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Baukindergeld: Der Unsinn mit der Obergrenze
DPA

Die Koalition streitet über die Flächenobergrenze beim Baukindergeld. Sie sollte das Vorhaben lieber gleich ganz fallen lassen - es profitieren allenfalls die Falschen von der Maßnahme.

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fvaderno 24.06.2018, 14:58
30. Größe von Kinderzimmern!?

Sicher kann man der Argumentation im Artikel folgen und ihr großteils zustimmen. Aber welch Geistes Kind hinter dem Schriftstück steht, sieht man, wenn man folgende Bemerkung liest: 'Solche Größenordnungen bei Kinderzimmern galten vielleicht einmal um die Jahrhundertwende als luxuriös, und zwar bei der vom 19. zum 20. Jahrhundert.' Vielleicht hat der Autor des Artikels recht - aber nur bei sich als wohlverdienendem Journalist und für andere in der oberen Verdiensthälfte der Republik Angesiedelten. Viele Kinder haben auch bei uns weit weniger individuellen Platz zur Verfügung! Viele müssen auch in einem 10 Quadratmeter großen Zimmer zusammen mit einem Geschwister vorlieb nehmen Der Satz erinnert mich an die angebliche Äußerung der französischen Gattin des Königs Marie-Antoinette, als sie hörte, dass die Hungernden in der Stadt kein Brot hatten: Sollen sie doch Kuchen essen!

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nixblicker00 24.06.2018, 18:26
31. Völlig verquere Subvention

Baukindergeld bedeutet ...

1) Geld in einen ohnehin überhitzten Markt zu schmeissen.
2) dass die Preise aufgrund der angeschobenen Nachfrage weiter steigen.
3) dass Familien sich noch zunehmend zu hoch verschulden werden und in Kürze, wenn die Zinsen wieder auf Normalniveau steigen, zahlungsunfähig werden.
4) dass in Folge der steigenden Immobilienpreise, reiche Investoren mehr verdienen.
5) dass in Folge der steigenden Immobilienpreise auch die Mieten steigen - auch für die Familien, die sich mit oder ohne Subvention keine eigene Immobilie leisten können.
6) dass die ohnehin überhitzte Baukonjunktur einen umso tieferen Fall vor sich hat, der viele Baufirmen dahinraffen wird.
7) die Karrikatur eines antizyklischen Verhaltens. Wie jeder Ökonom weiss, soll der Staat Geld ausgeben, wenn die Konjunktur schlecht ist. Und sparen wenn sie brummt.

Unsrere Regierung verwöhnt uns ja nicht gerade mit souveränen Entscheidungen und weitsichtigen Ideen. Das Baukindergeld ist aber so offensichtlich falsch, dass man nur hoffen kann, dass sich die Koalitionäre auch hierrüber zerstreiten. Und und dieser Blödsinn wenigstens mal erspart bleibt.

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telarien 24.06.2018, 19:50
32. Ziel

Die Naivität ist niedlich. Das Baukindergeld kommt der Bauindustrie zu Gute.
Ja, genau das war der Plan!
Wer bekommt wohl die Extraprozente der Pflegeversicherung: Die pflegebedürftige Oma, der überforderte Pfleger oder der Betreiber des Pflegeheims?
Und der Michel wählt die Groko, in der er gut und gerne lebt. Passt doch.

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caliper 24.06.2018, 20:00
33. Sparen kann man auch anderweitig

Zitat von jozu2
Am Baukindergeld verdient nur die Immobilienbranche. Am Tag der Einführung des Baukindergeldes steigen die Preise für Einfamilienhäuser nämlich genau in Höhe des Baukindergeldes. Und mit Obergrenze ist's erdt recht Blödsinn: Bauen/Kaufen kann nur, wer mind. 50T€ Eigenkapital und ein solides Einkommen hat. Die werden bestimmt durch die Obergrenze ausgeschlossen und dann kann's kaum jemand nutzen.
Habe gar nicht gewusst, dass es einen Einfamilienhausbaupreisindex an dem man das tagtäglich ablesen kann?
Ich finde diese Sparmaßnahme nicht gut. Immer wenn man viele Bedingungen erfüllen muss wird es bürokratisch und damit verwaltungstechnisch aufwändig und teuer.

Irgendwie scheint diese Regierung davon besessen zu sein Bürokratiemonster aufzubauen um sie dann einige Jahre später in irgendwelchen Entbürokratisierungsrunden, wieder mit viel Aufwand, zu entschlacken.

