Forum: Wirtschaft
Berufung gescheitert: Dumping-Pizzabäcker muss Tausende Euro an Staat zahlen

Sozialstaat absurd: Der Besitzer einer Pizzeria*zahlte Langzeitarbeitslosen Löhne zwischen 1,76 und 2,67 Euro pro Stunde. Weil die Arge die Mini-Gehälter aufstocken musste, zog das Amt vor Gericht. Auch in der zweiten Instanz bekam es*nun Recht.

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baloo55 02.11.2010, 18:59
1. Scham

Was für ein Art Mensch muss das wohl sein, zahlt wahnwitzig niedrige Löhne und schämt sich dann nicht durch zwei Instanzen zu versuchen darin Recht zu bekommen. Irgendwie fallen mir da mittelalterliche Bestrafungen wie z.B. das Schupfen ein.

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wika 02.11.2010, 19:12
2. Wow, hat Seltenheitswert…

…also tatsächlich mal ein Urteil welches die „Volksausbeute“ versucht zu begrenzen … aber auch nur weil eine ARGE sich geschädigt fühlt … der Halbsatz durfte nicht fehlen, denn der normal ausgebeutete, für den der Staat nicht in die Bresche springt, der kommt nichtmal bis zu Gericht. Ich glaube kaum, dass dies die Tendenzen zu weniger Lohn bremsen wird. Die Globalisierung verlangt ja den Einheitsbrei und erst wenn man mit asiatischen und afrikanischen Löhnen gleichzieht kommen wir annähernd bei der Ausgewogenheit an.

Dabei fehlt dann nur noch die Feststellung, dass das Konsumgut des Kapitals (das Humankapital), derzeit im Überangebot vorhanden ist und als nachwachsender Rohstoff anzusehen ist. Ergo, ist trotz dieses wegweisenden Urteils noch eine Menge Musik drin und die „Volksausbeute“ kann noch erheblich gesteigert werden, bis an den Punkt, wo sich die Leute gegenseitig dafür erschlagen für weniger als 1,00 € die Stunde wo arbeiten zu dürfen.

Na, sind das rosige Aussichten? Hier noch fix die Tipps und Tricks zur Optimierung von „Humankapitalanlagen“ die man bei Investitionen in diesen Rohstoff unbedingt beachten sollte.

„Humankapitalanlage - Tipps und Tricks für Profis“ … Link

Und für all jene, die diesen Kommentar für „pervers“ halten, noch der abschließende Tipp: Einmal mehr übers System nachdenken. Was läuft denn da falsch?

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Berta 02.11.2010, 19:44
3. Die Wahrheit

Zitat von baloo55
Was für ein Art Mensch muss das wohl sein, zahlt wahnwitzig niedrige Löhne und schämt sich dann nicht durch zwei Instanzen zu versuchen darin Recht zu bekommen. Irgendwie fallen mir da mittelalterliche Bestrafungen wie z.B. das Schupfen ein.
Was meinen Sie was in Ostdeutschland los ist,tiefster
Kapitalismus.

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sozialer Bürger 02.11.2010, 19:47
4. Kein Titel

Wie kommt denn der Spiegel darauf, das Unternehmer den Sozialstaat abzocken. Hier behaupten doch die Neolibs, das einzig und allein die Unternehmer die Guten sind und nur die Transferempfänger oder Aufstocker den Sozialstaat abzocken.

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Kassian 02.11.2010, 19:59
5. .

Völlig richtiges Urteil, das wir einen Billiglohnsektor haben ist leider nicht mehr änderbar, aber das dann auch noch der Steuerzahler für die Differenz zahlen muss, damit man zumindest halbwegs menschenwürdige Löhne bekommt ist unzumutbar. Wer damit droht einen Arbeitsplatz der mit 1,76 Euro vergütet wird im Notfall abzuschaffen der soll das doch bitte schön einmal tun. Mir wäre es lieber diesen Menschen Transferleistungen zu zahlen als das sich unser Staat von solchen Abzockern über den Tisch ziehen lässt. Das einzige was mich mitunter stark wundert ist das hier einmal Grenzen aufgezeigt worden sind. Viele Unternehmer arbeiten hart und sind für die Gesellschaft wichtig, umso bedeutender ist es das gegen die schwarzen Schafe vorgegangen wird um den Unterschied zwischen Abzockern und hart arbeitenden Familienbetrieben aufzuzeigen.

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Kassian 02.11.2010, 20:03
6. .

Zitat von Berta
Was meinen Sie was in Ostdeutschland los ist,tiefster Kapitalismus.
Das kann sich aber ebenso schnell wieder umkehren, je mehr junge Leute abwandern desto schwieriger wird es Kräfte zu Billiglöhnen zu finden. Alle diejenigen die eine Wahl haben gehen und irgendwann reicht der Rest (nicht falsch verstehen ;) ) auch einmal nicht mehr aus, spätestens dann stehen die Unternehmen vor der Wahl auch abzuwandern oder die jungen Kräfte mit mehr Lohn/Gehalt vor dem abwandern zu hindern. Gerade vor dem Hintergrund das insbesondere in den östlichen Bundesländern mehr Alte als Junge in den Orten sind dürfte das früher oder später Auswirkungen haben, wenn sich z.b. keine Pfleger etc. mehr finden dann werden auch diese Berufsgruppen über kurz oder lange einmal besser bezahlt werden müssen.

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alfredjosef 02.11.2010, 20:22
7. Welch ein Land, was für Sitten

Welch ein Land, was für Sitten!

Ein Euro sechsundsiebzig - das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen.

Nix wie weg da!

Oder ganz schnell Mindestlohn einführen (aber nicht unter 7 (sieben), besser acht (acht) Euro, bitte !)

stt

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Der_Franke 02.11.2010, 20:23
8. Ich verstehe die Aufregung nicht

Ein CDU Slogan lautet: "Sozial ist, was Arbeit schafft". Hat der Pizzabäcker denn nicht Arbeitsplätze geschaffen?

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echo167 02.11.2010, 20:30
9. Berufung gescheitert: Dumping-Pizzabäcker muss Tausende Euro an Staat zahlen

Zitat von
Fliegt die Sache auf, werden sie bestraft. So muss der ehemalige Besitzer einer Stralsunder Pizzeria wegen Zahlung von Dumpinglöhnen 6600 Euro an die Stralsunder Behörde zur Betreuung von Langzeitarbeitslosen (Arge) zahlen. (..) Die Arge darf laut LAG von einem Arbeitgeber die Differenz zwischen dem sittenwidrigen und dem ortsüblichen Lohn einfordern.
Was hat das mit einer Bestrafung zu tun? Er zahlt lediglich das was er zu viel erhielt zurück. Aus Sicht des Arbeitgebers war´s ja so letztlich ein Versuch wert, verloren hat er nichts..!

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