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Baden-Württemberg in der Wirtschaftskrise: Die Zündkerze als Grablicht
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Jahrelang war Baden-Württemberg das Musterländle der deutschen Wirtschaft. Nun reißt die Krise der Autoindustrie die Region mit nach unten. Können sich die Betriebe berappeln, ehe es zu spät ist?

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whitewisent 05.11.2019, 09:42
1.

"Musterländle"? Oder nicht eher die Büchse der Pandorra für Deutschland? Deutschland wird regelmäßíg von Ökonomen und Politikern anderer Länder wegen dem hohen Exportüberschuss kritisiert. Dafür ist einerseits die fehlende Nachfrage verantwortlich, anderseits das aggressive Wirtschaftsverhalten dieser süddeutschen Unternehmen, die hier als "Mittelstand" verklärt werden, international aber als Block Lobbyarbeit und Politik betreiben. Billig einkaufen, teuer verkaufen, und notfalls die einheimische Konkurenz in den Zielländern kaputt machen, sodaß man in vielen Bereichen eine überproportionale Marktmacht besitzt. Das sich sowas derzeit auf dem Medikamentenmarkt für Verbraucher wie Unternehmen rächt, beachtet man im Schwarzwald nicht so gern, stört das Bild vom Musterländle, was sich als Vorbild für den Rest Deutschlands, Europas und der Welt empfindet. Nun beim Hauch von Problemen nach staatlichen Interventionen zu rufen ist auch so ein typischer Reflex. Dabei sollte jedem klar sein, die Welt braucht nicht noch mehr Mittelklasse-PKW made in Germany mit der Technik des 20.Jahrhunderts. Andere Hersteller haben sich dort viel breiter aufgestellt. Und ja, auch Mittelständler, die als Zulieferer vieleicht einfacher reagieren könnten, wenn die Besitzer es denn wollten.

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hausfeen 05.11.2019, 09:42
2. Naja, nicht nur die BW-Autobauer haben sich BIS HEUTE ...

... gegen die absehbare Technologiewende mit allen Mitteln gewehrt. Motormanipulation, Meinungsmanipulation, Manipulation der gewählten Vertreter in Berlin und Brüssel ... legal, illegal, scheißegal.
Jetzt kommt die Quittung, nicht nur in BW sondern im ganzen Land. E-Mobilität wird von Asien dominiert werden.
Selbst jetzt noch sind die notwendigen Schritte nur zögerlich eingeleitet, man kann sagen: widerwillig.

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kratzdistel 05.11.2019, 09:45
3. der autobau ist nur ein standbein

zuerst es werden nicht alle e-autos kaufen. im regionalverkehr eher, da auf weite strecken die ladezeiten zu lange dauern.bw ist im Maschinenbau gut aufgestellt. der antrieb der e -autos ist zwar einfacher
und billiger, aber nicht alles kommt aus bw. vorsorge ist angebracht aber nicht Pessimismus. wenn das Stromnetz zum aufladen der Batterien ausfällt, dann bleibt alles stehen ?

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Na Sigoreng 05.11.2019, 09:51
4. Mich wundert die Verwunderung

Die einschlägige Literatur sagt ganz deutlich, dass wir uns und unsere Industrien selbst zerstören. Der Brain-Drain geht eben an der Automobilbranche auch nicht spurlos vorüber - dazu die permanente gesellschaftliche Verteufelung.
Und jetzt - Verwunderung?
Lachhaft!

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muellerthomas 05.11.2019, 09:51
5.

Da zeigt sich gut, dass diese ganzen Langzeit-Prognosen, wie sich welche Region oder Stadt in den kommenden Jahrzehnten entwickeln wird, schnell obsolet sein können.