Warum denn nicht gleich?
Die FDP hat als Alternative Fördermöglichkeit einen Freibetrag für die Grunderwerbsteuer vorgeschlagen. Das würde gerade den weniger betuchten jungen Familien helfen. Und durch die wegfallende Bedingungsprüf - und Bedingungserfüllungs - Bürokratie (auf der Käuferseite) hätte sowohl der Finanzminister als auch der potentiell Geförderte etwas davon.

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zweiundvierzig42 24.06.2018, 20:52
34. Meine Familie ist begeistert

Selbstverständlich macht ein Baukindergeld Sinn. Schließlich ist der hungrige Rachen des armen, so bedürftigen Maklers zu stopfen. Zudem steigt der Zufriedenheitsindex der Familie rasant, kann sie doch ihr Erspartes nutzen um die sonstigen Baunebenkosten des Staates (Grunderwerbssteuer) und des Notars zu decken. Und nein, es ist gut, dass nur Investoren die Baunebenkosten und die Baukosten selbst steuerlich absetzen können, eine junge Familie wäre damit ja total überfordert und kann die Zeit besser in die Erziehung der eigenen Kinder investieren. Außerdem sind Familien ja am Gemeinwohl interessiert. Geld ist da total überbewertet. Schließlich benötigt man auf dem Land ja durch den überragenden Ausbau des ÖPNV kein Familienauto mehr.

Auf die qm-Obergrenze haben wir gewartet und sind begeistert. Die Politik zeigt ihre Kompetenz in Sachen Familienpolitik. Stellt euch Mal vor, wir hätten sonst ein Bestandsgebäude auf dem Land gekauft. Jetzt können wir beruhigt den entspannten Wohnungsmarkt in der Innenstadt nutzen oder eines der vielen Baugrundstücke wählen. Und sobald das dritte Kind kommt, erlaubt uns der Staat eigenmächtig zu entscheiden, das Baukindergeld zu nutzen um den Architekten zu bezahlen, der uns die 10qm-Erweiterung des neuen Hauses zeichnet. So hat auch der etwas davon. Und die freundliche Bank wird uns sicherlich einen familienfreundlichen Zins für die Nachfinanzierung anbieten.

Daher ja zum Baukindergeld mit Obergrenze. Aber bitte lasst die Baunebenkosten bestehen und danke, dass ihr uns den richtigen Weg bei der Planung und dem Auffinden des richtigen Objektes lasst. Endlich eine realitätsnahe Politik. Danke Herr Scholz, danke Herr Seehofer.

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geraldwinkeler 25.06.2018, 11:52
35. Es gibt genug Wohnraum!

Da kann man nur zustimmen. Nachdem unsere großkoalitionären Politiker teilweise für 10000 Euro pro Wohnung Bestände in städtischen Lagen, also das, was am dringendsten gebraucht wird, an sogenannte Investoren , auf Deutsch auch Heuschrecken genannt, verkauft haben, wollen sie jetzt wieder Eigenheime auch außerhalb der Städte für diejenigen subventionieren, die sich auch ohne staatliche Hilfe zumindest eine ordentliche Bleibe finanzieren könnten. Die, die nur notdürftig oder gar menschenunwürdig untergebracht sind, bleiben außen vor. Deutlicher kann man den 20% am unteren Ende der sozialen Leiter nicht zeigen, dass man sich um sie nicht kümmern will. Dabei leugnet man das zentrale Problem der Wohnungswirzschaft: Es gibt in Deutschland nicht zuwenig Wohnraum, sondern auch pro Kopf mehr als je zuvor und mehr als in den meisten Ländern Europas. Er wird nur entsprechend unserer immer weiter auseinander klaffenden Einkommens- und Vermögensverhältnisse immer ungleicher verteilt und entsteht teilweise auch an der falschen Stelle. Die alte These, wonach staatlich geförderter Neu- und Umbau für die Besserverdienenden am Ende auch den weniger Begüterten zugute kommt, ist von der Realität überall widerlegt worden. Zu einer Beschränkung staatlicher Förderung auf diejenigen, die es wirklich nötig haben, und auf Träger, die gemeinwohlorientiert sind, fehlt den Politikern der Wille. Stattdessen verteilt man lieber Geld an den sogenannten Mittelstand, weil man die nächsten Wahlen im Blick hat. Leider schaffen es die Opfer dieser Politik nicht, ihren Interessen durch eine klare parteipolitische Präferenz Geltung zu verschaffen. Die AfD wird ihnen bestimmt nicht helfen.

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Pumukkl 25.06.2018, 12:08
36.

