sabbatical oder 3 Monate Elternzeit nimmt, macht welchen Unterschied?

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Ein_denkender_Querulant 31.03.2019, 16:22
243. Es kann jeden treffen

Zitat von verruca
...Und zu Ihrer Frage im zweiten Satz: Ja, das glaube ich durchaus. Ich muss nur in den Spiegel schauen.
So habe ich mit vierzig auf geredet. Jaja, und dann begannen die Kollegen um einen herum wie die Fliegen auszufallen. Wir hatten in einer 300 Mann Abteilung innerhalb eines halben Jahres drei Herzinfakte. Und bei allen ist die Stressindizierung naheliegend.

Ihnen viel Erfolg in den 50 Jahren Arbeitsleben ohne Auszeit. Ja, es gibt naturlich Jobs, in denen das geht, aber es gibt auch andere und nicht alle Menschen sind gleich. Und nur weil Sie meinen, etwas problemlos zu beherrschen, ist es vermessen, anderen Steine in den Weg zu leben.

Übrigens sparen Sie Geld. Denn drei Monate bezahlte Auszeit ist billiger, als ein halbes Jahr bezahlte Behandlung. Die Krankenkassen haben Vorsorge weitestgehend eingestellt. Vergleiche ich heutige Leistungen mit jenen der siebziger Jahre, als regelmäßige Kuren genehmigt wurden, dann ist das eine mögliche Erklärung für eine heute wachsende Anzahl von Ausfällen.

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quark2@mailinator.com 31.03.2019, 17:15
244.

Zitat von pracz
Lieber crazy_swayze, ich sehe es überhaupt nicht ein warum ich das, was ich durch langes und fleißiges Arbeiten verdient habe, nicht meinen Kindern überlassen dürfen sollte. Aus Ihren Worten (Erbschaftslawine) klingt Wut und Neid, auf die, deren Eltern es besser gemacht haben als Ihre. Nun aber können diese Leute nichts dafür, dass Ihre Eltern nicht ganz so viel an ihren Nachkommen hinterlassen könnten. Leute, die viel Erbschaft hinterlassen, haben auch viel Steuern gezahlt und haben eine ganz erhebliche Leistung auch für die Allgemeinheit erbracht. Ausnahmen gibt es natürlich, sie bestätigen bekanntermaßen nur die Regel.
Nun, dagegen gibt es gleich eine ganze Reihe von Argumenten. Es fängt damit an, daß die Lebensverhältnisse eines Menschen sich gerechterweise nach seiner eigenen Leistung richten sollten. Wie gesagt, es ist nicht Neid, es ist der Wunsch nach Gerechtigkeit. Der zweite Punkt ist der Faktor Glück. Viele Vermögen entstehen nicht unbedingt, weil die betroffene Person besonders fleißig oder klug gewesen wäre, sondern das Glück ist zu einem großen Teil daran beteiligt. Hier hat also niemand etwas wirklich verdient, sondern er/sie hat es bekommen. Eine einzige Krankheit zu falschen Zeitpunkt und jemand anderes macht das Geschäft. Findet die Wende ein Jahr eher oder später statt, ist Frau Merkel vermutlich keine Bundeskanzlerin, auch wenn sie das Gleiche tut. Der nächste Punkt ist die nötige Umverteilung nach unten, da ansonsten die "economy of scale" dazu führt, daß aller Besitz der Welt sich bei immer weniger Menschen sammelt. Das kann nicht gerecht sein, egal wie filigran man argumentiert. Wenn man also umverteilen muß, dann entweder ständig über Steuern, oder wenn eine Person stirbt über die Erbschaft. Persönlich denke ich, daß man jedem Kind Haus, Auto, Baum und von mir aus 10Mio. EUR vererben können sollte. Alles darüber wäre weg. Firmen wären von Staat jeweils zu re-privatisieren. In einer italienischen Großstadt haben sie mal nachgesehen - nach 500 Jahren sind es immer noch die gleichen wenigen Familien die die Stadt quasi besitzen und verwalten. Bestimmt ist das nur so, weil die immer härter und besser arbeiten als alle anderen. Glaub ich nur irgendwie nicht.

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vera gehlkiel 31.03.2019, 19:20
245. @quark2@mailinator.com