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andreasbln 05.11.2019, 09:52
6. ständige Panikmache... es nervt.

als ob die halbe Welt schon Elektroauto fährt und die deutschen Hersteller hinterherhinken. Es gibt und gab bisher doch sowieso nur ein paar Nischenhybrids, bzw. es gibt noch überhaupt keinen Absatzmarkt was nicht alleine an den Herstellern liegt.... die aktuelle Diskussion zeigt doch deutlich, dass es erstens keine ansprechende Infrastruktur gibt. Wer keine eigene Steckdose irgendwo hat, kann es zur Zeit doch eh vergessen, also gerade in den Großstädten, die Autos sind teuer und höchstens tauglich als das Drittauto von Mutti falls der SUV nicht so PC ist. Man bedenke, dass gerade VW immer sehr spät aber sehr erfolgreich das VAN und das SUV Segment von hinten aufgerollt hatten... aber Abgesang und Panikmache geben die besseren emotionaleren Schlagzeilen. Die deutschen Hersteller steigen in der Regel erst dann ein, wenn es sich wirklich lohnt und lassen andere den Markt testen. War ja bisher auch immer erfolgreich, warum sollte es diesmal anders sein ? Mir erinnert das Ganze an den seit über 3 Jahren andauernden Abgesang auf Frau Merkel und die Groko.... es ermüdet, bringt gar nichts und lässt einen in dieser Frequenz an der Qualität der journalistischen Arbeit erheblich zweifeln.

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bebreun 05.11.2019, 09:56
7. wann gehen die Mitarbeiter auf die Straße?

Wenn gesellschaftlich und politisch alles verteufelt wird, was Arbeitsplätze schafft und erhält, dann wird es Zeit, dass die Betroffenen kräftig reagieren. Zum einen müssen ähnlich wie bei Fff sich Massen versammeln und gegen einigen Unsinn, der aus diesen und ähnlichen Ecken kommt, lautstark und massiv protestieren. Das ist übrigens der riesen Fehler dieser Fff-Propagandisten, dass sie eine heile Welt versprechen ohne die arbeitende Bevölkerung zu berücksichtigen. Der nächste Zeitpunkt zum Protest ist die Wahl. Ich befürchte, dass dann leider die AFD der große Gewinner sein wird. Es ist kaum verwunderlich, dass Kretschnann heute schon schwärzer als die CDU daherkommt.

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chrismuc2011 05.11.2019, 09:57
8.

Jahrzehntelang hat der deutsche Maschinenbau glänzend verdient. Aber haben die Betriebe in Industrie 2.0, IT oder KI investiert? Nein. Schlicht verschlafen, bzw. das Auftragspolster war ein schläfrig machendes Ruhekissen. Das rächt sich jetzt.
Aber es scheint in der Industrie, wahrscheinlich berechtigt, in Zeiten des Neokapitalismus mittlerweile Usus zu sein, sofort nach staatlichen Subventionen für Investitionen, die eigentlich die Industrie als selbstständige Unternehmungen selbst zu finanzieren hätten, zu schreien. Steuerermäßigungen, billige Stromtarife Billiglöhne reichen wohl nicht. Aber Mutti und NachfolgerInnen werden es schon richten, da bin ich mir sehr sicher! :-(

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bert1966 05.11.2019, 09:57
9. Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren

Jahrzehnte lang haben die Autobauer satte Gewinne eingestrichen und an ihre Aktionäre verteilt. Vom Boom und der Innovationskraft dieser Unternehmen profitierten sicher auch unzählige Arbeitnehmer. Den Paradigmenwechsel in der Individualmobilität aber, den haben die deutschen Autobauer schlicht verschlafen. Zu bequem und ertragreich war das alte Modell der verbrennungsmotorgetriebenen Fahrzeuge, zu gering der politische Gegenwind. Im Gegenteil: Politiker machten mit den Autobauern gemeinsame Sache, hofierten die Vorstände von Daimler, Porsche, VW wie Fürsten, das Land Niedersachsen ist gar Anteilseigner bei VW.

Kurz: Die Politik hat sich ihre Einflussmöglichkeiten abkaufen lassen - und wird von den Autobauern jetzt schon wieder mit Drohungen von Massenarbeitslosigkeit und wirtschaftlichem Abschwung erpresst. Schon wieder zahlt der Steuerzahler den Ausbau der E-Mobilitätsinfrastruktur und Prämien für E-Autos, die sich die Autobauer und deren Aktionäre in die Tasche stecken (auch wenn sie "großzügig" auch eine eigene Beteiligung vorspielen).

Der Staat ist nur noch Befehls- und Wunschempfänger der Großkonzerne.

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