Wir haben uns vor 2 Jahren extra aus der Großstadt verabschiedet, weil wir dort mit wachsender Familie kein bezahlbares Eigentum gefunden hätten. Trotz unserer Jobs, unserer Freunde und des vielfältigen Angebots dort. Nun wohnen wir ländlicher und liebäugeln natürlich mit größeren Objekten als 120qm, der Markt gibt hier selten kleinere Häuser her. Wären wir in der Stadt geblieben, könnten wir uns nun auf dem ohnehin schon angespannten Markt nach einer Schuhschachtel umsehen und würden die Förderung erhalten. Große Objekte auf dem Land bleiben noch leerer als sowieso schon.

Noch gar nicht bedacht ist, wie es sich mit einem Arbeitszimmer verhält. Es gibt doch bestimmt einige Familien, die zu Hause arbeiten müssen. Das wäre auch ungerecht, das nicht mit einzukalkulieren.

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yvowald@freenet.de 25.06.2018, 12:45
37. Baukindergeld ist wichtig für Familien und Kleinverdienende

Den großen Finanzinvestoren ist das Baukindergeld ein Dorn im Auge. Warum?
Weil diese Geldanleger nur durch den Bau von Luxuswohnungen, aber auch durch den Sozialen Wohnungsbau Geld ansammeln können, etwa durch hohe Abschreibungsmöglichkeiten.
Von einem Baukindergeld profitieren sie naturgemäß nicht. Und das macht diese Kreise, hinter denen auch die FDP steht, wütend.
Baukindergeld ist insbesondere für junge Familien oder Geringverdienende wichtig, weil diese ja kaum Einkommensteuern zahlen und somit von Steuererleilchterungen nichts mitbekommen.
Ich verstehe nicht, warum dies seitens der Regierenden nicht klar gesagt und betont wird?

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michael.krispin 25.06.2018, 15:31
38.

Zitat von rosenbluete
Zitat: „Zudem ist die Anhebung der Obergrenze um zehn Quadratmeter für jedes weitere Kind ein Witz. Solche Größenordnungen bei Kinderzimmern galten vielleicht einmal um die Jahrhundertwende als luxuriös, und zwar bei der vom 19. zum 20. Jahrhundert.“ Für mich ist das kein Witz, sondern annehmbar. Ich als heutige Rentnerin habe ganz andere Förderungen erleben dürfen z. B. 50 DM Kindergeld bei einem Kind. Aus die Maus und man kam damit zurecht, auch mit beengten Wohnverhältnissen: Mutter schläft im Wohnzimmer, damit das Kind entsprechendes Kinderzimmer hat. Aber das ist kein Maßstab, die Zeiten sind anders geworden. Dennoch stellt sich mir dabei die Frage: Wen man denn fördern will? Den gehobenen Mittelstand ausschließlich? Oder auch diejenigen, die aufgrund hoher Mieten beengt leben? Um diesen Personenkreis zu moderaten Wohnpreisen zu verhelfen, die gleichzusetzen sein können mit einer erhöhten Miete. Und, was letztlich im Alter Absicherung bietet. Luxus-Förderung ist m. E. völlig fehl am Platz. Gibt es eigentlich eine Obergrenze bei der Anzahl der Kinder? Familien mit sehr vielen Kindern gibt es ja auch. Wenn man die ganzen heutigen Subventionen dabei zugrunde legt bei beengter Wohnsituation, finanziert sich vielleicht das Eigentum von selbst.
Da werden die Neubuerger auch schnell hinterkommen. Sind dann ja bestens integriert wenn schon ein Haus gebaut wird. Wer das bezahlt haben Sie ja auch schon langsam erkannt, oder?
Im uebrigen halte ich es auch besser wenn die Kommunen eigene Wohnbaugesellschaften haben. Diese ganze Privatisierung hat nur einigen wenigen geholfen die Taschen zu fuellen. Ich behaupte mal frech vom Stadtrat an bis hoch in die EU Kommission wurde gute 'Lobbyarbeit' geleistet. Woanders, zB Asien, nennt man das ja wenigstens noch beim Namen: Korruption!
Mal abgesehen von diesen laecherlichen 10qm pro Kind. Das ist die Mindestgroesse fuer Hundezwinger ab etwa 1/2m Ristgroesse. Kinder werden da mit 1-2 Jahren schon groesser.

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monika_martens 01.08.2018, 10:56
39. Baumkindergeld rückwirkende Beantragung

Der Deutsche Bundestag möge sich doch bitte an die 2017 getätigten Äußerungen zum Thema Baukindergeld halten, wo es hieß, dass dieses auch rückwirkend ab Juli 2017 gelte. Hierauf haben sich bundesweit Familien verlassen.

Da die Datumsänderung sehr viele Familien betrifft wurde hier eine öffentliche Petition erstellt:
https://epetitionen.bundestag.de/petitionen/_2018/_06/_27/Petition_81883.nc.html

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