Forum: Wirtschaft
Ausbildung in Solartechnik - der richtige Weg der Entwicklungshilfe?

Ein indisches College bildet Frauen, die nicht lesen und schreiben können, zu Solartechnikerinnen aus. Die Geschichte einer Großmutter, die ihrem Dorf das Licht brachte - und einen Haufen Probleme.

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Nania 11.09.2016, 13:39
30.

Zitat von merrailno
... die gleichzeitige Alphabetisierung der Frauen und Männer findet nicht statt. Sinnig wäre eine Gleichbehandlung von Männern und Frauen und die gleichzeitige Alphabetisierung. Das wäre ein Nutzen der die Chancen eröffnet Alternativen zu finden. Die Förderung vor Ort als Projekt zu einer sinnvollen gemeinsamen Nutzung der Technik unabhängig vom finanziellen Status. Unter dem Deckmäntelchen helfen zu wollen, wird westliche Ideologie transportiert, wirtschaftsliberales Verhalten gelehrt. Das ist Entwicklungshilfe, Entwicklungshilfe in ein System dessen immanente Fehler wir schon seut Jahren in Form einer sich verschärfenden Dauerkrise kennen. Ziel dieser "Entwicklungshilfe" Selbstausbeutung, da jetzt auch bis in die Nacht gearbeitet werden kann. Die Kaschierung von Problemen, denn das Feuerholz ist sicherlich nicht für die Abholzung des Regenwald verantwortlich, hier sind Wirtschaftsunternehmen zuständig. Profiteure sind die Solarpanel Hersteller die wenn auch geringen so doch Gewinne generieren. Profiteure das College selbst die sich eine Existenzberechtigung verschafft.
Dieses Problem muss von mehreren Seiten angegangen werden. Im Text steht ja schon drin, dass eines der Probleme ist, dass eben im Dunkeln niemand mehr Arbeiten kann, auch Kinder keine Hausaufgaben mehr machen können.
Natürlich wäre eine Alphabetisierung der Menschen sinnvoll, sie ist aber vielleicht nicht der richtige erste Schritt.
Denn wenn man den ganzen Tag zum Arbeiten (damit man überleben kann) braucht, dann kann man nur den Abend nutzen zur Alphabetisierung. Nur: Dann ist es in diesen Dörfern finster.
Außerdem haben Frauen in diesen Gesellschaft häufig den deutlich schlechtern Stand, sind nahezu immer von den Männern der Gemeinschaft abhängig und kaum selbstständig. Wenn Sie in solchen Fällen Geschlechtergleichheit herbeiführen wollen, dann MÜSSEN sie bei den Frauen anfangen.

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gue_hammer 11.09.2016, 13:44
31. Tolle Idee, nicht nur für Dörfer in Madagaskar

Toller Artikel, tolles Projekt. Würde ich gerne sinnvoll unterstützen. Eine einfache preisgünstige Anlage für eine Familie besteht m. E. aus Solarpanel, Auto-Akku, Laderegler. Damit können LED-Lampen, Radio und ein kleiner Fernseher betrieben werden; gibt es alles für Niederspannung. Kein Wechselrichter notwendig. Weshalb dort ein Großbild-Fernseher gebraucht wird, der zum Diebstahl geradezu einlädt, erschließt sich mir nicht. Ich finde es auch eine tolle Idee, wenn ein ganzes Dorf gemeinsam eine (dann natürlich größere) Anlage errichtet und betreibt; es gäbe keinen Grund für Diebstahl, alle gäben Obacht. Die anfallenden Kosten für Wartung, Ausbildung eines Technikers usw. könnten gemeinsam getragen werden. Vielleicht könnte an zentraler Stelle (Gemeindehaus, Solarhaus, Schule) sogar ein Internetanschluss eingerichtet werden. Es ergäben sich ganz neue Möglichkeiten für die Ausbildung der Jugend. Mich würde mal ein Kostenplan einer solchen Solaranlage interessieren, und mit welcher Spende man sinnvoll etwas bewirken könnte.

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Nania 11.09.2016, 13:45
32.

