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Belastung der Mittelschicht: Durchschnittsverdiener zahlen höchstens 19 Prozent Steue
DPA

Im Wahlkampf sorgen sich Deutschlands Politiker über die belastete Mittelschicht. Doch eine aktuelle Berechnung zeigt: Am Steuersatz liegt's nicht. Durchschnittsverdiener zahlen nur zwischen 1,7 und 19,2 Prozent.

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Spiegelsicher 17.05.2017, 09:59
1. Entschuldigung, aber ...

... diese "Michel-sei-zufrieden-und-still-und-wähl-Merkel"-Artikel werden langsam etwas kraus. Dass der Regelfall in Deutschland mittlerweile die Doppelverdiener-Ehe ist, bei der beide Teile arbeiten, scheint ja komplett unter den Tisch gefallen zu sein. Selbst bei Getrenntveranlagung werde ich die Kinder nicht doppelt - bei jedem Elternteil - anrechnen können. Irgendwie erinnert die heute Zeit und Medienberichterstattung zunenehmend an das Biedermeier. Dem Bürger wird sogar schon der kritische Blick auf die Obrigkeit versagt.

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Kaiserstuhlwinzer 17.05.2017, 09:59
2. Trau keiner Rechnung,

die du nicht selbst verpfuscht hast! Laut Tabelle liegt das zu versteuernde Einkommen für Ehepaar mit 2 Kindern höher (!) als für das Ehepaar ohne Kinder ! Und zahlt trotzdem weniger Steuern. Also: back to sender, erst mal in Ordnung bringen. Und ansonsten: Genauigkeit vor Schnelligkeit! Wohl bekomms!

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marshall rosi 17.05.2017, 09:59
3. Unverheiratete mit Kindern...

Wie so oft: Alleinstehend, ohne Kinder/Ehepaar, ohne Kinder/Ehepaar 2 Kinder
Unverheiratete Paare mit Kindern tauchen mal wieder nicht auf in den Untersuchungen.
Sie werden steuerlich besonders stark belastet.

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makromizer 17.05.2017, 10:02
4.

Neben den erwähnten Sozialabgaben wurden allerdings die AG-Beiträge vergessen. Nun mag man sagen, dass das den AN nicht direkt belastet, aber jeder wirtschaftlich denkende AG ermisst Gehälter anhand der Gesamtkosten, nicht an dem, was als Brottolohn vereinbart ist. Somit sind AG-Beiträge für den AN auch entgangenes Einkommen.

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yvowald@freenet.de 17.05.2017, 10:03
5. Steuertarif gehört auf den Prüfstand

Der gesamte Einkommensteuer-Tarif gehört auf den Prüfstand.
Denn mit den immer wieder in den Raum gestellten Zahlen wird von interessierter Seite manipuliert, daß sich die Balken biegen.
Wieviel Prozent der Spitzeneinkommens-Bezieher zahlt denn überhaupt den gegenwärtigen Spitzensteuersatz?
Die allermeisten bedienen sich raffinierter Steuerberater, die ihre Steuerschuld künstlich "klein rechnen".
Es gibt so viele Steuer-Schlupflöcher, daß selbst die Finanzbeamten diese kaum überblicken können und schon garnicht kennen.
Dies alles gehört abgeschafft, damit jeder nach seiner wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit die Steuern zahlt, die laut Steuertarif fällig werden - und nicht weniger oder gar nichts.

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gelbesvomei 17.05.2017, 10:06
6. Es kommt aufs Gleiche raus ...

Man kann die Sozialbeiträge senken (nach welchem Modell auch immer - z.B. bei Geringverdienern in höherem Maße). Dies funktioniert aber eigentlich nur über eine Erhöhung der staatlichen Zuschüsse für die Sozialkassen (aus Steuermitteln). Oder man senkt gleich die Steuern unmittelbar (auch hier sind verschiedene Modelle denkbar - je nachdem, wen man fördern möchte)

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kawalerow 17.05.2017, 10:06
7. Grenzsteuersatz-Verwirrung immer wieder aufs Neue

Natürlich sind die allermeisten meilenweit davon entfernt, 42% ihres Einkommens als Steuer abführen zu müssen. Denn die 42% sind ein Funktionswert des Grenzsteuersatzes.

