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Bahn, Internet, Verwaltung: So lahm ist Deutschland
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Verspätete Züge, langsames Internet und Wartenummern auf dem Amt: Bei der Infrastruktur ist Deutschland in vielen Bereichen rückständig. Wie es besser ginge, machen andere Staaten vor.

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mr.zoui 24.04.2019, 16:33
140. hmm

Mein Internet, seit 13 Jahren 16 Mbit (effektiv 9/1), letztes Jahr kostenfrei auf VDSL50, effektiv 48/10 Mbit, umgestellt funktioniert problemlos, für 20 € pro Monat. Den einen Tag Ausfall für die Umstellung kann ich bei Änderung der 35 auf 11 vms Latenz nur gutheißen.
Meine rund drei Bahnfahrten pro Jahr haben trotz max 5 Minuten Verspätungen ihren Zweck erfüllt.
Mein letzter Amtsgang (neuer Perso) war mit 30 min für die Beantragung und 10min, drei Monate später, für die Abholung erledigt.

Alles zusammen nichts, was mich davon überzeugen könnte, daß ein Leben in irgendeinem anderen Land erstrebenswert wäre.

Ich bin mir natürlich des Investitionsstaus in D bewusst, aber die Beispiele sind hier denkbar schlecht gewählt.

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bacillus.maximus 24.04.2019, 16:34
141.

Zitat von cvdheyden
Genau das ist der Denkfehler. In Zukunft werden die Kupferkabel eben nicht mehr als "backbone" ausreichen. Raten Sie mal warum in den Städten Glasfaser verlegt wird? Weil die Leute und vor allem die Dienstleister es nutzen! Mein Nachbar erstellt Videos, die er per Internet liefert. Mit 250 Mbit ist das schon zum Kotzen langsam. Es wäre das beste die Telekom komplett zu zerschlagen und diese VDSL dahin zu verbannen wo sie hingehört: In den Mülleimer. Das ist der letzte Dreck, mann muss es so sagen. Deutschland macht wie immer alles falsch. VDSL funktioniert hier eben nicht. Wenn nicht Flächendeckend Glasfaser bis an die Verteilerknoten gelegt wird und genau darum geht es, dann kommen bei allen (Haushalten, Dienstleistern, Industrie (ja gibts auch auf dem Land)) nur 3000 MBit, wie bei meinen Schwiegereltern, die in der Nähe von Stuttgart wohnen an. Das reicht noch nicht mal für SPON.
Was genau definieren Sie denn bitte als "Verteilerknoten"?
Den Begriff gibt es in der Nachrichtentechnik nicht.
Alle Vermittlungsstellen in Deustchland , das sind trotz zunehmendem Umbau auf Outdoor-Lösungen immer noch weit über 12.000, sind schon seit Jahrzehnten per Glasfaser vernetzt, da der Datenbedarf selbst zu BTX-Zeiten weder in Adernpaar- noch TF-Technik überhaupt handhabbar wäre.
Alle Outdoor-MFG sind ankommend über Glasfaser angebunden, und davon gibt es hunderttausende in Deutschland. Mit dem fast-Protokoll kann jeder der an einem MFG hängt Gbit/s bekommen, sofern man für die letzen fünfzig Kupfermeter ins Haus Vectoring nutzt.
Was Sie schreiben ist inhaltlich falsch und auch von der physikalischen Seite her Unsinn. Das einzige was gegen vectoring spricht ist die Trotzigkeit der privaten Telefonanbieter, welche vor zwanzig Jahren rumposaunt haben das alte Postnetz gar nicht nutzen zu wollen weil sie was viel besseres hätten. Nämlich Powerline und Wimax. Und als sie dann (unter lautem Gelächter der Experten die ihnen das prophezeit haben) eine kapitale Bruchlandung damit machten und den Schwanz einziehen mussten haben sie sich dann doch an des schlechte, veraltete Netz drangehängt. Weil sie irgendwann gemerkt haben daß ihre Geschäftsführer und PR-Heinis nicht die Spur einer Ahnung hatten wie teuer und aufwendig es würde ein eigenes Netz zu errichten.