Zitat von WernerWeb
Das verstehe ich auch nicht. Die Anschubfinanzierung für Gemeinschaftsgebäude wäre doch so naheliegend, aber vielleicht existieren derartige Strukturen dort nicht. Was ich an diesem Projekt jedoch bedenklich finde ist die Ausrichtung das ausschließlich Frauen ausgebildet werden mit dem Ziel die alten kulturellen Dorfstrukturen im Sinne einer westlichen Gleichberechtigungsdebatte zu verändern. Einen derartigen Kultur-Export halte ich für grundsätzlich falsch!
Die Frauen bekommen überhaupt mal eine Chance! Sie haben nämlich sonst schlicht überhaupt keine Möglichkeit, aus der ohnehin schon schwierigen Situation, in der sie sich befinden, herauszukommen. Glauben Sie ernsthaft, dass eine streng paternalistisch geprägte Gemeinschaft (damit meine ich nicht unbedingt die Dorfgemeinschaft, sondern eher mal ganz allgemein darüber nachgedacht) es zulassen würde, Mädchen zur Schule zu schicken?
Es geht auch nicht um eine Gleichberechtigungsdebatte. Es geht darum, dass diese Frauen sich UNABHÄNGIG machen können und SELBST Geld verdienen können und NICHT mehr vom Gutdünken der Männer abhängig sind. Das ist zwar schon ein Schritt Richtung Gleichberechtigung, aber Sie werden doch wohl zustimmen, dass Mädchen in den meisten ärmeren Teilen dieser Welt die abgehangenen sind, die, die nicht zur Schule gehen, die, die kein eigenes Geld verdienen dürfen, die, die von den Männern abhängig sind und zwar ob sie wollen oder nicht.

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tim11q 11.09.2016, 14:00
33. Ein (fast) toller Artikel

Aber warum ein bisschen Neid und Missgunst (die völlig menschlich sind) als großes Problem dargestellt werden, ist mir schleierhaft. Vielleicht ist der Autor auch einfach in seiner linken Seele enttäuscht, dass die Menschen in einem afrikanischen Dorf auch nicht besser sind als in der EU oder in Deutschland?

Das eigentliche Problem sind doch mal wieder die Regierungen in den meisten Entwicklungsländern, bei denen entweder Inkompetenz und Korruption alles verhindern, oder bei denen einfach kein Interesse daran besteht, ihrer Bevölkerung zu wirklichem Fortschritt zu verhelfen -- denn dann würden die ja mündigen Bürgern!

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merapi22 11.09.2016, 14:20
34. Menschenrecht auf Grundbedürfnisse, sauberes Wasser, Nahrung, Energie

Zitat von ThomasRoller
Ich fasse die genannten "Probleme" mal zusammen: 1. die geräte wuden offenbar nicht gerecht verteilt 2. die laufenden kosten sind vielen zu hoch ...imo beides lösbare kommunikationsprobleme, die nicht das gesamtprojekt in verruf bringen sollten! Wenn man im Voraus besser kommuniziert, sollten diese probleme doch lösbar sein...!! => sehr gut barefood college, und bitte weiter so!!!
Das jeder Mensch ein Recht auf Existenz - Grundbedürfnisse hat, bedarf keiner hohen Mittel und sollte nicht nur von der UNO als Menschenrecht auf Papier beschrieben sein. Die UNO sollte dies global durch ein BGE durchsetzen, finanziert aus Finanztransaktionssteuern. Die Reichen zahlen die Grundbedürfnisse für die Armen. Damit würden die Solargeräte für jeden zur Verfügung stehen und die Kosten durch die Milliardenproduktion sinken.

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WernerWeb 11.09.2016, 14:29
35.

Zitat von Nania
Die Frauen bekommen überhaupt mal eine Chance! Sie haben nämlich sonst schlicht überhaupt keine Möglichkeit, aus der ohnehin schon schwierigen Situation, in der sie sich befinden, herauszukommen. Glauben Sie ernsthaft, dass eine streng paternalistisch geprägte Gemeinschaft (damit meine ich nicht unbedingt die Dorfgemeinschaft, sondern eher mal ganz allgemein darüber nachgedacht) es zulassen würde, Mädchen zur Schule zu schicken? Es geht auch nicht um eine Gleichberechtigungsdebatte. Es geht darum, dass diese Frauen sich UNABHÄNGIG machen können und SELBST Geld verdienen können und NICHT mehr vom Gutdünken der Männer abhängig sind. Das ist zwar schon ein Schritt Richtung Gleichberechtigung, aber Sie werden doch wohl zustimmen, dass Mädchen in den meisten ärmeren Teilen dieser Welt die abgehangenen sind, die, die nicht zur Schule gehen, die, die kein eigenes Geld verdienen dürfen, die, die von den Männern abhängig sind und zwar ob sie wollen oder nicht.
Sie glauben doch nicht das sie eine über Jahrhunderte gewachste Kultur durch derartige, von außen gesteuerte Maßnahmen gewaltfrei verändern können. Tun sie dies, so führt dies eher zur Erosion der örtlichen Gesellschaftsstrukturen die durch die neu erworbenen "westlichen Werte" in keiner Weise adäquat ersetzt werden können, Urwald ist eben nicht Blankenese
Kulturelle Veränderungen müssen aus der lokalen Gesellschaft selbst kommen und da sind von westlicher Ideologie geprägte externe Maßnahmen eher kontraproduktiv, so kontraproduktiv wie der angebliche Versuch des Westens den arabischen Raum durch Demokratieexport befrieden zu können.