Dass die Kommunikation über Steuerpolitik noch heute an den Grenzsteuersatz anstelle des Durchnittssteuersatzes anknüpft, ist eigentlich ein Skandal.

Und nein, man kann mit dem Grenzsteuersatz nicht "einfacher" berechnen, ob sich eine Investition lohnt oder nicht.

Zur Veranschaulichung:

Der Durchschnittssteuersatz ist die Funktion, bei der man an der Höhe des Graphen (wie bei den meisten anderen graphischen Darstellungen numerischer Zusammenhänge auch) die tatsächlich zu zahlenden Steuern (in Prozent) in Abhängigkeit vom zvE ablesen kann.

Der Grenzsteuersatz ist die Funktion, bei der man an der vom Graphen und der x-Achse bis zum zvE eingeschlossenen Fläche die tatsächlich zu zahlenden Steuern (absolut) in Abhängigkeit vom zvE ablesen kann.

Der dämliche Irrtum, man könnte am Grenzsteuersatz einfacher ablesen, ob sich eine Investition lohnt oder nicht, beruht darauf, dass nach Erreichen des Spitzensteuersatzes die zusätzlichen Steuern nach einer Einkommenserhöhung einfachen Rechtecken entsprechen, deren Fläche natürlich leicht auszurechnen ist. Wenn man allerdings unter dem Spitzensteuersatz liegt, dann ist die Berechnung nicht weniger kompliziert als mit dem Durchschnittssteuersatz. Umgekehrt kann man natürlich auch beim Durchschnittssteuersatz zusätzliche Steuern bei Einkünften über dem Spitzensteuersatz mit der einfachen Flächenformen (Spitzensteuersatz mal Zusatzeinkommen) ausrechnen.

In Wirklichkeit findet die Darstellung des Grenzsteuersatzes als Atavismus seinen Ursprung in den Steuerstufen der mittelalterlichen Stände. Das wird besonders bei Stufensteuersätzen deutlich. Die Ständestufen sind schlicht durch Einkommensstufen ersetzt worden. Das macht genau so viel Sinn, wie die alte Schreibmaschinentastatur, die ursprünglich zwecks Verhinderung des Schnellschreibens und der daraus resultierenden Verhakungen eingeführt worden war, bei Computertastaturen. Nur diese kann man aus naheliegenden Gründen nicht so schnell ändern. Die Kommunikation über Steuern dagegen schon.

PS: Stufensteuersätze sind objektiv komplizierter als ein linearer Steuersatz. Aber das ist ein anderes leidiges Thema.

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ksail 17.05.2017, 10:09
8. Nicht nur Sozialversicherungen sind das Problem...

Das Problem liegt doch daroin, dass unsere Politik der letzten Jahre alle Umlagesysteme dazu missbraucht, politische Entscheidungen zu finanzieren. Das fängt bei den Sozialversicherungen an, die ständig neue Leistungen übernehmen müssen und endet bei EEG und Dualem System noch lange nicht. Wenn man hier mal ehrlich wäre und alle Zwangsbelastungen addiert, dann wird einem schlecht.

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Homer-Jay 17.05.2017, 10:10
9. Milchmädchenrechnung

Der Artikel ist ein typisches Beispiel für eine realitätsferne Milchmädchenrechnug. Ein Ehepaar mit zwei Kindern und einem Einkomen von ca. 50000€ zahlt genausoviel Steuern als hätte es keine Kinder (ausser Entfall des Soli.)!
Die hier unterstellte Steuerveringerung mit Kindern kommt nur zustande wenn die Eltern auf das Kindergeld VERZICHTEN und dafür einen Steuer-Freibetrag in Anspruch nehmen würden! Diese sogenannte Günstigerrechnung macht das Finanzamt aber von Amts wegen und kommt (für diese Einkommensgruppe) zum Schluss das dies nicht günstiger ist und deshalb der Steuersatz gleich bleibt wie bei Ehepaaren ohne Kinder!!!!

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