Forum: Wirtschaft
Autokonzerne und ihre Zulieferer: Am kurzen Hebel
DPA

Der Produktionsausfall bei BMW hat gezeigt, wie anfällig die Autoindustrie für Störungen in der Lieferkette ist. Einen Weg zurück aus der Abhängigkeit gibt es nicht - im Gegenteil.

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W/Mutbürger 03.06.2017, 11:47
1. Teure Geschichte

So ein Produktionsstop (habe in dem Metier zu tun), kostet 10.000.- / Stunde Minimum. Hat der Zulieferer Schuld, wird das verrechnet. Für kleine Zulieferer kann das das Aus bedeuten. Gerade kleineren Firmen kann man nur raten, sich ein zweites - oder noch besser - ein drittes Standbein ausserhalb der Automobilindustrie aufzubauen.
Das mindert das Risiko einer Insolvenz ungemein. Wer keine Produkte für Elektroautos produzieren kann, sollte schon jetzt damit beginnen.

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prizma 03.06.2017, 11:47
2. Ach wirklich

Die armen Autobauer sind auf Zulieferer angewiesen??? Naja wer die Gewinne so hochfährt und die Boni (bei Porsche 9111€/Mitarbeiter- interessant wieviel 911 Turbo da verkauft werden müssen ) und die Lohnkosten über zeitarbeiter drückt , dem zollt keiner Mitleid wenn sowas passiert. Und das eine normale Produktion mit Lager unwirtschaftlich sei ist bei den neuwagenpreisen kaum zu glauben , alleine die Kosten für Piëch usw waren nicht mehr finanzierbar.....

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herr_jaspers 03.06.2017, 11:49
3. Keiner kann es sich leisten ?

BMW: Unterm Strich blieben dem Autobauer 6,9 Milliarden Euro und damit acht Prozent mehr als im Vorjahr.
VW: Der Wolfsburger Konzern wies am Freitag für das abgelaufene Jahr einen Betriebsgewinn von 7,1 Milliarden Euro aus.
AUDI: Operatives Ergebnis 2016 = 632 Millionen Euro
Mercedes: Unterm Strich verdiente der Konzern 8,5 Milliarden Euro nach 8,4 Milliarden Euro im Vorjahr.
(Quellen: Handelsblatt, WiWo ua)
Mal kurz nachrechnen...die eine oder andere Lagerhalle könnte theoretisch knapp finanziert werden.
Muss man halt auf die vergoldeten Wände verzichten, und die Swarowski-Steinchen als Oberlichter fallen leider leider auch weg.
Oder man sozialisiert alle Kosten "zugunsten" der Autofahrer durch JIT auf allen Autobahnen, inclusive der Kosten durch Staus, Abnutzung der Fahrbahnen, Zeit, Nerven, Unfälle, Überbelastung mautfreier Strecken usw.
MfG herr_jaspers

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weltbetrachter 03.06.2017, 11:50
4. Anstand verloren

Nehmen und geben, leben und leben lassen, Anstand und Repekt. Die tugenden eines redlichen Kaufmanns haben da wohl einige nicht mehr auf dem Radar. Vor kurzem habe ich einen interessanten Vortrag im Nachtprogramm des Fernsehens verfolgt. Da sprach ein Professor für BWL davon, das auch die Lehre der vergangenen Jahre Schuld daran hat, das heute "Quartalszahlen und Gewinnmaximierung um jeden Preis" großen Einzug in die Chefetagen gehalten hat. Da haben wir Leute ausgebildet, die dann das machen was wir gesagt haben - und aus heutige Sicht ist das nicht alles gut gewesen. Langfristige konstruktive und vertrauensvolle Geschäftsbeziehungen halte ich für besser als kurzfristige Gewinne die auf dem Rücken anderer generiert werden. Umdenken ist erforderlich. Sonst werden einige auf der Strecke bleiben. Und irgendwann trifft es dann auch einen der großen Player. Wir sollten es aber so weit nicht kommen lassen !

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Chefcook 03.06.2017, 11:52
5. Selbst schuld!

1. Die Automobilhersteller haben mit höchst fragwürdigen Methoden ihre Gewinnspanne optimiert. Alte Wirtschaftsregel: Mit dem möglichen Gewinn steigt in der Regel auch das mögliche Risiko. So auch hier.
2. Die Automobilhersteler haben mit derart harten Bandagen ihre Zulieferer bekämpft, dass sie sich nun kaum über das geschaffene Klima beschweren können.
3. Ich wünsche dem Hastor-Clan, Bosch, Magna und ZF den finanziellen Atem und den Duchhaltewillen, die Automobilhersteller nach allen Regeln der Kunst in die Schranken zu weisen. Die großen Zulieferer tun das nicht zum Spaß, sondern zum Erhalt ihrer eigenen Wirtschaftlichkeit, der Arbeitsbedingungen ihrer Angestellten und der Lohngleichheit zwischen Automobilherstellern und -zulieferern.

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valmel 03.06.2017, 11:53
6. 3% Kostensenkung p.A.?

Wusste gar nicht, dass Autos jährlich 3% billiger werden. ;)
So sieht also ungeregelter Kapitalismus aus.

Wie sagte ein Kumpel vor 20 Jahren? "Wozu sollte ich nochmal einen Mercedes kaufen, da ist heute der selbe Kram wie in allen anderen Autos drin". Recht hatte er.

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runningstar 03.06.2017, 11:55
7. Auch ärgerlich für den Kunden

Bei mir war bei meinem BMW das Abgasrückstoßventil kaputt. Eine Garantiesache, da die Marge fehlerhaft war. Es hat sage und schreibe zwei Monate gedauert, bis BMW das Teil liefern konnte. Das war schon ziemlich traurig, zumal ich den Wagen erst Ende letzten Jahres neu gekauft habe.

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guenter_w 03.06.2017, 12:02
8. Klingelt endlich mal der Wecker?

Die Gefahren von outsourcing von Knowhow und singel-sourcing in der Berschaffung ist seit Jahrzehnten bekannt und wird dennoch sträflich immer wieder missachtet. Reines Blicken auf die Quartalszahlen trübt den Blick auf langfristigen Erfolg. Der wahre Erfolg von Firmen liegt in der Berücksichtung von Kompetenz und human capital als Hauptgrundlage des Kapitals! Nur gut, dass ich mein Berufsleben hinter mir habe - ich habve lange genug wie Don Quichotte gegen die Schnellschuss-BWL angekämpft.

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Hajojunge 03.06.2017, 12:05
9. Auch ein Grund für die Verkehrsmisere

Es gibt keine Zwischenlager mehr, und so müssen die Zulieferteile "just in time" geliefert werden. Die LKW sind rollende Lagerhallen. Der Zuliefervorgang kann nicht mehr zeitlich entzerrt werden, ausreichende Puffer fehlen. Dadurch steigt der Druck auf Spediteure und Fahrer immens, und es sind zuviele umweltbelastende LKW unterwegs, auch weil die Bahn für solch eine Tür-zu-Tür-Logistik praktisch ausfällt.

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