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mhpr262 11.09.2016, 14:30
36.

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merapi22 11.09.2016, 14:33
37. Kredite statt Schenken?

Zitat von torsten_schreiber
Wir müssen unsere Entwicklungshilfe nicht nur kritisch hinterfragen, sondern diesen Wirtschaftszweig in neue Kanäle leiten. Statt zu schenken, sollten wir die Mittel an Social Entrepreneurs als zinsfreie Darlehen vergeben, die diese Themen dann vorort lösen.
Kredite müssen in der Regel zurückgezahlt werden, auch Mikrokredite. Die hat zu einer neuen Abhängigkeit geführt und viele die Mikrokredite nicht zurückzahlen können haben sich in Indien durch Freitod diesen Forderungen entzogen.

Es hat heute schon mehr las genug für alle! Die UNO hat gute Arbeit geleistet und unterstützt sein Jahrzehnten allein in Äthiopien 10 Millionen Menschen mit täglicher Nahrungsmittelhilfe. In Simbabwe leben sogar 60% heute von UN-Hilfslieferungen. Es geht darum neue Hungersnöte wie 1985/86 mit 2 Millionen Todesopfern in Äthiopien zu verhindern.
Dazu bedarf es kostenfreier Zahlungen in Form des bedingungslosen Grundeinkommen an alle 1,2 Milliarden Menschen die in totaler Armut leben. Das kostet nicht die Welt, alle mit sauberen Trinkwasser, Nahrung, Kleidung und Solargeräten zu versorgen. Es ist kein Almosen sondern der Erbrechtsanspruch eines jeden Weltbürgers auf seinen Anteil an: Land, Ressourcen und am technischen Fortschritt.

Der Schlüssel zu gerechten Verteilung zur Überwindung von Armut liegt in der Überwindung von Ideologien, das nur essen kann wer arbeitet.
Die Armut kostet durch Krisen, Kriege ein vielfaches, als was das globale BGE kosten wird.

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pixeldust 11.09.2016, 14:34
38. Gut, aber irgendwie auch grotesk...

Warum werden die 150 ersten Anlagen verschenkt? Kaufanreiz für andere? Warum klappt das nicht?
Mensch könnte sich gerechtere Systeme ausdenken wie die Anlagen verteilt werden (die ersten Familien bezahlen einen Teil der Kosten der Familien die "zu kurz gekommen sind").
Wenn die beteiligten Familien die Macht haben den Lohn der Solartechnikerinnen zu senken, welche Handhabe gibt die Gemeinschaft diesen Technikerinnen?

So schön kleine Solaranlagen auch sein mögen, sie sind imho mit zuviel Technik ausgestattet und die Pufferung erfolgt immer noch in hochtoxischen Batterien.

Es gibt meiner Meinung nach bessere, ungefährlichere und billigere Ansätze: http://gravitylight.org/ genial und einfach in der Bedienung, wetterunabhängig und kein Puffer benötigt.
Diese sollen zukünftig in Afrika selbst gebaut werden (Kenia).

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experiencedsailor 11.09.2016, 14:37
39. Ein toller Artikel und ein tolles Projekt!

Nartülich gibt es immer ein Haar in der Suppe. Aber ich denke, die Vorteile überwiegen. Die Entwicklungshilfe mit ihren Milliarden ist komplett versandet in den letzten Jahrzehnten. Wir geben für Operationen wie Atalanta mehr Geld aus, als das Bruttosozialprodukt der Westafriknaischen Zwergstaaten wie Liberia, Sierra Leone usw. gemeinsam aus macht. Solche Pojekte, daneben Institute im Bereich der Mikrofinanz, helfen den Menschen vor Ort wirklich.

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