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teacher20 24.04.2019, 16:36
142. Teil 1

Im Grunde sind solche Vergleiche, wie sie der SPIEGEL hier anstellt, kindische und zudem noch fehlerhafte "Schwanzlängenvergleiche". Einige Foristen haben es ja schon deutlich gemacht: rückständige Länder, die sich nach langer Zeit erst einmal praktisch von der "Postkutschenzeit" auf "Neuzeitniveau" fortentwickeln, haben prinzipiell gegenüber Staaten, die bereits einen hohen Entwicklungsstand haben, einen Vorteil, zumal, wenn sie vom Flächen- und Bevölkerungsniveau in einer viel kleineren Liga spielen, wie Portugal und die Baltenstaaten, die in dieser Hinsicht tatsächlich den sozialistischen Traum vom "Überholen ohne Einzuholen" realisieren können. Zudem ist zu bedenken, dass Portugal und die Baltenstaaten auch enorme (Netto-)Nutznießer der EU sind, deren Fördertöpfe in hohem Maße von der "lahmen" Bundesrepublik gefüllt werden. Wer einmal das hervorragende Schnellstraßennetz auf der zu Portugal gehörenden Atlantikinsel Madeira befahren hat, kann sich davon überzeugen.
Was das "lahme" Internet angeht, so dürfte für die Masse der privaten Kunden der aktuell erreichte Standard völlig ausreichend sein, auch wenn international operierende Groß- und mittelständische Unternehmen oft zu Recht klagen, da bei ihnen oft ganz andere Datenmengen übertragen werden müssen. Für Sie dürfte es jedoch Lösungen geben, ohne das Land flächendeckend umzugraben.
Die "lahme" Verwaltung ist sicherlich dem deutschen Bürokratiewahnsinn geschuldet, aber auch hier kann derjenige, der einige Jahrzehnte "Ämtererfahrung" mit der Entwicklung vom "Bittsteller" zum "Kunden" hinter sich hat, Besserungen feststellen. Zudem ist der föderale Aufbau der Verwaltung der Entscheidungsgeschwindigkeit nicht unbedingt förderlich.
Wer die Pünktlichkeit der Bahn und den unzureichenden Ausbau von Schnellbahnstrecken moniert, darf nicht gleichzeitig die "Errungenschaft" des (bundesdeutschen) Föderalismus in den Himmel loben, denn der schnelle Ausbau der TGV-Trassen in Frankreich ist nicht nur der Geographie geschuldet (wofür die Franzosen nichts können), sondern auch den schnelleren Entscheidungswegen, die einen Zentralstaat (der zudem auch weniger "ökologisch" denkt als die hiesige "Zivilgesellschaft") nun einmal auszeichnen (wofür die Franzosen sehr wohl etwas können). Der japanische Shikansen (der schon seit den 60ern fährt), ist trotz der schwierigen Geographie der japanischen Inseln kein Gegenbeweis, weil auch Japan sehr viel zentralistischer aufgebaut ist als die Bundesrepublik und zudem bis in die Gegenwart eine Technikbegeisterung kennt, die überhaupt nicht mit der zunehmenden deutschen Technikskepsis bis -feindschaft vergleichbar ist (und die Hindernisse als zu überwindende Herausforderungen ansieht, was die weinerliche deutsche Gesellschaft vollständig verlernt zu haben scheint). Übrigens ist auch Japan ein Modernitätsspätstarter, der im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts von der Feudal- in die Industriegesellschaft katapultiert wurde (mit den bekannten gesellschaftlichen und politischen Verwerfungen), somit, wenn auch in einem anderen Größenverhältnis, mit Ländern wie Portugal und Estland, Lettland und Litauen vergleichbar.

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teacher20 24.04.2019, 16:37
143. Teil 2

