Forum: Wirtschaft
Berliner Mietendeckel: Einstiegsdroge in die Planwirtschaft
Wolfgang Kumm/DPA

Der geplante Mietendeckel in Berlin hat etliche Nebenwirkungen. Einige davon werden erst auftauchen, wenn man ihn wieder absetzt - dann müssen sich Mieter auf drastische Steigerungen gefasst machen.

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burlei 28.09.2019, 09:24
1. Und das Fazit:

Lieber alles so lassen wie es ist und den Markt die Regulierung überlassen. Hat nur den Nachteil, dass in Kürze der Normalverdiener sich eine Wohnung in der Stadt nicht mehr leisten kann. Die Stadt ist dann das Refugium zahlungskräftiger Eliten, aus einer Großstadt mit einer Million Einwohnern wird innerhalb kurzer Zeit eine Mittelstadt mit 50, 60.000 Einwohnern. Der Rest ist gezwungen zu pendeln, weil er weit außerhalb wohnen muss. Die Folge sind riesige Staus auf den Einfallstraßen, neue Straßen müssen gebaut werden, dafür wird Wohnraum am Stadtrand vernichtet. Schul daran ist wer? Richtig! Die Politik. Die hätten was dagegen unternehmen müssen.

Jetzt hat sie was unternommen. Ist natürlich auch nicht richtig. Sicher, das, was dabei raus gekommen ist, ist nichts Halbes und nichts Ganzes, es ist ein sehr mäßiger Kompromiss. Man hätte natürlich auch enteignen können, aber den Aufschrei der Wirtschaftsliberalen und Konservativen möchte niemand hören. Also begnügen wir uns damit, dass die Politik grundsätzlich nur was Falsches macht.

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Solid 28.09.2019, 09:27
2.

Nebenwirkungen, die erst nach dem Ende auftreten, vermeidet man, indem man den Mietendeckel niemals enden lässt.

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Pauljugobo 28.09.2019, 09:28
3. Droge oder Schutz?

Was geschieht, wenn der Turbokapitalismus den Wohnungsmarkt übernimmt kann man gerade in den großen Städten wie Berlin sehen. Wenn man einem Grundrecht der Bevölkerung auf bezahlbares Wohnen zustimmt, muss man wohl etwas von staatlicher Seite unternehmen. Alle bisherigen staatlichen Maßnahmen sind weitgehend verpufft, der freie Markt nutzt das aus. Jetzt geht die Berliner Regierung einen mutigen Schritt. Muss man das gleich mit negativ konnotierten mit Worten wie „Droge“ oder „Planwirtschaft“ belegen? Sicher wird der Berliner Weg Probleme aufweisen. Die in dem Artikel genannten Probleme sind allesamt Folgen des kapitalistischen „freien“ Marktes im Wohnungssektor.

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sober 28.09.2019, 09:31
4.

Etwas sehr gewollt. Der Mietendeckel ist sicher kein Patentrezept für alle Probleme auf dem Wohnungsmarkt, aber dieser Beitrag ist sehr destruktiv und sucht etwas zu krampfhaft nach Argumenten dagegen. Die Menschen wollen, dass Politik endlich wieder spürbar wird, dass gehandelt wird. Wenn demokratische Parteien weiter so tun, als wären sie gutmütig, aber leider machtlos, nutzt das nur den Populisten. Denn denen kann man vieles vorwerfen, nur eines nicht: Untätigkeit (siehe Johnson, siehe Trump).

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einfach ne Meinung 28.09.2019, 09:31
5. Kostentreiben ist der Staat

Ich habe mir vor Jahren ein Mietshaus als Rentenversicherung gekauft. Mit Beginn der Rente wird es schuldenfrei sein. Die Miete (4,80 - 5,20) habe ich seit 19 Jahren nicht erhöht. Trotzdem muss ich jedes Jahr mehr von den Mietern verlagnen, weil insbesondere die Stadt ihre Gebühren hochtreibt, um den Haushalt zu sanieren. Wenn jetzt die Grundsteuern nicht mehr umgelegt werden dürfen, rechnet sich die Sache nicht mehr. Ich muss dann die Mieten erhöhen, was ich eigntlich nicht will. Wenn es zu arg wird, werde ich das Haus verkaufen. Makler, die wohl Grossvermieter vertreten, klopfen jeden Monat an. Ich habe den Eindruck, dass die Leute, die da im Wohnungsmarkt popuöistisch rumfummeln wollen, einfach keine Ahnung haben.

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Mikrohirn 28.09.2019, 09:31
6. Wenn

eine Mietwohnung durch Verkauf an einen Eigennutzer dem Mietwohnungsmarkt entzogen wird, gilt das schließlich auch für den "Eigennutzer", also null Problemo. Mietendeckel insgesamt? Ein armseliges, konfuses, aktionistisches Fehlprodukt der systematischen Hilf- und Ahnungslosigkeit unserer Politikaster. Die Folge jahrzehntelangen Versagens und deren gleichwertiger Ersatz durch Schlimmeres, allerdings mit noch mehr funktionsuntüchtiger Bürokratie.

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utfcmac 28.09.2019, 09:32
7.

Alles nicht so schlimm. Berlin hat doch gerade 6000 Wohnungen für über 900 Millionen Euro von den ganz Bösen abgekauft! (Die gleichen Wohnnungen wurden vor ein paar Jahren fürn Ein Bruchteil der Summe von der Stadt Berlin verkauf. Sell low, buy high. Durch diesen Deal gibt es jetzt schlagartig 6000 Wohnungen mehr ... oh .. Moment...

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minando 28.09.2019, 09:34
8. Sehen wir's positiv:

...was kann in Berlin schon noch gross schlimmer werden. Sollen sie ihr Sozialismus-Ding ruhig durchziehen.
Ich bin sicher, das Ergebnis wird sehr lehrreich sein.

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tam_venceremos 28.09.2019, 09:34
9. Der Mietendeckel ist nicht gut, aber notwendig

In jedem Markt gilt volkswirtschaftlich eine Art marktdemokratisches Prinzip. Durch das Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage hat der Käufer eine Art indirekte demokratische Mitbestimmung auf die Hersteller/Dienstleister. Ich kann mir aussuchen, ob ich das schlechte billige Produkt nehme, das gute billige Produkt, oder das sehr gute teure Produkt, und übe dadurch Einfluss auf den Hersteller. Ein Hersteller für Trinkwasser kann es sich nicht leisten, Wasser aus einer mit Chemikalien verseuchten Quelle zu gewinnen, weil die Käufer dann "marktdemokratisch" ein Konkurrenzprodukt wählen würden.
Im Wohnungsmarkt gibt es dieses Prinzip in vielen Metropolen nicht mehr, der Markt funktioniert nicht und der Käufer hat keine Alternative mehr zum Produkt, wodurch die angebotenen Produkte immer schlechter und gleichzeitig immer teurer werden. Deshalb muss der Staat eingreifen, und im schlimmsten Fall den Markt als Erste Hilfe Pflaster einfrieren. Mir gefällt das auch nicht, aber man nenne mir eine Alternative die sofort hilft - ich habe noch keine gehört. Natürlich muss man parallel das Angebot wieder erhöhen, undzwar extrem erhöhen. Aber bis dahin ist eine Notfallmaßnahme à la Mietendeckel durchaus sinnvoll. Sie ist nicht gut, aber leider aufgrund unheimlich vieler Fehlentscheidungen der Politik und Fehlentwicklungen des Markts der letzten Jahrzehnte notwendig.

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