Es geht doch nie um die Frage, ob was zu tun da ist sondern, ob das auch etwas wert ist. Immer wieder erstaunlich finde ich in dem Zusammenhang, wie obrigkeitshoerig gerade die sogenannten Overachiever sich beim Bewerten von Arbeit ganz auf den Nachweis per Lohnauszug seitens der Personalabteilung zurückziehen. Und in der Freizeit dann wahrscheinlich mit zerschundenen Händen einen Oldtimer restaurieren oder Holz hacken, um wieder "etwas" zu spüren. Dem gegenüber steht das linke Modell einer Definition von "biopolitischer Arbeit", und sieht als unhierarchische Generierung von allgemeiner gesellschaftlicher Relevanz im Vergleich zur sinnfreien Konsummaschine, die je nach dem, was vom Aktionärsgewinn übrig bleibt, einige Brocken ausspuckt, um die man sich endlos fetzen kann, verdammt nach Selbstverwirklichung durch Sinnfindung in wirklich relevanter Arbeit aus. Wobei zwei halbjährige Schneisen innerhalb eines vierzigjaehrigen Am-Haken-Haengens bestenfalls absurd kurze "Appetizer" darstellen. Keine Durchbruch, sondern eine kosmetische Retusche. Notwendig ist die Vergesellschaftung von Gewinnen, welche die stumpfsinnige Maschinenarbeit im Zeitalter einer steilgehenden Vollautomatisierung immer fetter realisiert. Nur so rum wird die an sich segensreiche digitale Zukunft kein Heer von verzweifelten per Definition "Arbeitslos" gemachten Menschen in ungeheurer Anzahl produzieren. Sondern Arbeit als menschliches Grundbedürfnis wie essen, trinken und Liebe machen den Menschen, befreit von der Schande der fremdbestimmten Produktivitätskriterien, zurückgegeben.

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quark2@mailinator.com 01.04.2019, 02:03
246.

Zitat von vera gehlkiel
... Notwendig ist die Vergesellschaftung von Gewinnen, welche die stumpfsinnige Maschinenarbeit im Zeitalter einer steilgehenden Vollautomatisierung immer fetter realisiert. Nur so rum wird die an sich segensreiche digitale Zukunft kein Heer von verzweifelten per Definition "Arbeitslos" gemachten Menschen in ungeheurer Anzahl produzieren. Sondern Arbeit als menschliches Grundbedürfnis wie essen, trinken und Liebe machen den Menschen, befreit von der Schande der fremdbestimmten Produktivitätskriterien, zurückgegeben.
Ich habe kein Problem mit Ihren Gedanken, aber ich habe in der DDR leider auch erlebt, daß es so einfach leider nicht funktioniert. Es war mit per se die Planwirtschaft, die den wirtschaftlichen Rückstand erzeugt hat. Es war auch nicht der Widerwille gegen die Stasi. Vielmehr konnte man massenhaft erleben, daß Menschen ohne äußeren Druck eben einfach weniger Arbeitsleistung gebracht haben. Egal ob ich da die Bauern früh um 10 beim Saufen antraf, oder später im Elektronikwerk unsere 11. Klasse am ersten Tag die Norm bei der Platinenfertigung 3fach übertraf, obwohl wir mehr mit Rumalbern beschäftigt waren, als damit, Fernseher zu bauen. Es zog sich wie ein roter Faden durch das halbe Land - kein großer Lohnunterschied, keine Arbeitslosigkeit ... Man kann sich das Maß an sozialer Sicherheit kaum mehr vorstellen. Jeder wußte, daß er auch morgen noch sein Gehalt hat (extreme Einzelfälle mal ausgenommen). Und solange ein Land im wirtschaftlichen Wettbewerb mit anderen Ländern steht ... die guten Leute gehen dann ins Silicon Valley, weil sie da mehr verdienen. Wenn Sie eine Mauer bauen um das zu verhindern, sind sie moralisch im Eimer. Nein, ich habe gar nichts gegen alternative Überlegungen. Leider aber gibt es kein Modell, welches so effektiv ist wie die Marktwirtschaft, aber fairer und weniger grausam. Wohlgemerkt ist mir klar, daß die unglaublichen wirtschaftlichen Errungenschaften der Sowjetunion vor dem Hintergrund der unmöglichen Startposition (Ende 1.WK) und 2.WK gemeinhin falsch bewertet werden. Dennoch, so leid es mir tut, aber wenn die Menschen nicht mehr unbedingt arbeiten müssen, dann tun viele dies auch nicht. Und vor allem würde keiner mehr die wirklich miesen Jobs machen. Und davon läßt sich nicht alles automatisieren.

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thewayofdog 01.04.2019, 07:26
247. Wir alle bezahlen sowieso den Preis der Industrialisierung...

und ich finde es vollkommen richtig, dass man nach all der gesteigerten Effizienz und den KI- und robotikgetriebenen Rationalisierungen zumindest mal daran denkt, alle auch an den Vorzügen teilhaben zu lassen. Die Pension in weiter Ferne zieht nicht mehr so richtig als Karotte am Stöckchen und dieser Vorschlag geht in die richtige Richtung. Arbeitsmäßig sollte das zu schaffen sein, es gibt ja genug Ungleichgewicht am Arbeitsmarkt. Aus Steuergeldern... Wer soll das bezahlen? Ist es nicht besser, Ruhe zuzugestehen, bevor man sich um ein Heer von Ausgebrannten kümmern muss. Zum Nachdenken. Ein Plädoyer für das Sabbatjahr - und mehr Fragen, als Antworten: https://youtu.be/xUF-3TDtIj8

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