Wenn etwas an der Bundesrepublik kritikwürdig ist, dann ist es die offenkundige Unfähigkeit, ein Großprojekt wie einen internationalen Flughafen im Zeit- und Kostenrahmen zu bauen, die fahrlässige Vernachlässigung der Streitkräfte durch sicherheitspolitischen Schlendrian, das Gefasel von der "Bildungsrepublik", dem infrastrukturell keine Taten folgen, das übertriebene "Sich-Abarbeiten" in der Disziplin "Moralweltmeister".
Der frühere Bundespräsident Roman Herzog forderte um die Jahrtausendwende, es müsse ein "Ruck durch Deutschland gehen". Was immer man der damaligen Schröder/Fischer-Regierung im Einzelnen ankreiden mag, immerhin gelang es ihr, mit der "Agenda 2010" den Grundstein für die wirtschaftliche Erholung der Bundesrepublik zu legen, die auch über die Krise der "Nullerjahre"" hinweg trug und von der Merkel bis heute zehrt. Dieser wirtschaftliche Erfolg wurde aber auch zum Fluch, weil eine lethargische und saturierte Gesellschaft glaubt(e), die wirtschaftliche Hausse könne nie enden. Die Erfolge von "2010" sind aber weder dafür gemacht, sich darauf auszuruhen, noch sie (wie die "sozial gewendete" Rest-SPD) ersatzlos in die Tonne zu treten und wieder voll umfänglich auf "Vater Staat" zu setzen, der es, wie nicht nur die SPD glaubt, schon richten wird.
Ja, die Bundesrepublik hat einen beträchtlichen Nachholbedarf, den aber nicht die Rückkehr zum "Staatskapitalismus" decken wird, sondern vielmehr eine gesunde Mischung aus "Staatskapitalismus" und Privatkapitalismus.

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adissu 24.04.2019, 16:37
144. Ach je,

bei uns gibt es im Neubaugebiet schön Glasfaser. Im Ortszentrum wird weder von Seiten der Netzbetreiber noch der Gemeinde selbst was ausgebaut, weil notorisch blank. Kabel als Alternative liegt leider nicht in der Straße und damit ist hier auf absehbare Jahre hinaus mit 16 MBit/s Schluss. Dabei gehören wir noch zum Großraum Stuttgart und VVS mit Bahnanschluss am Ort und im Neubaugebiet nimmt man nun gerne zwischen 450 und 600 Euro pro Quadratmeter. Dabei könnte die Stadt heute fast so billig wie nie einen Kredit aufnehmen, die Infrastruktur schaffen und den bekannten Internetanbietern die Leitungen danach vermieten. Damit könnte man über die Jahre hinweg zum einen die Kredite tilgen und zum anderen langfristig Einnahmen generieren. Aber nein, hier wird noch Kommunalpolitik wie im letzten Jahrtausend betrieben, ohne einen relevanten Blick nach vorne. Das beste sind dann so Argumente wie: "Wären Sie denn bereit, für einen schnelleren Anschluss das 2-3 fache zu bezahlen?" --> Nee, natürlich nicht. Im Dorf nebenan bekommt man ja auch für 30 Euro 200 MBit/s. Es muss also wohl irgendwie möglich sein, das zu vernünftigen Konditionen anzubieten. Einfach nur lächerlich!

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ulijoergens 24.04.2019, 16:38
145.

Zitat von weltverbesserer75
Andere Staaten, die in den genannten Feldern besser abschneiden, sind meist auch in Sachen „Geschlechtergerechtigkeit“ und „Generationengerechtigkeit“ schon viel weiter als Deutschland. Ist das ein Zufall? Ich glaube nicht. Deutschland, in dem die meisten Entscheidungsträger ältere weiße Männer sind, scheint aktuell eher auf „Erhaltung“ statt auf Fortschritt aus zu sein. Das passt zum aktuellen Stand der Psychologie, wonach die fluide Intelligenz zum Erlernen und Verstehen neuer Dinge entscheidend ist. Die fluide Intelligenz nimmt jedoch im Alter ab. Daraus kann man schließen, dass Deutschland, wenn es in Sachen Technologie und Fortschritt wieder weiter vorne sein möchte, verstärkt auf jüngere und weiblichere Menschen in Führungspositionen setzen sollte. Dann klappt das auch wieder mit dem Fortschritt.
Daraus ein Genderproblem zu machen ist mir wirklich nicht in den Sinn gekommen. Das ist sicher ein interessanter Weg, um die Diskussion zu beenden.
Ich möchte dazu nur anmerken, dass man das natürlich rein statistisch auch genau anders herum interpretieren kann. In der Verwaltung arbeiten ja überdurchschnittlich viele Frauen (vor Allem in sozialen Berufen) und tragen dort auch Ergebnisverantwortung.
Wir alle wissen, dass es grober Unfug wäre, daraus zu schließen, dass mehr Männer in Managementpositionen in der Verwaltung notwendig wären.

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spon_7933274 24.04.2019, 16:39
146.

Zitat von Osservatore
Was soll das große Gejammer? Jetzt wird geerntet, was wir seit 30 Jahren gesät haben. Aber die Jünger des neoliberalen Aberglaubens haben den Schuss immer noch nicht gehört. Erst den öD kaputt sparen, dann jammern, das die Infrastruktur bröselt. Scheinheiliger gehts nicht. Diese Leute sollten wegen asozialer Minderleistung zur Rechenschaft gezogen werden. Aber dalli...
Mein Gott. Jetzt hört es aber wirklich auf. Der öD wurde in keiner Weise kaputt gespart, sondern ist Mitverusacher der desolaten Situation. In D gibt es eindeutig zuviel öD und Bürokratie.
Meines Erachtens könnte man die Hälfte der Leute im öD ersatzlos entlassen, ohne dass das gross auffallen würde.

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matti99 24.04.2019, 16:41
147. es fehlt am Machen-Willen

bei uns fehlt es am Machen-Willen, an Durchsetzungskraft, wir haben zu viel Klein-Klein und Ausschussweiterreichungbeschluss, dort gibt es dann den kleinen Weg, weil nur der Durchsetzungsfähig ist. Die vielen Projekte stecken bei uns in der Rohrpostanlage und deren Problemen - wie z.B. das besondere Anwaltspostfach, die elektronische Gerichts-Verfahrensakte, die elektronische Gesundheitskarte, die elektronische Patientenakte, die verpflichtende elektronische Steuererklärung (Elster), der elektronische Identititätsnachweis durch den Perso (und an deren 10jähriger Gültigkeit) usw. ... Die Fragen der gesicherten Identität und der Sicherheit der Verfahren vor Unbefugten, vor Identitätsdiebstahl, vor Systemeinbrüche sind die großen Probleme. Unsre Projekte sind zuweilen mit zuviel Gesamtwollen überlastet, statt Einzelschritte komplett zu erledigen um dann den nächsten Einzelschritt zu vollenden, auch gibt es keine Übersicht und Übernahme von Projektideen aus den Nachbarländern - warum bastelt jedes Bundesland an seiner elektronischen Gerichtsakte, warum kann man erfolgreiche Projekte aus den Nachbarländern (z.B. das elektronische Gerichtsverfahren in Dänemark) nicht übernehmen und an die hiesigen rechtlichen Rahmenbedingungen anpassen? (vermutlich werden in Dänkemark die Seiten des elektronischen Schriftverkehrs eines Gerichtsverfahrens auch nicht mehr von Hand paginiert, um anschl. per Scan der Akte zuzuführen) ??? Aber das ist ja alles Neuland und jeder will eigene Gedanken und Fehlschritte erleben......

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bernard_bs 24.04.2019, 16:41
148. Zum Glasfaserausbau

gibt es im Archiv des Spiegel einen sehr aufschlussreichen Artikel zu Herrn Schwarz-Schilling und seinen persönlichen Interessen als Postminister: https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-14356273.html
Zuvor hatte sich Bundeskanzler Schmidt bereits für den Glasfaserausbau ausgesprochen: http://www.bundesarchiv.de/cocoon/barch/00/k/k1981k/kap1_1/kap2_20/para3_10.html?highlight=true&search=B 136/51074&stemming=true&field=all#highlightedTerm
Mit Kohls Wahl war es dann vorbei mit dem Glasfaserausbau zu Gunsten der Accumulatorenfabrik Sonnenschein.

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awoth 24.04.2019, 16:45
149. Am schlimmsten ist es,

an der Bildung zu sparen! Wenn niemand mehr eine gute Allgemeinbildung oder gar eine Spezialausbildung hat, die über Wikipedia- oder Fernsehniveau hinaus geht (wozu braucht ht man das denn alles?) muss man sich nicht wundern. Es könnte sein, dass auch der so genannte 'Fachkräftemangel' darauf zurück zu führen ist! :-)
Es muss einfach Leute geben, die was von auch komplexeren Zusammenhängen verstehen ! Einige andere müssen dann halt damit leben, dass sie nicht kritiklos die Oberschlaumeier raushängen lassen können.
Und teuer ist das gar nicht mal. Nicht so teuer, wie dem Mangel hinterherzuhecheln.
Bessere Bedingungen für unser größtes Kapital, die Jugend und deren Bildung!

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